Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Problemanalyse. 3
3. Lösungsansätze 6
4. Zusammenfassung - Mehr Problem als Lösung? 9
5. Anhänge. 10
5.1 Freie, teilweise freie und unfreie afrikanische Staaten (Stand: 2008) 10
5.2 Verhältnis zwischen freien, teilweise freien und unfreien Staaten heutzutage und den
Kolonialm ächten zum Zeitpunkt der Unabhängigkeitserklärung eines afrikanischen Staates
12
6. Quellenangaben 15
2
1. Einleitung
Der vorliegende Essay analysiert im ersten Teil die Probleme des afrikanischen Staates. Basierend auf der Problemanalyse werden im zweiten Teil Lösungsansätze aufgezeigt. Meine These ist, dass der Problemanalyse des afrikanischen Staates eine Vielzahl von Lösungsansätzen inhärent sind. Dieser Essay versteht sich ausschließlich als eine Einleitung in das komplexe Themenfeld der Problem- und Lösungsanalyse des afrikanischen Staatsgefüges. Eine weiterführende Recherche bleibt unerlässlich.
2. Problemanalyse
Laut Freedom House galten im Jahr 2008 insgesamt 11 afrikanische Staaten als frei (liberale Demokratien), 24 Staaten als teilweise frei (hybride Regime zwischen autoritärer und demokratischer Herrschaft) und als nicht frei (autoritärer Staat) wurden 18 Staaten beurteilt
(Siehe Anhang 1). 1 Demnach wird noch immer „die Mehrheit der afrikanischen Staaten autoritär regiert“ 2 . Als Gründe für die andauernde Existenz autoritärer Regime gelten allgemein das Ausüben von „Repressionsinstrumenten 3 (...), Ressourcenreichtum, Mehrparteienwettbewerb“ 4 . Neopatrimonialismus und eingeschränkter Der
Ressourcenreichtum gewährt das Überleben autoritärer Regime (Rentierstaatshypothese), da zum einen umfängliche neopatrimoniale Bindungen unterhalten werden können und zum anderen ausländische Interventionen zur strategischen Ressourcensicherung (insbesondere
China, USA, Franreich, Indien, Japan) getätigt werden. 5 Es kommt zu zwei makroökonomischen Phänomenen, zum einem zum „Ressourcenfluch“ 6 und daraus resultierend, zur „Holländischen Krankheit“ 7 .
Der Neopatrimonialismus (eine Mischform aus klassisch patrimonialer und legal-rationaler Herrschaft) ist einer der Eckpfeiler autoritärer Regime. Die herrschende Elite oder der ‚big man’ an der Staatsspitze (Patron) sichern sich ihre Macht durch das Verteilen von
1 Freedom House, Map of Freedom in the World. URL: http://www.freedomhouse.org/template.cfm?page=363&year=2008.
Stand: 05.01.2009.
2 Erdmann, Gero: Demokratie in Afrika. In: GIGA Focus Afrika, Jg. 2007, Heft 10, S. 7.
3 Erdmann, Gero / Soest, Christian von: Diktatur in Afrika. In: GIGA Focus Afrika, Jg. 2008, Heft 8, S. 4. Lt. Erdmann/Soest
sind Repressionsinstrumente „ein breit gefächerter Repressionsapparat, der die Armee, eine brutal agierende Polizei, die
Geheimpolizei, Spitzelnetzwerke, paramilitärische Schlägertrupps, eine willfährige Justiz und Staatsverwaltung umfasst wie
auch staatlich kontrollierte Medien, die für Indoktrination, Falschinformation und Propaganda sorgen“.
4 Ebd. Erdmann / Soest (2008), S. 1.
5 Ebd. Erdmann / Soest (2008), S. 5-6.
6 Eigen, Peter: Arm im Überfluss - Ressourcenfluch in Afrika? URL: http://www.forumeinewelt.de/servlet/PB/show/
1699916/Peter%20Eigen%20Arm%20im%20berfluss%20-%20Ressourcenfluch%20in%20Afrika.pdf. Stand: 07.01.2009.
7 Klingebiel, Stephan: Mehr Geld - mehr Wirkung? Neue Risiken durch vermehrte Entwicklungshilfe. In: GIGA Focus
Afrika, Jg. 2006, Heft 11, S. 2. Die Holländische Krankheit ist ein ökonomisches Konzept, das zu erklären versucht, wieso
durch die Ausbeutung natürlicher Ressourcen die internationale Wettbewerbsfähigkeit im verarbeitenden Sektor abnehmen
kann.
3
persönlichen Gefälligkeiten und Staatsressourcen an ihre Anhänger (Klienten). 8 Die Konsequenzen sind „Korruption“ 9 , Nepotismus, sowie „Verfallsprozesse der modernen, bürokratisch-rationalen Staatselemente“ 10 . Die Gewährung eines kontrollierten Mehrparteienwettbewerbs (elektoraler Autoritarismus) oder die Zulassung von Wahlen zählen
zu den „beliebtesten Absicherungsstrategien autoritärer (...) Herrschaft“ 11 . Doch insbesondere die schwache, neopatrimoniale Staatlichkeit hat gravierende Auswirkungen. Sie „ist letztlich die strukturelle Ursache für die Prozesse des Staatsversagens, Staatsverfalls und schließlich
des Staatszerfalls“ 12 . Immerhin sind „drei Viertel der Staaten Afrikas (...) von strukturellen Defiziten betroffen oder gar als Staaten nicht mehr existent“ 13 . Das Staatsversagen ist davon gekennzeichnet, dass zwar das Gewaltmonopol intakt ist, jedoch Performanzdefizite bestehen und die Legitimität des Staates angezweifelt wird. Beim Staatsverfall ist das Gewaltmonopol territorial begrenzt, der Staat wird als para-souverän beschrieben. Wenn der Staat sein
Gewaltmonopol verliert, spricht man von Staatszerfall. 14 Staatsversagen und Staatsverfall führen zur schwindenden Fähigkeit des Staates, seine Kernaufgaben 15 wahrzunehmen. Der Bürger verliert den Glauben an den Staat und an dessen Legitimation. 16 Staatszerfall resultiert in der Etablierung einer Kriegsherrschaft durch Kriegsherren. Die Demokratie ist dauerhaft
ausgehebelt, Bodenschätze werden ausgebeutet, das Land wird geplündert. 17 Ein weiteres Problem für den afrikanischen Staat: die Entwicklungshilfe, die sich den Vorwurf gefallen lassen muss, grundlegende Veränderungen zu erschweren statt zu
befördern. 18 So schwächt die Entwicklungshilfe 19 nationale Mobilisierungsanstrengungen (beispielsweise beim Aufbau und der Umsetzung von Steuererhebungsinstrumenten), sie beeinflusst das Verhältnis der Partnerregierungen zur jeweiligen Bevölkerung, sie begünstigt rentier-staatliche Strukturen, sie trägt dazu bei, dass öffentlich soziale Dienstleistungen ausgeweitet werden, sie bindet erhebliche Kapazitäten von Regierungen und Verwaltungen
8 Ebd. Erdmann / Soest (2008), S. 5.
9 Noack, Paul: Korruption und Demokratie - eine perverse Beziehung. In: Internationale Politik, Jg. 1998, Heft 4, S. 37-43.
10 Erdmann, Gero: Apokalyptische Trias: Staatsversagen, Staatsverfall und Staatszerfall - strukturelle Probleme der
Demokratie in Afrika. In: Bendel, Petra / Croissant, Aurel / Rüb, Friedbert (Hrsg.), Demokratie und Staatlichkeit,
Systemwechsel zwischen Staatlichkeit und Staatskollaps, Opladen: Leske+Budrich 2003, S. 280.
11 Ebd. Erdmann / Soest (2008), S. 6.
12 Ebd. Erdmann (2003), S. 280.
13 Ebd. Erdmann (2003), S. 268.
14 Engel, Ulf / Tull, Denis M.: Staatszerfall in Afrika. URL: http://www.politische-bildung-brandenburg.de/programm/
veranstaltungen/2005/staatszerfallafrika.pdf. Stand: 02.01.2009.
15 Ebd. Erdmann (2003), S. 282. Lt. Erdmann sind die Kernaufgaben des Staates: „Sicherheit der Staatsbürger, Kontrolle des
Staatsgebietes, Garantie von Sicherheit und Ordnung, Bereitstellung der physischen Infrastruktur, Gewährung einer
Grundversorgung für Bildung und Gesundheit.“
16 Ebd. Erdmann (2003), S. 287.
17 Ebd. Erdmann (2003), S. 281.
18 Maull, Hanns W.: Deutsche Außenpolitik - Hanns W. Maull über Deutschland zwischen Afrika und Europa. In:
Internationale Politik, Jg. 2007, Heft 3, S. 131-132.
19 Klingebiel, Stephan: (2006), S. 3. Lt. Klingebiel ergibt sich folgender Finanzzufluss für Subsahara-Afrika: 55 %
Entwicklungshilfe, 25% ausländische Direktinvestitionen, 15 % Überweisungen von Gastarbeitern und 5 % sonstige private
Zuflüsse.
4
für die Kommunikation mit den Gebern und schließlich kann sie dysfunktionale Anreize auf
die in der öffentlichen Verwaltung Beschäftigten ausüben. 20 Weitere negative wirtschaftliche Faktoren sind: niedrige Auslandsinvestitionen 21 , hohe Verschuldung 22 , die starke Urbanisierung und damit verbunden die Schwächung der Landwirtschaft, überhöhte Wechselkurse für Landeswährungen, Bevorzugung von staatlichen Vermarktungsmonopolen, die Benachteiligung des lokalen Handwerks und der Klein- und Mittelunternehmen, die
Import-Substitutions-Industrialisierung (ISI), Auswanderung überschüssiger Fachkräfte 23 und schlussendlich die neoliberale Strukturanpassungspolitik 24 .
Auch der Kolonialstaat trug zur prekären Staatlichkeit bei, denn er „hinterließ keine legalbürokratische Tradition, keine breite Kultur bürokratischer Herrschaft, die sich auf
Fachbeamtentum und rationales Recht stützen konnte“ 25 . Während Großbritannien eine ‘indirekte Herrschaft’ (mit Hilfe der einheimischer Autoritäten) ausübte, praktizierten Frankreich, Belgien und Portugal die ‚direkte Herrschaft’ (ausschließlich mittels europäischer Kolonialbeamter und gekennzeichnet durch Zerschlagung traditioneller
Herrscherfunktionen). 26
Allgemeine Herausforderungen an den afrikanischen Staat stellen folgende Problemfelder dar:
Naturkatastrophen wie Dürre und Flut 27 , die Seuche Hunger, die Seuche HIV/AIDS (geschätzte 22 Millionen HIV-Infizierte in Subsahara-Afrika, 2008) 28 , die hohe Zahl der Flüchtlinge (insgesamt 10,484 Millionen, 2007) 29 , die Ausweitung des internationalen Terrorismus, Drogen-, Waffen- und Menschenhandels 30 , das niedrige Bildungs- und Ausbildungsniveau, Arbeitslosigkeit, Armut, die endemische Kriminalität 31 , aber auch die politisierte ethnische Identität 32 .
20 Ebd. Klingebiel, Stephan: (2006), S. 5.
21 Waller, Peter P.: Der Durchbruch Afrikas im 21. Jahrhundert? Das „Millennium Africa Renaissance Programme“. In: Internationale Politik, Jg. 2001, Heft 11, S 6.
22 Ebd. Erdmann / Soest (2008), S. 5.
23 Kappel, Robert: Weiter so in der Afrika-Kooperation? - oder warum eine neue Diskussion im Lichte neuer Theorien ansteht. In: E+Z - Entwicklung und Zusammenarbeit, Jg. 1999, Heft 12, S. 339. Die Auswanderung überschüssiger
Fachkräfte wird auch „Brain Drain“ genannt.
24 Ebd. Erdmann (2003), S. 278.
25 Ebd. Erdmann (2003), S. 279.
26 World Bank: Improving Governance, Managing Conflict, and Rebuilding States. 2000, S. 56.
27 Ebd. Erdmann (2007), S. 2.
28 UNAIDS: Status of the global HIV epidemic - 2008 Report On The Global Aids Epidemic. URL: http://data.unaids.org/ pub/GlobalReport/2008/jc1510_2008_global_report_pp29_62_en.pdf. Stand: 08.01.2009.
29 UNHCR: Auf einen Blick. URL: www.unhcr.de/fileadmin/unhcr_data/pdfs/aktuell/AufeinenBlick08b. Stand: 31.12.2007. Die Zahl berücksichtigt: Flüchtlinge (2,721 Mio.), Asylsuchende (0,252 Mio.), Rückkehrer (1,971 Mio.), Binnenvertriebene
(5,888 Mio.), Staatenlose (0,1 Mio.).
30 Kühne, Winrich: Krisenherd vor Europas Tür. Deutsche und europäische Verantwortung für Afrika. In: Internationale Politik, Jg. 1996, Heft 9, S 23.
31 Leistner, Erich: Südafrika-Jahresüberblick für 2001. URL: www.austrianbc.co.za/html/dec2001.htm. Stand: 04.01.2009.
32 Ebd. Erdmann (2003), S. 275.
5
Arbeit zitieren:
Thomas Seifert, 2009, Der afrikanische Staat , München, GRIN Verlag GmbH
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