Der Begriff „Literacy“ im internationalen und im akademischen Umfeld
Inhalt
1. Vorwort Seite 03
2. Der Begriff Literacy im Verständnis der UNESCO Seite 04
2.1 Ein Begriff im historischen Wandel Seite 04
2.2 Die sechs Dakar-Goals Seite 08
2.3 Die Millenium Development Goals Seite 09
3. Der Begriff Literacy im akademischen Umfeld Seite 10
3.1 Literacy als Verantwortung der Institution Seite 13
Universit ät
3.2 Der Begriff Medienkompetenz Seite 15
4. Abschließende Bemerkungen Seite 17
5. Literaturverzeichnis Seite 18
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Der Begriff „Literacy“ im internationalen und im akademischen Umfeld
1. Vorwort
Die mit der folgenden Hausarbeit hat sich der Autor die Aufgabe gestellt, den Begriff Literacy, oder auch sein deutsches Pendant Literalität, näher zu beleuchten. Der Titel der Hausarbeit lautet „Der Begriff ‚Literacy‘ im internationalen und im akademischen Umfeld“. Auf gewisse Art und Weise ergibt sich aus diesem Titel bereits eine kurze Einführung in den Ablauf der vorliegenden Arbeit.
Zunächst soll es um den internationalen Diskurs gehen. Das bedeutet hier, wie der Begriff „Literacy“ international, und besonders im Rahmen der UNESCO (United Nations educational, scientific and cultural organization - Organisation der vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur), gebraucht wird. Das heißt, wie er definiert wird, aber auch, inwieweit sich die UNESCO im 20. Jahrhundert und in den letzten Jahren mit dem Begriff auseinandergesetzt hat. Es soll gezeigt werden, inwiefern der Begriff Literacy ein Teil der Agenda der UNESCO ist und war, beziehungsweise, welche Bedeutung der Verbreitung von primärer Bildung, im Rahmen der Planung der vereinten Nationen, zugekommen ist.
Im zweiten Teil soll aufgezeigt werden, wie der Begriff Literacy in der akademischen Welt gebraucht wird. Das bedeutet auch hier zunächst, dass festgehalten werden soll, wie einzelne Disziplinen innerhalb der Wissenschaften den Begriff fassen und ihn definieren.
In einem weiteren Abschnitt soll hier gezeigt werden, welche Rolle der Begriff vor Allem auch in der universitären Lehre spielt. Als wie wichtig wird er dort angesehen? Gilt er gar als eine Art „Basic Skill“ für die Generation von Studierenden, die in naher Zukunft ihren Abschluss an Hochschulen erreichen werden?
Als Exkurs soll auch hier der Begriff Medienkompetenz als eine Art Fortführung des Literacy-Begriffes kurz skizziert werden.
Weiterhin bleibt anzumerken weshalb in dieser Arbeit fast durchgehend der Begriff Literacy und nicht der deutsche Begriff Literalität verwendet werden. Dieses hat einen pragmatischen Grund. Ein Großteil der Fachliteratur, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzt stammt aus dem angelsächsischen Sprachraum. Auch sind nur wenige Veröffentlichungen der UNESCO auf Deutsch erhältlich. Diese Sprachhürde steht teilweise auch für eine völlig andere Vorstellung über die Definition des Begriffs.
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Der Begriff „Literacy“ im internationalen und im akademischen Umfeld Um also beide Begriffe nicht zu vermischen, und so den Eindruck zu erwecken, sie meinten dasselbe, bleibt der folgende Text bei der englischen Version.
2. Der Begriff Literacy im Verständnis der UNESCO
Zunächst muss zum Begriff Literacy gesagt werden, dass er als schwer fassbar gelten muss. Es gibt für ihn viele verschiedene Definitionen, auf die im späteren Verlauf des Textes noch eingegangen werden soll. Sie alle haben jedoch - mehr oder minderstarke Verbindungen zu einem Grundgedanken. Sie alle verweisen auf eine bestimmte Fähigkeit: „[...] an individuals ability to understand printed text and to communicate through print.“ (Wagner, 2001, S. 4) Der Begriff unterliegt über die Zeit einem starken Wandel. Es geht jedoch stets um den Umgang mit Medien, wenn zu Beginn der Begriffsentwicklung auch nur um das Medium der Schrift und des Schreibens. Würde man allerdings diese Fähigkeit, nämlich das verfügen über Literacy, auf schriftliche Kommunikation begrenzt sehen, würde man wohl zu kurz greifen. Der Begriff Literacy umfasst im heutigen Verständnis und Gebrauch verschiedener Non-Governmental-Organisations (im Folgenden NGOs) wie auch zum Beispiel der UNESCO viel mehr als diesen kurzen Grundgedanken, der allerdings bis heute immer noch in der Definition vorhanden ist. Im folgenden Textabschnitt soll die historische Entwicklung des Begriffes innerhalb des Verständnisses der UNESCO innerhalb der letzten 60 Jahre beleuchtet werden. Der Begriff ist in diesem Zeitraum keineswegs statisch. Er wandelt sich vielmehr stetig und wird zunehmend komplexer.
2.1 Ein Begriff im historischen Wandel
In der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts beginnt die UNESCO erstmals, sich mit dem Begriff Literacy auseinander zu setzen. Kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges gab es in der UNESCO eine Art Neuausrichtung. So wurden unter einer Auswahl von verschiedenen Grundfertigkeiten unter anderem auch Literacy als eine Fähigkeit definiert, welche zu fundamentalen Rechten der Persönlichkeitsentfaltung eines jeden Menschen zählen. Die Definition des Begriffs war zu diesem Zeitpunkt noch relativ
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Der Begriff „Literacy“ im internationalen und im akademischen Umfeld nahe an dem bereits formulierten Grundgedanken. „[...] that a literate person is one who can, with understanding both read and write a short simple statement on his or her everyday life.“ (UNESCO, 1958, zit. nach UNESCO, 2006, S. 153) Literacy also als Fähigkeit, kurze und einfache Aussagen aus dem alltäglichen Leben sowohl verstehend lesen als auch schreiben zu können. Bis zu diesem Punkt in der Entwicklung des Begriffes lässt sich noch kein großer Bildungsanspruch im Begriff erkennen. Es geht also hier tatsächlich nur um Literacy als reine Fähigkeit. Innerhalb der 50er und 60er Jahre des 20. Jahrhunderts stand die „erradiction of illiteracy“, also die Abschaffung von Illiteracy auf der Agenda der UNESCO. An der Begriffsdefinition ändert sich in diesem Zeitraum nichts. Vielmehr wird nun aber die Wichtigkeit von Grundbildung seitens der UNESCO zum ersten Mal in dieser Form formuliert. Zum Großteil wurde der Versuch der Abschaffung von Illiteracy angegangen durch weltweite Alphabetisierungsprogramme, beziehungsweise durch den Versuch des Ausbaus und der Etablierung von primärer Schulbildung in Teilen der Welt, in der diese zuvor nicht gegeben war. (vgl. UNESCO, 1958, nach UNESCO, 2006, S. 153) In den 60er und 70er Jahren nahm die UNESCO eine Modifikation in ihrer Vorgehensweise vor. Sie stoppte ihre groß angelegten Literacy-Programme und machte sich eine ganz neue Definition - eine weiter gefasstere Definition - des Begriffes zu eigen. Sie öffnete sich für die Vorstellungen von Human-Kapital Theorien. Der Begriff Literacy umfasste jetzt schon viel mehr als nur die rudimentäre Fähigkeit zu Lesen und Schreiben. Das neue Konzept wurde als „Functional Literacy“ in den Diskurs eingeführt: „Rather than an end in itself, literacy should be regarded as a way of preparing man for a social, civic and economic role that goes beyond the limits of rudimentary literacy training consisting merely in the teaching of reading and writing.“ (UNESCO, 1958, zit. nach UNESCO, 2006, S. 153) Das Konzept der Functional Literacy beschreibt also nun zum ersten Mal Literacy nicht als eine Art Selbstzweck, als ein „end in itself“, sondern vielmehr als eine Art Vehikel oder Hilfsmittel, dass es jedem Menschen erlaubt, aktiv an gesellschaftlichen, öffentlichen und wirtschaftlichen Aktivitäten teilzunehmen. Hier findet in sofern ein Umdenken statt, als dass Literacy nun nicht mehr eine reine Fähigkeit, eine Technik, sondern vielmehr eine Kulturtechnik darstellt, die Menschen befähigen soll, ihren Alltag in einer sozialen Umwelt kompetenter gestalten zu können. Die UNESCO erhebt in den kommenden Jahren nun auch den Anspruch, sich dafür einzusetzen zur Verbreitung dieser Kulturtechnik beizutragen. So wird es für die UNESCO in den 60er und 70er Jahren zu einer Art menschliches Grundrecht, literate zu werden.
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Arbeit zitieren:
Jens Aedtner, 2008, Der Begriff „Literacy“ im internationalen und im akademischen Umfeld, München, GRIN Verlag GmbH
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