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Design trifft Kunst

Wie sich zeitgenössisches Design von seinem Begriff emanzipiert

Titel: Design trifft Kunst

Diplomarbeit , 2007 , 61 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Diplom Des. Christine Gehrke (Autor:in)

Design (Industrie, Grafik, Mode)
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In einer Zeit, in der Komplexität und Unübersichtlichkeit zunehmen und gesellschaftliche Übereinkünfte verloren gegangen sind, suchen Menschen nach Antworten, nach Sicherheiten und Orientierungspunkten. Wo der Einsatz von digitaler Datenverarbeitung dazu führt, dass das Funktionieren der Dinge immer weniger begreifbar ist, kommt auch Design eine neue Aufgabe zu. Die Verschmelzung und Optimierung von Funktionalität und Ästhetik als Arbeitsauftrag an den Designer greift unter den aktuellen Vorzeichen zu kurz, denn die einstmals originären Nutzungsanforderungen an Produkte haben sich unter den Bedingungen der fortlaufenden Individualisierung, Globalisierung und Digitalisierung der Umwelt verändert. Gleichzeitig steht jedem jederzeit eine wachsende Anzahl von Produkten zur Verfügung. Oder Produkte werden zu Gegenständen künstlerischer Untersuchungsanordnungen, die den Nährboden neuer Designideen darstellen. Projekte dieser Art bilden den Ausgangspunkt meiner Arbeit. Sie sind in ihrer äußeren Erscheinung indifferent und lassen sich nicht mehr eindeutig der Gattung Design oder Kunst zuordnen. An vier Arbeiten aus Mode- und Produktdesign sollen die neuen Designansätze und ihre Wirkungsweise aufgezeigt werden. Inwiefern sich das Verhältnis von Design und Kunst verändert, soll anhand der künstlerischen Reflektionen zum Thema Brauchen und Gebrauchen untersucht werden.

Diese Phänomene werden in Beziehung gesetzt zu den Ready-mades von Marcel Duchamp, einem der Wegbereiter der künstlerisch-konzeptionellen Verbindungen von Kunst und Design. Sein Werk, das eng mit seiner Kunst- und Lebensphilosophie verknüpft ist, wird vorgestellt und am Beispiel des Designernetzwerks Droog werden Verbindungslinien zur kritischen, subversiven Arbeit der aktuellen Design- Avantgarde aufgezeigt. Während diese dabei ist, die Grenzen und Möglichkeiten von Design neu auszuloten, haben Marketingexperten seit längerem das wirtschaftlich nutzbare Kreativ-Potenzial der kritischen Kunst- und Designbewegung erkannt. Mit Hilfe der Strategie des Cultural Hacking versuchen sie, neue Ideen zu akquirieren und für das eigene Unternehmen nutzbar zu machen. In einem Exkurs, basierend auf der Essaysammlung „Cultural Hacking: Kunst des Strategischen Handelns“, werden Voraussetzungen, Vorgehensweisen und Chancen dieser Strategie beschrieben und bewertet. Damit ist das Spannungsfeld skizziert, in dem sich zukunftsweisendes Design entwickeln muss.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Ausgangspunkt

Teil 1: Bestandsanalyse: vier Fallbeispiele aktuellen Designs

1. 1 Bless: Pelzperücke

1.2 Fabrics interseason: Collection constructed normality # modern nerves

1.3 Front Design: Sketch Furniture

1.4 5.5 designers: Second Life

Fazit I

Teil 2: Cultural Hacking: Eine geeignete Erklärung?

Der Begriff und seine Herleitung

Die Betrachtungsperspektive

Die Absicht

Cultural Hacking: Eine Kritik

Fazit II

Teil 3: Kunst und Design versus Cultural Hacking

Marcel Duchamp: Pionier des Cultural Hackings?

Der Flaschentrockner

Marcel Duchamps Kunst- und Lebensphilosophie

Fazit III

Droog Design – Alternative Designansätze

Vergleichende Betrachtung

Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das sich wandelnde Verhältnis zwischen Kunst und Design vor dem Hintergrund einer zunehmend individualisierten und digitalisierten Gesellschaft. Dabei wird analysiert, wie zeitgenössische Avantgarde-Designer durch subversives, oft an künstlerische Konzepte angelehntes Arbeiten die traditionellen Grenzen funktionaler Gestaltung hinterfragen und welche Bedeutung dieses Phänomen im Kontext von "Cultural Hacking" und Marketingstrategien einnimmt.

  • Analyse aktueller Design-Phänomene als Ausdruck gesellschaftlicher Veränderungsprozesse.
  • Untersuchung der künstlerischen Adaption von Ready-made-Konzepten im Produktdesign.
  • Kritische Beleuchtung der Theorie des Cultural Hacking als Marketinginstrument.
  • Vergleich der Arbeitsweisen von Avantgarde-Designern mit historischen Vorbildern wie Marcel Duchamp.

Auszug aus dem Buch

1.1 BLESS: Pelzperücke

Das Label BLESS aus Berlin entwirft 1996 Kopfschmuck aus edlem Tierfell, dessen Musterung an einen Dachspelz erinnert. Die kunstvoll gearbeitete Kopfbedeckung aus Tierhaaren ist dem Kopf des Trägers in der Art einer Perücke angepasst und wird dadurch Teil seines Körpers. Sie bestimmt und verändert die Außenwirkung des Trägers entscheidend.

Der Betrachter kann sich den fremden, animalischen Reizen, die damit verbunden sind, kaum entziehen. Der Träger selbst wird, ungeachtet seines sonstigen Outfits, zumindest für den Bruchteil einer Sekunde, zum Tier. Gleichzeitig werden Erinnerungen wach an die Vokuhila-Frisur der 80er Jahre, in denen Männer kurze Haare vorn mit langer Nackenpartie hinten trugen. Durch die unterschiedlichen Assoziationen stark irritiert, ist sich der Betrachter nicht sicher, ob es sich bei dem Kopfschmuck um ein modisches Accessoire, eine Perücke oder die ironische Imitation einer Frisur handelt, die man schon fast vergessen hatte.

Zusammenfassung der Kapitel

Teil 1: Bestandsanalyse: vier Fallbeispiele aktuellen Designs: Anhand von vier ausgewählten Arbeiten (Bless, Fabrics interseason, Front Design, 5.5 designers) wird aufgezeigt, wie heutige Designer gängige Vorstellungen von Funktion und Form durch individuelle, teils provokante Ansätze unterwandern.

Teil 2: Cultural Hacking: Eine geeignete Erklärung?: Dieser Abschnitt beleuchtet den Begriff "Cultural Hacking" als Strategie, die künstlerische Subversion und Zweckentfremdung für ökonomische Zwecke nutzbar zu machen.

Teil 3: Kunst und Design versus Cultural Hacking: Hier wird der historische Bezug zu Marcel Duchamp und dem Ready-made hergestellt, um das innovative Potenzial und die Grenzen des heutigen Designs sowie die Kritik am rein marketingorientierten "Cultural Hacking" zu verdeutlichen.

Schlüsselwörter

Design, Kunst, Cultural Hacking, Ready-made, Subversion, Funktionalität, Identität, Produktdesign, Avantgarde, Zweckentfremdung, Marketing, Gesellschaftskritik, Ästhetik, Konsumverhalten, Innovation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit befasst sich mit der Auflösung der klassischen Grenzen zwischen Kunst und Design und analysiert, wie moderne Designer auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die Themenfelder umfassen die Neudefinition von Design, die Rolle des Nutzers, den Einfluss von Digitalisierung auf das Produktverständnis und die ökonomische Vereinnahmung künstlerischer Strategien.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, neue Designansätze zu untersuchen, die sich einer einfachen funktionalen Einordnung entziehen, und deren theoretische Verortung im Kontext des "Cultural Hacking" kritisch zu hinterfragen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt eine qualitative Bestandsanalyse von vier Fallbeispielen und setzt diese in Beziehung zu kulturwissenschaftlichen Theorien und historischen Kunstströmungen.

Was steht im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse aktueller Designphänomene, eine theoretische Exkursion zum Cultural Hacking sowie einen Vergleich mit dem Wirken von Marcel Duchamp.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt zusammenfassen?

Zu den zentralen Begriffen zählen Design, Kunst, Subversion, Identität, Zweckentfremdung und Cultural Hacking.

Wie unterscheidet sich "Cultural Hacking" von der reinen künstlerischen Zweckentfremdung?

Während die künstlerische Zweckentfremdung oft kritisch oder subversiv agiert, betrachten die Autoren des Cultural Hacking diese Strategie primär als Methode zur kommerziellen Absatzförderung und zur Entdeckung von Marktpotenzialen.

Warum wird Marcel Duchamp als Pionier herangezogen?

Duchamp wird angeführt, da er mit seinen Ready-mades als Erster radikal die konventionellen ästhetischen Vorstellungen von Kunst und Gebrauchsgegenständen in Frage stellte und damit eine philosophische Basis legte, die heute viele Avantgarde-Designer beeinflusst.

Welchen Stellenwert nimmt die "Bestandsanalyse" für die Gesamtaussage ein?

Sie liefert den empirischen Beleg dafür, dass modernes Design zunehmend kommunikative und konzeptionelle Aufgaben übernimmt, die über die reine funktionale Gestaltung weit hinausgehen.

Welche Kritik übt die Autorin am Cultural Hacking?

Die Autorin kritisiert, dass der Cultural Hacking-Ansatz künstlerische Praktiken einseitig auf ihre formale Verwertbarkeit reduziert und dabei die tiefergehenden ethischen sowie philosophischen Absichten der jeweiligen Künstler vernachlässigt.

Ende der Leseprobe aus 61 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Design trifft Kunst
Untertitel
Wie sich zeitgenössisches Design von seinem Begriff emanzipiert
Hochschule
Kunsthochschule Berlin-Weissensee Hochschule für Gestaltung  (Design)
Note
1,3
Autor
Diplom Des. Christine Gehrke (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
61
Katalognummer
V144604
ISBN (eBook)
9783640548576
ISBN (Buch)
9783640551712
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bless Pelzperücke Front Design Sketch Furniture 5.5 designers marcel duchamp ready made droog design CULTURAL HACKING KUNST DES STRATEGISCHEN HANDELNS THOMAS DÜLLO FRANZ LIEBL DESIGN KUNST FABRICS INTERSEASON Marketing Strategie
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Diplom Des. Christine Gehrke (Autor:in), 2007, Design trifft Kunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144604
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Leseprobe aus  61  Seiten
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