Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 4
2.1 PRAXEOLOGISCHE ERKENNTNIS: ÜBERWINDUNG DER TRADITIONELLEN DICHOTOMIEN 5
2.2 HABITUS UND FELD. 7
2.2.1 Felder 10
2.3 DIE FEINEN UNTERSCHIEDE: LEBENSSTILE ALS PRODUKTE DES HABITUS. 11
3. RESÜMEE UND KRITIKPUNKTE. 14
4. VERWENDETE LITERATUR 17
3
1. Einleitung
In der vorliegenden Arbeit möchte ich, nach einer kurzen, einleitenden biographischen Einführung, einige der Kultur- (und damit Gesellschafts- und Wissenschafts-) Begriffe Pierre Bourdieus und ihre wechselseitigen
Zusammenhänge erläutern. In Kapitel 3 wird dann sein Konzept der Lebensstilanalyse anhand seines Hauptwerkes Die Feinen Unterschiede knapp dargestellt. Im abschließenden Resümee werden auch ein paar Kritikpunkte, vor allem an Bourdieus Habituskonzept dargelegt.
Als ein Kernstück der Bourdieuschen Theorie kann die Analyse der Zusammenhänge zwischen Sozialstruktur und Kultur angesehen werden. Durch seine Entlarvung des »guten Geschmacks« als ein Mittel der sozialen Abgrenzung zwischen den gesellschaftlichen Klassen brüskierte Pierre Bourdieu die französische Gesellschaft. Ob Nouvelle Cuisine (Nahrung), Haute Couture (Kleidung/Mode), die Grandes Ecoles (Bildung): Bourdieu wies wiederholt nach, welche Funktion die differentiellen Lebensstile für das Sichtbarmachen tradierter Machtstrukturen haben. 2 Kultur ist für Bourdieu keine unschuldige Sphäre, sondern das entscheidende Medium zur Reproduktion von Klassenstrukturen. Bourdieus Argumentation mündet in der zentralen These, dass Klassenzugehörigkeit am deutlichsten in differenziellen Lebensstilen zum Ausdruck kommt. 3
Geboren am 1. August 1930 als Sohn eines Bauern und späteren Postbeamten in Denguin (Pyrénées Atlantiques), besuchte er dort das Lycée de Pau und wechselte 1948 an das berühmte Lycée Louis-le-Grand nach Paris. Nach Abschluss der Eliteschule der École Normale Supérieure, folgte eine außergewöhnliche akademische Karriere. Von 1958 bis 1960 war er Assistent an der Faculté des letres in Algier, wechselte dann nach Paris und Lille und wurde 1964 Professor an der École Pratique des Hautes Études en Sciences Sociales. Im selben Jahr erhielt er einen Lehrauftrag an der École Normale Supérieure. Es folgten Gastprofessuren und Forschungsaufenthalte in Princeton und am Max-Planck-Institut für
Bildungsforschung. 1982 folgte schließlich die Berufung an das Collège de France.
2 http://www.orange-press.com/programm/alle-titel/absolute-pierre-bourdieu-na.html <15.09.2007; 13:18>
3 Schilcher, Christian: Der Beitrag von Pierre Bourdieu zur Sozialstrukturanalyse der gegenwärtigen Gesellschaften, Darmstadt 2001
4
1993 erhielt er die höchste akademische Auszeichnung, die in Frankreich vergeben wird, die Médaille d'or des Centre National de Recherche Scientifique. In seinen ersten ethnologischen Arbeiten untersuchte Bourdieu die Gesellschaft der Kabylen in Algerien. Die in der empirischen ethnologischen Forschung gemachten Erfahrungen bildeten die Grundlage für seine 1972 vorgelegte Esquisse d'une théorie de la pratique (dt. Entwurf einer Theorie der Praxis, 1979). In seinem wohl bekanntesten Buch La distinction (1979, dt. Die feinen Unterschiede, 1982) analysiert Bourdieu wie Gewohnheiten, Freizeitbeschäftigungen, und
Schönheitsideale dazu benutzt werden, das Klassenbewusstsein auszudrücken und zu reproduzieren. An zahlreichen Beispielen zeigt Bourdieu, wie sich Gruppen auf subtile Weise durch die feinen Unterschiede in Konsum und Gestus von der jeweils niedrigeren Klasse abgrenzen. (s. Kapitel 3) Mit Le sens pratique (dt. Sozialer Sinn. Kritik der theoretischen Vernunft, 1987) folgte 1980 eine ausführliche Reflexion über die konkreten Bedingungen der Wissenschaft, in der Bourdieu das Verhältnis von Theorie und Praxis neu zu denken versucht. In diesem Werk werden die praktischen Bedingungen der Sozialwissenschaft kritisch hinterfragt. Seit Beginn der 1990er Jahre engagierte sich Bourdieu für eine demokratische Kontrolle ökonomischer Prozesse. 1993 rief er zur Gründung einer "Internationalen der Intellektuellen" auf, deren Ziel darin besteht, ihr Prestige und ihre Kompetenz im Kampf gegen Globalisierung und die Macht der Finanzmärkte einzusetzen. Pierre Bourdieu stirbt am 23. Januar 2002 in Paris. 4
2.1 Praxeologische Erkenntnis: Überwindung der traditionellen Dichotomien
Lediglich durch stetes Trainieren der epistemologischen Wachsamkeit ist der ständigen Versuchung, die methodischen Regeln in wissenschaftliche Kochrezepte oder Forschungsschnickschnack zu verwandeln, entgegenzutreten […] Wer die methodologische Sorge bis zur Obsession treibt, erinnert tatsächlich an jenen Kranken, von dem Freud berichtet, der seine Zeit mit dem Putzen seiner Brille verbrachte, ohne sie je aufzusetzen. 5 Bourdieu wendet sich gegen die in der Philosophie und Sozialwissenschaft traditionelle Gegensätzlichkeit von
4 http://www.suhrkamp.de/autoren/autor.cfm?id=535 <15.09.2007; 12:20>
5 Bourdieu, Pierre u.a.: Soziologie als Beruf, Wissenschaftstheoretische Voraussetzungen soziologischer Erkenntnis, Berlin 1991. S.6; zitiert nach: Daniel, Ute: Kompendium Kulturgeschichte, Frankfurt 2001. S.179
5
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Ulrich Ackermann, 2007, Lebensstile als Manifestation tradierter Machtstrukturen: Grundlagen der Kultur- und Gesellschaftsanalyse Pierre Bourdieus, München, GRIN Verlag GmbH
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