Universität Hannover WS 2002 / 2003
Institut für Berufspädagogik 07.12.2002
Thema: Das duale System der
Berufsausbildung in der
Diskussion
Seminar: Organisatorische und rechtliche Grundlagen der Berufsbildung
Seminarleistung
Anthony Darko
I
Inhaltsverzeichnis Seite
Abbildungsverzeichnis II
1. Einleitung
1
2. Das duale System
2.1 Einordnung des dualen Systems in die Berufsbildung 3
2.2 Kennzeichen des dualen Systems
2.2.1 Grundlegende Kennzeichen 4
2.2.2 Das Lernen im Betrieb 5
2.2.3 Das Lernen in der Berufsschule 9
2.2.4 Kooperation von Betrieb und Berufsschule 10
2.3 Die Entstehung des dualen Systems 12
3. Veränderungsprozesse in der Arbeitswelt und ihre
Auswirkung auf das duale System
3.1 Die Arbeitswelt im Wandel 16
3.2 Reformbedarf des dualen Systems auf Grund des Wandels 18
4. Die Diskussion um die Zukunft des dualen Systems
4.1 Die Stärken des dualen Systems 21
4.2 Die Schwächen des dualen Systems 24
4.3 Ursachen der Krise 28
4.4 Lösungsansätze 32
5. Ausblick
38
Literaturverzeichnis 40
II
Seite
Abbildung 1: Wunsch nach einer Ausbildung im dualen System und Realisierung 4
unmittelbar nach Schulende
Abbildung 2: Betriebe und Ausbildungsbetriebe nach Betriebsgrößenklassen 7
Abbildung 3: Ausbildungsformen im Gewerbe 8
Abbildung 4: Für die Berufsausbildung relevante Aufgaben der Kammern 9
Abbildung 5: Verfahrensweise zur Erarbeitung und Abstimmung von
Ausbildungsordnungen und Rahmenlehrplänen 11
Abbildung 6: Arbeitslosenquoten in Deutschland 22
Abbildung 7: Anteil der Ausbildungsbetriebe nach Betriebsgrößenklasse
in den alten Bundesländern 25
Abbildung 8: Vorzeitig gelöste Ausbildungsverträge 28
_______________________________________________________1
1. Einleitung
Wird das duale System in 10 Jahren noch existieren? Falls ja, so wie bisher oder sind tiefgreifende Veränderungen notwendig? Falls nein, wie sehen die Alternativen aus?
Das duale System der Berufsausbildung ist Gegenstand einer kontroversen Auseinander- setzung geworden. Während die einen bei weiterem Stillstand befürchten, dass es „ ...zu einer unbedeutenden Restveranstaltung verfallen wird – mit absehbaren Folgen für die gesamte Arbeitskultur in Deutschland.“ 1 , meinen andere: „Die ins Feld geführten Kritikpunkte sind ( zumeist ) nicht neu, die Argumentationsbasis ist ( häufig ) nicht stichhaltig, die Reformvor- schläge sind nicht überzeugend, und ernst zunehmende, die Grundstruktur des dualen Systems verändernde, Alternativen werden nicht genannt.“ 2 Das duale System befindet sich zur Zeit in einer eigenartigen Situation:
Wie kein anderer Bildungsbereich wurde es in den letzten Jahren auffallend unterschiedlich beurteilt. 3 Die Debatten werden dabei in unterschiedlichsten Foren geführt, beispielsweise von Wissenschaftlern, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und anderen Interessenvertretern. Die Kritikpunkte, Abwehrbemühungen oder Reformansätze richten sich dabei auf eine Reihe von Bezugspunkten. 4
In dieser Hausarbeit soll zunächst das duale System ausführlich beschrieben werden: Begonnen wird mit der Einordnung des dualen Systems in die Berufsbildung. Anschließend werden die grundlegenden Kennzeichen sowie die besonderen Kennzeichen der Ausbildung im Betrieb und der Berufsschule dargestellt. Nachdem kurz auf die notwendige Zusammenarbeit zwischen diesen beiden Ausbildungsträgern eingegangen wurde, wird eine der Hauptursachen der Krise des dualen Systems beschrieben: Seine historische Entwicklung.
Das traditionell geprägte deutsche Ausbildungssystem musste sich in der letzten Zeit grundlegenden Veränderungsprozessen stellen. Ob dadurch für das bis dahin so hoch gelobte duale System ein Reformbedarf entstanden ist, soll im dritten Kapitel analysiert werden. ______________ 1 Greinert 1999,S.132 2 Münch 1997, S.160 3 Vgl. Alex 1994, S.65 4 Vgl. Sloane/Euler 1997, S.V
______________________________________________________2
Thema des vierten Kapitels sind die am häufigsten genannten Stärken und Schwächen. Dabei überwiegt der Anteil derjenigen, die das duale System in einer Krise sehen. Deshalb soll anschließend versucht werden, die Ursachen dieser Krise zu finden.
Darauffolgend werden einige der Reformvorschläge näher betrachtet. Dabei soll deutlich werden, dass die Meinungen der Interessenvertreter in vielen wichtigen Fragen sehr unterschiedlich sind. Ein Konsens aller ist mehr als fraglich.
Mit einem kritischen Ausblick wird die Hausarbeit beendet.
______________________________________________________3
2. Das duale System
2.1 Einordnung des dualen Systems in die Berufsbildung
In der Bundesrepublik Deutschland besteht die Berufsbildung gem. § 1 Abs.1 BBiG aus drei Teilbereichen:
- Berufsausbildung
- Berufliche Fortbildung
- Berufliche Umschulung
In der Hausarbeit beschränke ich mich, bedingt durch das Thema, auf die Berufsausbildung. Diese muss gem. § 1 Abs. 2 BBiG folgende - gesetzlich festgeschriebene - Vorgaben erfüllen, die als Ziele interpretiert werden können 5 :
- Vermittlung einer breit angelegten beruflichen Grundbildung
- Vermittlung der für die Ausübung einer qualifizierten beruflichen Tätigkeit notwendigen fachlichen Fertigkeiten und Kenntnisse in einem geordneten Ausbildungsgang
- Erwerb von erforderlichen Berufserfahrungen ermöglichen
Zu der beruflichen Erstausbildung gehören: 6
- die Berufsausbildung im Verbund von Betrieb und Berufsschule („Duales System“)
- die Berufsausbildung in vollzeitschulischer Form
Einige Autoren zählen die akademische Ausbildung in Fachhochschulen und Universitäten ebenfalls zur beruflichen Erstausbildung, weil die bedeutendsten Studiengänge eindeutig auf die Einmündung in eine bestimmte Berufstätigkeit orientiert sind. 7 ______________ 5 Vgl. Bauer 2000, S.24 6 Vgl. Bauer 2000, S.21 f.
7 Vgl. Bauer 2000, S.30
______________________________________________________4
Die Ausbildung im dualen System ist jedoch unbestritten die quantitativ bedeutendste Form der beruflichen Erstausbildung. 8 So wird eine Erstausbildung im dualen System am häufigsten gewünscht und realisiert. 9
Abb.1: Wunsch nach einer Ausbildung im dualen System und Realisierung unmittelbar nach Schulende
Quelle: Eigendarstellung, aufbauend auf den Angaben im Berufsbildungsbericht 2002, S.196 f.
2.2 Kennzeichen des dualen Systems
2.2.1 Grundlegende Kennzeichen:
Das duale System zeichnet sich durch das Zusammenwirken der beiden Ausbildungsträger
- Ausbildungsbetrieb und Berufsschule - aus. Diese sind rechtlich voneinander unabhängig, haben aber das gemeinsame Ziel der beruflichen Qualifizierung. 10 Die entscheidende Eigenschaft des dualen Systems ist die Dualität zweier Regelungs- und Steuerungsmuster: Marktregelung und Staatssteuerung. 11 Auf der einen Seite gibt es den privatwirtschaftlichen, durch Marktregeln funktionierenden Ausbildungssektor, auf der anderen Seite das staatlich gesetzte Berufsbildungsrecht, das diesen Markt steuert.
______________
8 Vgl. Bauer 2000,S.23 9 Vgl. Berufsbildungsbericht 2002, S.196 f.
10 Vgl. Zedler 1994, S.7 11 Vgl. Greinert 2000, S.39
______________________________________________________5
Folgende Kennzeichen sind für duale Ausbildungssysteme laut GREINERT grundlegend: 12
- Duale Ausbildungssysteme sind vom allgemeinen Bildungssystem weitgehend isoliert und markieren einen Qualifizierungssektor mit dem Berufsbildungsgesetz als bestimmendem Element
- Der Betrieb ist der bestimmende Lernort in diesem System. Jugendliche sind dort Auszubildende auf Grund eines privatrechtlichen Ausbildungsvertrages. In der Berufsschule fungieren sie als Schüler
- Ausbildungsordnungen werden in Abstimmung mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und staatlichen Instanzen verbindlich festgelegt. Es überwiegt die Ausbildung in den Betrieben
- Die Kosten der Ausbildung werden aufgeteilt: Den schulischen Teil trägt die öffentliche Hand, der betriebliche Teil wird einzelbetrieblich aufgebracht
- Duale Ausbildungssysteme haben einen traditionellen, handwerklichen Hintergrund. Das Prinzip der Beruflichkeit von Ausbildung und das Prinzip der Selbstverwaltung prägen das System
Die berufspraktische Ausbildung findet überwiegend im Betrieb statt, während die berufstheoretische Unterweisung und der allgemeinbildende Unterricht hauptsächlich in der Berufsschule erfolgt. 13 Im Prinzip steht das duale System allen Jugendlichen, ungeachtet der jeweiligen Vorbildung, offen. 14
2.2.2 Das Lernen im Betrieb
Da etwa dreiviertel der Ausbildungszeit im Rahmen der dualen Berufsausbildung im Betrieb zu absolvieren sind, ist dieser der weitaus wichtigere Lernort. 15 Allgemein verläuft die betriebliche Ausbildung nach dem Ausbildungsrahmenplan. Dieser ist gem. § 25 Abs.2 BBiG definiert als „Anleitung zur sachlichen und zeitlichen Gliederung der Fertigkeiten und Kenntnisse“. Er beschreibt beispielhaft, in welcher zeitlichen Abfolge die vorgeschriebenen Kenntnisse und Fertigkeiten im Betrieb vermittelt werden sollen. 16 ______________
12 Vgl. 1998, S.23
13 Vgl. Kümmerlein 1999, S.13
14 Vgl. Grünwald/Moraal 2001, S.11
15 Vgl. Greinert 1998, S.121
16 Vgl. Zedler 1994, S.8
Quote paper:
Anthony Darko, 2002, Das duale System der Berufsausbildung in der Diskussion, Munich, GRIN Publishing GmbH
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