Frederik Clement Die Suez-Krise
1. Einleitung
Es vergeht wohl kaum ein Tag, an dem in den Medien nicht über die Entwicklung der Lage im Nahost-Konflikt berichtet wird. In unserer mitteleuropäischen Gesellschaft assoziieren viele Menschen den Nahen Osten mit Selbstmordanschlägen, ständigen militärischen Auseinandersetzungen, Interessenkonflikten zwischen den einzelnen Staaten und Religionsgruppen und zumeist ergebnislosen Friedenskonferenzen. Der Ursprung dieses seit mehr als einem halben Jahrhundert andauernden Konflikts liegt in der Gründung des Staates Israel im Jahre 1948 und er wurde bis heute nicht für alle Parteien zufriedenstellend gelöst. In der Zwischenzeit kam es immer wieder zu mehr oder weniger schwerwiegenden Auseinandersetzungen zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarstaaten. Zu den schwerwiegenderen Konflikten dieser Dauerfehde gehört sicherlich die Suez-Krise im Jahre 1956, da diese nicht nur für die unmittelbare Region bedrohlich war, sondern wegen der Einmischung „äußerer Mächte“ auch für den Weltfrieden.
Das Forschungsinteresse der vorliegenden Seminararbeit zielt auf eine genaue Untersuchung der Interventionen der äußeren Mächte Großbritannien, Frankreich, USA, Sowjetunion und UNO ab. Schwerpunkte der Arbeit sind die verschiedenen Formen der Intervention, die Konstellation der Interessen der äußeren Mächte, die Folgen der Suez-Krise für die Region und die heutige Wahrnehmung der Suez-Krise aus Sicht der unmittelbar beteiligten Nationen. Diese Zielsetzung führt zu der im Folgenden erläuterten Gliederung. Im zweiten Kapitel wird dem Leser zur Einführung in die Thematik ein kurzer Überblick über den historischen Kontext der Suez-Krise gegeben. Danach werden einige Formen der außenpolitischen Intervention erläutertzunächst im Allgemeinen und dann auf das Fallbeispiel bezogen. Das dritte Kapitel behandelt im ersten Teil die Konstellation der Interessen der äußeren Staatsmächte und im zweiten Teil die Folgen der Krise für die Region sowie die heutige Wahrnehmung der Suez-Krise durch die direkt beteiligten Staaten.
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Frederik Clement Die Suez-Krise
2. Die Suez-Krise von 1956 und die daran beteiligten Mächte
2.1 Historischer Kontext
2.1.1 Ursachen der Krise
Die Ursachen für den Ausbruch der Suez-Krise im Herbst 1956 waren vielfältig. Eine der Hauptursachen lag sicherlich in der Ideologie der panarabischen Bewegung. Diese wollte eine Revolution im Inneren und war außenpolitischer gegen jedwede Form der Einmischung äußerer Mächte gerichtet. Lange jedoch mangelte es ihr an einer geeigneten Führungsperson. Dies änderte sich mit der Machtübernahme in Ägypten 1952 durch Gamal Abdel Nasser (Schreiber & Wolffsohn, 1996, S. 175-176).
Nasser sah sich als Führer der panarabischen Bewegung und sein erklärtes Ziel war es, die „kolonialen Erblasten abzuwerfen“ und sich für eine Lösung der Palästinenserfrage einzusetzen (Schreiber & Wolffsohn, 1996, S. 177-178). Eines seiner Hauptanliegen bestand in der Beendigung der seit über siebzig Jahren andauernden militärischen Präsenz Großbritanniens in Ägypten. Aus diesem Grund nahmen Ägypten und Großbritannien Verhandlungen über einen Abzug der britischen Besatzungstruppen aus der Suezkanalzone auf, die im Oktober 1954 mit einem Truppenabzug endeten (Glasneck & Timm, 1994, S. 118).
Nur kurze Zeit später, Anfang 1955, trat der von den USA lancierte Bagdad-Pakt - ein Bündnis zwischen den USA, der Türkei, dem Irak, Großbritannien, Pakistan und dem Iran - in Kraft. Nasser missfiel dies und so machte er in der arabischen Welt Stimmung gegen den Pakt. Gleichzeitig versuchte er, an Waffen zu gelangen, um die panarabische Bewegung zu stärken. Diese lieferte ihm die Sowjetunion im Herbst 1955 über die Tschechoslowakei (Schreiber & Wolffsohn, 1996, S. 178).
Aus israelischer Sicht war diese Entwicklung besorgniserregend. Diese Einschätzung verschlimmerte sich durch die von Nasser unterstützten Überfälle der „Fedajin“ und die Sperrung der Straße von Tiran, Israels zugang zum Roten Meer. Gleichzeitig verübte auch Israel immer wieder Anschläge auf arabische Personen und Einrichtungen und die Situation spitzte sich zu (Glasneck & Timm, 1994, S. 117-123).
Den eigentlichen Auslöser der Suez-Krise lieferte der ägyptische Präsident Nasser. Dieser plante einen riesigen Nil-Staudamm bei Assuan, um daraus Strom und Wasser für die Industrialisierung und Modernisierung Ägyptens zu gewinnen. Am 26. Juli 1956 verstaatlichte Nasser daher die Suez-Kanal-Gesellschaft, um aus den Kanalgebühren den Bau des Damms zu finanzieren (Schreiber & Wolffsohn, 1996, S. 178-179).
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2.1.2 Das Geschehen während der Krise und deren Ende
Großbritannien und Frankreich konnten diese Enteignung natürlich nicht ohne weiteres hinnehmen. Während offiziell intensiv nach einer diplomatischen Lösung des Problems gesucht wurde, planten Großbritannien und Frankreich im Geheimen einen Überfall auf Ägypten. Das britisch-französische Bündnis bot auch für Israel eine ausgezeichnete Gelegenheit, gegen Nasser vorzugehen. Die Aktion begann, wie geplant, am 29. Oktober 1956 mit der Landung von knapp 400 israelischen Fallschirmjägern am Mitla-Pass. In den Folgetagen musste die ägyptische Armee aufgrund der Übermacht der Angreifer immer mehr zurückweichen. Am 5. November hatte die israelische Armee die Küstenstadt Scharm el-Scheich eingenommen und konnte damit die Blockade der Straße von Tiran auflösen. Gleichzeitig erreichten die alliierten Truppen Port Said. Das bedeutete edoch auch das Ende des Vormarsches der alliierten Truppen. Aufgrund des Druckes der USA, der UNO und der Sowjetunion, die mit einer militärischen Einmischung drohten, wurde der Waffenstillstand schließlich erzwungen. Die letzten israelischen Truppen zogen sich schließlich am 7. März aus Ägypten zurück (Glasneck & Timm, 1994, S. 125-132).
2.2 Welche „äußeren Mächte“ waren an der Krise beteiligt und in welcher Form?
2.2.1 Formen der außenpolitischen Intervention
Die Intervention ist ein Mittel zur Durchsetzung der eigenen Interessen. Woyke (2006) definiert den Begriff Intervention folgendermaßen: „Intervention bedeutet die Einmischung von Staaten bzw. internationalen Organisationen in Angelegenheiten, die der alleinigen Kompetenz eines Nationalstaates unterliegen“ (S. 267). Er schränkt allerdings ein, dass der Begriff aus einer Zeit stammt, in der das Nationalstaatensystem sehr ausgeprägt war. In unserer heutigen durch die Globalisierung geprägten Welt ist dieser Begriff zu eng gefasst. Ferner muss zwischen der Intervention im völkerrechtlichen Sinn sowie der Intervention als politische Erscheinungsform unterschieden werden. Wie die Geschichte gelehrt hat, sind Interventionen in der internationalen Politik ein oft angewendetes Mittel. Aus völkerrechtlicher Sicht ist der Begriff problematisch, weil es keine einheitliche Auslegung des Völkerrechts gibt und somit auch keine allgemein gültige Definition (Woyke, 2006, S. 267).
Traditionsgemäß geht mit einer Intervention ein militärischer Zwang einher. Dadurch soll ein Staat gezwungen werden, seine Rechte auszuüben oder sich auf bestimmte Art und Weise zu verhalten. Dies muss allerdings nicht unbedingt in Form eines Militäreinsatzes erfolgen, sondern kann auch verdeckt geschehen, beispielsweise in Form von finanzieller Unterstützung bestimmter politischer Gruppen. Darüber hinaus hat sich die Bedeutung des Begriffes Intervention erweitert. 4
Arbeit zitieren:
Frederik Clement, 2009, Die Suez-Krise, München, GRIN Verlag GmbH
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