Gliederung
1. Einleitung
2. Zur Textauswahl
3. Zur Auswahl der Lesestrategien und ihrer didaktischen Zweckmäßigkeit
4. Chancen und Grenzen des Materials
5. Literatur-und Materialverzeichnis
6. Anhang
6.1 Schüler-Mappe
6.2 Erwartete Verständnisprobleme auf Wort-und Satzebene
6.3 Erwartungsbild der den Makro-zugeordneten Mikropropositionen
6.4 Beispiel einer bearbeiteten Schüler-Mappe
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1. Einleitung
Die vorliegende Ausarbeitung ist im Rahmen des von Prof. Dr. L. geleiteten Seminars „Erschließung von Gebrauchstexten“ entstanden. Im Mittelpunkt des Seminars standen die Untersuchung von Gebrauchstexten auf ihre spezifische Eignung für die Verwendung in der Schule, die Beschreibung und Auswahl von Lesestrategien zur Förderung der Lesekompetenz der Schüler und die Bedeutung dieser Strategien für die Aufstellung von gebrauchstextbezogenen Aufgabensets. Motiviert durch meine mehrjährige Tätigkeit als Lehrer, insbesondere an Problemschulen in Berlin-Kreuzberg, besuchte ich diesen Kurs, um von mir selbst produziertes Lehrmaterial kritisch zu hinterfragen und neue Impulse aus der aktuellen Forschung kennenzulernen. Erfahrungswerte haben gezeigt, dass vorhandene Schulbuchliteratur in vielen Fällen Lehr-und Lernsituationen an Schulen weder inhaltlich noch didaktisch pro forma abzudecken vermag. Eine Qualität einer Lehrperson muss es daher zwangsläufig sein, die ihren Unterricht begleitenden Materialien nicht nur kritisch auszuwählen, sondern auch selbst produzieren oder recherchiertes Material zielorientiert umarbeiten zu können.
2. Zur Textauswahl
Im Zuge dieser Ausarbeitung soll eine Arbeitsmappe kritisch hinterfragt werden, die ich im April 2009 für meine Schüler im Rahmen der Vorbereitung einer Exkursion erarbeitet habe. 1 Da an Berliner Hauptschulen eine konsequente, fächerübergreifende Berufsorientierung gefordert wird, plane ich monatlich eine Exkursion in einen Berliner Ausbildungsbetrieb. Durch die Orientierung meiner Klasse auf den innerschulischen Themenbereich Wirtschaft und Produktion fokussiere ich im Gros Betriebe, die handwerkliche Berufe ausbilden. Im Rahmen dieser Exkursionen nutze ich monatlich drei Unterrichtsstunden für die Vor-und drei für die Nachbereitung der Exkursion. Das schulinterne Fach Wirtschaft und Produktion stellt mir für diese Arbeit 3 Wochenschulstunden zusätzlich zur Verfügung standen. Für jede Exkursion erhalten die Schüler im Vorfeld eine Arbeitsmappe, die einen Text enthält, der im Unterricht erarbeitet wird und die Exkursion vorbereitet. Dementsprechend werden die entsprechenden Texte und zugehörigen Aufgaben - wie auch der bzw. die in der hier besprochenen Arbeitsmappe - von mir selbst produziert.
1 Siehe Anhang, Punkt 6.1: Schüler-Mappe. Alle Aufgaben, auf die hier fortlaufend Bezug genommen wird, befinden sich auf Seite III des Anhangs.
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3. Zur Auswahl der Lesestrategien und ihrer didaktischen Zweckmäßigkeit
Die erste Aufgabe reflektiert die im Kurs besprochenen „Lesestrategien vor dem eigentlichen Lesen“. 2 Durch freie Assoziation der Schüler in Bezug auf Bild und Überschrift des Textes wird bereits vorhandenes Weltwissen in den Prozess der Themeneinführung mit einbezogen. Da die Schüler auch an der Schule in einer Holz- und Metallwerkstatt arbeiten, sind sie bereits mit ähnlichen Maschinen wie der auf dem Bild vertraut und können sich einbringen. Die Überschrift weckt durch die Beschreibung einer ganz anderen Schule zusätzliches Interesse und kann einführend diskutiert werden. Die zweite Teilaufgabe ist didaktisiert und zielt bereits klar auf die Exkursion ab. Sie dient vor allem dazu, den Schülern die Möglichkeit zu geben, ihre erfahrungsgemäß bei bevorstehenden Exkursionen schon im Vorfeld existenten Fragen zu formulieren und zu sammeln. Meist geschieht das in Form eines Tafelbildes, das analog zu den Schülerbeiträgen entsteht.
Unter der zweiten Aufgabe kommen die „Lesestrategien während des Lesens“ 3 zum Einsatz. Da die Leseleistung der Schüler in dieser Klasse im Durchschnitt nur knapp befriedigend ist, soll der Text in der ersten Instanz gemeinsam gelesen werden. Dafür wechseln sich die Schüler ab und lesen jeweils einen halben Absatz laut vor. Da die Klasse nur 13 Schüler zählt, ist mit einem Beitrag von (fast) jedem Schüler zu rechnen.
Nach jedem Absatz nutzen die Schüler eine kurze Pause zur Selbsteinschätzung und erfüllen die erste Teilaufgabe. Diese Aufgabe nimmt Bezug auf die Lesestrategien „Während des Lesens A“. 4 Die Visualisierung der Kästen neben den Textabsätzen, die sie dann abhaken, wenn sie ihn komplett verstanden haben, hilft dem Schüler, sich im Zuge der späteren Aufgaben gezielt mit einzelnen für ihn problematischen Absätzen zu beschäftigen. Die Arbeitsanweisung, nicht verstandene Wörter zu unterstreichen, verschafft Schülern und Lehrern einen ersten Überblick über Verständnisprobleme auf der Wort-und Satzebene. 5 Gerade hier hat sich auch die Trennung des Laut-und Stilllesens im Unterricht als vorteilhaft herausgestellt.
Bevor zur dritten Aufgabe übergeleitet wird, werden in der Regel problematische Wörter wie Mikropropositionen an der Tafel gesammelt. Das hilft den Schülern, das individuelle Verständnis des Textes im Unterrichtsgespräch zu kontrollieren und ist auch eine visuelle Hilfe im Zuge der sich anschließenden Arbeit mit dem Text.
2 Leubner, Martin/ Saupe, Anja: „Lesestrategien zur Förderung von Lesekompetenz“, Arbeitsblatt zum Lesestrategieset (Stand Januar 2010), S. 1.
3 Vgl. ebd., S. 2.
4 Ebd.
5 Ebd.
3
Nun sollen die Schüler in Stillarbeit die für sie problematischen Wörter und Mikropropositionen mit Hilfe der für sie zugänglichen Fremdwörterbücher und Berufslexika klären. Der Vorteil der Einbindung dieser Aufgabe in die Stillarbeit besteht hier vor allem darin, dass sie von den fünf leistungsstärkeren Schülern ohne großes Risiko einer Unterrichtsstörung übersprungen werden kann. In der sich anschließenden zweiten Teilaufgabe werden problematische Makropositionen erfasst. Durch nochmaliges konzentriertes Lesen der Absätze mit den hier erfassten Sätzen kann das Textverständnis bei den lernschwächeren Schülern zusätzlich gestärkt werden.
Die folgende, vierte Aufgabe fällt in den Bereich der „Lesestrategien während des Lesens B“. 6 Nach Förderung des Textverstehens auf Wort-und Satzebene rücken nun wichtige Makropropositionen des Textes in den Schülerfokus. Es sollen für jeden Absatz Kernaussagen in jeweils nicht mehr als zwei Sätzen formuliert werden.
Die fünfte Aufgabe erfordert nunmehr ein zusätzliches selektives Lesen des Textes, da die Informationen zu den beschriebenen Berufsbildern und ihren entsprechenden Tätigkeiten nicht in einem Absatz, sondern über mehrere Absätze verteilt zu finden sind. Diese Aufgabe ist bewusst gewählt, analog dazu ist die Informationsverteilung in den Absätzen bewusst produziert worden. Ursache ist die in der Klasse beobachtbare Tendenz, in Leistungskontrollen und Klassenarbeiten
Lösungsinformationen nur in begrenzten Bereichen der Texte zu suchen und entsprechende Mikropositionen nicht über mehrere Textabsätze hinweg bestimmten Makropropositionen zuzuordnen. Diese Aufgabe kann - wenngleich sie didaktisiert ist -unter dem Aspekt der „Lesestrategien während des Lesens B“ helfen, einige der inhaltlich-relevanten Makropositionen des Textes zu verdeutlichen und für ein Unterrichtgespräch herauszuarbeiten. Natürlich liegt der Fokus hier auf den im Text vorgestellten Berufsbildern, denn abschließendes Ziel der Exkursionen ist es, eine über das Schuljahr hinweg entstehende Wand im Klassenzimmer mit Fotopräsentationen einzelner Berufsbilder aus unterschiedlichen Branchen zu gestalten.
Im Anschluss an Aufgabe 5 - nachdem den Schülern ein für die Stillaufgaben angemessenes Zeitpensum zur Verfügung stand -werden in einem Unterrichtsgespräch die Lösungen für diese Aufgabe sofort präsentiert. Es hat sich in der Praxis bestätigt, dass das selbständige, frei-mündliche Formulieren von Mikro-wie Makropropositionen aus dem Text den lernschwächeren Schülern helfen kann, eigene Beobachtungen beziehungsweise Kenntnisse aus dem Text zielsicherer in den größeren Textzusammenhang einzubetten. Oft empfiehlt es
6 Ebd.
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Arbeit zitieren:
Michael Schwark, 2010, Exkursion in die Produktionsschule „Sägemühle Grunewald“, München, GRIN Verlag GmbH
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