Vorwort
Mitte 2008 begann ich bei der Firma M. in Kiel die pädagogische Schulung - in- nerhalbder Qualifizierung Langzeitarbeitsloser für die Zeitarbeit - durchzuführen. In zwei Tutoren-Lehrgängen zur Themenzentrierten Interaktion an der Christian- Albrechts-Universitätzu Kiel hatte ich gelernt, Seminarinhalte lebendig, aktivierend und teilnehmerorientiert zu gestalten. Da die Schulung bei M. täglich sechs Stunden (inklusive Pausen) umfasst, erschien es mir unmöglich, diese Zeit - wie sonst üblich - mit rein theoretischen Vorträgen und Diskussionen zu füllen. Also begann ich immer wieder aktivierende Übungen zu suchen, zu entwickeln und auszuprobieren, sowie auch Interaktionsübungen aus der Erlebnispädagogik - dieich mir bei meinem Praktikum bei den Erlebnistagen im Harz angeeignet hatte - einzubauen. Die Erfolge mit diesen Methoden und die Motivation der Teilnehmer bestätigten mir, dass dies der richtige Weg ist.
Es handelte sich hierbei jedoch nur um einzelne Termine, die ich übernahm, so dass ich nur Bruchstücke ausprobieren und bearbeiten konnte. Als mir dann vorgeschlagen wurde, ein didaktisches Konzept für eben diese Schulung im Rah- menmeiner Diplomarbeit zu entwickeln, sah ich die Chance, eine Struktur zu entwickeln, die es den Teilnehmern ermöglichen würde, gemeinsam mit Spaß Themen zu bearbeiten, Interaktion mit Anderen zu trainieren und so wieder mehr Aktivität und Initiative zu zeigen und Selbstvertrauen aufzubauen. Die Themen- zentrierteInteraktion schien mir hierfür die perfekte Basis zu sein.
Die Entwicklung und besonders die Durchführung des hier geplanten Seminars, erforderten von mir viel Mut, Selbstvertrauen und Durchhaltevermögen. Hierbei unterstützen mich einige Menschen, denen ich auf diesem Wege danken möchte: Zunächst meiner Freundin M. H., die mit viel Geduld und Wissen meine ersten Konzept-Entwürfe und Überlegungen mit mir durchsprach, ihre Bedenken offen äußerte und viele gute Anregungen gab. Außerdem besuchte sie mich während des ersten Seminartages, um mir eine Art Supervision zu ermöglichen, was mir sehr weiterhalf.
Des Weiteren A. B., meiner Mitbewohnerin, die meinen Verzweiflungsattacken mit viel Ruhe und Schokolade begegnete, immer ein offenes Ohr hatte und es stets schaffte, mich zu beruhigen.
Außerdem möchte ich allen danken, die sich die Zeit genommen haben, diese Arbeit zu lesen, zu korrigieren und mir eine Rückmeldung zu geben.
Inhalt
1. Einleitung 8
2. Arbeit und Arbeitslosigkeit 13
2.1 Die Bedeutung von Erwerbsarbeit 13
2.2 Arbeitslosigkeit und ihre Folgen 14
2.2.1 Der Verlauf der Arbeitslosigkeit 1 6
2.2.2 Die Folgen von Arbeitslosigkeit 1 7
2.2.2.1 Finanzielle Folgen 1 8
2.2.2.2 Soziale Folgen 1 8
2.2.2.3 Veränderte Zeitstruktur 2 1
2.2.2.4 Gesundheitliche Folgen 2 4
2.2.3 Die Teufelskreise der Arbeitslosigkeit 2 8
2.2.4 Die individuelle Bewältigung von Arbeitslosigkeit 3 0
2.2.5 Der Weg in die Langzeitarbeitslosigkeit 3 2
3. Themenzentrierte Interaktion in der
Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen 34
3.1 Die ethische Grundlage 35
3.1.1 Das existentiell-anthropologische Axiom 3 5
3.1.2 Das ethisch-soziale Axiom 3 7
3.1.3 Das pragmatisch-politische Axiom 4 0
3.2 Die Dreiecksbalance in der Gruppenarbeit 42
3.2.1 Die vier Faktoren des TZI-Dreiecks 4 2
3.2.1.1 Das „Ich“ 4 2
3.2.1.2 Das „Wir“ 4
3.2.1.3 Das „Es“ 4
3.2.1.4 Der Globe 4 6
3.2.2 Die dynamische Balance 4 6
3.2.3 Das Eisberg-Modell 4 8
4
3.3 Die Postulate 50
3.3.1 Das Chairperson-Postulat 5 0
3.3.2 Das Störungs-Postulat 5 2
3.4 Die Hilfsregeln 55
3.5 Die Rolle der Leitung 56
3.6 Die Entwicklung von Gruppen 58
3.6.1. Ankommen, orientieren, Kontakt aufnehmen 5 8
3.6.2 Gärung und Klärung 6 0
3.6.3 Arbeitslust und Produktivität 6 1
3.6.4 Transfer, Abschluss und Abschied 6 2
4. Das Konzept zur Weiterbildung Langzeitarbeitsloser 64
4.1 Die Rahmenbedingungen 64
4.1.1 Der personale Aspekt - Die Zielgruppe 6 5
4.1.2 Der räumliche Aspekt 6 8
4.1.3 Der zeitliche Aspekt 6 9
4.1.4 Der kognitive Aspekt 7 1
4.1.5 Der emotionale Aspekt 7 3
4.1.6 Der gesellschaftliche und politische Aspekt 7 3
4.2 Die Ziele der Weiterbildung 75
4.2.1 Selbstkompetenz entwickeln 7
4.2.2 Kommunikation bewusst wahrnehmen und einsetzen 8 0
4.2.3 Teamfähigkeit trainieren 8 0
4.2.4 Ziele formulieren 8 1
4.2.5 Anregungen zum „Zeitmanagement“ 8 1
4.2.6 Konflikte erkennen und bewältigen 8 2
4.3 Die Themen der Weiterbildung 82
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4.4 Die Methoden 84
4.4.1 Faktoren für die Auswahl geeigneter Methoden 8 5
4.4.2 Integrierte Elemente und Methoden der Erlebnispädagogik 86
4.4.2.1 Das Komfortzonenmodell 8 7
4.4.2.2 Interaktionsübungen 8 9
4.4.2.3 Die Reflexion 9 0
4.5 Der konkrete Entwurf des Seminarplans 90
5. Die Durchführung des Seminars 94
5.1 Reflexion des 1. Tages: Ankommen, Kennenlernen, Wahrnehmung 97
5.2 Reflexion des 2. Tages: Verbale und nonverbale Kommunikation 103
5.3 Reflexion des 3. Tages: Der Umgang mit Konflikten 109
5.4 Reflexion des 4. Tages: Kooperation, Teamwork und Teamfähigkeit 110
5.5 Reflexion des 5. Tages: Selbstwert und Ziele 114
5.6 Zusammenfassung wichtiger Aspekte 121
5.6.1 Das Menschenbild der Leitung 121
5.6.2 Die dynamische Balance beachten 122
5.6.3 Flexibilität in der Struktur 123
5.6.4 Theorie-Einheiten kurz und anregend 123
5.6.5 Aktivierende Übungen Schritt für Schritt einführen 124
5.6.6 Heterogenität der Gruppe beachten und nutzen 124
5.6.7 Relevanz der Themen bewusst machen 125
5.6.8 Klare und einfache Arbeitsanweisungen 125
5.6.9 Abschluss und Ausblick sorgfältig gestalten 125
5.6.10 TZI-Themenformulierung 126
6. Schlussbetrachtung 127
7. Literatur 130
8. Für die Seminardurchführung verwendete Literatur 135
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Anhang
Feedbackbogen I Partnerinterview II
Ich mache was, was du nicht hörst III Bullshit-Bingo IV
Gruppenarbeit: Vier-Ohren Modell V
Interaktion: Blinder Mathematiker VI
Interaktion: Geometrische Formen beschreiben VII
Interaktion: Gefahrentransport VIII Interaktion: Turmbau IX
Interaktion: Der schwebende Stab X Selbstbild / Fremdbild XI Die Lebenskurve XII
Info-Kästen: Zahlen und Fakten (ZuF)
ZuF I: M. und AAE Corporate Training 9
ZuF II: Arbeitslosigkeit heute 15
ZuF III: Die Arbeitslosen von Marienthal 22
ZuF IV: Leiharbeit in Deutschland 38
ZuF V: Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen in Deutschland 64
Grafiken:
Abb. 1: Arbeitslose und Arbeitslosenquote 15 Abb. 2: Arbeitslosigkeit 15
Abb. 3: Weniger guter oder schlechter Gesundheitszustand in Abhängigkeit von Arbeitslosigkeitserfahrungen bei Männern 24
Abb. 4: Krankenhaustage bei Männern 27
Abb. 5: Dauer der Arbeitslosigkeit 33
Abb. 6: Entwicklung der Arbeitnehmerüberlassung in Dtl. und S.-H. 38
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1. Einleitung
Arbeitslosigkeit gehört seit Ende der 70er Jahre zu den größten sozialen Prob- lemenin Deutschland. Seitdem haben sich die Arbeitslosenzahlen stetig erhöht, und trotz einer Entspannung nach 2006 (Bundesagentur für Arbeit, Analytikreport der Statistik 04/2008), ist das Problem spätestens mit der aktuellen Wirtschafts- krisewieder in den Vordergrund getreten. Arbeitslosigkeit bedeutet oft eine große Umstellung für die Betroffenen. Sowohl in finanzieller, als auch im sozialer und in psychischer Hinsicht. Besonders mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit spitzen sich die Folgen der Arbeitslosigkeit immer mehr zu, was die Chancen der Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt nicht gerade verbessert. Geht man davon aus, dass mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit die Vermittlungschancen auf dem Arbeitsmarkt abnehmen, so ist es abzusehen, dass gerade Langzeitarbeits- losigkeitein besonderes Problem darstellt.
Seit vielen Jahren werden in Politik und Wirtschaft stetig neue Programme und Maßnahmen entwickelt, um die Arbeitslosenzahlen zu verringern, in erster Linie also, um Arbeitslose wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren. Viele dieser Maßnahmen wenden sich an Langzeitarbeitslose. Eine nicht geringe Anzahl der Betroffenen gelten als schwer- bis schwerstvermittelbar, weil sie mehrere vermittlungshemmende Merkmale (wie gesundheitliche Beeinträchtigungen, ein hö- heresLebensalter, einen Migrationshintergrund, einen niedrigen Schulabschluss und/oder einen fehlenden Berufsabschluss) vereinigen und ihnen so der Zugang zu einem regulären Beschäftigungsverhältnis erschwert ist (Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berufsbildungsbericht, 1997). Das Angebot an Maß- nahmen,die die Aussichten auf eine Arbeitsvermittlung verbessern sollen, ist weit gefächert. Neben Ein-Euro-Jobs und beruflichen Umschulungen gehört auch die Zeitarbeit zu diesen Programmen.
Bestandteil aller Weiterbildungs- oder Qualifizierungsmaßnahmen sind neben dem Fachlichen auch immer „Elemente der Allgemein- und Persönlichkeits- bildung[...], d. h. persönliche Stabilisierung, Orientierung und Motivierung der Maßnahmeteilnehmer, wie etwa das Training des Arbeits- und Sozialverhaltens,
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nicht-agressive strategien, zwischenmenschlicher Um- gang,Umgang mit Lob und Kritik, Verar- beitungvon Misserfolgen“ (ebd.). Mit der vorliegenden Arbeit entwerfe ich ein praktikables, didaktisches Konzept für die Weiterbildung Langzeitarbeitsloser im Rahmen einer Zeitarbeitsmaßnahme bei der Firma Mikro Partner, auf Basis der Themenzentrierten Interaktion. Die Themenzentrierte Interaktion (TZI) ist eine Methode des lebendigen Lernens und Lehrens, die individuelle, zwi- schenmenschlicheund sachliche Aspek- tegleichermaßen berücksichtigt. Ihre Grundlage bilden drei Axiome, die auf Ganzheitlichkeit, Freiheit in Entscheidungen und Respekt vor allem Leben- digenberuhen, und so die Wertebasis für humanes Handeln bilden. Genauer betrachtet scheint sie die perfekte Ant- wortauf die Bedürfnisse der Zielgruppe der Langzeitarbeitslosen zu sein, die in der Regel viel inhumane Fremdbestim- mungerlebt haben. Mit ihrer Hilfe behält die Leitung - neben dem zu bearbeiten- denThema - sowohl die Interaktion der
Gruppe, als auch den einzelnen Teilnehmer mit seinen Bedürfnissen, Hintergrün- denund Problemen, gleichwertig im Auge. Ebenso scheint der Aspekt des akti- ven,lebendigen Lernens für eine Zielgruppe - die in der Regel wenig Qualifika- tionenerworben hat und aus Arbeitszweigen mit praktischer, körperlicher Arbeit
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stammt - geeigneter, als theoretische Vorträge, die in den mir bekannten Kursen in der Regel vorherrschten.
Dieses Konzept soll grundsätzliche Überlegungen zur TZI in der Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen beinhalten, anhand derer anschließend ein konkreter Seminarplan für eine reelle Schulung ausgearbeitet und erprobt wird. Diese Durchführung liefert ohne weiterführende Forschung natürlich kein repräsentatives Ergebnis für den Erfolg oder Misserfolg dieses Konzeptes. Dennoch werde ich meine Eindrücke hier darstellen, reflektieren und anschließend einige wichtige Aspekte zusammenstellen. Ziel ist es, einen Eindruck davon zu bekommen, ob lebendiges Lernen nach den Grundsätzen der TZI der richtige Ansatz für die Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen ist.
Bevor aber dieser Plan entworfen werden kann, beschäftigt sich das zweite Kapitel dieser Arbeit mit der Bedeutung von Erwerbsarbeit für den Einzelnen, sowie mit dem Verlauf von Arbeitslosigkeit und den möglichen Folgen, wenn die Arbeitsstelle für den Betroffenen wegfällt. Dieses Kapitel soll einen Einblick in die Lebenswelt der Teilnehmer geben und sie mit ihren Problemen, Sorgen und Hoffnungen, so gut es geht, abbilden.
Kapitel drei geht auf verschiedene Elemente der Themenzentrierten Interaktion ein, die mir für die Arbeit mit den Langzeitarbeitslosen als relevant erscheinen. Das vorliegende Konzept soll von grundsätzlichen Überlegungen zur Weiterbil- dungLangzeitarbeitsloser auf Basis der Themenzentrierten Interaktion ausgehen. Die TZI ist jedoch ein Modell, das sehr nah an den Teilnehmern und deren Lebenswelt, den äußeren Gegebenheiten der Lernsituation sowie auch an der Persönlichkeit des Leiters arbeitet. Insofern ist es unumgänglich für ein durchführbares Projekt, die konkrete Situation so genau wie möglich zu betrachten. Ein übergreifendes Konzept, das für die Arbeit mit Langzeitarbeitslosen im Allgemeinen Gültigkeit findet, würde der Individualität der TZI nicht gerecht werden. Deshalb werden in diesem Kapitel die Elemente der TZI zunächst kurz vorgestellt und anschließend mit der Zielgruppe und der Situation der Weiterbildung bei in Verbindung gesetzt. Außerdem sind in diesem Kapitel die Phasen der Gruppen-
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entwicklung beschrieben. Auch wenn diese nicht direkt zur TZI gehören, werden sie in ihrem Zusammenhang doch stets erwähnt und sind für die hier beschriebe- neSchulungssituation unbedingt zu beachten.
Ebenso ist das Vorgehen in Kapitel vier. Es beinhaltet Ausführungen zu den Rahmenbedingungen, Zielen, Themen und Methoden eines Seminars zunächst im Allgemeinen, dann im Speziellen für die hier betrachtete Schulung. Zu den Me- thodensind in diesem Kapitel noch einige Elemente der Erlebnispädagogik bei- gefügt,die in den Kurs integriert werden. Die Erlebnispädagogik arbeitet nah an den Grundsätzen der TZI und zitiert diese häufig für die Arbeit mit Gruppen. Einzelne Elemente und Methoden erscheinen mir hilfreich für die Kursgestaltung. Diese Ausführungen bilden die Basis, den „Roten Faden“, für die Entwicklung eines konkreten Seminarplans. Dieser wird am Ende des vierten Kapitels als Übersicht in Form einer Tabelle vorgestellt. Genauere Ausführungen zu Themen und Übungen beinhaltet die anschließende Reflexion.
Bei Kapitel fünf handelt es sich schließlich um die Beschreibung und Reflexion des von mir erprobten Kurses nach dem vorliegenden Konzept. Außerdem folgt eine Zusammenfassung der mir am wichtigsten erscheinenden Aspekte, die es bei der Weiterbildung von Langzeitarbeitslosen zu berücksichtigen gilt. Im Anhang befinden sich sämtliche Übungen und Interaktionen, die ich im Kurs- geschehenvorgesehen oder verwendet habe.
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An dieser Stelle soll vorab noch auf Folgendes hingewiesen werden:
- Auch wenn meine Erfahrungen in diesem Bereich der Erwachsenenbildung noch nicht sehr weitreichend sind, so habe ich doch aus vorherigen Kursen durch gezieltes Fragen ein Bild von einigen Schulungssituationen und über die Situation der Teilnehmer bekommen können. Diese persönlichen Anmerkungen über Erlebnisse und Erkenntnisse aus vorherigen Kursen sollen in dieser Arbeit eben- soaufgeführt werden und sind im weiteren Verlauf kursiv geschrieben.
- Im Folgenden wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit lediglich die männliche Form genutzt. Selbstverständlich ist damit das weibliche Geschlecht einbe- zogen.Die weibliche Form wird lediglich verwendet, wenn es sich um konkrete Beispiele handelt.
- Der Begriff „Maßnahme“ wird in dieser Arbeit ausschließlich für die Instrumente des Arbeitsamtes zur Wiedereingliederung und Weiterbildung Arbeitsloser ver- wendet(wie Weiterbildungen, Zeitarbeit, 1-Euro-Jobs, o. Ä.). Um die pädagogische Einheit, innerhalb der Zeitarbeits-Maßnahme von Mikro Partner, für die dieses Konzept entworfen wurde, sprachlich abzugrenzen, werden hierfür die Begriffe „Seminar“, „Kurs“ oder „Schulung“ verwendet.
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2. Arbeit und Arbeitslosigkeit
2.1 Die Bedeutung von Erwerbsarbeit
Erwerbsarbeit hat in Deutschland noch immer einen zentralen Stellenwert im gesellschaftlichen und individuellen Leben. „Unbestritten wird Arbeit als Hauptquelle zur Sicherung des Lebensunterhalts gesehen. Nicht minder wichtig ist die Bedeutung, die der ausgeübte Beruf und die berufliche Stellung für das Selbstverständnis jedes Einzelnen und seine gesellschaftliche Position haben. Für viele ist Arbeit ein wichtiger Teil der persönlichen Selbstentfaltung“ (Datenreport 2008, S.100). Erwerbsarbeit hat außerdem eine zentrale Bedeutung für das psychische und physische Wohlbefinden (vgl. Resetka/Liepmann/Frank 1996, S. 19). Im Folgenden sollen einige wichtige Funktionen von Erwerbsarbeit aufgeführt werden: Die sozialen Beziehungen am Arbeitsplatz bieten ein wichtiges soziales Kontaktfeld, um Menschen, außerhalb des engeren privaten sozialen Netzwerkes der Familie, kennen zu lernen. Insbesondere für Menschen mit Kontaktschwierigkeiten bietet der Arbeitsplatz einen gesicherten Rahmen mit geregelten Beziehungen, aus denen auch Freundschaften entstehen können. Kollektive Zielsetzungen und das Gefühl, in einer Gruppe integriert und geschätzt zu sein sind weitere wichtige soziale Funktionen der Arbeit. Ebenso die soziale Erfahrung der Auseinandersetzung mit anderen Meinungen und der eigenen Stellungnahme. Sie bilden notwendige Voraussetzungen für die Entwicklung der Persönlichkeit (vgl. ebd., S.19 f).
Erwerbsarbeit bietet dem Arbeitenden die Möglichkeit, sich als „nützlich, wertvoll und wirkend“ zu erfahren. Die Bestätigung durch äußere Anerkennung, aber auch der Stolz auf die eigenen Leistungen dienen der Aufrechterhaltung des Kompetenzgefühls. Arbeit schafft einen Rahmen, um die eigenen Fähigkeiten zu erproben und so individuelle Möglichkeiten und Grenzen zu erleben. Grunderfahrungen im Hinblick auf Autonomie und Abhängigkeit, Kompetenz und Selbstständigkeit werden hier ermöglicht (vgl. Strehmel/Ulich, In: Oerter/Montada, S. 1088).
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Eine zentrale Bedeutung hat Erwerbsarbeit außerdem für den sozialen Status und die Identität des Menschen. Der soziale Status ergibt sich heute nicht mehr durch die Geburt, sondern durch die Tätigkeit, die der Mensch ausübt. Durch harte Arbeit und Ausbildung ist ein sozialer Aufstieg in der Regel möglich. Die stetig wachsenden Anforderungen an Fachwissen, Eigenverantwortlichkeit und individuelle Urteils- und Interpretationsfähigkeit sowie immer längere Bildungszeiten binden die Arbeit immer stärker an die Persönlichkeit des Erwerbstätigen. Die steigende Identifikation mit dem Beruf prägt das Selbstbild in hohem Maße und hat so einen großen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung (vgl. Meh- lich2005, S. 53 f).
Nicht zu vernachlässigen ist der Aspekt der zeitlichen Struktur, die die Erwerbs- arbeitbietet. Sie bestimmt maßgeblich die Zeiteinteilung im Alltag und bietet eine feste, als sinnvoll empfundene Zeitstruktur. Der gesamte gesellschaftliche Rhyth- musist eingeteilt in Arbeitszeit und Freizeit, in Werks- Urlaubs- und Feiertage (vgl. ebd., S. 54).
2.2 Arbeitslosigkeit und ihre Folgen
Fällt die Erwerbsarbeit für einen Menschen, der seine Arbeitsstelle verloren hat - aus welchen Gründen auch immer - weg, gehen auch die oben genannten wichtigen Aspekte der Arbeit damit verloren. Er wird zur Neuorganisation und Umstrukturierung seiner gewohnten Lebenssituation und zur Neuorientierung seines Lebensgefühls gezwungen. Gewohnte Handlungsmuster sind nicht mehr anwendbar und die eigene Identität sowie seine Rolle in der Gesellschaft sind nicht länger durch die Arbeit definiert (vgl. Resetka/Liepmann/Frank 1996, S.19). In den folgenden Kapiteln sollen die möglichen Veränderungen und Folgen der Arbeitslosigkeit betrachtet werden, die der Arbeitsplatzverlust mit sich bringt. Sowohl unmittelbar danach als auch mit anhaltender Arbeitslosigkeit.
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2.2.1 Der Verlauf der Arbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit ist kein statischer Zustand in der Berufsbiografie eines Menschen, sondern ein Prozess permanenter Veränderungen. Dass Arbeitslosigkeit in Phasen abläuft, ist allgemein anerkannt. Bereits in den dreißiger Jahren wurde der Gedanke von Bakke (1933) entwickelt und seither stetig weiterentwickelt. Die konkrete Phaseneinteilung unterscheidet sich zwar je nach Ansatz, das Spekt- rumder möglichen Reaktionen bleibt aber gleich (vgl. Resetka/Liepmann/Frank 1996, S. 22).
Pelzmann (1988) beschreibt ein Vier-Phasen-Modell, das schon in der 30er Jahren seinen Ursprung hatte und bis heute weiterentwickelt wurde. Es definiert den Verlauf der Reaktionen als einen Zyklus der Anpassung: 1. Phase: Schock
In den ersten Monaten nach dem Arbeitsplatzverlust beschreibt sie eine anfäng- licheSchockphase, in der der Erholungseffekt gegenüber den belastenden Komponenten überwiegt. Dem Stress der Bedrohung des Arbeitsplatzverlustes und der Angst vor dem Eintritt in die Arbeitslosigkeit ist der Betroffene vorerst entkommen. 2. Phase: Aktivität
In der zweiten Phase betrachtet der Betroffene seine Arbeitslosigkeit als vorüber- gehendund sieht in ihr eine willkommene Erholungspause. Er sucht zuversichtlich, aktiv und hoffnungsvoll nach einer neuen Arbeit. 3. Phase: Erschöpfung
Bleiben diese Versuche jedoch über einen längeren Zeitraum erfolglos, gerät er in ein Stadium der Erschöpfung. Es dominieren Hoffnungslosigkeit und Pessimismus; Spannungen in der Familie und im Bekanntenkreis nehmen zu. 4. Phase: Fatalismus
Die letzte Phase zeichnet sich durch Fatalismus und ein Gefühl der Ohnmacht aus, selbst nichts mehr an der Situation ändern zu können. Ansprüche und Inte-
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ressen werden eingeschränkt und die Ohnmacht führt bis zur Anpassung an das Arbeitslosenschicksal (vgl. Pelzmann 1988, S. 11 f). Viele solche und ähnliche Studien beschreiben derartige Verläufe. Pelzmann gibt jedoch auch zu bedenken, dass man, wenn man die Texte liest, „sich des Eindrucks nicht erwehren [kann], dass die Autoren ihren Aussagen implizit oder explizit die Modelle der 30er Jahre unterlegen“ (ebd., S. 15). Auch Epping, Klein und Reuter (2001) sehen in diesen Verlaufsmodellen lediglich ein idealtypisches Verlaufsmuster, das in der Realität in allen Variationen auftreten kann und auf einen großen Teil der Arbeitslosen gar nicht zutrifft. Es kann eine Hilfe sein, die Situation von Arbeitslosen zu verstehen, aber nicht, um ihr Verhalten schablonenhaft einzuordnen. Mögliche Folgen für den Betroffenen, wenn die Situation der Arbeitslosigkeit anhält, werden im folgenden Kapitel beschrieben.
2.2.2 Die Folgen von Arbeitslosigkeit
Die Reaktionen auf den Verlust des Arbeitsplatzes können sehr unterschiedlich ausfallen, doch sind es auch heute noch überwiegend belastende Auswirkungen für das Individuum. Negative Gefühle, Gefühle der Abhängigkeit, Druck zur Anpassung, Verlust wichtiger Rollen, Sinken des Selbstwertgefühls, Niedergeschlagenheit, Stress, Ängstlichkeit, höhere Krankheitsraten, Suizidgefährdung sind nur einige der möglichen Folgen (vgl. Strehmel/Ulich, In: Oerter/Montada 1995, S. 1089). Inwieweit diese Effekte nun wirklich eintreffen, hängt von der individuel- lenBewältigung ab. Faktoren, von denen diese maßgeblich abhängt, werden in Kapitel 2.2.4 beschrieben. Dennoch lassen sich vier Bereiche ausmachen, in die sich die wesentlichen Auswirkungen von Arbeitslosigkeit gliedern lassen:
• Finanzielle Folgen
• Soziale Folgen
• Veränderte Zeitstruktur und
• Gesundheitliche Folgen.
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2.2.2.1 Finanzielle Folgen
Wie in Kapitel 2.1 beschrieben, ist Erwerbsarbeit auch heute noch die Hauptquel- lezur Sicherung des Lebensunterhalts. Der Verlust des Arbeitsplatzes bedingt für viele Menschen materielle Einbußen. Maximal ein Jahr erhält der Betroffene Arbeitslosengeld, aber auch nur, wenn er zuvor auch die Anwartschaftszeit erfüllt, d. h. lange genug versicherungspflichtig gearbeitet hat. Es handelt sich hierbei nicht um eine Sozialleistung, sondern eine Sozialversicherungsleistung, für die Beiträge gezahlt wurden und somit hängt sie vom ehemaligen Nettoeinkommen ab. Alleinstehende bekommen davon 60 Prozent, für Arbeitslose mit Kindern sind es 67 Prozent (vgl. Bundesagentur für Arbeit, Merkblatt für Arbeitslose, S. 23 ff). Geht man davon aus, dass das frühere Einkommen vieler Arbeiter schon unter dem allgemeinen Durchschnittseinkommen lag, geraten schon hier nicht wenige Arbeitslose mit dieser Regelung unter die Armutsgrenze.
Ist die Zeit des Arbeitslosengeldes abgelaufen bzw. hat der Arbeitslose zuvor nicht lange genug versicherungspflichtig gearbeitet, tritt das Arbeitslosengeld II - auch Hartz IV genannt - in Kraft. Hierzu zählen „Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts [(derzeit für eine alleinstehende Person 359 Euro) sowie] angemessene Kosten für Unterkunft und Heizung“ (Bundesagentur für Arbeit, Merkblatt SGB II, S. 23). Zusätzliche Bedarfe, etwa für Bekleidung oder Hausrat, werden nicht anerkannt. Der gewohnte Lebensstandard ist damit in der Regel nicht mehr haltbar. Sind auch die letzten finanziellen Reserven irgendwann aufgebraucht, werden Einschränkungen bei größeren Anschaffungen, Kino- oder Theaterbesuchen sowie Kleidung unumgänglich (vgl. Barwinski Fäh 1990, S. 208).
2.2.2.2 Soziale Folgen
„Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes geht ein wichtiges soziales Begegnungsfeld verloren“ (ebd., S. 209). Die Beziehungen zu den Kollegen am Arbeitsplatz, die sich durch eine andere Beschaffenheit als emotionale private Beziehungen auszeichneten, gehören nicht mehr zum Alltag.
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Auch im Bereich der privaten Beziehungen kann es zu Problemen kommen. Das Schamgefühl, das sich bei vielen Betroffenen aufgrund des Verlustes der Arbeitsstelle einstellt, führt oft dazu, dass sie ihre aktuelle Situation aus Angst vor Abwertung vor Verwandten, Bekannten und Nachbarn verschweigen. Diese Geheimhaltung stellt eine sehr starke psychische Belastung dar und endet oft mit einem kompletten Kontakt-Abbruch und Isolation (vgl. ebd., S.222 f). In den Seminaren, die ich bisher bei der Firma M. gegeben habe, habe ich die Teilnehmer oft zu diesem Punkt befragt. Diese sagten einstimmig aus, dass sie ihre Situation nie verschwiegen hätten und auch keinen Sinn darin sähen. Jedoch gaben sie auch zu bedenken, dass sich die Akzeptanz arbeitsloser Menschen in den letzten Jahren definitiv verbessert hätte und sie sich nicht mehr in der ungewöhnlichen Außenseiterrolle befänden, wie noch vor einigen Jahren. Dennoch bestätigten viele, dass ihre sozialen Kontakte definitiv weniger geworden seien. Eine mögliche Erklärung hierfür ist bei Mehlich (2005) zu finden. Dieser schreibt, dass Arbeitslosigkeit noch bis in die 70er Jahre hinein nur „eine verschwindend geringe Minderheit der Bevölkerung“ (Mehlich 2005, S. 99) betraf. Die Entwicklung ging seitdem jedoch kontinuierlich dahin, dass immer mehr Menschen in immer längeren Perioden von Arbeitslosigkeit betroffen waren. Durch eine erhöhte Dynamik auf dem Arbeitsmarkt scheint Arbeitslosigkeit „eine normale Erfahrung einer zunehmenden Zahl von Erwerbstätigen zu sein“ (ebd. S.101). Konkrete, aktuelle Studien zu der Veränderung des sozialen Ansehens konnte ich jedoch leider nicht ausfindig machen.
Ebenso wie sich die Arbeitslosen von den Erwerbstätigen zurückziehen, ist auch von Seiten der Erwerbstätigen eine Distanzierung nicht selten. Die Unterstellungen der „Arbeitsunwilligkeit“ von Seiten der Erwerbstätigen und die Behaup- tung,dass alle eine Arbeit fänden, wenn sie nur suchen würden - die soziale Abwertung und Stigmatisierung - sind in der Regel ein Mittel, um eine Barriere zwischen sich und der „sozial negativen“ Gruppe der Arbeitslosen zu schaffen. Zum Schutz vor dem Wissen um die allgemeine Bedrohung - dass es jeden einmal treffen kann - wird jeder Berührungspunkt mit den Arbeitslosen vermieden.
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Die Annahme, dass diese Menschen anders seien und gar nicht wirklich arbeiten wollen, bietet oft eine willkommene Schutzmaßnahme, um das Wissen um die Willkür des Schicksals zu verdrängen (vgl. Prisching 1988, S. 109 f). Diese „Abgrenzungswünsche besonders nach unten bleiben auch im Zustand der Arbeitslosigkeit erhalten“ (vgl. ebd., S. 104). Den meisten Arbeitslosen ist es wichtig, sich von anderen Arbeitslosen abzugrenzen, um so die eigene, individuelle Identität aufrechtzuerhalten. „Arbeitslosigkeit bietet kein alternatives Identitätskonzept“ (Barwinski Fäh 1990, S. 236) zu dem am Arbeitsplatz erworbenen. Der Kontakt zu anderen Betroffenen wird besonders zu Beginn der Arbeitslo- sigkeitgemieden, um nicht zur „Gruppe der Arbeitslosen“ zu gehören. Dieses Verhalten macht eine Solidarität innerhalb der Gruppe der Arbeitslosen schwer möglich (vgl. ebd., S. 236).
Die oben beschriebenen finanziellen Einbußen haben auch Auswirkungen auf das soziale Leben der Betroffenen. Viele kulturelle und soziale Ereignisse sind für Arbeitslose nicht mehr erreichbar. Eine Einladung zum Essen kann nicht er- widertwerden, ein Kinobesuch ist nicht mehr selbstverständlich. So kommt es oft vor, dass sich die Arbeitslosen zurückziehen, von den Freunden abwenden und schließlich sogar immer mehr Isolation und Einsamkeit erfahren (vgl. ebd., S. 208). Barwinski Fäh (1990) beschreibt jedoch auch, dass der Freundes- und Bekanntenkreis vieler Arbeitsloser sich zwar verkleinert, dafür jedoch oft die Beziehungen zu den engsten Freunden umso enger werden. Diese Unterstützungen weniger, aber guter Freunde stellt einen wichtigen Entlastungsfaktor für die Betroffenen dar.
Den Arbeitsplatz zu verlieren, bedeutet außerdem den Verlust wichtiger Rollenidentitäten. Nicht nur die Rolle als arbeitendes Mitglied der Gesellschaft geht ver-loren - also das Gefühl nützlich und geachtet in der Arbeitsgesellschaft zu leben - sondern auch die Rolle innerhalb der Familie. Während es Frauen oft möglich ist, den Verlust dieser Rolle mit einer Alternativrolle als Hausfrau und Mutter zu kompensieren, geht dem Mann die klassische und oft noch vorherrschende Rollenfunktion des Familienoberhauptes und Ernährers der Familie verloren. Als Arbeitsloser empfindet er sich als soziale Belastung, denn die finanzielle Abhän-
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gigkeit und die vermehrte Zeit, die der arbeitslose Partner nun zu Hause verbringt, stellt so manche Beziehung auf eine harte Probe. Der Verlust dieser Rolle nährt in vielen Fällen Schuldgefühle und Selbstzweifel (vgl. ebd., S. 210). Aber gerade die Beziehung zum Partner wird in dieser Krisensituation umso wichtiger. Kann der Betroffene seine Selbstzweifel und Sorgen in die Beziehung einbringen und erfährt Verständnis und Rückhalt, so ist die Familie ein besonders wichtiger Faktor zur positiven Bewältigung der Krise.
2.2.2.3 Veränderte Zeitstruktur
Mit dem Eintritt in die Arbeitslosigkeit entfällt für den Arbeitslosen die Arbeitszeit und er verfügt damit gezwungenermaßen über mehr freie Zeit. Die ehemals kostbare Freizeit ist jetzt im Überfluss vorhanden. Ohne den Gegenpol Arbeitszeit stellt diese zusätzliche Zeit aber nicht automatisch mehr Freizeit dar (vgl. Opa- schowski1983, S. 66).
Laut Brockhaus (2009) wird Freizeit folgendermaßen definiert: „Freizeit - die dem Berufstätigen außerhalb der Berufsarbeit verbleibende Zeit, die einer selbst bestimmten und selbst gestalteten Tätigkeit zur Verfügung steht. [...]“ (Brockhaus 2009, S. 296)
Freizeit ist nach dieser Definition etwas, was nur Berufstätigen zur Verfügung steht. Jemand, der ohne Arbeit ist, hat demzufolge auch keine Freizeit. „Der Ar- beitslosesteht vor dem Dilemma, viel Zeit zu haben und gleichzeitig viel Zeit vergeuden zu müssen, weil sie wertlos geworden ist und ihren Sinn verloren hat.“ (Opaschowski 1983, S.67)
Hinzu kommt, dass ehemalige Hobbys und andere Freizeitaktivitäten häufig aus finanziellen Gründen eingeschränkt oder ganz aufgegeben werden müssen. Die neu entstandene freie Zeit kann demzufolge dann auch nicht mit diesen Aktivitäten gefüllt werden.
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Eines der bekanntesten Ergebnisse hierzu weist die Studie von Marie Jaho- daund Paul Lazarsfeld über die Arbeits- losenvon Marienthal in den 30er Jahren auf. Jahoda beschreibt die gewonne- neFreizeit als „tragisches Geschenk“ (Jahoda/Lazarsfeld/Zeisel 1980, S. 83), weil die materiellen und sozialen Möglichkeiten die Betroffenen einschränken, Zeit zu verwenden. Die erhobenen Zeit- verwendungsbögenzeigten sehr an- schaulich,wie das soziale Leben in Ma- rienthalerlahmte und die Strukturierung der Zeit verloren ging. Nach der Werksschließung wurden die Tage in Marien- thalmeist gleichförmig und inhaltsarm verbracht. Die Hauptbeschäftigung be- standim sogenannten „Nichtstun“ (Zu Hause sitzen, spazieren gehen, auf der Straße stehen, etc.) (vgl. ebd., S. 83 ff). Zwar sind nach Pelzmann die „finanziellen Voraussetzungen und die wirt- schaftlichenBedingungen, sich nach dem Verlust des Arbeitsplatzes selbst zu beschäftigen [...] [seit den 30er Jahren] gestiegen“ (Pelzmann 1988, S.15), sie stellt jedoch auch zu Recht die Frage, ob ein höheres Bildungsniveau, ein höherer Lebens-standard und ein besserer Gesund- heitszustandgegen die destruktive, lähmende Wirkung des Entzugs von Arbeit sinnvoll genutzt werden. „Die
psychische Anstrengung, die es verlangt, sich aus eigener Kraft regelmäßig zu beschäftigen, überfordert die meisten Menschen“ (ebd., S.16). Dies ist beson- dersdann zu beobachten, wenn ihnen diese Aufgabe jahrzehntelang abgenommen wurde.
Mit dem Verlust des Arbeitsplatzes wird der Betroffene also aus seinem gewohnten Lebensrhythmus im Wechsel von Arbeit und Freizeit freigesetzt. Die vertraute Tages- und Wochenstruktur geht verloren. In der Untersuchung von Barwins- kiFäh (1990) geben die Betroffenen an, es sei eine Belastung, außerhalb des biologischen Tagesrhythmus - Aufstehen, Schlafengehen, Essenszeiten - keine Orientierungspunkte mehr zu haben. „Sich selbst Fixpunkte zu setzen oder Pläne aufzustellen, machte den meisten der Befragten Schwierigkeiten“ (Barwinski Fäh 1990, S. 226).
Nach Pelzmann (1988) lässt sich zusätzlich erkennen, dass besonders Männer die Zeit einfach vergehen lassen und sich nichts für den nächsten Tag vornehmen, während viele Frauen ihren Tagesablauf durch Tätigkeiten im Haus viel stärker strukturieren, wodurch bei ihnen dieses Problem weniger stark ausgeprägt ist (vgl. Pelzmann 1988, S.110). Auch bei den Arbeitslosen von Marienthal ließ sich eine Bestätigung dieser Aussage finden. Bei einer Messung der Gehgeschwindigkeit auf der Dorfstraße zeigte sich, dass sich die Männer im Vergleich zu den Frauen langsamer fortbewegten und häufiger stehen blieben, da sie sich für die Aktivitäten im Haushalt nicht zuständig fühlten und somit kaum feste Aufgaben hatten, die ihren Tagesablauf strukturierten (vgl. Jahoda/Lazarsfeld/Zeisel 1980, S. 83 f). Dieser unproduktive Umgang mit der Zeit, die Schwierigkeit, Pläne zu entwickeln, führt mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit zu einer tiefgehenden Verunsicherung, bis hin zur Identitätskrise. Oft geht die Zukunftsperspektive verloren. Diese Ungewissheit über die eigene Zukunft stellt für einen Großteil der Betroffenen die größte Belastung dar (vgl. Barwinski Fäh 1990, S. 226).
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2.2.2.4 Gesundheitliche Folgen
Betrachtet man zunächst die individuelle Beurteilung der Gesundheitszufriedenheit der Arbeitslosen und nicht den realen Gesundheitszustand, so belegt eine Studie von Elkeles und Seifert (1992), dass „die durchschnittliche Gesundheitszufriedenheit Arbeitsloser deutlich unter der der Erwerbstätigen liegt“ (Resetka/ Liepmann/Frank 1996, S. 28).
Auch aktuellere Zahlen des Datenreports 2008 bestätigen diese Differenzen. Während über 58 Prozent der Erwerbstätigen ihren Gesundheitszustand mit „gut“ beurteilen, sind es nur 37 Prozent der Arbeitslosen. Einen „schlechten“ Ge- sundheitszustandgeben hingegen 27 Prozent der Arbeitslosen an, während es sich bei den Erwerbstätigen nur um 10 Prozent handelt (vgl. Andersen/Grabka/ Schwarze, In: Datenreport 2008, S. 262). Besonders Arbeitslose, die sich als Hauptverdiener sehen und bereits länger als ein Jahr arbeitslos sind, geben ihren Gesundheitszustand als „schlecht“ an (vgl. Robert-Koch-Institut, Gesundheits- berichterstattungdes Bundes, 2003, S. 9). Dies macht deutlich, dass auch die Dauer der Arbeitslosigkeit einen starken negativen Einfluss auf die individuelle Gesundheitszufriedenheit hat. Die folgende Darstellung des Bundes-Gesund- heitssurveyszeigt dies sehr deutlich:
Quelle: Bundes-Gesundheitssurvey 1998, In: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 13, S. 9
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Psychische Beschwerden
In Anbetracht der oben aufgeführten möglichen Folgen von Arbeitslosigkeit im fi- nanziellenund sozialen Bereich ist es nicht verwunderlich, dass die Situation der Arbeitslosigkeit zu einer Beeinträchtigung des psychischen Wohlbefindens führen kann. Mit dem Arbeitsplatz geht die wichtigste Quelle für das Gefühl verloren, auf die eigenen Leistungen stolz sein zu können. Lebensfreude und Zufrieden- heitschwinden, stattdessen zeigen sich Unsicherheit, innere Spannungen, De- pressionenund Erschöpfungszustände. Fehlt die regelmäßige Selbstbestätigung durch die erfolgreiche Arbeitstätigkeit, nimmt das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit ab und das Kompetenz- gefühlwird beeinträchtigt (vgl. Barwinski Fäh 1990, S. 208). Untersuchungen von Pelzmann (1988) bestätigen, dass es einen signifikanten Zusammenhang zwischen der Arbeitslosendauer und der Anzahl der depressiven Tage gibt sowie auch vermehrte seelische Probleme und Stimmungstiefs (vgl. Pelzmann 1988, S. 36). Weitere, oft genannte, psychische Beschwerden, die sich aus der Unzufrie- denheitmit der aktuellen Lebenssituation ergeben, sind: Ängstlichkeit, Niedergeschlagenheit, psychischer Stress, Hoffnungslosigkeit, Schlaflosigkeit, Gleichgül- tigkeit,Nervosität und Suizidgedanken, um hier nur einige zu nennen.
Somatische Beschwerden
Betrachtet man nun die somatischen Beschwerdebilder Arbeitsloser, so sind auch diese schwer zu fassen und nicht durch gut definierbare, klar voneinander abgrenzbare Symptome gekennzeichnet. Eher sind diese unspezifisch und schwer differenzierbar vom psychischen Bereich. Oft bildet Stress den Hintergrund für viele psychosomatische Beschwerden.
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Die Daten des Schwerpunktheftes „Arbeitslosigkeit und Gesundheit“ (2003) des Bundes-Gesundheitssurveys zeigen jedoch einige relevante Ergebnisse: Zunächst einmal unterscheidet sich das gesundheitsbezogene Verhalten der Ar- beitslosenvon dem der Erwerbstätigen. Hier wurden Unterschiede im Bezug auf Rauchen, Alkoholkonsum, Ernährung und körperliche Aktivität untersucht. Beim Tabakkonsum und körperlichen Aktivitäten lassen sich deutliche Unterschiede feststellen. Während lediglich 34 Prozent der berufstätigen Männer angaben, zum Zeitpunkt der Befragung täglich zu rauchen, sind es unter den Arbeitslosen mit 49 Prozent anteilig deutlich mehr. Außerdem gaben weniger arbeitslose Männer an, regelmäßig Sport zu treiben (vgl. Robert-Koch-Institut, Gesundheitsbe- richterstattungdes Bundes, 2003, S. 8).
Bezüglich der Ernährung lässt sich nur feststellen, dass sie bei den Erwerbslo- sendeutlich preisbewusster ist. Hinsichtlich der Höhe des Alkoholkonsums lie- ßensich hingegen keine wesentlichen Unterschiede zwischen Arbeitslosen und Erwerbstätigen erkennen. Bei denjenigen allerdings, die schon vor der Arbeitslosigkeit viel getrunken haben, ist ein verstärkter Alkoholkonsum zu verzeichnen (vgl. Epping/Klein/Reutter 2001, S. 49). Auch die Messwerte von Körpergewicht, Blutdruck und Cholesterin unterschieden sich nur gering. Deutlich ist jedoch der Unterschied in der Häufigkeit der Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen (Im Mittel: Arbeitslose: 9,8 Kontakte; Berufstätige: 7,1 Kontakte pro Jahr), was sicherlich nicht zuletzt mit der geringeren Gesundheitszufriedenheit vieler Arbeitsloser zu erklären ist (vgl. Robert-Koch-Institut, Gesundheits- berichterstattungdes Bundes, 2003, S. 10 f). Ebenso wurden bei Arbeitslosen deutlich mehr Krankenhaustage registriert. Die mit Abstand deutlichsten Unterschiede in der Diagnose sind hierbei hinsichtlich stationärer Aufenthalte aufgrund psychischer Störungen erkennbar:
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Quelle: Gmünder Ersatzkasse (GEK), Daten 2000, altersstandardisiert, In: Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 13, S. 12 Insgesamt lassen doch einige Ergebnisse darauf schließen, dass Arbeitslosigkeit und Gesundheit in irgendeiner Weise zusammenhängen. Besonders die Anzahl der psychischen Störungen und die geringe Gesundheitszufriedenheit sind hier- beiauffällig.
Ungeklärt bleibt jedoch die Frage, ob die Arbeitslosigkeit zu den Erkrankungen führte oder die Erkrankung der Grund für die Arbeitslosigkeit war. Ein Selekti- onseffektist bei dem derzeitigen Überangebot von Arbeitskräften naheliegend: „Kränkere Arbeitnehmer sind häufiger weniger wettbewerbsfähig, werden dem- nacheher entlassen und seltener wieder eingestellt“ (ebd., S. 17). Arbeitslosigkeit als Ursache von Erkrankungen lässt sich hingegen schwer nachweisen, da die Arbeitslosen selten schon vor der Entlassung untersucht wurden. In Fällen von Werksschließungen, bei denen alle untersuchten Erwerbstätigen arbeitslos werden, fehlt die entsprechende Kontrollgruppe. Außerdem können bei somatischen Beschwerden große zeitliche Verzögerungen auftreten (wie z.B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen), so dass sie nicht mehr mit der Arbeitslosigkeit in Verbindung ge- brachtwerden können (vgl. ebd., S. 18).
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Auch die Gesundheitszufriedenheit ist eine individuelle Bewertung und nicht unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation. Symptome, die zu Arbeitszeiten bedeu- tungsloswaren und unbeachtet blieben, können bei erhöhter Selbstaufmerksamkeit ernster genommen werden (vgl. Resetka/Liepmann/Frank 1996, S. 28). Bereits bestehende Probleme, wie individuelle Verhaltensprobleme, Alkoholismus oder eben auch gesundheitliche Probleme werden oft verstärkt (vgl. Pelzmann 1988, S. 19). Festhalten lässt sich in jedem Fall zusammenfassend, dass „ein großer Teil der Arbeitslosen weniger gesund ist als Beschäftigte, aber je ‚körperlicher’ die Be- schwerdeist, desto geringer ist der Unterschied. Das vermittelnde Glied zwischen Arbeitslosigkeit und Gesundheit ist in vielen Fällen die Bewertung der in- dividuellenSituation als Bedrohung der eigenen Person. Dabei ist sekundär, ob es sich um tatsächliche oder vermeintliche Bedrohungen handelt. Der wesentliche Teil psychischer Erkrankungen entsteht durch Belastungen bzw. Stress, und zwar desto ausgeprägter, je mehr emotionale Reaktionen auf die Arbeitslosigkeit vorliegen“ (Resetka/Liepmann/Frank 1996, S. 39).
Die hier beschriebenen möglichen Folgen von Arbeitslosigkeit sind nicht statisch. Im Folgenden werden Mechnismen beschrieben, die sich besonders in den spä- terenPhasen der Arbeitslosigkeit zeigen und eine stetige Verschärfung der Situ- ationdarstellen.
2.2.3 Die Teufelskreise der Arbeitslosigkeit
Strehmel und Ulrich (1995) haben die Verhaltensmechanismen, die das Handeln und Leben in der Arbeitslosigkeit beeinflussen, fünf „Teufelskreisen“ zugeordnet. Mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit nehmen die beschriebenen Probleme zu: Der motivationale Teufelskreis
Die Motivation, sich bei der Arbeitssuche auf neue Arbeitsmöglichkeiten einzustellen und ein Interesse daran zu entwickeln, läuft durch wiederholte Absagen auf Bewer- bungenimmer wieder ins Leere. Immer größere Anstrengungen werden notwendig zur Entwicklung neuer inhaltlicher Interessen an der Arbeit. Ökonomische Ziel treten in den Vordergrund und es entsteht eine Jobmentalität.
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Der emotionale Teufelskreis
Aktive, planvolle Bewältigungsversuche werden durch die hohen emotionalen Belastungen der Situation verhindert. Verschlechtert sich jedoch mit zunehmender Dauer der Arbeitslosigkeit die finanzielle und soziale Lage weiter, wird die Überforderung noch größer. Die Person wird noch stärker belastet als zuvor und dadurch in ihrer Handlungsfähigkeit weiter eingeschränkt. Der kognitive Teufelskreis
Das Erleben, keinen Einfluss auf die gegenwärtigen und zukünftigen Handlungen zu haben, wird als Kontrollverlust empfunden. Dies wird im Verlauf der Arbeits- losigkeitimmer mehr verstärkt. Die wiederholte Erfahrung, dass Aktivitäten nicht zum Ziel führen, endet in einem Gefühl der Ohnmacht und hat zur Folge, dass immer weniger Bewältigungsversuche unternommen werden. Der aktionale Teufelskreis
Aktive Bewältigungsversuche schlagen fehl. Dies hat zur Folge hat, dass die Betroffenen Misserfolge meiden, indem sie sich seltener bewerben, was wiederum die Chancen des Erfolges, also einer Wiederbeschäftigung, reduziert. Der soziale Teufelskreis
Die Beziehungen am Arbeitsplatz fallen weg, die privaten Beziehungen werden zunehmend belastet und die Unterstützung schwächer. Der Betroffene zieht sich immer mehr zurück und gerät durch fehlende soziale Interaktion mehr und mehr in die soziale Isolation.
Die Teufelskreise sind in ihrer Eigendynamik nur schwer zu durchbrechen und nehmen - je nach Persönlichkeitsdisposition - unterschiedlich stark Einfluss auf den Lebensalltag. Langfristig können sie zu Orientierungslosigkeit, Passivität, Hilflosigkeit und sozialer Isolation führen (vgl. Strehmel/Ulrich In: Oerter/Montada 1995, S. 1091 ff).
Faktoren, die unterstützend wirken, mit den Belastungen umzugehen und die Teufelskreise zu durchbrechen, werden im folgenden Kapitel aufgeführt.
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2.2.4 Die individuelle Bewältigung von Arbeitslosigkeit
Wie schon oben erwähnt, verlaufen die Reaktionen auf Arbeitslosigkeit natürlich nicht bei allen Menschen in gleicher Form (vgl. Epping/Klein/Reutter 2001, S. 44). Die oben beschriebenen Folgen sind jedoch mögliche Verhaltensweisen und Konsequenzen, die häufig beschrieben werden und in unterschiedlichen Konstellationen und Stärken auftreten können. Die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit hängen ab von unterschiedlichen „gegebenen ökonomischen und gesellschaftlichen Einflüssen, der individuellen Lebenslage und der individuellen Konstellation von belastenden und entlastenden Faktoren“ (Strehmel/Ulich, In: Oerter/Montada 1995, S. 1090). Im Folgenden werden einige Faktoren aufgezählt, die die Bewältigung von Ar- beitslosigkeitund ihre Auswirkungen beeinflussen:
Wohl einer der wichtigsten Faktoren, der die Bewältigung von Arbeitslosigkeit positiv beeinflusst, ist die Chance einer „Reserve-Option“ - einer alternativen Beschäftigung oder Aufgabe zu der verlorenen Arbeitsstelle - die einem keiner streitig machen oder wegnehmen kann. Eine Beschäftigung, die fordert und die Persönlichkeit bestärkt, macht den Menschen autonom und weniger verwund- bar.Außerdem hilft sie, die Zeit weiterhin einigermaßen zu strukturieren. Dies kann eine Aushilfstätigkeit, Schwarzarbeit oder ein Hobby sein, für viele Frauen ist es die Versorgung ihrer Familie. Kreativität, Interaktionskompetenz oder eine besondere handwerkliche oder geistige Fähigkeit sind dabei von Vorteil, um eine solche Reserve-Option zu entwickeln (vgl. Pelzmann 1988, S. 82 ff). Ebenso bietet die Möglichkeit einer Alternativrolle als Hausfrau, Mutter oder Früh- rentnereinen Schutz vor der destruktiven Wirkung von Arbeitslosigkeit. Mit diesem gesellschaftlich akzeptierten Status lässt sich der Austritt aus dem Erwerbsleben leichter begründen (vgl. Kieselbach, In: Wittig-Koppe/Trube 2000, S. 28). Ein stützendes soziales Umfeld bietet eine große Hilfe in kritischen Lebensereig- nissen.Bleiben soziale Beziehungen zu Freunden und zur Familie erhalten und er- fahrendie Betroffenen Unterstützung von diesen, lässt sich der Arbeitsplatzverlust leichter bewältigen als in sozialer Isolation (vgl. ebd., S. 28).
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Arbeit zitieren:
Svenja Streckel, 2009, Lebendiges Lernen auf Basis der Themenzentrierten Interaktion, München, GRIN Verlag GmbH
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