Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat es bedeutende Veränderungen innerhalb des Prüfungswesens in der dualen Ausbildung gegeben. Eine Anpassung war notwendig, nicht nur von Seiten der Ausbildung, sondern auch von Seiten der Prüfung. Um Lehrlinge, die spezialisierte, neue Ausbildungsformen durchlaufen haben, angemessen überprüfen zu können, war es notwendig Prüfungen zu schaffen die einen anderen Schwerpunkt mitbringen. Der Weg vom unmündigen Industriearbeiter der keinerlei Mitsprache recht hatte, der einfach nur ‘funktionieren‘ musste führt weg, hin zum mündigen Mitarbeiter der sich im Prozess der Herstellung, Entwicklung und Produktion mit einbringt. Um diesen neuen Anforderungen gerecht zu werden, mussten Prüfungen aufgestellt werden die mehr als die Produktionskompetenz testeten. Reformen wurden zu diesem Zwecke durchgeführt, Evaluationen wurden veranlasst und Probeverordnungen aufgestellt.
Diese Ausarbeitung soll den Neuerungen auf den Grund gehen und dabei ebenso einen Blick auf die Herkunft des ‘Reformierten‘ werfen. Woher kommt das Duale System? Wie sehen neue Prüfungsformen aus? Welche Rolle spielt die ‘Gestreckte Abschlussprüfung‘? Welche Gesetzesänderungen gibt es? Wie sehen die Reaktionen auf diese Umstellung aus? Diese Arbeit versucht Antworten auf diese Fragen zu finden.
Der Einleitung folgend, befasst sich der Punkt zwei mit einem kurzen geschichtlichen Abriss über die Entwicklung des Prüfungswesens und gibt Einblicke in der Herkunft des Dualen Systems. In Punkt drei wird dann noch einmal dezidiert auf das Duale System, seine Besonderheiten und Bestimmungen eingegangen. Mit dem alten Prüfungsverfahren, sprich der Zwischen- und Abschlussprüfung beschäftigt sich der Punkt vier. Hier wird noch einmal herausgestellt, wie die „alten“ Prüfungsverordnungen, mit Bezug auf Zwischen- und Abschlussprüfung, aussahen. Als Kontrast dazu stellt der Punkt fünf die neuen Prüfungsverordnungen vor. Des Weiteren befasst sich dieser Abschnitt mit neuen Prüfungsformen. Am Beispiel des/der Metallbauer/s/in soll mit Hilfe eines Schemas der Ablauf der „Gestreckten Prüfung“ einmal dargestellt werden. Der Punkt sechs ist ein Überblick über die Evaluation des BIBB bezüglich der neuen Prüfungsverordnungen, mit ausgewählten Ergebnissen. Im abschließenden Punkt sieben soll dann ein Fazit gezogen und ein Ausblick gewagt werden, auf die Zukunft des Prüfungswesens im Dualen System.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Entwicklung des Prüfungswesens
3 Was ist das Duale System?
4 Altes Prüfungsverfahren
4.1 Zwischenprüfung
4.2 Abschlussprüfung
5 Neue Prüfungskonzepte
5.1 Die Gestreckte Abschlussprüfung
5.2 Prüfungsformen
5.2.1 Betrieblicher Auftrag
5.2.2 Ganzheitliche Aufgabe
5.2.3 Prüfungsstück
5.3 Beispiel Metallbauer/in
6 Evaluation der Gestreckten Abschlussprüfung
6.1 Handwerkskammern
6.2 Berufsschulen
6.3 Betriebe
6.4 Auszubildende
7 Fazit/Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die grundlegenden Transformationen im Prüfungswesen der dualen Ausbildung in Deutschland, mit besonderem Fokus auf den Übergang von traditionellen, punktuellen Prüfungsformaten hin zu prozessorientierten, modernen Prüfungskonzepten wie der „Gestreckten Abschlussprüfung“.
- Historische Entwicklung des dualen Ausbildungssystems und seiner Prüfungsstrukturen.
- Analyse und Vergleich traditioneller Prüfungsverfahren (Zwischen- und Abschlussprüfung) gegenüber neuen Modellen.
- Detaillierte Erläuterung der „Gestreckten Abschlussprüfung“ und ihrer spezifischen Prüfungsformen.
- Evaluation der praktischen Umsetzung und Akzeptanz der Reformen bei den beteiligten Akteuren (Kammern, Betriebe, Auszubildende).
Auszug aus dem Buch
5.1 Die Gestreckte Abschlussprüfung
Die gesetzliche Verankerung fand mit dem Inkrafttreten des neuen Berufsbildungsgesetzes am 1.April 2005 statt. Damit wurde festgelegt, dass die Gestreckte Abschlussprüfung ein alternatives Strukturmodell darstellt und nicht mehr nur eine Probeverordnung ist. Des Weiteren hat der Gesetzgeber mit dem §5 (2) BBiG festgelegt, das bei jeder Neuordnung von Berufen zu prüfen ist, ob diese neue Form der Prüfung möglich ist, aufgrund der Favorisierung dieses Modells. (Ebbinghaus 2005, S.8)
Als gravierendste Veränderung, wird die Zwischenprüfung komplett gestrichen. An ihrer Stelle tritt der erste Teil der Abschlussprüfung. Damit das Ergebnis des ersten Teils nicht über Bestehen und Nichtbestehen der gesamten Prüfung entscheidet, liegt die Gewichtung bei 20 bis 40 Prozent. Zudem darf dieser Teil auch keinen Sperrfachcharakter haben und er kann auch nicht einzeln wiederholt werden. Das ist in der Tatsache begründet, dass es keine eigenständige Prüfung ist, sondern nur ein Teilstück, wodurch entsprechend ungenügende Leistungen im zweiten Part ausgeglichen werden können. (Vgl. Reymers, Stöhr 2004, S.25; Ebbinghaus 2005, S.8)
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die Notwendigkeit der Reformierung des Prüfungswesens aufgrund gewandelter Anforderungen an die Fachkräfte und gibt einen Überblick über den strukturellen Aufbau der Arbeit.
2 Entwicklung des Prüfungswesens: Dieses Kapitel zeichnet den historischen Weg von der Zunftlehre bis hin zum modernen, staatlich regulierten Prüfungswesen nach und thematisiert den Einfluss der Industrialisierung.
3 Was ist das Duale System?: Hier wird die Funktionsweise des dualen Systems in Deutschland beschrieben, insbesondere das Zusammenspiel zwischen Ausbildungsbetrieb und Berufsschule.
4 Altes Prüfungsverfahren: Das Kapitel erläutert die klassische Struktur der Zwischen- und Abschlussprüfung und die damit verbundene Kritik an starren, punktuellen Leistungsfeststellungen.
5 Neue Prüfungskonzepte: Hier werden moderne Ansätze wie die „Gestreckte Abschlussprüfung“ sowie neue Prüfungsformen wie der „Betriebliche Auftrag“ detailliert vorgestellt.
6 Evaluation der Gestreckten Abschlussprüfung: Das Kapitel präsentiert die Ergebnisse einer Untersuchung zur Akzeptanz und Wirksamkeit des neuen Prüfungsmodells bei den relevanten Akteuren des Ausbildungssystems.
7 Fazit/Ausblick: Abschließend wird ein Resümee gezogen, das die erfolgreiche Etablierung moderner Prüfungsstandards betont und gleichzeitig vor zukünftiger Stagnation warnt.
Schlüsselwörter
Duale Ausbildung, Prüfungswesen, Gestreckte Abschlussprüfung, Berufsbildungsgesetz, Zwischenprüfung, Kompetenzentwicklung, Prozessorientierung, Betrieblicher Auftrag, Ausbildungsordnung, Evaluation, Handwerkskammern, Berufsbildung, Qualitätssicherung, Fachgespräch, Berufsschule.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel der Prüfungsstrukturen im deutschen dualen Ausbildungssystem hin zu praxis- und prozessorientierten Modellen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die historische Genese der Ausbildung, der Vergleich klassischer und neuer Prüfungsmodelle sowie die wissenschaftliche Evaluation der Gestreckten Abschlussprüfung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Reformen das Prüfungswesen modernisiert haben, um besser auf die aktuellen Anforderungen an prozessorientierte Fachkompetenz zu reagieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung von Evaluationsergebnissen (Fragebögen und Interviews) des BIBB zur Gestreckten Gesellenprüfung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die historische Entwicklung, die Erläuterung des dualen Systems, die Gegenüberstellung alter und neuer Prüfungsformen sowie die Evaluation der Praxiserfahrungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Gestreckte Abschlussprüfung, duales System, Kompetenzorientierung und Prozessorientierung.
Welche Rolle spielt die „Gestreckte Abschlussprüfung“ in diesem Modell?
Sie ersetzt die klassische Zwischenprüfung durch einen ersten Prüfungsteil und führt zu einer ganzheitlicheren, prozessbegleitenden Leistungsbewertung, die das Risiko des Scheiterns am Ende der Ausbildung mindert.
Wie bewerten die verschiedenen Akteure das neue Prüfungsmodell?
Die Evaluation zeigt eine generelle Zustimmung; während Handwerkskammern vor allem auf den gestiegenen Organisationsaufwand verweisen, begrüßen Auszubildende den neuen Fokus auf prozessorientierte Prüfungen.
Warum war eine Anpassung des alten Prüfungsverfahrens notwendig?
Die alten Verfahren fokussierten zu stark auf die Reproduktion von Fakten und waren nicht mehr in der Lage, die modernen Anforderungen an Methoden- und Sozialkompetenz sowie prozessorientiertes Handeln abzubilden.
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- Tobias Engfer (Author), 2010, Das Prüfungswesen im Umbruch , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/152012