Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung 1
1. Übersetzungsmethoden für Wortspiele 1
2. Wortspieltypen 4
2.1. Homophonie 5
2.2. Lexematische Plurivalenz: Polysemie und Homonymie 7
2.3. Paronymie 9
2.4. Wörtliche Interpretation von Redewendungen 10
2.5. Antonymie 13
2.6. Neologismen bzw. Verfremdung der Gegenwartssprache 14
3. Wortspielkategorien 16
3.1. Horizontales und vertikales Wortspiel 17
3.2. Klang- und Sinnspiel 18
3.3. Textinternes und textexternes Wortspiel 19
4. Wortspiele mit Eigennamen im Übersetzungsvergleich 20
5. Schlussbemerkungen 25
6. Bibliographie 25
0. Einleitung
Wortspiele sind übersetzungsrelevante Einzelphänomene, die sich auf
unterschiedliche Art und Weise und auf verschiedenen sprachlichen Ebenen vollziehen können. "Sie bringen die empfohlenen und gewohnten Übersetzungsverfahren zu einem plötzlichen Stillstand und rufen den Übersetzer auf, sich speziell um sie zu kümmern und seine Kreativität […] zum Einsatz zu bringen." (Delabastita 2006: 287). So stellen Wortspiele den Übersetzer oftmals vor große, ja sogar bisweilen unüberwindbare Übersetzungsprobleme. Worin liegt also die Besonderheit von Wortspielen und warum sind sie so schwer zu übersetzen? Mit dieser Fragestellung befasst sich die vorliegende Arbeit. Sämtliche Beispiele, die zu diesem Zweck herangezogen werden, sind der Comic-Reihe Asterix entnommen, die sich aufgrund des typisch französischen Kontextes und der Fülle an Wortspielen zu diesem Zweck besonders gut eignet. Es soll, soweit es im Umfang dieser Arbeit möglich ist, herausgearbeitet werden, inwiefern die deutsche Asterix- Übersetzungdem Original gerecht wird.
Dazu werden zunächst Übersetzungsmethoden vorgestellt, die zur Lösung oder Umgehung der Übersetzungsprobleme, die Wortspiele im Allgemeinen mit sich bringen, herangezogen werden können. Im zweiten und dritten Kapitel werden die einzelnen Wortspieltypen und -kategorien aufgezeigt, deren Übersetzung anhand zahlreicher Beispiele kritisch beleuchtet werden soll. Das vierte Kapitel widmet sich schließlich dem Sonderfall der Wortspiele mit Eigennamen.
Die in dieser Arbeit vorgenommene Einordnung von Wortspielen in verschiedene Typen und Kategorien basiert vor allem auf Hausmanns (Hausmann 1974) und Grasseggers (Grassegger 1985) Publikationen zu diesem Thema, da sich diese in der Übersetzungswissenschaft etabliert haben. Eine eindeutige Systematisierung erwies sich allerdings als schwierig, da sich die Wortspieltypen und -kategorien erstens häufig überschneiden und sich zweitens auch in der Sprach- und Übersetzungswissenschaft bisher keine allgemeingültige Klassifizierung von Wortspielen durchsetzen konnte.
1. Übersetzungsmethoden für Wortspiele
Zunächst ist hervorzuheben, dass Wortspiele ein wichtiges Stilelement der Asterix- Textesind, denen eine "besondere Intentionalität zur Ambiguität innewohnt" (Grassegger 1985: 100). Die Erkenntnis, dass die im Ausgangstext vorhandene stilistische Wirkung
1
auch in der Übersetzung erzielt werden muss, ist für die Übersetzung der Asterix-Texte essentiell. Es ist also festzustellen, dass der Spielgedanke sowie die Intentionalität des Gesamttextes bei der Übersetzung von Wortspielen wichtiger sind als die äquivalente Wiedergabe von Form oder Inhalt (vgl. Grassegger 1985: 100). Wenn keine adäquate Übersetzung eines Wortspiels möglich ist, so kann in diesem Fall auf gewisse Techniken zurückgegriffen werden.
Grassegger differenziert bei diesen Techniken zwischen metasprachlichen und kompensatorischen Verfahren. Metasprachliche Verfahren, d.h. Erklärungen innerhalb des Textes oder in Fußnoten, werden bei der Übersetzung von Wortspielen nur sehr selten eingesetzt und sind eher bei formbetonten Texten üblich. Besonders bei der Textsorte Comic gestaltet sich dieses Verfahren aufgrund des beschränkten Platzes in den Panels als schwierig und gerade bei den Asterix-Texten hätte dieses Verfahren zudem den Verlust der Wortspiele und demzufolge die Zerstörung des Stils des Ausgangstexts zur Folge. Deshalb werden sehr viel häufiger kompensatorische Verfahren angewendet, um die Identität des Ausgangstexts beizubehalten (Grassegger 1985: 102).
Die kompensatorischen Verfahren umfassen die Technik des versetzten Äquivalents und des Ausweichens auf andere Wortspieltypen oder -kategorien. Zu den versetzten Äquivalenten zählen sowohl die Kompensation von Wortspielen, für die in der Zielsprache kein Äquivalent gefunden wurde, an anderer Stelle in der Übersetzung als auch die kulturspezifische Anpassung von Redewendungen und Sprichwörtern. So wäre der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt im arabischen Sprachraum etwa der Strohhalm, der dem Kamel den Rücken bricht (vgl. Grassegger 1985: 67). Im folgenden Beispiel wurde zur Kompensation ein Wortspiel in die Übersetzung eingefügt, obwohl im Original an dieser Stelle keines vorhanden ist: f. Ils commencent à m'énerver avec leur exactitude! d. Die gehn mir langsam auf den Wecker mit ihrer Pünktlichkeit! (Astérix chez les Helvètes/Asterix bei den Schweizern, S.16/28) Die idiomatische Redewendung jemandem auf den Wecker gehen passt sehr gut in den Kontext, da ein Wecker zwangsläufig auch mit Pünktlichkeit in Verbindung gebracht wird. Wie dieses Beispiel demonstriert, kann die Entfernung von Wortspielen anhand versetzter Äquivalente kompensiert werden. Versetzte Äquivalente wurden bei den AsterixÜbersetzungen ins Deutsche und ins Englische weitaus häufiger angewendet als in den romanischen Sprachen, da diese über eine ähnliche Struktur und teilweise ähnliche Wörter und Ausdrücke verfügen wie das Französische (vgl. Grassegger 1985: 100 ff.).
2
Auch das Ausweichen auf andere Wortspieltypen und -kategorien wurde bei der deutschen Übersetzung der Asterix-Texte häufig angewendet, zum Beispiel der Wechsel von einer ausgangssprachlichen Homophonie, d.h. Lautgleichheit (siehe Punkt 2.1.) zu einer Paronymie, d.h. Lautähnlichkeit (siehe Punkt 2.3.) im Zieltext oder von originalem Sinnspiel zu zielsprachlichem Klangspiel (siehe Punkt 3.2.) bei fehlender lexematischer Äquivalenz zwischen Ausgangssprache und Zielsprache. Kaindl teilt die Übersetzungmethoden für Wortspiele in die sechs Kategorien Repetitio, Adiectio, Detractio, Transmutatio, Substitutio und Deletio ein, die teilweise mit Grasseggers Verfahren übereinstimmen, jedoch hebt Kaindl die Relevanz des Zusammenwirkens der drei Ebenen Sprache, Bild und Typographie stärker hervor. So unterscheidet er hinsichtlich der Bindung an den visuellen Kontext zwischen fünf Spielarten: Zu diesen zählen Wortspiele, die entweder ausschließlich aus sprachlichen Zeichen bestehen, mit nonverbalen Zeichen gestützt werden, von nonverbalen Zeichen abhängig sind, von verbalen Zeichen gestützt werden oder ausschließlich aus nonverbalen Elementen bestehen (vgl. Kaindl 2004: 264 f.). Kaindl betont zudem, dass ein Übersetzungsverfahren meist nicht nur auf eine, sondern auf mehrere dieser drei Ebenen Auswirkungen hat.
Bei der Repetitio werden sprachliche, bildliche oder typographische Elemente aus dem Ausgangstext formal-identisch übernommen, sie findet vor allem bei der Übersetzung von Wortspielen mit Eigennamen Anwendung (siehe Punkt 4). Bei der Adiectio wird im Zieltext Material als Ersatz oder Ergänzung hinzugefügt, das im Original nicht vorhanden ist. Die Adiectio kann mit Grasseggers Verfahren des versetzten Äquivalents verglichen werden, wobei Kaindl wie bereits beschrieben die drei Ebenen Sprache, Bild und Typographie stärker fokussiert. Die Substitutio stimmt teilweise mit Grasseggers Methode des Ausweichens auf andere Wortspieltypen oder -kategorien überein, denn auch Kaindl versteht hierunter das Ersetzen ausgangstextlichen Materials "durch annähernd gleichwertiges" (Kaindl 2004: 285) Material im Zieltext. Das Entfernen ganzer Einheiten wird von Kaindl als Deletio bezeichnet, es können demnach bei der Übersetzung von Comictexten ganze Sprechblasen oder Panels eliminiert werden. Bei der Detractio werden dagegen keine ganzen Einheiten, sondern nur Teile ausgangssprachlicher Elemente in der Übersetzung entfernt. Die Detractio und die Deletio werden von Grassegger in dieser Form zwar nicht beschrieben, es könnte jedoch eine Parallele zum Begriff der metasprachlichen Kommentierung gezogen werden, da auch diese den Verlust des Wortspiels nach sich zieht.
3
Auch wenn durch die metasprachliche Kommentierung nicht unbedingt ausgangssprachliche Elemente oder Teile davon entfernt werden, so wird durch Anwendung dieser Methode doch derselbe Effekt ausgelöst und das Wortspiel partiell oder komplett entfernt. Unter der Transmutatio versteht Kaindl das Ändern der Reihenfolge bzw. der Anordnung der Elemente in der Übersetzung. Diese Methode wurde auch bei den Asterix-Übersetzungen angewendet, wird von Grassegger jedoch nicht erläutert (vgl. Grassegger 1985 100-104; vgl. Kaindl 2004 284 f.).
Bei der Gegenüberstellung von Grasseggers und Kaindls Übersetzungsverfahren für Wortspiele wird deutlich, dass sich diese zwar überschneiden, die von den Autoren gewählte Terminologie jedoch unterschiedlich ist. Im Folgenden werden diese Verfahren anhand übersetzungskritischer Beispiele zu den verschiedenen Wortspieltypen und -kategorien verdeutlicht werden. Aufgrund ihrer präzisen Knappheit wird dazu Kaindls Terminologie verwendet.
2. Wortspieltypen
Zum besseren Verständnis der Einteilung von Wortspielen in Typen und Kategorien ist Hausmanns "Achse des sprachlichen Materials" (Hausmann 1974: 76) und der Gebrauchsweise dieses Materials hilfreich. Hausmann zufolge zählen Homophonie und lexematische Plurivalenz, d.h. Homonymie und Paronymie, zum sprachlichen Material; zur Gebrauchsweise dieses Materials gehören dessen horizontale und vertikale Anwendung (vgl. Hausmann 1974: 76). Diese Einteilung lässt sich erweitern, so dass man auch Polysemie, Antonymie, die wörtliche Interpretation von Redewendungen, Neologismen und die Verfremdung der Gegenwartssprache zum sprachlichen Material zählen könnte. Die Gebrauchsweise des Materials könnte man neben horizontalen und vertikalen Wortspielen auch auf Klang- und Sinnspiele sowie auf textinterne und textexterne Wortspiele ausweiten. Die in dieser Arbeit verwendete Bezeichnung Wortspieltypen bezieht sich auf die erweiterte "Achse des sprachlichen Materials", wohingegen sich die Bezeichnung Wortspielkategorien auf den von Hausmann als Gebrauchsweise des Materials bezeichneten und dementsprechend erweiterten Begriff bezieht.
4
2.1. Homophonie
Laut Heiberts Definition liegt Homophonie genau dann vor, wenn "zwei Zeichen dieselbe phonetische, aber eine abweichende graphische Ausdrucksseite haben" (Heibert 1980: 46). Homophonie tritt in zwei verschiedenen Varianten auf, zum einen als lexikalische und zum anderen als syntagmatische Homophonie. Diese Unterscheidung gründet auf der Einhaltung bzw. Überschreitung der Lexemgrenzen. Demzufolge handelt es sich um lexikalische Homophonie, "wenn die gleiche Phonie mit der Lexemgrenze endet" (Heibert 1980: 47), z.B. vins und vains, und um syntagmatische Homophonie, wenn diese "über die Lexemgrenzen hinweg besteht" (Heibert 1980: 47), wie z.B. l'alibi und la Lybie, also "zwei über Lexemgrenzen hinweg gleichlautende Sequenzen unterschiedlich zu segmentieren sind" (Grassegger 1985: 91). Im Französischen kommen syntagmatische Homophonien durch die Liaison der Wörter sehr viel häufiger als im Deutschen vor, das die Lexemgrenzen stärker akzentuiert (vgl. Heibert 1980: 47; vgl. Grassegger 1985: 20). Bei folgendem Wortspiel handelt es sich um lexikalische Homophonie. Asterix, Obelix und Miraculix beobachten, wie sich ihnen von weitem eine römische Kriegsmaschine nähert; Asterix und Miraculix kommentieren dies folgendermaßen: f. -Regardez! Des machines de guerre! -Hmmm… Je n'aime guère ces machins! d. -Seht mal! Kriegsmaschinen! -Meinen die etwa, damit könnten sie uns kriegen? (Astérix et Cléopâtre/Asterix und Kleopatra, S.40/7)
Die lexikalische Homophonie entsteht durch den Gleichklang von guerre und guère, der jeweils mit der Lexemgrenze endet. In der deutschen Übersetzung entsteht durch die Wahl der vom selben Wortstamm abgeleiteten Wörter Kriegs- und kriegen ein zwar nicht vollständig äquivalenter, wohl aber ein ähnlicher Effekt. Die Homophonie wird durch eine Paronymie ersetzt, es handelt sich demnach um eine Substitutio. Im folgenden von nonverbalen Zeichen abhängigen, d.h. textexternen (siehe Punkt 3.3.) Beispiel begnadigt Cäsar bei einem Triumphzug einen rothaarigen Sklaven:
5
Arbeit zitieren:
Annika Thoden, 2010, Wortspiele im Übersetzungsvergleich am Beispiel der Comicreihe Asterix, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Übersetzung von Sprachspielen am Beispiel des Comics Asterix
Bachelorarbeit, 72 Seiten
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Dolmetschen / Übersetzen: neuer Titel erschienen: Wortspiele im Übersetzungsvergleich am Beispiel der Comicreihe Asterix
Dolmetschen / Übersetzen: neuer Titel erschienen: Wortspiele im Übersetzungsvergleich am Beispiel der Comicreihe Asterix
Annika Thoden hat einen neuen Text hochgeladen
2. Band-Arbeitspapiere zur Ver...
U. Rosenzweig, Rachel Bat-Adams
Interdisziplinäre Aspekte des Übersetzens und Dolmetschens. Interdisci...
Judith Muráth, Agnes Oláh-Hubai
The Art of Translating with Special Reference to Cauer's Die Kunst Des...
Herbert Cushing Tolman
Sprachdenken im Übersetzen 1. Band: Jehuda Halevi. Fünfundneunzi g Hym...
Der sechzig Hymnen und Gedicht...
Franz Rosenzweig, Rafaël N. Rosenzweig
0 Kommentare