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Berichterstattung als Stärke und Schwäche. Überlegungen zu einer Hermeneutik des Terrorismus unter besonderer Betrachtung der RAF

Title: Berichterstattung als Stärke und Schwäche. Überlegungen zu einer Hermeneutik des Terrorismus unter besonderer Betrachtung der RAF

Seminar Paper , 2010 , 9 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Ludwig Andert (Author)

Communications - Miscellaneous
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Die Erörterung begreift Terror als Text, der in hermeneutischer Tradition interpretiert werden kann und genau deshalb seinen „Autoren“ entgleitet und Reaktionen provoziert, die zum Scheitern der terroristischen Strategie beitragen. Als Anschauungsexemplar einer terroristischen Gruppe wird die Rote Armee Fraktion (RAF) dienen, was eine Einbeziehung anderer Fälle von Terrorismus jedoch nicht ausschließt.
Terroristen jeglicher Couleur werden als Fundamentalisten begriffen – fundamentalistisch deshalb, weil sie ihre Handlungsmotive nicht hinterfragen. Darauf aufbauend soll argumentiert werden, dass Terroristen in der Annahme, ihre Motive erklärten sich selbst, einer Täuschung auch über die Botschaft ihrer Taten erliegen. Die Fähigkeit, verschiedene Lesarten ihrer Gewaltakte zu antizipieren, fehlt ihnen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Fundamentalisten

Terrorismus: adressatenorientierte Kommunikation

Die Tat als Text

Primat der Praxis: Untergang der Botschaft

Deutung findet statt – auch ohne Botschaft

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Terrorismus als einen hermeneutischen Kommunikationsprozess, in dem Gewalttaten wie Texte interpretiert werden können, wobei der Fokus insbesondere auf der Roten Armee Fraktion (RAF) liegt.

  • Analyse von Terrorismus als Akt der Kommunikation und Adressatenorientierung.
  • Untersuchung der symbolischen Wirkung von Gewalttaten gegenüber der physischen Zerstörung.
  • Betrachtung der Rolle der Massenmedien bei der Interpretation terroristischer Botschaften.
  • Vergleich der RAF-Strategien mit modernen, fundamentalistisch motivierten Terrorstrukturen.
  • Erörterung der Deutungshoheit als eigenständiger "Kriegsschauplatz".

Auszug aus dem Buch

Die Tat als Text

Die Unterscheidung terroristischer Handlungen in „Taten“ und „Worte“, die sich aus der terroristischen Praxis herleitet, einerseits kriminelle Akte zu verüben und andererseits diese Akte durch Schriftgut (Bekennerschreiben oder z.B. politische Abhandlungen) zu begleiten, ist ungerechtfertigt. Sie impliziert, dass beide Elemente auch unabhängig voneinander existieren könnten. Wird Terrorismus als ein Akt der Kommunikation verstanden, dann kann das begleitende Schriftgut der Tat zugeordnet werden, während die Tat in ihrer Gesamtheit als eine Art Text interpretiert werden kann.

Um den kommunikativen Charakter der Tat genauer kennenzulernen, muss diese zunächst in ihre Wirkungsaspekte zerlegt werden. Die Journalistin Ulrike Meinhof hat, noch bevor sie selbst zur RAF stieß, bereits auf verschiedene Einzelheiten der Wirkung einer Tat aufmerksam gemacht:

„Das progressive Moment einer Warenhausbrandstiftung liegt nicht in der Vernichtung der Waren, es liegt in der Kriminalität der Tat, im Gesetzesbruch. [...] Hat also eine Warenhausbrandstiftung dies progressive Moment, das verbrechenschützende Gesetze dabei gebrochen werden, so bleibt zu fragen, ob es vermittelt werden kann, in Aufklärung umgesetzt werden kann.“ (Meinhof 1968)

Schon Meinhof betont klar die geringe Bedeutung der objektiven physischen Wirkung, die in Form von Sach- und Personenschäden in Erscheinung tritt.

Zusammenfassung der Kapitel

Fundamentalisten: Das Kapitel definiert den Begriff des Fundamentalisten jenseits religiöser Kontexte als unreflektierte Person, die ihre Handlungen aus einem festen "Fundament" herleitet, und überträgt dieses Konzept auf Terroristen.

Terrorismus: adressatenorientierte Kommunikation: Es wird dargelegt, dass Terrorismus primär als Akt der Kommunikation verstanden werden muss, der zwei Empfänger hat: den Gegner, der bloßgestellt werden soll, und potenzielle Sympathisanten.

Die Tat als Text: Dieses Kapitel argumentiert, dass terroristische Taten und das begleitende Schriftgut als Einheit – als "Text" – zu interpretieren sind, wobei die symbolische Wirkung weitaus bedeutender ist als der physische Schaden.

Primat der Praxis: Untergang der Botschaft: Anhand der Entführung von Hanns Martin Schleyer wird aufgezeigt, dass eine Fehlinterpretation durch die Medien zum Scheitern der beabsichtigten terroristischen Botschaft führen kann.

Deutung findet statt – auch ohne Botschaft: Das abschließende Kapitel analysiert den Wandel des Terrorismus hin zu größeren Netzwerken, in denen die Deutung der Taten durch Medien und Politik zum eigentlichen Kriegsschauplatz geworden ist.

Schlüsselwörter

Terrorismus, RAF, Hermeneutik, Kommunikation, Fundamentalismus, Mediale Aufbereitung, Symbolik, Deutungsmuster, Ulrike Meinhof, Hanns Martin Schleyer, Gewalttat, Politik, Massenmedien, Nachricht, Interpretation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit untersucht das Phänomen Terrorismus aus einer hermeneutischen Perspektive und betrachtet Terrorakte als eine Form der Kommunikation, die – ähnlich wie ein Text – interpretiert werden muss.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Die zentralen Felder umfassen die kommunikative Natur terroristischer Aktionen, die Rolle der Medien bei der Übermittlung von Terrorbotschaften und die Bedeutung der "Kriminalität" als symbolisches Werkzeug.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu zeigen, dass Terroristen als Fundamentalisten agieren, die ihre Motive nicht hinterfragen, und dass der Erfolg ihrer Strategie maßgeblich davon abhängt, wie ihre "Taten als Texte" von der Öffentlichkeit und den Medien interpretiert werden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen hermeneutischen Ansatz, um Terrorismus als Zeichensystem zu analysieren, unterstützt durch eine Literaturanalyse von Medientheorien und historischen Quellen zur RAF.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Adressatenorientierung des Terrorismus, die mediale Wirkung, das Konzept der "Tat als Text" sowie Fallbeispiele wie die Entführung von Hanns Martin Schleyer.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?

Die Analyse wird durch Begriffe wie Kommunikation, symbolische Wirkung, mediale Aufbereitung, Deutungsmuster und Fundamentalismus definiert.

Warum spielt die RAF in dieser Untersuchung eine zentrale Rolle?

Die RAF dient als Anschauungsexemplar für eine terroristische Gruppe, die ihre Taten sehr bewusst als Teil eines Medienspiels inszenierte und theoretisch reflektierte.

Wie unterscheidet sich moderner Terrorismus laut Autor von dem der RAF?

Der Autor stellt fest, dass moderne Terroranschläge, etwa im Kontext von 9/11, oft auf eine explizite politische Botschaft oder ein Bekennerschreiben verzichten, da die Deutungshoheit bereits durch den medialen Kontext des Feindbildes konstruiert wird.

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Details

Title
Berichterstattung als Stärke und Schwäche. Überlegungen zu einer Hermeneutik des Terrorismus unter besonderer Betrachtung der RAF
College
University of Siegen
Course
Terrorismus im Film
Grade
1,0
Author
Ludwig Andert (Author)
Publication Year
2010
Pages
9
Catalog Number
V155723
ISBN (eBook)
9783640696291
ISBN (Book)
9783640696895
Language
German
Tags
Terrorismus Medien Hermeneutik RAF Fundamentalismus Kommunikationsstrategie Propaganda der Tat
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ludwig Andert (Author), 2010, Berichterstattung als Stärke und Schwäche. Überlegungen zu einer Hermeneutik des Terrorismus unter besonderer Betrachtung der RAF, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/155723
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