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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Das Objekt 3
1.1 Internalisierung 4
1.2. Das Ich, das Selbst und die Repräsentanzen 5
1.3 Introjektion, Identifikation und Inkorporation 6
1.4 Eros und Todestrieb 6
2. Die Objektbeziehungstheorie 8
2.1 Repräsentanzenbildung jenseits des Ödipuskomplexes 9
2.2 Affekt und Emotion 10
2.2.1 Affekt und Trieb 11
2.2.2 Affekt und Objekt 11
3. Die Psychopathologie des Hasses 12
3.1 Die Wut 13
3.2 Der Hass 14
4. Zur Behandlung schwerer Persönlichkeitsstörungen 15
4.1 Schwere Persönlichkeitsstörungen und klassisches Strukturmodell 16
5. Zusammenfassung 17
6. Literaturverzeichnis 19
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Einleitung
Die heutige Psychoanalyse und die psychoanalytische Behandlungstechnik durchlaufen einen tiefgreifenden transformativen Prozess. Die klassische Freudsche Trieb- und Strukturtheorie ist in den letzten Jahrzehnten insbesondere durch Einflüsse der Ich-Psychologie und Entwicklung der Objektbeziehungstheorie verändert und weiterentwickelt worden. Eine entscheidende Frage hinsichtlich eines Fortbestehens der Freudschen Erkenntnisse ist die der Bedeutung der Affekte und ihrer Beziehung zu Objektbeziehungen und Trieben bei der Bildung unbewusster Motivationen. Dazu werde ich in dieser Ausarbeitung die Grundzüge der Objektbeziehungstheorie, wie Otto F. Kernberg sie vertritt, darstellen, um dann in einem weiteren Schritt die Weiterentwicklung der Triebtheorie unter Einbeziehung von Affekt und Objektbeziehungen darzulegen. Nach dieser Vorbereitung werde ich näher auf den primären Affekt der Wut eingehen und weiterführend den komplexeren Affekt des Hasses in Verbindung mit dem Aggressionstrieb in der Organisation schwerer Persönlichkeitsstörungen beschreiben. Folgend werde ich diese Neuerungen mit dem klassischen Strukturmodell in Beziehung setzen. Ziel dieser Arbeit ist es, den objektbeziehungstheoretisch unerfahrenen Leser langsam an die Grundlagen dieser komplexen Materie heranzuführen, weshalb ich auf Bestimmung grundlegender Begriffe nicht verzichten.
1. Das Objekt
Einleitend sei darauf hingewiesen, dass der Begriff des Objekts nicht für einen verdinglichten Umgang der Psychoanalyse mit den Personen und ihren Beziehungen steht. Der Begriff des Objektes ist vielmehr auf zwei verschiedene Weisen zu verstehen. Zum einen bedeutet er „die dem erkennende Subjekt gegenüberstehenden Gegenstände und Individuen als Objekte der Erkenntnis...“ (Mertens, W. 1996, S.67) und Anziehung - ein Liebesobjekt; zum anderen in bezug auf den Trieb „dasjenige, an welchem oder durch welches der Trieb sein Ziel erreichen kann“ ((Laplanche, J. Pontalis, J.-B. 1973, S.336) Sexualobjekt und Sexualziel). Nach Freud kann man zwischen partialem (eher zufälligem) Triebobjekt und ganzem personellem Liebesobjekt unterscheiden („Durch
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die infantile Geschichte der bio-psycho-sozialen Interaktionen kommt es durch den Drang zur Wiederholung zur Spezifizierung der Triebschicksale und -objekte“(Mertens, W. Waldvogel, B. (Hrsg.) 2002, S.502)). Auf die Triebe und ihre Bedeutung werde ich später ausführlich eingehen.
In der zeitgenössischen Psychoanalyse wird unter Objekt der reagierende Partner verstanden. Idealerweise ist der Partner mit Libido besetztes Objekt (Objektbesetzung) im Gegensatz zu Autoerotismus oder Besetzung des eigenen Ich (Narzissmus).
1.1 Internalisierung
Um zu zeigen, wie primäre Beziehungen bzw. die agierenden Subjekte und Objekte nicht nur im Außen sondern auch im Innern eine Rolle spielen, ist zunächst eine Begriffsklärung notwendig.
„Vorgänge wie Identifikation, Introjektion und Inkorporation werden in der analytischen Theorie oft ungenau definiert und angewandt“ (Eicke-Spengler, M. 1977, S.1082). Als übergeordnet erscheint lt. Fenichel und Schafer der Begriff der Internalisierung. Dabei werden aktiv Regulationsprozesse, „welche von [realen oder phantasierten] Interaktionen mit der Außenwelt herrühren, durch innere Regulationsvorgänge ersetzt...“ (ebd.). Es werden Verhaltensweisen und Motive internalisiert, die dann wiederum auf andere innere Motivationen und Verhaltensweisen einwirken.
Es wird unterschieden zwischen primärer Internalisierung zu einem Zeitpunkt, da Selbst und Objekt noch nicht von einander getrennt sind, und sekundärer Internalisierung, die der Grenzziehung zwischen Ich und Nicht-Ich, innen und außen nachfolgt. Internalisierte Regulationsprozesse können projiziert werden, ohne dass die Internalisierung wieder aufgehoben wird, es sei denn psychische Strukturen brechen regressiv zusammen.
„Introjektionen und Identifikationen sind besonders hervorzuhebende Internalisierungsprozesse“ (ebd. S.1084). Um diese beiden Begriffe zu verstehen, werde ich vorgreifend die Begriffe der Selbst- bzw. Objektrepräsentanz erläutern und damit auch den des Selbst. Eine Abgrenzung zum Begriff des Ich ist hierbei erforderlich. Ich werde den
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Selbstbegriff anhand eines Artikels von Rolf Fletscher herausarbeiten, und dabei auch den Begriff der Repräsentanzen klären.
1.2. Das Ich, das Selbst und die Repräsentanzen
Der Begriff des Selbst wurde 1950 von Heinz Hartmann im Rahmen der Entwicklung der Narzissmustheorie in der Psychoanalyse eingeführt. Seine Auffassung vom Selbst als „die Gesamtheit der leib-seelischen Persönlichkeit bzw., in psychoanalytischer Sicht, die Gesamtheit der Selbstrepräsentanzen...“ (Fletscher, R. 1981, S.617) blieb nicht unumstritten, zumal es nicht einfach ist, Selbst und Ich klar voneinander abzugrenzen. Fletscher legt Hartmann zu einer Definitionsfindung so aus, dass das Selbst umfassender und größer ist als das Ich, dass das Ich als Funktionsträger in das Selbst eingebettet ist, und dass das ich in der Lage ist, das Selbst wahrzunehmen. „In der Sicht nach innen wird das Wahrnehmungsorgan Ich zum Vermittler der Selbsterfahrung, ohne das deswegen Selbst und Ich in eins fielen“ (ebd. S.618). Das Ich soll nunmehr rein mittels seiner beobachtenden, denkenden, fühlenden etc. Funktionen definiert werden, und der räumliche Charakter im Freudschen Sinne des Strukturmodells käme so dem Selbst zu. Damit hat das Ich auch „keine Vorstellungsmäßigen Strukturen im Sinne vom Repräsentanzen“ (ebd. S.620). Fletscher fasst „das Ich jetzt strikt auf als ein unräumliches System geordneter Funktionen. ... Damit lässt sich das Ich als Organ des Selbst beschreiben...“(ebd. S.629). Das Ich ist in der Lage Inhalte des psychischen Innenraumes wahrzunehmen - „Es fühlt Impulse, Spannungen, Affekte und es stellt vor: nämlich Selbst-und
Objektrepräsentanzen...“(ebd.).
So haben wir uns nun automatisch dem Begriff der Repräsentanz angenähert. Eine Repräsentanz sei demnach eine vorstellungslässige Struktur, eine Konstituierung von Vorstellungsinhalten im inneren Wahrnehmungsraum. Entsprechend sind im Gegensatz zu den Selbstrepräsentanzen die Objektrepräsentanzen vorstellungslässige Strukturen in unserem seelischen Innenraum, die ihre Entstehung der Wahrnehmung der Außenwelt und ihrer Objekte durch das Ich verdanken. Doch kommen wir nun nach dieser Vorarbeit zurück auf die Begriffe der Introjektion und der Identifikation.
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1.3 Introjektion, Identifikation und Inkorporation
Der Begriff der Introjektion wird verwendet, um die Konstituierung von Objektrepräsentanzen als Introjekte zu beschreiben. Im Gegensatz dazu nennt Eicke-Spengler die Identifikation „mehr oder weniger“(Eicke-Spengler, M. 1977, S.1084) integrierte Aspekte von Selbstrepräsentanzen. Oft folgt eine Identifizierung mit dem Introjekt, d.h. die Selbstrepräsentanz „verändert sich nach dem Vorbild des Objekts...“ (ebd.). Regressiv kann diese Identifikation aufgehoben werden. Bei Psychosen zum Beispiel können einzelne Introjekte losgelöst als verfolgende Fremdkörper erlebt werden.
Die Inkorporation stellt eine phantasierte Einverleibung dar. Dabei werden einzelne Aspekte oder die gesamte Persönlichkeit des anderen in sich aufgenommen, oder man dringt ganz oder teilweise in die andere Person ein. Dies ist typisch für spiegelbildliches Verhalten in narzisstischen Beziehungsformen.
Um im weiteren Verlauf dieses Textes auf die Veränderungen einzugehen, welche die heutige Psychoanalyse bzw. die Objektbeziehungstheorie von der Freudschen Triebtheorie unterscheiden, wird es im nächsten Abschnitt nötig sein, auf das Triebmodell von Freud einzugehen.
1.4 Eros und Todestrieb
Freud unterschied zwischen Trieben und Instinkten. Unter Instinkten verstand er artenspezifische, angeborene, biologische und situations-gebundene (also nichtkontinuierliche) Motivationssysteme, die das Lebewesen auf Schlüsselreize in der Umwelt reagieren lassen. Auch die entsprechenden Verhaltens- bzw. Reaktionsmuster sind angeboren und verlaufen gleichartig - sie sind festegelegt. Die Triebe hingegen sind nach Freud stark individualisiert, flexibel und „in ihrer motivationalen Funktion kontinuierlich...“ (Kernberg, O. F. 2002, S.21). „Die Libido ist ein Trieb; Hunger ist ein Instinkt“ (ebd. S. 14). Die Triebe bleiben als Schnittstelle zwischen Leib und Seele stets unbewusst und äußern sich dem menschlichen Bewusstsein „nur durch ihre Abkömmlinge, nämlich Repräsentanzen und Affekte“ (ebd.).
Arbeit zitieren:
Dipl.-Psych. Lars Tischler, 2010, Objektbeziehungstheorie, Affekt, Aggression und schwere Persönlichkeitsstörung, München, GRIN Verlag GmbH
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