Inhaltsverzeichnis
1.0. Einleitung S.1
2.0. Funktion und Prinzip der Produktionsschulen S.3
2.1. Rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen in S.4
Deutschland
3.0. Die Verbleibsforschung S.6
3.1. Verbleibsforschung bis heute S.6
3.2. Kritik an der bisherigen Vorgehensweise S.7
3.3 Chancen und Risiken der Verbleibsforschung S.8
4.0. Fazit 10
1.0. Einleitung
Das deutsche Bildungssystem kann auf den ersten Blick als hoch flexibel und innovativ bezeichnet werden. Das duale System mit seinen Aufstiegschancen, verzeiht - solange die Schulpflicht besteht - auch Fehler die von Heranwachsenden im Zuge ihrer Jugend begangen werden. Rein theoretisch betrachtet, ist es jedem Schüler im Falle des Scheiterns an der Übergangsschwelle von Schule zur Arbeit noch möglich, den eigenen Werdegang zu beeinflussen und sogar bis zu einem universitären Abschluss zu gelangen. Egal wie aussichtslos sich die Lage in jungen Jahren gestaltet, ermöglicht die Anordnung der Schul-und Weiterbildungsmodule, je nach dem wie sich individuelle Fähigkeiten gestallten, einen Aufstieg im Bildungs- und Beschäftigungssystem. Dieses Aufstreben setzt jedoch eine persönliche Kraftanstrengung, Selbstdisziplin und vor allem, das Erkennen von tragfähigen und individuellen Perspektiven voraus. Ist dies aber nicht der Fall, kann das Übergangssystem auch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet werden. „ Zahlreiche Jugendliche vagabundieren durch Maßnahmekarrieren und machen noch vor dem Einstieg in Beruf und Arbeit die Erfahrung, dass sie nicht gebraucht werden(…)“ (Baethge, Solga, Wieck; 2007; S. 51). Greinert bezeichnet dieses sogar als ein „unter qualifikatorischen Gesichtspunkten“ weitgehend nutzloses Übergangssystem, dessen Name eine ganz offensichtlich beschönigende Verlegenheitsbezeichnung für einen sozialpolitisch skandalösen Dschungel von Warteschleifen ist. (vgl. Greinert 2007 S. 3).
Genau diese Tatsache stellt eine der großen Schwächen des Bildungssystems der Bundesrepublik dar. Es ist allgemein bekannt und erwiesen, dass Teile der deutschen Gesellschaft an exakt dieser Perspektivlosigkeit leiden. Es drängt sich zwangsläufig der Eindruck auf, dass sich innerhalb dieser Gesellschaftsschicht eine Gleichmütigkeit eingeschlichen hat. „Wer einmal aus dem herkömmlichen Schul- und Bildungssystem 'herausgefallen' ist, ergibt sich seinem Schicksal “(Biermann, Bonz, Rützel, 1999; S. 2). Viel zu oft begreifen sich junge Menschen als „Randgruppe“, die darüber hinaus sogar einen gewissen Stolz auf die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe entwickeln. In den Augen des Verfassers stellt diese Tatsache, die all zu oft auch auf Jugendliche mit Migrationshintergrund zutrifft, eine überaus bedenkliche Entwicklung da. Die Probleme dieser Menschen übertragen sich auf Gesellschaft und den Staat, welcher letztlich die Konsequenzen dieser Entwicklung zu tragen hat. Bedenklich sind Statistiken die belegen, dass zum Beispiel rund zwölf Prozent der Hamburger Schüler keinen Schulabschluss erwerben (vgl. Insa Gall und Oliver Schirg; 2007). Dabei ist die Lage in vielen Stadtteilen viel dramatischer, als der die reine Durchschnittsbetrachtung zum Ausdruck bringt.
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So verlässt in manchen Quartieren jeder vierte Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Eine Hauptschule in Lurup beispielsweise, musste 2005 sogar 34,4 Prozent des Jahrgangs ohne Abschluss verabschieden. An einer Schule im Osdorfer Born lag der Anteil bei 30,8 Prozent, wie auch in einer Altonaer Schule die 25,6 Prozent ihrer Schüler ohne qualifizierenden Abschluss entlassen hat. Diese jungen Menschen geraten schon zu Beginn ihres beruflichen Lebens in eine aussichtslose Lage. Schließlich ist die Konkurrenz um einen Ausbildungsplatz groß (vgl. Gall und Schirg; 2007). Die Aufgabe eines guten Bildungssystems sollte es sein, möglichst allen jungen Menschen in das Beschäftigungssystem zu integrieren.
Der Handlungsbedarf ist durch die Bildungsträger, den Staat und die Gesellschaft erkannt. Die Überforderung von Lehrkräften, sowie die aufgezeigte fortschreitende Entwicklung, sind auf Dauer nicht tragbar.
So entwickelten sich in den vergangenen Jahren verschiedenste Lösungsansätze, die sich zum Teil in oft überstürzt wirkenden Bildungsreformen äußerten, aber auch vielversprechende Maßnahmen hervorbrachten.
Einer dieser Lösungsansätze, der in Deutschland historisch betrachtet, bereits als Idee vorhanden war, stammt aus Dänemark. Das Konzept der Produktionsschule, welches eine Schnittstelle zwischen 9. und 10. Klasse der allgemeinbildenden Schulen und den BGJ/BVJ der Berufsschulen (vgl. Biermann, Bonz, Rützel, 1999; S. 2) darstellt, und sich als Kombination aus Lern- und Arbeitsort, sowohl für noch schulpflichtige Jugendliche, als auch für Heranwachsende, die bereits ihre Vollzeitschulpflicht absolviert haben und noch berufsschulpflichtig sind (vgl. Biermann, Bonz, Rützel, 1999; S. 2) versteht, soll sich vor allem als Bildungs- und Berufsorientierungsangebot auswirken.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich jedoch nicht primär mit dem Aufbau und dem Ablauf dieser Bildungsmaßnahme, sondern vielmehr mit der Dokumentation ihrer Wirkungsweise. Die Untersuchung soll sich im Schwerpunkt auf die bisherige Verbleibsforschung bezüglich der Produktionsschüler beziehen. Die bis zum heutigen Zeitpunkt durchgeführten Maßnahmen sollen dabei zunächst veranschaulicht und im Anschluss kritisch betrachtet werden. Ziel ist es, die Wichtigkeit, sowie die Chancen einer wissenschaftlich fundierten Verbleibsforschung aufzuzeigen, um basierend auf diesen Vorüberlegungen eine Forschungsarbeit zur Verbesserung der bisher getroffenen Maßnahmen anzufertigen Im folgenden Kapitel soll jedoch, der Vollständigkeit halber die Funktion und das didaktische Modell der Produktionsschulen in Deutschland kurz skizziert werden.
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Dabei soll jedoch nicht das gesamte didaktische Konzept im Detail erörtert werden, sondern lediglich die Grundfunktion und die Idee der Produktionsschule erläutert werden.
2.0. Funktion und Prinzip der Produktionsschulen
„Produktionsschulen sind arbeitsorientierte Bildungseinrichtungen, die auf den Beruf vorbereiten sollen. Darüber hinaus bieten sie ein Bildungsangebot für benachteiligte Jugendliche und stellen eine Alternative zum Berufsvorbereitungsjahr (BVJ) dar. Ziel der Produktionsschulen ist es, ausbildungsfähige Schüler hervorzubringen (…)“ (Schaerffer 2005; S. 5). Um den jungen Menschen die gemeinhin als „schwere Fälle“ bezeichnet werden, Perspektiven und berufliche Alternativen aufzuzeigen, orientieren sich die Produktionsschulen dabei möglichst realitätsnahe an der Arbeitswelt. Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 15 bis 27 Jahren, die an der ersten Schwelle des Bildungssystems gescheitert sind, sollen durch die Produktionsschulen im Beschäftigungssystem integriert werden. Um sie in Ihrer intrinsischen Motivation zu bestärken, beschränkt man sich bei der Ausbildung nur auf die wesentlichen Schulfächer, wie Deutsch und Mathematik, die nötig sind um einen Hauptschulabschluss zu erwerben.
Desweiteren finden theoretische Unterrichte zu den jeweiligen Fachschwerpunkten statt. Die untenstehende Grafik, soll am Beispiel der Produktionsschule BuntStift in Kassel musterhaft verdeutlichen, welche Schwerpunkte Teil der Ausbildung seien können.
Arbeit zitieren:
Thomas Berger, 2009, Die Produktionsschulen als Chance für die Gesellschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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