Kindern. Dies passiert womöglich niedrigschwellig, vielleicht sogar beiläufig, indem Eltern den männlichen Erziehern untersagen, ihr Kind zu wickeln oder eine Gruppe allein zu beaufsichtigen. Doch allein diese Forderung ist eine boshafte Unterstellung und Degradierung der Professionalität männlicher Erzieher.
Wie geht man mit diesem Generalverdacht des Mannes als Täter um? “Männliche Erzieher werden gedanklich immer wieder mit dem Thema „Missbrauch“ in Verbindung gebracht. Diese „gedankliche Nähe“ wirkt (...) sich auch auf die pädagogische Praxis der männlichen Erzieher und Auszubildenden aus. Um sich vor Verdachtsmomenten zu schützen, halten sich männliche Erzieher und Auszubildende immer wieder demonstrativ in der Arbeit insbesondere mit Mädchen zurück.” (Cremers, Krabel, Calmbach: 2010) Und dies ist nicht ganz unbegründet, denn 40% der Eltern, sowie 43% der Kitaleitungen haben schon mal an die Gefahr des Missbrauchs durch einen männlichen Erzieher gedacht.
Die Schwierigkeit der Thematik liegt darin, dass versucht wird, zwei Faktoren, die gegeneinander arbeiten, zu vereinbaren. Dies ist einerseits der vorherrschende Fachkräftemangel, insbesondere im Hinblick auf männliche Erzieher und andererseits die Auseinandersetzung mit dem vorurteilsbehafteten Bild gegenüber Männern (Erziehern) als Vergewaltigern. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat die Bedeutung männlicher Erzieher in Kitas auch erkannt und fördert ab dem nächsten Jahr mit dem Programm “MEHR Männer in Kitas” zehn best-practice Modellstandorte mit insgesamt 12,5 Millionen Euro. “Männliche Erzieher gelten (...) als eine Bereicherung für die Kinder, weil davon ausgegangen wird, dass sie die Vielfalt an Angeboten erhöhen und die Kitas mit Interessen und Sichtweisen bereichern können, die bislang nur wenig berücksichtigt werden. Mehrheitlich wird die Meinung vertreten, dass Kinder durch geschlechterheterogene KitaaTeams lernen, wie Männer und Frauen ihre Beziehungen positiv gestalten können. Die verschiedenen Erhebungsgruppen sehen durch geschlechterheterogene KitaaTeams zudem eine bessere Unterstützung der Kinder bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben gewährleistet.” (Cremers, Krabel, Calmbach: 2010) Aufgrund dieser deutlichen Positionierung, man (in dem Falle der Bund, sowie Wohlfahrtsorganisationen und Kita-Träger) wolle mehr männliche Fachkräfte, ist die Auseinandersetzung mit diesem Generalverdacht besonders wichtig, denn um eine Erziehertätigkeit attraktiver für Männer zu gestalten, müssen sich sowohl Eltern, als auch Erzieherinnen und Kitaleitungen konstruktiv mit der Thematik befassen. Denn in diesem Zusammenhang hat die
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Beschäftigung von männlichen Erziehern sowohl eine Auswirkung auf die Eltern, als auch auf die Erzieher selbst, wenn sie sich aufgrund von Ängsten und Verdächtigungen in eine Ecke gedrängt fühlen. Die Situation der Eltern steht der Situation der männlichen Erzieher frontal gegenüber. Die Thematik beschäftigt alle Beteiligten, die männlichen Erzieher, auch die Eltern und die Kita-Teams, sowie die Trägerverantwortlichen.
Für alle involvierten Parteien ist es eine schwierige Situation mit unterschiedlichen Standpunkten, Bedenken und Handlungsoptionen.
Was macht es mit mir als Elternteil, wenn ein Mann allein auf mein Kind aufpasst, ihm vielleicht sogar die Windeln wechselt oder es auf dem Schoß hat? Was macht es mit mir, selbst wenn ich keine Vorurteile habe, wenn andere Eltern skeptisch sind und den Erzieher ungerechtfertigt verurteilen oder behandeln, sowie andere mit ihrer Position anstacheln? Was macht es als männlicher Erzieher mit mir, wenn mir dieses Misstrauen entgegen gebracht wird? Was macht es mit mir, wenn mir immer eine Erzieherin zur Seite gestellt wird, weil man mich nicht allein mit den Kindern lassen will? Was macht es als Mann mit mir, wenn man mir Pädophilie und sexuelle Übergriffe unterstellt? Was macht es mit mir und meiner Arbeit? Im Hinblick auf das Rechtsverständnis des Volksmundes würde man wohl sagen “Im Zweifel für den Angeklagten”. Ein unschuldiger Mensch, sollte auch wie ein eben solcher behandelt werden. Bei jedem anderen Thema könnte dies ein Großteil der Menschen (besser gesagt der Eltern) wohl auch vertreten. Jedoch sobald das eigene Kind involviert ist, welches es maximal zu schützen gilt, teilen sich die Ansichten. Glaube ich einem geringsten Verdacht, meiner eigenen Zweifel bzw. Angst, oder glaube ich meinem Vertrauen gegenüber dem Mann, der zum Teil mehrere Stunden am Tag mit meinem Kind zusammen ist.
In welchem Zwiespalt befinden sich auch die Leitungspersonen, die entscheiden, ob der Missgunst der Eltern Rechnung getragen wird oder dem Mitarbeiter Vertrauen entgegen zu bringen ist? Wie handelt man richtig? Was ist, wenn man sich für das Vertrauen gegenüber dem Mitarbeiter entscheidet, in Nachhinein doch etwas passiert und der Vorwurf auf den Tisch kommt, man habe trotz von Eltern geäußerter Bedenken nicht gehandelt.
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Arbeit zitieren:
Dana Süß, 2010, Problematik eines Generalverdachts gegenüber männlichen Mitarbeitern in Kindereinrichtungen, München, GRIN Verlag GmbH
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