Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einleitung 3
2. Theoretische Grundlagen 4
2.1. Begriffliche Klärung „Selbstgesteuertes Lernen“ 4
2.2. Lerntheoretische Verortung 5
3. Voraussetzungen des selbstgesteuerten Lernens 6
4. Das Drei-Schichten-Modell des selbstgesteuerten Lernens
(Boekaerts 1999) 9
5. Dimensionen der Selbststeuerung 12
5.1. Lernziel, Lerninhalte und Lern(erfolgs)kontrolle 13
5.2. Lernweg und Lernorganisation 14
6. Fazit 16
Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Wir erleben in unserer Gesellschaft eine ständig wachsende Informationsflut verbunden mit der Notwendigkeit, „sich verändernden Bedingungen im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich anzupassen, konkurrenzfähig zu bleiben und Innovationen aus anderen Bereichen wie auch anderen Ländern nicht nachzustehen“ (Reinmann-Rothmeier/Mandl 1993, S. 233). Veränderungen in arbeitsorganisatorischer, technischer und gesellschaftlicher Hinsicht führen in vielen beruflichen Bereichen zu einer relativ raschen Veraltung berufsrelevanten Wissens, so dass von Erwerbstätigen eine zunehmende Lernbereitschaft gefordert wird. Der aktuelle Bildungsbericht (Bildung in Deutschland 2010, S. 135) weist darauf hin, dass insbesondere die berufliche Weiterbildung einen wichtigen Faktor für die „individuelle berufliche Mobilität und Behauptung am Arbeitsplatz“ darstellt. Lernen findet also nicht mehr nur in Schule und Ausbildung statt, sondern ein lebenslanges Lernen wird notwendig. In diesem Kontext kommt insbesondere der Fähigkeit zu selbstgesteuertem Lernen eine hohe Bedeutung zu. Allerdings beinhaltet dieser Begriff eine gewisse Ambivalenz. Hat der Erwerbstätige die Möglichkeit, seinen Lernprozess selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu gestalten, d.h. beispielsweise zu lernen, wo und wann er mag und wie es seinem Lernzweck dienlich ist oder ist er nicht letztendlich zu einem lebenslangen selbstgesteuerten Lernen verpflichtet, um seine Erwerbsfähigkeit zu erhalten? (Drees 2009, S. 81/82)
In der vorliegenden Hausarbeit soll also der Frage nachgegangen werden, ob selbstgesteuertes Lernen für den Erwerbstätigen Autonomie und Wahlfreiheit bedeutet oder ob es für ihn eine fremdbestimmte Verpflichtung darstellt. Dazu werden zunächst in Kapitel 2 eine Begriffsdefinition sowie eine lerntheoretische Verortung selbstgesteuerten Lernens vorgenommen. In Kapitel 3 wird auf die Voraussetzungen des selbstgesteuerten Lernens eingegangen und in Kapitel 4 schließlich ein theoretisches Modell selbstgesteuerten Lernens vorgestellt. Kapitel 5 beinhaltet die Dimensionen der Selbststeuerung und stellt Lernen im Spannungsfeld zwischen Selbstlernen und Fremdbestimmung in den
3
Vordergrund. Die Arbeit endet mit einem Fazit in Kapitel 6, das die eingangs gestellte Frage abschließend betrachtet.
Es sei angemerkt, dass zugunsten einer besseren Lesbarkeit auf eine geschlechtsspezifische Schreibweise verzichtet wird. Mit der verwendeten männlichen Form ist jedoch auch das weibliche Geschlecht gemeint.
2. Theoretische Grundlagen
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen des selbstgesteuerten Lernens. Dabei geht es zunächst um die Klärung des Begriffs „selbstgesteuertes Lernen“, danach wird die Lerntheorie, die dieser Lernform zugrunde liegt, thematisiert.
2.1 Begriffliche Klärung „selbstgesteuertes Lernen“
Bei der Recherche nach einer begrifflichen Klärung fällt auf, dass in der Fachliteratur kein einheitliches Begriffsverständnis zum selbstgesteuerten Lernen vorliegt. Begriffe wie selbstreguliertes, selbstorganisiertes oder selbstgesteuertes Lernen sowie self-regulated oder self-directed learning werden häufig synonym, teilweise aber auch unterschiedlich verwendet. In der deutschsprachigen Literatur hat sich nach Dohmen (1996, S. 44) der Begriff des selbstgesteuerten Lernens durchgesetzt. Aufgrund der Begriffsvielfalt verwundert es auch nicht, dass „keineswegs allgemeingültig geklärt ist, was überhaupt als selbstgesteuertes Lernen gelten soll“ (Drees 2009, S. 82). Im Sinne der mit dem Thema der vorliegenden Arbeit aufgeworfenen Frage wird auf Definitionen eingegangen, die dazu beitragen, Fremd- und Selbstbestimmung beim selbstgesteuerten Lernen zu klären. Weinert (1982, S. 102) bezeichnet jene Lernformen als selbstgesteuert, bei denen „der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann“. Diese Definition betont die vielfältigen Handlungsspielräume des Lernenden beim selbstgesteuerten Lernen im Unterschied zum fremdgesteuerten Lernen, wo die Gestaltung des Lernprozesses maßgeblich durch andere Personen bestimmt wird (Schiefele/Pekrun 1996, S. 249). Knowles (1975, S. 18) definiert selbstgesteuertes Lernen als einen Prozess,
4
„in which individuals take the initiative, with or without the help of others, in diagnosing their learning needs, formulating learning goals, identifying human and material resources for learning, choosing and implementing appropriate learning strategies, and evaluating learning outcomes.”
Knowles spricht also außer den bei Weinert genannten Aspekten auch noch die Evaluation der Lernergebnisse an. Auch Reinmann-Rothmeier/Mandl (1998, S. 199) weisen bei ihrer Beschreibung des selbstgesteuerten Lernens auf diesen Aspekt hin, machen aber gleichzeitig deutlich, dass der Grad der Selbststeuerung von Individuum zu Individuum stark variieren kann und eine „einzige Definition des selbstgesteuerten Lernens daher müßig“ ist. Nach Pätzold/Lang (2005, S. 145) hat selbstgesteuertes Lernen „immer auch einen idealtypischen Charakter“, da es immer einen aktiven Part des Lernenden erfordert und nie frei von äußeren Einflüssen geschehen kann. Ihrer Meinung nach erscheint es sinnvoll, selbstgesteuertes Lernen „auf einem Kontinuum mit den Polen „absolute Autonomie“ und „vollständige Fremdsteuerung“ anzusiedeln, entlang dessen sich verschiedene Grade von Selbst- bzw. Fremdsteuerung im Lernprozess bestimmen lassen“ (ebenda, S. 146/147). Dies wird in Abbildung 1 verdeutlicht:
2.2 Lerntheoretische Verortung
Lerntheorien sind Modelle, die versuchen das Lernen psychologisch zu beschreiben und zu erklären. In den letzten Jahrzehnten fanden bedeutsame Wechsel der lerntheoretischen Sichtweisen statt. Im Behaviorismus wird Lernen als von außen steuer- und kontrollierbarer Prozess angesehen. Das Gehirn wird als eine „Black Box“ betrachtet, es antwortet auf einen
5
einwirkenden Reiz automatisch mit einer Reaktion. Im Kognitivismus dagegen stellt Lernen einen vom Lernenden selbst gesteuerten
Informationsverarbeitungsprozess dar, bei dem der Lernende als ein Individuum gesehen wird, das sich eigenständig Ziele setzt, selbständig plant und absichtsvoll handelt (vgl. Drees 2009, S. 49). Im radikalen Konstruktivismus wird Lernen als eine reine Wissenskonstruktion gesehen, diese stellt einen eigentätigen Prozess dar, Lernen kann also somit nicht von außen erzeugt werden. Die Lernenden steuern ihren Lernprozess selbst und konstruieren ihr Wissen aktiv und selbständig. Im Unterschied zum Kognitivismus, der Lernen als einen Informationsverarbeitungsprozess sieht, ist Lernen im Konstruktivismus Wissenskonstruktion. Kennzeichnend für gemäßigte Formen des Konstruktivismus sind auf der einen Seite der motivierte Lernende, der aktiv und eigentätig Steuerungs- und Kontrollprozesse selbst übernimmt und auf der anderen Seite ein konstruktives Lernen, das an Vorwissen anknüpft und das interaktiv geschieht (vgl. Dehnbostel 2009, S. 55/56).
Selbstgesteuertes Lernen wird häufig in konstruktivistischen Lerntheorien angesiedelt (vgl. Schiersmann/Remmele 2002, S. 56; Kraft 1999, S. 837). Nach Friedrich/Mandl (1995, S. 3 zit. n. Kraft 1999, S. 837) weist es „eine Affinität zu jenen Theorieansätzen auf, die in Abkehr vom behavioristischen Denken Lernen nicht mehr nur in Abhängigkeit von äußeren Stimulusbedingungen untersuchen, sondern die aktive und konstruktive Rolle des Individuums betonen“. In der aktuellen lerntheoretischen Diskussion wird selbstgesteuertes Lernen als aktiver eigentätiger Prozess des Lernenden angesehen. Der Lernende organisiert sein Lernen selbst, setzt sich selbständig Ziele, wählt entsprechende Strategien, um diese zu erreichen und korrigiert seine Lernhandlungen jeweils so, dass er sein Ziel erreicht. Er ist nicht mehr der passiv Reagierende des Behaviorismus, der von außen gesteuert und kontrolliert wird, sondern selbständig und aktiv Handelnder im eigenen Lernprozess.
3. Voraussetzungen des selbstgesteuerten Lernens
Selbstgesteuertes Lernen stellt hohe Anforderungen an den Lernenden und verlangt weitreichende Kompetenzen, u.a. muss der Lernende sein Lernziel
6
Arbeit zitieren:
Marion Biroth, 2010, Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Bildung, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Auswirkungen des Leitmediums Fernsehen auf Individuum und Gesellschaft
Eine kritische Bestandsaufnahm...
Bachelorarbeit, 47 Seiten
Das 4 C/ID Modell - Ein Blueprint eines Lehrplans für die Ausbildung e...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Studienarbeit, 24 Seiten
Reflektierende Dokumentation zum Praktikum im Studiengang B.A. Bildung...
Praktikumsbericht / -arbeit, 23 Seiten
Medienkompetenzerwerb für Kinder und Jugendliche außerhalb der Schule
Seminararbeit, 21 Seiten
Die Entwicklung eines Lehrplan...
Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie
Hausarbeit, 22 Seiten
Lebenslanges Lernen als Herausforderung der betrieblichen Weiterbildun...
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 20 Seiten
Qualität in der Weiterbildung im Spannungsfeld zwischen ökonomischer S...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Diplomarbeit, 250 Seiten
Sollten Eltern Gewalt-Spiele am Computer verbieten?
Eine bildungswissenschaftliche...
Pädagogik - Pädagogische Soziologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Bildungswissenschaftler im Bereich Design und Entwicklung von Lernmate...
Ein Blueprint - erstellt mit d...
Seminararbeit, 20 Seiten
Online Communities – Potenziale und Risiken für jugendliche Nutzer
Hausarbeit, 23 Seiten
Reflektierende Dokumentation zum Entwurf von Lernmaterialien für Schul...
Grafische Umsetzung von Schulu...
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung
Praktikumsbericht / -arbeit, 38 Seiten
Arbeit mit alten Menschen - Medienpädagogische und didaktische Aspekte...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Hausarbeit, 46 Seiten
Das 4CID-Modell in der Anwendung Bildungswissenschaftler/-in im Bereic...
Pädagogik - Erwachsenenbildung
Hausarbeit, 21 Seiten
Konzeption, Planung und Durchführung einer Trainingsmaßnahme
Eine reflektierende Dokumentat...
Praktikumsbericht / -arbeit, 19 Seiten
Soziale Funktionen von Massenmedien - ein Siegeszug gegen die Einsamke...
Medien / Kommunikation - Forschung und Studien
Hausarbeit, 22 Seiten
Das 4CID-Modell am Beispiel „BildungswissenschaftlerIn im Bereich Desi...
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Hausarbeit, 22 Seiten
"Lebenslanges Lernen" - Bildung in der Risikogesellschaft
Magisterarbeit, 87 Seiten
Marion Biroth gefällt Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Bildung
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung: Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Bildung ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung: neuer Titel erschienen: Selbstgesteuertes Lernen in der beruflichen Bildung
Selbstgesteuertes Lernen als Innovationsimpuls in berufsbildenden Schu...
Günter Pätzold, Martin Lang
Studienbuch Theorien der beruflichen Bildung
Grundzüge der Diskussion im 20...
Ute Lange, Klaus Harney, Sylvia Rahn, Heidrun Stachowski
Lernen und Problemlösen in der beruflichen Bildung
Methodenhandbuch
Margit Frackmann, Michael Tärre
Berufliche Bildung und Persönlichkeitsentwicklung
Forschungsstand und Forschungs...
Ute Grabowski
Berufliche Bildung für nachhaltiges Wirtschaften
Konzepte - Curricula - Methode...
Ernst Tiemeyer, Karl Wilbers
Selbstgesteuertes und kooperatives Lernen in der beruflichen Erstausbi...
Abschlussbericht des Programmt...
Dieter Euler, Günter Pätzold, Renate Hinz, Uwe Uhlendorff, Udo von der Burg
Berufs- und Wirtschaftspädagogik
Probleme und Perspektiven aus ...
Klaus Breuer, Thomas Deißinger, Dieter Münk
0 Kommentare