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Staatsbürgerrechte und das Dilemma von Differenz und Gleichheit

Title: Staatsbürgerrechte und das Dilemma von Differenz und Gleichheit

Term Paper , 2001 , 13 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Ramona Lenz (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Der Feminismus erscheint häufig in zwei Lager gespalten: die
Verfechterinnen der Gleichheit einerseits und die Verfechterinnen der
Differenz andererseits. Erstere werden in der Regel so verstanden,
daß sie die identische Behandlung von Frauen und Männern fordern
und letztere so, daß sie unterschiedliche Charakteristika und
Lebensumstände von Frauen besonders berücksichtigt wissen
wollen. Die Position der beiden Seiten erscheint oberflächlich oftmals
unvereinbar. Bei näherem Hinsehen zeigt sich jedoch, daß der
Feminismus tatsächlich sehr viel vielschichtiger und verwobener ist
als es die Polarisierung von Differenz und Gleichheit nahelegt.
Auch was die Debatte um Staatsbürgerrechte anbelangt, scheinen
die feministischen Positionen auf den erstem Blick im Dilemma von
Differenz und Gleichheit verfangen. Bei genauerer Betrachtung ergibt
sich jedoch ein komplexeres Bild. So untersucht Ruth Lister die
Mechanismen, die dazu beigetragen haben, daß Frauen und
Minderheiten von vollständiger Staatsbürgerschaft ausgeschlossen
sind. Sie kommt zu dem Schluß, daß die Differenz in den
Gleichheitsgedanken des Staatsbürgerrechts einbezogen werden
muß und plädiert für einen “differenzierten Universalismus” als Basis
des Staatsbürgerrechts.1
Carole Pateman geht der Frage nach, wie Mutterschaft - das
“Differenzmerkmal” schlechthin - als Argument diente, Frauen
einerseits aus dem Recht auf Staatsbürgerschaft auszuklammern,
andererseits aber auch als politischer Status konzipiert wurde, der
Frauen auf besondere Weise in die politische Ordnung einbezog. Sie
stellt fest, daß unter dem Postulat der Gleichheit Differenz durchaus
eingeschlossen war, ohne daß daraus jedoch Freiheit für die Frau
resultiert hätte. Daraus schließt sie, daß die Debatte nicht um
Differenz und Gleichheit zu führen ist, sondern um Unterordnung
oder Freiheit der Frau.2 [...]

1 vgl. Lister 1997
2 vgl. Pateman 1992

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. RUTH LISTER: “ARGUMENTE FÜR EINEN ‘DIFFERENZIERTEN UNIVERSALISMUS’”

2.1. AUSSCHLUSSMECHANISMEN VON STAATSBÜRGERSCHAFT

2.2. VIELFALT UND DIFFERENZ ALS HERAUSFORDERUNG FÜR STAATSBÜRGERSCHAFT

2.3. NEUORDNUNG DES ÖFFENTLICHEN UND DES PRIVATEN

3. CAROLE PATEMAN: “DER SPRINGENDE PUNKT BEIM PROBLEM DER ‘DIFFERENZ’ IST DIE FREIHEIT DER FRAUEN”

3.1. DIE STRUKTUR DES WOHLFAHRTSSTAATES

3.2. DIE POLITISCHEN VERPFLICHTUNGEN AUS DEM STAATSBÜRGERRECHT

3.3. DIE POLITISCHE PFLICHT VON SOLDATEN UND MÜTTERN IM VERGLEICH

3.4. DAS SCHEINBARE DILEMMA VON GLEICHHEIT UND DIFFERENZ

4. SCHLUSS

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen Gleichheit und Differenz im Kontext von Staatsbürgerrechten aus feministischer Perspektive, wobei insbesondere die Positionen von Ruth Lister und Carole Pateman analysiert werden, um die Grenzen traditioneller, nationalstaatlich geprägter Konzepte aufzuzeigen.

  • Feministische Debatten um Gleichheit und Differenz
  • Mechanismen des Ausschlusses von Frauen und Minderheiten aus der Staatsbürgerschaft
  • Die historische und strukturelle Verknüpfung von Mutterschaft und politischem Status
  • Kritik am universalistischen Staatsbürgerschaftsbegriff und Plädoyer für Differenzierung
  • Postnationale Perspektiven auf Identität und Widerstand

Auszug aus dem Buch

3.1. Die Struktur des Wohlfahrtsstaates

Das “Sozialversicherungsmodell” des anglo-amerikanischen Wohlfahrtsstaates basiert Pateman zufolge auf der Vorstellung, daß die Individuen einen “Beitrag” leisten, wodurch sie einen Anspruch auf die Segnungen des Wohlfahrtsstaates erhalten. Dabei werde selten registriert, daß es Männer als “Arbeiter”, “Ernährer” und Empfänger des Familienlohns sind, die als jene Individuen betrachtet werden, während man von Frauen nicht angenommen hat, daß sie denselben Beitrag wie Männer entrichten (könnten). Deshalb hätten sie auch nie die gleichen Ansprüche auf die Segnungen des Wohlfahrtsstaat besessen oder auf die sozialen Rechte aus dem Bürgerstatus, wie T.H. Marshall formulierte.

Das heiße aber nicht, daß Frauen aus dem Wohlfahrtsstaat völlig ausgeschlossen gewesen wären. Vielmehr läßt sich sagen, daß sie dessen Leistungen in der Regel nicht in ihrer Eigenschaft als Staatsbürgerinnen erhielten, sondern als Abhängige und Untergeordnete männlicher Bürger, ohne eigene Rechte. Heute stellten Frauen die Hauptklientel des Wohlfahrtsstaates und die Mehrheit der Armen dar. Der Wohlfahrtsstaat habe damit sozusagen die Rolle des männlichen Ernährers der Familie übernommen. An der ökonomischen Abhängigkeit der Frauen habe sich dadurch im Prinzip nichts geändert.

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Führt in das feministische Dilemma von Gleichheit und Differenz ein und stellt die Relevanz der Staatsbürgerschaftsdebatte anhand der Positionen von Lister und Pateman dar.

2. RUTH LISTER: “ARGUMENTE FÜR EINEN ‘DIFFERENZIERTEN UNIVERSALISMUS’”: Analysiert Listers Konzept eines differenzierten Universalismus, der Ausschlussmechanismen innerhalb der Staatsbürgerschaft adressiert.

2.1. AUSSCHLUSSMECHANISMEN VON STAATSBÜRGERSCHAFT: Untersucht, wie Staatsbürgerschaft sowohl als Inklusions- als auch als Exklusionsfaktor fungiert, besonders im Kontext von Nationalstaaten.

2.2. VIELFALT UND DIFFERENZ ALS HERAUSFORDERUNG FÜR STAATSBÜRGERSCHAFT: Erläutert die Notwendigkeit, innerhalb der Frauenbewegung Unterschiede anzuerkennen, ohne die Basis für Solidarität zu verlieren.

2.3. NEUORDNUNG DES ÖFFENTLICHEN UND DES PRIVATEN: Plädiert für die Anerkennung weiblicher Bedürfnisse als politische Themen, um die patriarchalische Trennung von öffentlich und privat aufzubrechen.

3. CAROLE PATEMAN: “DER SPRINGENDE PUNKT BEIM PROBLEM DER ‘DIFFERENZ’ IST DIE FREIHEIT DER FRAUEN”: Untersucht, wie Mutterschaft als politischer Status zur Ein- und Ausschließung von Frauen in der politischen Ordnung instrumentalisiert wurde.

3.1. DIE STRUKTUR DES WOHLFAHRTSSTAATES: Zeigt auf, wie das Modell des männlichen Ernährers Frauen in Abhängigkeit hält und ihnen eigene Rechte als Staatsbürgerinnen vorenthält.

3.2. DIE POLITISCHEN VERPFLICHTUNGEN AUS DEM STAATSBÜRGERRECHT: Diskutiert die historische Ausgrenzung von Frauen aus der Staatsbürgerpflicht, die primär als Verteidigungspflicht (Männerpflicht) definiert war.

3.3. DIE POLITISCHE PFLICHT VON SOLDATEN UND MÜTTERN IM VERGLEICH: Kritisiert den Vergleich zwischen soldatischem Opfergang und Gebären, da letzteres Frauen nicht den Status einer Staatsbürgerin verleiht.

3.4. DAS SCHEINBARE DILEMMA VON GLEICHHEIT UND DIFFERENZ: Argumentiert, dass die eigentliche politische Herausforderung nicht die Differenz selbst, sondern die mit ihr verbundene Unterordnung von Frauen ist.

4. SCHLUSS: Fasst die theoretischen Positionen zusammen und ergänzt sie um postnationale Ansätze von Haraway und Sandoval.

Schlüsselwörter

Staatsbürgerschaft, Feminismus, Differenz, Gleichheit, Universalismus, Wohlfahrtsstaat, Mutterschaft, politische Freiheit, Ausschlussmechanismen, Identitätspolitik, Nationalstaat, Unterordnung, Geschlechterdifferenz, politische Ordnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der feministischen Auseinandersetzung um das Spannungsfeld zwischen Gleichheit und Differenz im Kontext von Staatsbürgerrechten.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse von Ausschlussmechanismen in der Staatsbürgerschaft, der Rolle der Mutterschaft als politischer Status und der Kritik am klassischen universalistischen Staatsbürgerbegriff.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die Konzepte von Ruth Lister und Carole Pateman gegenüberzustellen, um zu verdeutlichen, dass der Fokus feministischer Debatten stärker auf der Freiheit der Frau als auf dem bloßen Dilemma von Differenz liegen sollte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und den theoretischen Diskursvergleich, um feministische Positionen zur Staatsbürgerschaft und zu sozialen Bewegungen kritisch zu reflektieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der Positionen von Lister und Pateman, insbesondere hinsichtlich ihrer Analyse des Wohlfahrtsstaates und der staatlichen Erwartungen an Frauen als Staatsbürgerinnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Staatsbürgerschaft, Differenz, Universalismus, Geschlechterverhältnis, soziale Sicherung und politische Unterordnung.

Wie unterscheidet sich die Auffassung von Mutterschaft bei Pateman?

Pateman betont, dass Mutterschaft historisch als Instrument diente, um Frauen zwar in die politische Ordnung einzubeziehen, sie jedoch gleichzeitig als den Männern untergeordnete Subjekte aus dem öffentlichen, vertraglich geregelten Staatsbürgerrecht auszuschließen.

Welche Rolle spielen Haraway und Sandoval im Fazit?

Sie werden eingeführt, um über den nationalstaatlichen Rahmen hinausgehende, postnationale Strategien der Koalitionsbildung und des Widerstands zu diskutieren, die die brüchigen Identitäten in einer postmodernen Welt besser berücksichtigen.

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Details

Title
Staatsbürgerrechte und das Dilemma von Differenz und Gleichheit
College
University of Frankfurt (Main)  (Institut für Vergleichende Politikwissenschaft und Internationale Beziehungen)
Course
Konzepte einer Zivilgesellschaft
Grade
sehr gut
Author
Ramona Lenz (Author)
Publication Year
2001
Pages
13
Catalog Number
V16277
ISBN (eBook)
9783638211727
Language
German
Tags
Staatsbürgerrechte Dilemma Differenz Gleichheit Konzepte Zivilgesellschaft
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Ramona Lenz (Author), 2001, Staatsbürgerrechte und das Dilemma von Differenz und Gleichheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/16277
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