Inhalt
1. Einleitung 1
1.1. Ausgangslage: Mensch und Technik 1
1.2. Zielsetzung der Arbeit 2
1.3. Aufbau der Arbeit 3
2. Definition des "Cyborg" 6
2.1. Etymologie des "Cyborg"-Begriffs 6
2.2. Gradationen des Cyborgs 12
2.3. Abgrenzung des Cyborgs 16
3. Der Cyborg im Sport 18
3.1. Sport und Gesellschaft - Vorbetrachtungen 18
3.2. Die Entwicklungen im Leistungssport 19
3.2.1. Die genetische Disposition prädestiniert das sportliche Ergebnis 19
3.2.2. Der moderne Athlet als Teil einer "Maschinerie" 19
3.2.3. Marginale Leistungssteigerungen 20
3.3. Doping im Sport 21
3.3.1. Sonderfall Usain Bolt 21
3.3.2. Doping als Normalfall 22
3.3.3. Neueste Entwicklung: Gendoping 23
3.4. Der Cyborg im Sport 24
3.4.1. Sonderfall Oskar Pistorius. 24
3.5. Die Fusion von Organischem mit Mechanischem - Formen 26
3.5.1. Umwandlung von Maschine zu Mensch. 27
3.5.2. Umwandlung von Mensch zu Maschine. 28
3.6. Die Fusion von Organischem mit Mechanischem - Grenzen 29
3.6.1. Gunter Gebauer: Das Problem der Störung 30
3.6.2. Grenzen der Verschmelzung 31
3.6.3. Der Mensch ist nur begrenzt technisierbar 32
3.6.4. Wie sind die Grenzen der Steigerung zu begründen? 32
3.6.5. Verantwortlichkeit der Steigerungen 33
3.6.6. "Überbietung" statt "Überschreitung" als konstitutives Prinzip des
Leistungssports 35
3.7. Teilergebnis "Der Cyborg im Sport" I 36
3.8. Teilergebnis "Der Cyborg im Sport" II 39
4. Maurice Merleau-Pontys Konzeption des "Fleisches" 42
4.1. Vorbetrachtung zur Philosophie Merleau-Pontys 42
4.2. Wissenschaftskritik und eigene Methodik 43
4.3. Der Leib 45
4.4. Das "Fleisch" 46
4.5. Merleau-Ponty und die Grenze von Mensch Maschine 48
4.6. Teilergebnis Merleau-Ponty 50
5. Donna Haraways Cyborg - (Lustvolles) Verwischen der Grenzen 52
5.1. Kapitelübersicht 52
5.2. (Situierter) Wissensbegriff 53
5.3. Neudefinition des Körpers 54
5.4. Neudefinition von Natur 56
5.5. Die Informatik der Herrschaft 57
5.6. Cyborgisierung 59
5.7. Haraways Cyborg-Begriff 61
5.8. Cyborg-Politik 64
5.9. Teilergebnis Donna Haraway 67
6. Ergebnis 70
7. Literaturverzeichnis 78
1. Einleitung
1. Einleitung
1.1. Ausgangslage: Mensch und Technik
Die Beziehung zwischen Mensch und Technik nimmt immer neue Formen an - und wird dabei zunehmend inniger. Der moderne Mensch stellt ein Wesen dar, welches in einer bisweilen schon als symbiotisch zu bezeichnenden Verbindung mit der ihn umgebenden Technik lebt - schon lange ist er Teil eines mannigfaltigen und überbordenden Mensch-Maschine-Komplexes.
Für eine Untersuchung, die neue Erkenntnisse bieten soll, kann es nicht genügen, allein die allgemeine Verbindung des Menschen mit der Technik zu betrachten; denn folgt man der Philosophischen Anthropologie, ist der Mensch durch sein Dasein als "Mängelwesen" 2 bereits konstitutionell auf Technik als einen lebenswichtigen, da kulturschaffenden Faktor ebenso angewiesen, wie er durch seine "Weltoffenheit" 3 zu einer schnellen Adaptionsleistung des Gebrauchs der Erzeugnisse seiner Technologie imstande ist. Ob in Gestalt eines simplen Werkzeugs, eines Geräts oder einer hochentwickelten Maschine, die Verbindung zwischen Mensch und Erzeugnissen seiner Technologie ist ebenso vielgestaltig geworden, wie die Verwiesenheit auf deren Existenz und Benutzung zugenommen hat. Diese Verbindung endet heutzutage aber nicht mehr mit einer bloßen Bedienung technischer Hilfsmittel; denn was in den Laboren rund um den Globus bereits praktiziert wird, ist die nächste Stufe der Verbindung zwischen menschlichem Organismus und Technik: Während zunehmend verbesserte Prothesen den Körper äußerlich vervollständigen, bevölkern Elektronik und Nanotechnologien den hohl ge-wordenen Körper von innen. Das durch Technologien "ausgeweitete" Individuum hat dem Mensch-Maschine-Hybrid Platz gemacht - der Mensch der Zukunft ist da und findet in der Figur des "Cyborgs" 4 seine emblematische Form.
1 Chan-wook Park: I'm a Cyborg But That's OK, 2006
2 vgl. Gehlen, Arnold: Der Mensch, Frankfurt/Main, 1974
3 vgl. Scheler, Max: Die Stellung des Menschen im Kosmos, Bonn, 1995 u. Gehlen, Arnold: Der Mensch, Frankfurt/Main, 1974
4 Der Begriff "Cyborg" ist ein englisches Kunstwort, zusammengesetzt aus "cybernetic" und "organism" und geht auf die beiden Autoren CLYNES und KLINE zurück. Eine präzise Erläuterung des Begriffs folgt in Kapitel 2.
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1. Einleitung
Dieses Grenzgeschöpf verkörpert die Verbindung des menschlichen Organismus mit steuerbarer Technik und kann nicht nur als reale Entwicklung unserer Lebenswirklichkeit, sondern auch als Problematisierungsdiskurs verstanden werden, der die zunehmende Relevanz von binnenleiblicher Technologie und damit die Vermischung von Künstlichem und Natürlichem sichtbar macht.
Hier stehen sich zwei Bewegungsrichtungen gegenüber: auf der einen Seite wird versucht, die Technik zu "beseelen"; der Mensch scheint verleitet, sich zu einem modernen Prometheus aufzuschwingen, der seinen artifiziellen Konstruktionen den göttlichen Lebensfunken einzuhauchen vermag. Auf der anderen Seite sehen wir die Cyborgtechnologie, deren Leitbild letztlich der Neuro-Chip ist, dem die Vision der physischen Einheit zwischen Nerven und elektrischen Leitern, von Zelle und Chip, von Kohlenstoff und Silizium zugrunde liegt. Bei einer idealen Cyborg-Prothese kommt es zu einer reziproken Vernetzung zwischen Nerven und elektronischen Leitern, so daß über die Schnittstelle hinweg sowohl eine Steuerung körperlicher Komponenten als auch eine Interpretation technischer Sensordaten möglich ist. Der technische Fortschritt und verbesserte Materialeigenschaften machen es hierbei möglich, eine Fusion mit absoluter Endgültigkeit und unbedingter Interdependenz zu verwirklichen - der Zusammenschluß wird permanent, und er wird lebenswichtig.
Der Cyborg stellt folglich die Inkorporierung der Grenzverläufe dar, die sich mit der Erweiterung und Steuerung des menschlichen Organismus durch technische Eingriffe eröffnen. In Form dieses neuen Hybrids kulminiert die menschliche Verfügungsgewalt über die eigene Selbstgestaltung, und so ist diese Mensch-Technik-Verbindung durch eine bislang unerreichte Vehemenz gekennzeichnet.
1.2. Zielsetzung der Arbeit
Ich möchte mich in dieser Arbeit den Grenzen der Fusion von Mensch und Maschine von explizit philosophischer Seite nähern. Mittelpunkt muß dabei immer der Mensch sein, denn sein Alleinstellungsmerkmal ist es, dank der Technik eine so intime Verbindung mit seinen artifiziellen Erzeugnissen eingehen zu können, wie das keinem anderen Lebewesen möglich ist. Der menschliche Organismus wird auf technische Art erweitert, bleibt aber gleichzeitig auch immer als notwendiger Träger dieser Erweiterungen erhalten; er mutiert zum Cyborg, und er unterwirft sich so in seiner neuen Gesamtheit einer Steuerbarkeit, die dem menschlichen Streben nach Selbstoptimierung und -steigerung neue Perspektiven eröffnet.
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1. Einleitung
Die drei ausgewählten Untersuchungsgebiete erlauben hierbei, diesen Hybrid unter verschiedenen Aspekten zu durchleuchten: Außenwirkung, Innenansicht und Ausblick sollen ein differenziertes Bild des "neuen Menschen" möglich machen, der mit seinen Implikationen weit über den traditionellen Mensch-Maschine-Komplex hinausweist. Es soll hier gezeigt werden, wo sich die Grenzen zwischen dem Menschen und den artifiziellen Erweiterungen befinden, wo sie durchlässig werden oder sogar schon undeutlich geworden sind. Diese Grenzen sind aber nicht nur zu lokalisieren, sondern auch auf Begründungsmöglichkeiten und ihre grundsätzliche Sinnhaftigkeit zu untersuchen. Letztendlich schwebt als übergeordnete Frage im Raum, was diese Grenzziehung bzw. -verschiebung für das Selbstverständnis und das Selbstverhältnis des Menschen bedeutet, wenn er erstmalig die Möglichkeit besitzt, sich über Unzulänglichkeiten des eigenen Körpers hinwegzusetzen.
1.3. Aufbau der Arbeit
Nach der Einleitung ist in Kapitel 2 eine grundlegende Untersuchung der Etymologie des Cyborg-Begriffs zu leisten. Anhand des konstituierenden Aufsatzes "Cyborgs and Space" der beiden Autoren CLYNES und KLINE möchte ich zeigen, wie der Begriff entstand und welche spezifischen Intentionen die Verfasser mit ihm verbanden. Daran anschließend soll eine kurze Übersicht der Cyborg-Typen mögliche Spezifikationen der Verschmelzung von Mensch und Maschine als reale Lebenswirklichkeit aufzeigen sowie auch eine klare Abgrenzung gegenüber Begriffsverwässerungen und Fehldeutungen ermöglichen. Somit soll hier ein präzises Differenzkriterium für den weiteren Verlauf der Arbeit geschaffen werden.
In Kapitel 3 soll der Sport den ersten Untersuchungskomplex des Hauptteils darstellen. Hier möchte ich zeigen, wie sich der moderne Leistungssport gewandelt hat und durch das Rekordprinzip den Mißbrauch von Doping und die Einführung technischer Erweiterungen begünstigt. Der Cyborg im Sport scheint nur die logische Konsequenz zu sein. Hier wird der menschliche Körper über seine natürliche Leistungsfähigkeit hinausgetrieben - und in der Arena des Sports ist es für jeden sichtbar. Dieser Teil der Arbeit wird also den Außenaspekt der Erweiterung des Körpers durch Technik nachvollziehen. Als Referenz für die und wichtiger Teil der Gesellschaft erlauben die im Bereich des Sports gezogenen Schlüsse eine Extrapolation auf andere gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, die sich in Ansätzen bereits zu erkennen geben.
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1. Einleitung
In Kapitel 4 möchte ich mit dem Phänomenologen MAURICE MERLEAU-PONTY und dessen Spätphilosophie einen Denker in diese Untersuchung mit einbeziehen, der einen radikalen Ansatz der Sinnlichkeit mit dem fühlenden Körper als Mittel zum Weltbezug verfolgt. Im zweiten Untersuchungskomplex soll folglich der Innenaspekt der Verbindung von Mensch und Technik problematisiert werden. Entgegen einem "konstruierenden" Wissenschaftsansatz will MERLAU-PONTY mit seiner Theorie eine Rückführung auf eine präreflexive Erfahrung leisten und damit eine neue Art der Ontologie schaffen, jenseits der Kategorien von Intellektualismus und Empirismus. Im Mittelpunkt meiner Untersuchung sollen hier die Begriffe "Leib" und "Fleisch" stehen, die eine Neudeutung des Eingelassenseins des Menschen in die Welt ermöglichen.
Seine Philosophie konnte ich als klare Antithese zu einer technischen Erweiterung des Menschen lesen, und ich möchte seinen Denkansatz überdies dazu verwenden, die moderne Bewegung der "Extropianer" und deren radikalen Posthumanismus zu kontrastieren.
Als visionäre Vordenkerin des Transhumanismus hat die US-amerikanische Biologin und Feministin DONNA HARAWAY einen festen Platz in jeder Beschäftigung mit der Verbindung von Mensch und Maschine. In Kapitel 5 werde ich ihre im "Manifest für Cyborgs" entwickelte Cyborg-Figur beleuchten, denn diese steht für die Utopie einer Neudefinition von Natur, Realität und Körper sowie von Rasse, Klasse und Geschlecht. Der Cyborg ist bei ihr ein Zwitterwesen aus Mensch, Tier und Maschine, dessen Grenzen "flüssig" sind. Für sie beinhaltet die Cyborgtechnologie eine Möglichkeit, die patriarchalen und herrschaftlichen Codes der symbolischen Ordnung durcheinanderzubringen und dadurch Emanzipationschancen zu eröffnen.
Mit ihrem radikalen Denken, verbunden mit einer Dekonstruktion des traditionellen Subjekts und dessen technisch fundierter Rekonstruktion, will die Autorin einen neuen Diskurs über die Technowissenschaften entfachen. Sie kann die Veränderungen, denen sich der Mensch bei der Entwicklung zum Cyborg unterwirft, in einem weiten fachlichen und politischen Rahmen verorten und führt ihren Diskurs, der die Technokultur als Realität anerkennt und damit in eine Zukunftsperspektive einbezieht, mit kritischen Visionen.
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1. Einleitung
Im sechsten, abschließenden Kapitel werde ich versuchen, ein zusammenfassendes Ergebnis im Hinblick auf die eingangs formulierte Fragestellung zu formulieren. Darüber hinaus möchte ich einen Ausblick leisten auf die zukünftigen Entwicklungen, die an-hand der in der Arbeit gewonnenen Resultate zu erahnen sind.
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2. Definition des "Cyborg"
2. Definition des "Cyborg"
2.1. Etymologie des "Cyborg"-Begriffs
Der Begriff "Cyborg" ist ein englisches Kunstwort, zusammengesetzt aus "cybernetic" und "organism". Es erschien erstmals in dem Zeitschriftenaufsatz "Cyborgs and Space" der beiden Autoren MANFRED E. CLYNES und NATHAN S. KLINE in der USamerikanischen Zeitschrift Astronautics im Jahre 1960. 6 Von der US-amerikanischen Weltraumbehörde NASA (National Aeronautics and Space Administration) in Auftrag gegeben, sollte die Studie die Bedingungen für Reisen durch den Orbit wie auch generell die Möglichkeiten des menschlichen Überlebens im All behandeln. Dieser Aufgabenstellung begegnen die beiden Autoren mit der Betrachtung der grundlegenden Probleme eines Organismus beim Wechsel in eine lebensfeindliche Umgebung mit völlig anderen Bedingungen. Mögliche Lösungen wären: a) die lebenswichtigen Voraussetzungen in der neuen Umwelt künstlich herzustellen (was im Fall des Weltraums unmöglich ist), oder aber b) in einem abgeschlossenen System eine erdähnliche Umwelt stets mit sich zu transportieren (was immer nur eine Behelfslösung sein kann und mit Gefahren
5 Piercy, Marge: He, She and It, New York, 1991, S. 156
6 Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Cyborgs and Space, New York 1995 (als Wiederveröffentlichung); Ursprünglicher Abdruck in Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Cyborgs and Space. in: Astronautics, Nr. September, 1960; dt: Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Der Cyborg und der Weltraum, Bielefeld 2007
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2. Definition des "Cyborg"
behaftet ist) 7 , oder
c) als sinnvollste Lösung, den eigenen Organismus entsprechend den neuen Lebensbedingungen anzupassen.
Dementsprechend lautet der Untertitel des Artikels vielsagend: "Altering man's body functions to meet the requirements of extraterrestrial environments would be more logical than providing an earthy environment for him in space ... Artifact-organism systems which would extend man's unconcious, self-regulatory controls are one possibility" 8
CLYNES und KLINE verweisen auf ein Experiment, bei dem es gelungen war, eine Ratte durch Implantation mit einer automatisierten osmotischen Druckpumpe zu verbinden, die über 200 Tage täglich eine geringe Dosis an beliebig wählbaren biochemischen Stoffen der Trägerin injizierte. 9 Die Ratte wurde (abgesehen vom zusätzlich zu transportierenden Gewicht der Pumpe) in ihrer Lebensweise und vor allem in ihren Lebensfunktionen nicht beeinträchtigt. Wichtig ist hervorzuheben, daß die Funktion der Pumpe vollständig autonom erfolgte, sprich ohne jedweden Einfluß vonseiten des angeschlossenen Organismus aufrechterhalten wurde.
Auf den Menschen und die spezifische Problemstellung übertragen, erkennen die beiden Autoren hier die zukünftige Möglichkeit, eine solche Pumpe über eine Verbindung mit einem zusätzlichen Meß- und gleichzeitigen Kontrollsensor in einen "continous controlloop" zu verwandeln, der "as an adjunct to the body's own autonomous controls" 10 arbeiten könnte. Bspw. könnte der systolische Blutdruck automatisch gemessen, mit einem Referenzwert verglichen und bei Bedarf der Körper mit einem gefäßerweiternden oder -verengenden Medikament versorgt werden. 11
Den Schwerpunkt einer zukünftigen Erweiterung des Menschen legen die beiden Autoren demzufolge eindeutig auf die Steuerung und Ergänzung der homöostatischen 12 Prozesse im menschlichen Körper. Diese Prozesse laufen unbewußt ab und zielen auf das Erreichen eines stabilen Zustandes des Organismus, der durch Rückkopplung fähig ist zu einer Anpassung an die jeweilige Situation. "The purpose of the Cyborg, as well as
7 Bei Betrachtung der Geschichte der bemannten Raumfahrt kann man allerdings sehen, daß diese Lösung weiterhin als praktikabelste angesehen und angewandt wird: Alle bisherigen Missionen ins All wie auch die Internationale Raumstation ISS bedienen sich dieses Hilfsmittels.
8 Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Cyborgs and Space, New York 1995, S. 29
9 vgl. a.a.O., S. 30
10 a.a.O., S. 30
11 vgl. a.a.O., S. 31
12 Das Konzept der Homöostase geht auf den Physiologen CLAUDE BERNARD, die Begriffsprägung auf WALTER CANNON zurück. Es beschreibt beim Organismus die Fähigkeit, durch Selbstregulation stabile Zustände innerhalb eines bestimmten Bereiches zu gewährleisten.
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2. Definition des "Cyborg"
his own homoestatic systems, is to provide an organizational system in which such robot-like problems are taken care of automatically and unconciously,[...]" 13 Hier ist deutlich die Tendenz zu sehen, den menschlichen Organismus als ein kybernetisches 14 System zu begreifen, das sein funktionales Gleichgewicht in erster Linie durch homöostatische Prozesse herstellt, in welche man aber mithilfe der Technik eingreifen kann, um eine Anpassungsleistung an eine neue Lebensumwelt zu erzielen: "The Cyborg deliberately incorporates exegenous components extending the self-regulatory control function of the organism in order to adapt it to new environments." 15 Der selbstgestaltete, aktive Eingriff in die menschlichen unbewußten Selbstregulationsmechanismen erfolgt nun nicht allein über bestimmte mentale Techniken "[...] such as yoga or hypnosis." 16 , sondern erstmals durch einen künstlichen, automatisierten und autonomen Regelmechanismus, der permanent mit dem Organismus verschaltet werden kann, um bestimmte Parameter zu kontrollieren, zu steuern und in letzter Konsequenz sogar Körperprozesse partiell ersetzen zu können. Das Ergebnis ist eine Verschmelzung von Mensch und Technik, der kybernetische Organismus, kurz: der Cyborg.
Primär ist die Tendenz zu einer Erweiterung auf biochemischer Stoffwechselebene zu erkennen; denn über technische Prothesen für Extremitäten oder andere Organsubstitute wird noch keine konkrete Aussage getroffen. Erst in einem späteren Interview äußerte sich CLYNES zum Thema der Prothetik folgendermaßen: "Yes, prosthetic organs, but for the maintenance [eigene Hervorhebung] of the person. It wasn't changing their nature. Like a kidney, for example, functions to maintain the internal environment, blood levels, but does not affect man's basic nature to any extent." 17 Dieser letzte Punkt wird mehrfach erwähnt, und es scheint den Wissenschaftlern ein wichtiges Anliegen zu sein, daß die technischen Erweiterungen, die mit dem Menschen verbunden werden, lediglich eine unterstützende Funktion haben, ähnlich einer Erweiterung, wie sie die Technik im Mensch-Maschine-Komplex darstellt und welche die grundsätzliche menschliche Natur
13 Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Cyborgs and Space, New York 1995, S. 31
14 Im Zusammenhang mit dem Cyborg kann die Kybernetik als eine direkte Fortsetzung des Konzepts der Homöostase betrachtet werden: Der US-amerikanische Mathematiker NORBERT WIENER prägte den Begriff der Kybernetik (von altgr.: κυβερνήτης = "Steuermann", d.h. Kybernetik = "Steuermannskunst") in seinem Werk CYBERNETICS or Control and Communication in the Animal and the Machine (dt.:Wiener, Norbert: Kybernetik, Düsseldorf und Wien, 1963) im Jahre 1948 für die Wissenschaft der Steuerung automatischer Systeme, die durch informationsverarbeitende Rückkopplungsmechanismen die Fähigkeit zur Selbstregulation besitzen.
15 Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Cyborgs and Space, New York 1995, S. 30
16 a.a.O., S. 31
17 Gray, Chris Hables: An Interview with Manfred Clynes, New York 1995, S. 48
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2. Definition des "Cyborg"
nicht verändern. "I could say to you in general that our 1960 paper concerning the physiologic adjustments of homeostatic systems did not deal at all with problems of man, or any alteration in the nature of man or woman at all." 18 Hier kann man eine Rückführung des Gedankengangs auf den ursprünglichen Einsatzort des Cyborg sehen: Es ging weniger um Veränderungen am Menschen in seinem angestammten Umfeld auf der Erde als um die Anpassung des menschlichen Organismus an einen Aufenthalt in einer ihm lebensfeindlichen Umgebung. Der Mensch als Lebensform bleibt laut Autoren unverändert, und sie verwahren sich gegen anderweitige Interpretationen: "By the way, parenthetically, the idea of a cyborg in no way implies an it. It's a he or she. It is either a male or a female cyborg; it's not an it. It's an absurd mistake." 19 - Eine Aussage, deren Relevanz bei der Betrachtung der Cyborg-Figur von DONNA HARAWAY (s. Kap. 5) eine signifikant andere Gewichtung bekommen wird. Ob allerdings eine quasisymbiotische technische Erweiterung des Menschen, ob nun äußerlich oder innerlich, wirklich nicht zu einer Veränderung seiner Natur führt, wird im Verlauf der Arbeit noch thematisiert werden.
Bei genauer Betrachtung geht die hier vorgestellte Möglichkeit der Verschaltung von künstlichen und organischen Komponenten in ihrem Potential über einen reinen Adaptionsprozeß des Menschen an den für seinen Organismus ungewohnten Lebensraum weit hinaus. Die oben primär genannte Entlastungsfunktion mithilfe einer artifiziellen Erweiterung wird erst durch eine Steuerungsfunktion bestimmter Prozesse des menschlichen Körpers möglich. Da das Augenmerk der Schrift auftragsgemäß auf den besonderen physischen wie psychischen Anforderungen liegt, denen der menschliche Organismus während des angestrebten "space travel" 20 ausgesetzt sein könnte, übertragen die Autoren die entwickelte Lösung auf die spezifischen Probleme des Aufenthalts im Weltraum. So könnte beispielweise zur erhöhten Wachsamkeit während der langen Flüge ein "psychic energizer" 21 zugeführt werden, der den Körper des Astronauten, abgesehen von dem Mindestquantum Schlaf, den er zum Überleben braucht, auf einem optimalen Aufmerksamkeitsniveau hält. Mit ähnlichen Lösungen warten die beiden Forscher für Probleme wie u.a. Austausch von Atemgasen, Flüssigkeitsaufnahme und -abgabe, Enzymausschüttung, Regulierung des Stoffwechsels, Muskelatrophie, aber
18 Gray, Chris Hables: An Interview with Manfred Clynes, New York 1995, S. 48
19 ebenda
20 Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Cyborgs and Space, New York 1995, S. 31
21 ebenda
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2. Definition des "Cyborg"
auch Wahrnehmungsstörungen, mögliche Strahlungsbelastungen, Mangel an sensorischen Reizen und Psychosen auf. Bei dieser Aufzählung wird aber auch klar, daß nur einigen dieser Probleme mit einer implantierten Lösung adäquat zu begegnen ist; gewisse Erweiterungen müssen externalisiert bleiben.
Darüber hinaus ist auch eine Denkrichtung erahnbar, die sich unterschwellig durch den gesamten Aufsatz zieht: Durch Steuerung ist eine Normalisierung des Organismus im ihm lebensfeindlichen Weltraum möglich, aber in zweiter Funktion wird auch eine Optimierung seiner Körperfunktionen angedacht. Denn die Autoren verweisen mit ihren Beispielen für Anwendungsmöglichkeiten (s.o.) des von ihnen vorgestellten Cyborgs deutlich auf ein Streben nach einem permanenten und stabilisierten Optimum, während der Mensch mit all seinen Funktionen normalerweise deutlichen Schwankungen unterliegt. Führt man diesen Gedankengang weiter und betrachtet eine potentielle Nivellierung dieser natürlichen Schwankungen der Abläufe innerhalb eines Organismus auf dessen maximalem Level, so führt das in der Summe zu einer Steigerung seiner durchschnittlichen Leistungsfähigkeit.
Obwohl die im Cyborg verkörperte Kombination eines Organismus mit einer Meß- und Kontrolleinheit (vor allem mit der Möglichkeit einer Zugabe von Zusatzstoffen) das Potential einer Steigerungsmöglichkeit stets beinhaltet, wäre es jedoch zu weit gegriffen, den Autoren diese Intention primär zu unterstellen; denn gegen ein Überschreiten der normal-körperbedingten Leistungsgrenzen des Menschen, seien sie nun fiktiv oder real, grenzt sich der interviewte CLYNES mehrmals ab: "Well at first I was amused and then I was horrified because it was a total distortion. It gradually seemed to become more and more distorted. The recent film with this Terminator 22 ,[...] - dehumanized the concept completely. This is a travesty of the real scientific concept that we had. It's not even a caricature. It's worse, creating a monster out of something that wasn't a monster. A monsterification of something that is a human enlargement of function[...] 23 ". Eine Entstellung des ursprünglichen Cyborg-Konzepts zu einer simplifizierten Phantasie des Übermenschen, wie sie bspw. in der Populärkultur in vielen Ausprägungen stattgefunden hat, wird so zwar negiert, aber das (Mißbrauchs-)Potential, welches der Fusion von Organismus und Technik zweifellos innewohnt, scheint mir jedoch, zumindest in einer
22 CLYNES bezieht sich wahrscheinlich auf die Filme Cameron, James: The Terminator, 1984 oder Cameron, James: Terminator 2: Judgement Day, 1991.
23 Gray, Chris Hables: An Interview with Manfred Clynes, New York 1995, S. 47
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2. Definition des "Cyborg"
mißbräuchlichen Ausprägung, von den Autoren noch unterschätzt. Zumindest eine gewisse optimistische Fortschrittsgläubigkeit muß den beiden Wissenschaftlern unterstellt werden: "Solving the many technological problems involved in manned space flight by adapting man to his environment, rather than vice versa, will not only mark a significant step forward in man's scientific progress, but may well provide a new and larger dimension for man's spirit as well." 24
Eine technisch-basierte Anpassung an die extraterrestrische Umgebung wird von CLYNES und KLINE aber auch unter einem evolutionären Blickwinkel gesehen: "In the past evolution brought about the altering of bodily functions to suit different environments. Starting as of now, it will be possible to achieve this to some degree without alteration of heredity by suitable biochemical, physiological, and electronic modifications of man's existing modus vivendi." 25 Diese Anpassungsleistung kann dank technischer Hilfe nun ohne die notwendigen evolutionären Veränderungen erfolgen, die eine Neubesiedelung fremden Lebensraumes (s. einleitende Fragestellung) normalerweise voraussetzt. Infolgedessen würden es die fortschreitenden technischen Möglichkeiten der Wissenschaften dem Menschen erlauben, nun erstmals einen aktiven Part in seiner eigenen Evolution zu übernehmen: "SPACE travel challenges mankind not only technologically but also spiritually, in that it invites man to take an active part in his own biological evolution." 26 Das darwinsche Prinzip des survival of the fittest durch Vorteile bestimmter Individuen einer Spezies, hervorgerufen durch deren genetische Mutationen, macht nunmehr einer selbstkreierten, auf Technik begründeten Modifikation des Menschen Platz. Die Autoren verbinden dies jedoch mit dem Hinweis, daß die Entscheidung für eine solche Selbstmodifikation auch ein dazugehöriges Verantwortungsbewußtsein erfordert.
Schlußendlich darf bei allen Betrachtungen der Implikationen, die der Cyborg beinhaltet, und den Möglichkeiten, die sich aus dieser neuen Verbindung von Mensch und Technik bieten, das Primärziel des neuen Hybrids nicht aus den Augen verloren werden: "The purpose of the Cyborg, as well as his own homeostatic systems, is to provide an organizational system in which such robot-like problems are taken care of automatically
24 Clynes, Manfred E.; Kline, Nathan S.: Cyborgs and Space, New York 1995, S. 33
25 a.a.O., S. 29
26 a.a.O., S. 29; dieser Abschnitt fehlt in der deutschen Übersetzung!
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2. Definition des "Cyborg"
and unconciously, leaving man free to explore, to create, to think and to feel [eigene Hervorhebung]." 27
2.2. Gradationen des Cyborgs
Die Entstellungen und Fehldeutungen des ursprünglichen Cyborg-Begriffs, die MANFRED CLYNE (s.o.) kritisiert, haben mittlerweile inflationäre Ausmaße angenommen. 28 Demzufolge sind auch die Kriterien, die einen Cyborg ausmachen, mannigfaltig interpretiert worden und divergieren mitunter stark. 29 Nach der oben vorgenommenen Begriffsklärung können wir jedoch als ursprüngliche Definition postulieren, daß der Cyborg ein biochemisch, physiologisch oder elektronisch erweiterter menschlicher Organismus ist, dessen artifizieller Teil über die Möglichkeit der Rückkopplung (meist) dauerhaft in die körpereigenen Prozesse eingebunden ist. Ferner ist auch nach Einsatzzweck der Erweiterung zu unterscheiden, denn diese kann eine restaurative, normalisierende oder optimierende Funktion haben. Es lassen sich nachfolgende Abstufungen zeigen, die ich am Grade der Verflechtung mit dem Organismus, bzw. der Integration der Technik in den Organismus in ansteigender Komplexität und der Gegebenheit einer Rückkopplung bestimmen kann. Indes muß angemerkt werden, daß die Gradationen des Cyborgs oft fließend sind und überdies ein einzelner Mensch gleichzeitig Träger mehrerer verschiedener Erweiterungen sein kann.
a. Einfache Erweiterungen
Die Rubrik ist in zwei Untergruppen aufzuteilen: Implantate und externe Erweiterungen. Solche Systeme sind, obwohl technisch durchaus anspruchsvoll, in ihrer Verbindung zu Menschen eher simpel und im zweiten Fall auch leicht entfernbar. Bei den Implantaten steht der Ersatz eines Organs oder dessen spezifischer Funktion im Vordergrund. Man findet sie meist im medizinischen Bereich; hier wird ein Gegenstand, z.B. eine Zahnprothese, dem Träger dauerhaft implantiert, wobei ein nachträglicher Eingriff ist zwar unter erheblichem Auf- 27 a.a.O.,S. 31
28 Es ist mittlerweile sogar das Spezialgebiet der Cyborgology entstanden, einer Fachrichtung, die sich nur mit vorgeblich Cyborg-spezifischen Problematiken beschäftigt. So untersucht bspw. Gray, Chris Hables: Cyborg Citizen, Wien, 2002 die Implikationen, die für ein staatliches Bürgerrecht in Bezug auf Cyborgs relevant sein könnten (z.B. eine "Cyborg Bill of Rights").
29 vgl. bspw. Spreen, Dierk: Was ver-spricht der Cyborg? in: Ästhetik & Kommunikation, Nr. 96, Berlin 1997, Gray, Chris Hables u.a.: The Cyborg Handbook, New York, 1995, Oehlert, Mark: From Captain America to Wolverine, Abingdon, Oxon 2007, Hayles, Katherine N.: The Life Cycle of Cyborgs, New York 1995
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2. Definition des "Cyborg"
wand prinzipiell möglich, aber selten vorgesehen ist. Eine Steuerung ist generell nicht möglich, und die Funktion des Implantats steht sowohl vor dem als auch für den Einsatz präzise fest.
Die zweite Unterkategorie der externen Erweiterungen umfaßt alle Orthesen und die meisten Prothesen, sowie jede Art von Exoskeletten. Prothetik mit restaurierender Funktion ist schon seit dem Altertum bekannt und normale Prothesen können vom Träger leicht entfernt werden, dienen als äußere Unterstützung oder Ersatz eines Körpergliedes bei Versehrtheit. Als einstmals simple mechanische Hilfe werden sie zunehmend verfeinert und besitzen, modellabhängig, bereits integrierte Steuerungsmechanismen, um sich selbständig an verschiedene Anforderungen anzupassen. Wie ich später noch zeigen werde, kann eine lediglich normalisierende Funktion durch modernste Hochleistungsprothesen heutzutage sogar schon einer optimierenden Aufgabe weichen (s. Kap. 3.5.)
Bei den Exoskeletten ist deren neueste Generation in der Lage, über Sensoren Informationen des Körpers bezüglich seiner Bewegungsintention abzugreifen und mit einer unterstützenden Eigenbewegung zu reagieren. Beiden Erweiterungen gemein ist jedoch, daß sie vergleichsweise lose mit dem Organismus verbunden sind und im Regelfall restaurierende bis maximal normalisierende Funktionen übernehmen.
b. Enge Erweiterungen
Bei den engen Erweiterungen ist der Grad der gegenseitigen Verflechtung bereits sehr hoch - Organismus und Maschine gehen eine Art quasi-symbiotischer Beziehung ein. Vor allem medizinische Geräte, die dazu dienen, dysfunktionale Organe in maschineller, externer Version auszulagern, fallen in diesen Bereich. Die Erweiterung greift massiv in die Stoffwechselprozesse des Körpers ein und übernimmt ihre Steuerung oder gleich ganze Organfunktionen. Eine solche technische Erweiterung ist bei bestimmten Zuständen des Organismus nicht mehr problemlos zu entfernen, ohne das gesamte System zu gefährden. Ein Anschluß an eine Herz-Lungen-Maschine kann also für einige Patienten überlebensnotwendig sein, ebenso wie eine Dialysemaschine (o.ä.). Allerdings können die engen Erweiterungen auch als hochentwickeltes Implantat auftreten: in Form eines internalisierten Schrittmachers (meistens für das
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2. Definition des "Cyborg"
Herz, aber auch für Blase, Darm, und sogar für das Gehirn) kommt erstmals eine so innige Verbindung zwischen Träger und Erweiterung zustande, daß im Regelfall, ermöglicht durch die lange Batterielaufzeit moderner Gerätegenerationen, eine lebenslängliche Verbindung eingegangen werden kann. Die Steuerung beider Typen der engen Erweiterungen bleibt jedoch unidirektional, es wird aber versucht, Rückkopplungsmechanismen zunehmend zu integrieren
c. Neuroprothetik
bezeichnet das gesamte Feld der uni- und bidirektionalen Prothesen mit direkter Nervenanbindung. Man muß darüber hinaus noch zwei Untergruppen unterscheiden: Auf der einen Seite die unidirektionalen Erweiterungen, die durch eine Nervenanbindung eine motorische oder sensorische Funktion ersetzen oder die Steuerung einer Prothese ermöglichen. Hier sind bspw. Cochlea- oder Retina-Implantate zu nennen, die Versuche darstellen, bei Gehörlosen bzw. Blinden eine rudimentäre Weitergabe einst natürlicher Sinneseindrücke über Nervenverbindungen an das Gehirn zu ermöglichen. Ebenso einseitig, aber in anderer Richtung, erfolgt die Kommunikation bei der Steuerung motorischen Prothesen, die allein aus Nervenimpulsen ihre Informationsbefehle zu einer bestimmten Bewegung ziehen.
Auf der anderen Seite ermöglichen bestimmte direkte Verbindungen bereits jetzt einen bidirektionalen Austausch von Informationen - das sogenannte Biofeedback: So können bspw. Handprothesen angebracht werden, die, mit körpereigenen Nerven verbunden, nicht nur über diese zu steuern sind, sondern bereits über elektronische Sensoren eine Rückmeldung über ertastete Oberflächen, Temperaturen etc. geben können. Eine echte und möglichst umfassende Reziprozität wird auf diesem Gebiet angestrebt.
Ein Problem der Forscher auf diesem Gebiet ist der Stand der Technik, der für viele Anwendungen noch keine adäquaten Lösungen analog der Komplexität des menschlichen Organismus und der seiner Organe bereithält. Das andere Problem ist der Organismus mit seinem Immunsystem selbst, denn: "Das Innere des Menschen ist die feindlichste Umgebung für Technik, die man sich vorstellen
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Arbeit zitieren:
M. A. Oliver Becker, 2010, Mensch und Maschine - Grenzen der Fusion, München, GRIN Verlag GmbH
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