Vordiplomarbeit von Dirk Franke 2
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis ................................................................................................ 2
Abstract 3
Vorwort 4
1. Einleitung 5
2. Untersuchungsgegenstand 6
3. Forschungsstand 6
3.1 Forschungsstand zum Stellenwert der pflegerischen Dokumentation 6
3.2 Der Stellenwert des Pflegeprozesses in der Dokumentation 11
3.3 Analyse der Pflegedokumentation mittels Schlüsselbegriffen 16
4. Gliederung des Pflegeprozesses 19
5. Methoden 21
5.1 Analyse der 10 Dokumentationssysteme anderer Intensivstationen 25
5.2 Analyse des Dokumentationssystems der Intensivpflegestation von
FRANKE 30
6. Ergebnisse und abschließende Wertung 34
7. Ausblick 36
Literaturverzeichnis 40
Vordiplomarbeit von Dirk Franke 3
Abstract
Eine korrekte Dokumentation des pflegerischen Handelns ist eine Grundvorausset- zung für eine sichere Pflege. Nicht nur als Dokumentationsinstrument der täglichen pflegerischen Arbeit wird die Dokumentation genutzt, sondern ebenso als Grundlage für die Kommunikation derjenigen, die sich um das Wohlergehen des Patienten kümmern und als Abrechnungsgrundlage. Somit hat die pflegerische Dokumentation auch den Anspruch der Qualitätssicherung.
Diese Bedeutung der Dokumentation kann nur durch eine hochwertige Art derselben erreicht werden. In den letzten Jahren hat es sich gezeigt, dass der Pflegeprozess, als eine Methode der Pflegeplanung, wissenschaftlichen Kriterien gerecht wird und des- halb bestens geeignet ist, als Grundlage für die pflegerische Dokumentation genutzt zu werden.
In einer einjährigen Studie auf einer interdisziplinären Intensivpflegestation in einem Krankenhaus der Regelversorgung hat der Autor das Dokumentationsverhalten der pflegerischen Mitarbeiter analysiert und festgestellt, dass die Dokumentation von Vitalparametern ausführlicher, als die der mehr pflegerisch relevanten Parameter vorgenommen wurde. In dieser Vordiplomarbeit wurde deshalb systematisch die Notwendigkeit des Dokumentierens am Pflegeprozess anhand von Literaturrecher- chen herausgearbeitet. In einem nächsten Schritt wurde eine Methode gesucht und gefunden, mit der vorhandene Dokumentationssysteme auf die Verwendung des Pflegeprozesses untersucht wurden. Es stellte sich heraus, dass nur wenige der dem Autor zur Analyse vorliegenden Intensivdokumentationssysteme diesen Kriterien entsprachen. Das Dokumentationssystem der Intensivpflegestation (IPS) von FRANKE entsprach den Kriterien des Pflegeprozesses ebenfalls nicht.
Am Schluss dieser Arbeit werden elektronische Systeme vorgestellt, die die Darstel- lung des Pflegeprozesses unterstützen und den oben dargestellten Ansprüchen der Qualitätssicherung, der Abrechnungsmöglichkeit, der wissenschaftlichen Analyse der vorliegenden Daten u.v.m. ermöglichen.
Vordiplomarbeit von Dirk Franke 4
Vorwort
Der Autor dieser Vordiplomarbeit hat im Vorfeld auf einer Intensivpflegestation 1 mit Hilfe der Dokumentenanalyse das Dokumentationsverhalten von Pflegenden bei Neuzugängen untersucht. Er hat dabei festgestellt, dass vor allem die medizinischen Parameter wie Herzkreislauffunktion und Atemfunktion sehr häufig dokumentiert wurden; Pflegeparameter wie zum Beispiel der Hautzustand, Mobilität und Schlaf- gewohnheiten der Patienten aber zu einem sehr geringen Maße. Bei den zu Beginn der Analyse gestellten Fragen an die Mitarbeiter, ob sie mit dem Dokumentationssys- tem zufrieden seien, war der größte Teil der Mitarbeiter der Meinung, dass eine Mo- difikation sinnvoll wäre. Deshalb verfolgt der Autor in dieser Vordiplomarbeit das Ziel, den Pflegeprozess durch die Pflegedokumentation darzustellen, um sowohl die Qualität der pflegerischen Arbeit mit/an dem Patienten zu erhöhen als auch ein Or- ganisationsinstrument vorweisen zu können, das der individuellen Patientenversor- gung zugute kommt.
Es bleibt zu hoffen, dass die Ergebnisse dieser systematischen Darstellung in der Praxis Anwendung finden und nicht durch traditionsbegründetes Festhalten an alt- bewährten Handlungen und Ritualen ignoriert werden.
Der Autor möchte an dieser Stelle den Pflegenden der Intensivstation danken, die die Dokumentationsanalyse erst ermöglicht haben. Ebenso gilt der Dank den vielen In- tensivstationen, die ihre Dokumentationsbögen zur Analyse für diese Vordiplomar- beit zur Verfügung gestellt haben.
1 Der Krankenhausvorstand hat dem Autor untersagt, das Haus namentlich zu nennen, weshalb in dieser Vordiplomarbeit stets von der „Intensivpflegestation von FRANKE“ gesprochen wird.
Vordiplomarbeit von Dirk Franke 5
1. Einleitung
Die Dokumentation der Pflege ist wichtig, sowohl um als Organisationsinstrument, als auch als Kommunikationsinstrument, Koordinationsinstrument, Leistungsbeweis und als Grundlage für den Pflegeprozess zu dienen (vgl. GORDON 2001, GOTT- SCHALK 2000). Der Pflegeprozess ist eine Methode der Pflegeplanung. Er ist ein Phasenmodell des systematischen, zielbezogenen Pflegehandelns. Das pflegerische Handeln wird hierdurch in Sequenzen geordnet, die auf den individuellen Patienten, seine Familie und andere Personen des sozialen Umfeldes des Patienten bezogen sind. Eine Pflege anhand des Pflegeprozesses folgt wissenschaftlichen Erklärungen und Reflexionen. Durch ungenaue, unvollständige oder fehlerhafte Dokumentation kann die momentane Pflege weder zielgerichtet noch patientenadaptiert durchgeführt werden. Erfahrungsbezogene Regeln und Routinen sowie operatives, intuitives Han- deln werden systematisch durch Reflexion überprüft. Der Pflegeprozess fördert daher ein methodisches Vorgehen in der Pflege (vgl. GORDON 2001, GOR- DON/BARTHOLOMEYCZIK 2001, KÖNIG 2002).
Durch eine Analyse des Dokumentationsverhaltens von Pflegenden auf einer Inten- sivpflegestation der Regelversorgung konnte dargestellt werden (FRANKE 2002), dass die pflegerischen Beobachtungsparameter bei der Erstellung der Pflegedoku- mentation bei neu aufgenommenen Patienten in der ersten Schicht, unzureichend dargestellt wurden, im Gegensatz zu der Dokumentation vitaler Parameter. Im Rah- men dieser Vordiplomarbeit soll die, auf dieser Intensivpflegestation vorhandene Dokumentation, auf Ansätze bezüglich des Pflegeprozesses untersucht werden, da hierdurch die Qualität der pflegerischen Versorgung nachweislich steigt, und weiter- hin darauf, ob es an notwendigen Ansatzpunkten, um den Pflegeprozess dokumentie- ren zu können, fehlt. Da die untersuchte Intensivpflegestation hochfrequentiert be- züglich des Patientendurchlaufs ist, soll die Notwendigkeit der Dokumentation am Pflegeprozess untersucht werden. Da die Qualität der Versorgung der Patienten nach einer Verlegung von der Intensivpflegestation auf die peripheren Stationen auch von der Kontinuität des Pflegeprozesses abhängig ist, sollen Dokumentationsmöglichkei- ten untersucht werden, die einem solchen Anspruch gerecht werden können.
Vordiplomarbeit von Dirk Franke 6
2. Untersuchungsgegenstand
FRANKE (2002) analysierte auf einer interdisziplinären Intensivpflegestation das Dokumentationsverhalten pflegerischer Mitarbeiter in der ersten Schicht, die einen neu aufgenommenen Patienten versorgten. Er analysierte die Erstdokumentation aller pflegerischen Mitarbeiter, indem er sie in drei Kategorien eingruppierte. Er verglich das Dokumentationsverhalten von Pflegenden, die kürzer als 1,5 Jahre auf der Inten- sivpflegestation waren und keine Fachweiterbildung „Intensivpflege und Anästhesie“ absolviert hatten (Kategorie 1) mit Pflegenden, die länger als 1,5 Jahre auf der Inten- sivpflegestation waren und ebenfalls keine Fachweiterbildung „Intensivpflege und Anästhesie“ absolviert hatten (Kategorie 2) und mit Pflegenden, die länger als 1,5 Jahre auf einer Intensivpflegestation waren und die Fachweiterbildung abgeschlossen hatten (Kategorie 3).
Er konnte klar darstellen, dass das Dokumentationsverhalten von der Qualifikation der Pflegenden abhängt. Mitarbeiter der Kategorie 1 und 3 dokumentierten ausführli- cher, als die der Kategorie 2, was ihn schlussfolgern ließ:
Das Bewusstsein für die Wichtigkeit der Dokumentation scheint noch in den Köpfen der „frisch Examinierten“ Pflegenden verankert zu sein und im Laufe der Jahre des pflegerischen Alltags verloren zu gehen. Bemer- kenswert ist allerdings, dass sich dieses Bewusstsein auch bei den langjäh- rig Pflegenden der Kategorie 3 zeigt, obwohl diese die Fachweiterbildung schon vor bis zu 12 Jahren beendet haben (FRANKE: 17 – 18).
Das Aneignen fachlicher Kompetenzen, wie es beim Durchlaufen von Pflege- oder Fachkrankenpflegeschulen der Fall ist, wirkt sich also positiv auf das Dokumentati- onsverhalten aus (vgl. FRANKE: 18).
3. Forschungsstand
3.1 Forschungsstand zum Stellenwert der pflegerischen Doku-
mentation
REINHARD (1998: 28) beschreibt in ihrer Arbeit über die Grundsätze der manuellen Pflegedokumentation die Notwendigkeit der Pflegedokumentation an sich. Die pfle- gerische Dokumentation ist Bestandteil der für jeden Patienten pflichtweise geführ-
Vordiplomarbeit von Dirk Franke 7
ten Krankenakte. Die „Krankenakte hat drei voneinander zu unterscheidende Be- standteile:
• Arztdokumentation
• Pflegedokumentation
• Leistungsstellendokumentation Die pflegerische Dokumentation ist der jüngste Bestandteil der Krankenakte“ (REINHARD: 28). Laut Pflegeversicherungsgesetz § 80 haben die Pflegeeinrichtun- gen auf Verlangen die Prüfung der Qualität ihrer Leistungen zu ermöglichen (vgl. REINHARD a.a.O.). Dokumentierte Informationen sind für alle für die Behandlung des Patienten Verantwortlichen zugänglich und handlungsweisend, so KLAPPER et al., weshalb sie einen zentralen Stellenwert in der Funktion als Organisationsinstru- ment bei der Patientenversorgung haben (vgl. KLAPPER 2001: 388). Nach FIECHTER/MEIER (vgl. 1981: 377 ff) stellt der Pflegebericht zwei große An- forderungen:
1. Beurteilung der Pflege: Dokumentation ist Beurteilungsgrundlage für Pfle-
gende und Ärzte, um mögliche Fort- und Rückschritte der Patienten zu erfas- sen, was wiederum eine Anpassung der Pflegeintervention notwendig werden lässt.
2. Informationssammlung: ohne Wertung eintragen
REINHARD (1998) stellt fest, dass das Dokumentationssystem jederzeit einen aktu- ellen Überblick über den Behandlungs- und Pflegezustand des Patienten darstellt. Das Dokumentationssystem ist der zentrale Informationsträger. Wichtige medizini- sche und pflegerische Informationen werden nicht mehr nur mündlich weitergeleitet. Fehlerquellen, wie Hörfehler bei Übergaben, Übertragungsfehler und Abschreibefeh- ler werden beim Gebrauch einer Dokumentation am Patienten vermieden (vgl. REINHARD: 30).
KÖNIG (2002) fordert für das Pflegemanagement, dass es der Verpflichtung zur Pflegedokumentation und der Sicherstellung einer zielgerechten und geplanten Pfle- ge nachkommt. Darüber hinaus muss die Qualität der Pflege gesichert und geprüft werden. „Sowohl gegenüber den Kostenträgern, als auch gegenüber dem eigenen Krankenhausträger gewinnt der Nachweis von Leistungen an Bedeutung“ (KÖ- NIG:1). MARTIN (1999: 345) misst der Pflegedokumentation eine neue Bedeutung bei. Die gegenwärtige Betonung der Aufzeichnung dient der Qualität der Pflege als Beweis des Pflegeergebnisses. Eine strukturierte Dokumentation dient nicht nur der
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Qualität der Pflege, sondern leistet auch einen Beitrag zur Professionalisierung der Pflege. „Wenn Pflegedokumentation nicht in einem umfassenden, detaillierten Maße vorgenommen wird, würde die professionelle Praxis geschädigt und Fragen offen bleiben 2 “ (vgl. MARTIN et al.: 351).
Es gibt aber auch kritische Stimmen zur Verwissenschaftlichung pflegerischen Han- delns. SEXL (2001) stellt das rationale Aussagewissen der Wissenschaft dem Erfah- rungswissen der Pflege gegenüber:
Die zunehmende Orientierung der Pflege an den Standards der Wissen- schaft (Objektivität, Formulierung, Standardisierung und Quantifizierung des berufsspezifischen Erfahrungswissens) ist nicht nur positiv zu sehen, sondern wirft die Frage auf, ob wesentliche Teile beruflicher Erfahrung durch diesen Prozess überhaupt adäquat erfasst werden können, oder ob diese Teile nicht vielmehr notwendigerweise implizit bleiben müssen (SEXL: 85).
SEXL stellt die Frage, ob wichtige Teile des pflegerischen Erfahrungswissens nicht eher einer ästhetisch strukturierten Sprache bedürfen:
Viele Teile praktischer Erfahrung sind schwer – wenn überhaupt – quantifizierbar oder standardisierbar, einige möglicherweise nicht einmal formulierbar. Erfahrungswissen ist eine Wissenschaftsform mit unscharfen Rändern, oft nur der Intuition zugänglich, für Laien und für Außenstehende – Personen, die nicht oder nur ungenügend in den situativen Kontext invol- viert sind – schwer nachvollziehbar. Daher stellt sich die Frage, ob diese Tendenz der Herausbildung streng wissenschaftlicher Kriterien innerhalb der Pflege sinnvoll und überhaupt durchführbar ist (SEXL: 86).
SEXL bemerkt, dass sich die Wissenschaft der Suche nach wahren Aussagen ver- pflichtet hat, wobei nach objektiven Verfahren und Beschreibungskriterien gesucht wird, anhand derer der Wahrheitsgehalt von Aussagen überprüft werden kann. „Ge- wisse Regeln des kulturellen Handelns geben uns vor, wie die Konstruktion der Wirklichkeit vor sich zu gehen hat“ (vgl. SEXL: 87). Er stellt die Frage, nach wel- chen Kriterien Entscheidungen getroffen werden und wie der Enscheidungsfin- dungsprozess aussieht. Weiterhin beschreibt er Standards der Wissenschaft, die ga- rantieren sollen, dass die Aussagen, die wir über die Wirklichkeit tätigen, wahr sind und uns einen angemessenen Umgang mit der Wirklichkeit erlauben. Zu ihnen gehö- ren:
− Objektivierbarkeit − Formulierbarkeit 2 Übersetzung durch den Autor
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Dirk Franke, 2002, Analyse des Dokumentationsverhaltens der pflegerischen Mitarbeiter einer interdisziplinären Intensivpflegestation eines Krankenhauses der Regelversorgung bezüglich der Orientierung am Pflegeprozess, Munich, GRIN Publishing GmbH
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