Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Beschrieb des Vorgehens. 3
2 Sozialwissenschaftlicher Teil: Begründung des Forschungsvorhabens. 4
3 Ernährungswissenschaftlicher Teil:
Referenzwerte und Lebensmittelpyramide. 7
3.1 Allgemeine Aussagen und Nährstoffzufuhr. 7
3.1.1 Referenzwerte zur Energiezufuhr. 7
3.2 Die Lebensmittelpyramide. 8
3.2.1 Die blaue Gruppe. 8
3.2.2 Die grüne Gruppe. 9
3.2.3 Die braune Gruppe. 9
3.2.4 Die rote Gruppe. 10
3.2.5 Die gelbe und die rosa Gruppe. 10
4 Forschender Teil: Bezirks- und Realschüler und -schülerinnen im Vergleich 11
4.1 Lebensstile und Orientierungen. 11
4.1.1 Wohneigentum. 12
4.1.2 Zeitungsabonnemente. 12
4.1.3 Berufe der Eltern und Muttersprache. 12
4.1.4 Lebensgewohnheiten der Jugendlichen. 12
4.2 Essverhalten in den Familien. 13
4.3 Zwischenmahlzeiten im Vergleich. 13
5 Diskussion und Interpretation 15
6 Fazit und Forderungen an die Ernährungsbildung 18
7 Persönliches Schlusswort und Danksagung. 19
7.1 Lerngewinn. 19
7.2 Dank 19
8 Quellenverheichnis. 20
8.1 Literaturverzeichnis. 20
8.2 Tabellenverzeichnis. 21
8.3 Bildverzeichnis. 21
9 Anhang. 22
J érôme Schwyzer - Facharbeit Hauswirtschaft: 2 von 22
Zwischenverpflegung bei Jugendlichen
1 Einleitung und Beschrieb des Vorgehens
Die vorliegende Arbeit setzt sich damit auseinander, welchen Einfluss das Elternhaus auf das Essverhalten Jugendlicher hat. Aus der Leseforschung ist bekannt, dass der Bildungsstand der Eltern bzw. das intellektuelle Interesse im Allgemeinen und im Besonderen das Interesse an Lesetexten sich signifikant auswirkt auf die zu erwerbenden Lesekompetenzen der Schülerinnen und Schüler (Hurrelmann 2004, in Groeben/Hurrelmann, S. 169 f). Als angehender Deutsch- und Hauswirtschaftslehrer interessiere ich mich im Speziellen dafür, ob die Erkenntnisse der Leseforschung auch auf die Essgewohnheiten ausgeweitet werden können, konkret, ob sich Schüler und Schülerinnen höherer Niveauzüge in Bezug auf den Verzehr von Obst und Gemüse und die Zufuhr von Energie liefernden Nährstoffen günstiger ernähren.
Zur Überprüfung dieser These geht es in einem ersten sozialwissenschaftlichen Teil darum, abzuklären, welchen Einfluss das Elternhaus auf die Jugendlichen im Allgemeinen und speziell auf das Essverhalten haben kann. Es wird auf bereits durchgeführte Forschungen hingewiesen und mit der vorliegenden Arbeit in einen Zusammenhang gestellt.
In einem nächsten, ernährungs-wissenschaftlichen Teil wird auf die Notwendigkeit einer ausgewogenen Ernährung eingegangen und expliziert. Im Anschluss wird die Lebensmittelpyramide differenziert betrachtet und erklärt. Dieses theoretische Wissen bildet die Grundlage für den darauf folgenden Forschungsteil, dem eigentlichen Kernstück dieser Arbeit.
Es wird in einem weiteren Teil darum gehen, die oben aufgestellten Thesen mit einer Akzentuierung auf die Zwischenmahlzeiten zu prüfen. Hierzu wurde, als exemplarische Beispiele für Jugendliche mit tendenziell unterdurchschnittlich gebildeten Eltern, drei Realklassen ein Fragebogen zur Beantwortung unterbreitet (siehe Anhang). Als entsprechendes Gegenpendant wurden drei Bezirksschulkassen am selben Ort befragt. Auf das genaue Vorgehen und die Methode der Befragung wird im entsprechenden Kapitel näher eingegangen.
Im Anschluss werden die Resultate ausgewertet und anschliessend diskutiert. Es werden dabei ganz bewusst gewisse Akzente gesetzt, d. h. es werden diejenigen Fragen fokussiert, von welchen ich ausgehe, dass sie aussagekräftig und exemplarisch für die ganze Auswertung sind.
Im letzten Teil wird ein kurzes Fazit gezogen und es werden mögliche Forderungen für die Ernährungsbildung abgeleitet.
Die Arbeit wird mit einem persönlichen Schlusswort und einer Danksagung abge-rundet.
2 Sozialwissenschaftlicher Teil: Begründung des Forschungsvorhabens
Aus der Leseforschung ist bekannt, dass der Bildungsstand bzw. die Lesekompetenz der Eltern einen erheblichen Einfluss auf die Lesequalität ihrer Kinder ausübt. Kinder, welche in bildungsfernen Elternhäusern aufwachsen, weisen eine erheblich geringere Lesekompetenz auf, als ihre Kollegen und Kolleginnen mit Eltern aus bildungsnahen Schichten (Hurrelmann 2004, in Groeben/Hurrelmann, S. 169-201).
Natürlich üben auch die Peer-Groups einen erheblichen Einfluss auf die Entwicklung der Jugendlichen aus (Rosebrock 2004, in Groeben/Hurrelmann, S. 250-279). Es muss jedoch betont werden, dass die Peer-Group-Zugehörigkeit der Jugendlichen in hohem Mass von der Schulklasse bzw. dem entsprechenden Niveauzug abhängt. Und gerade diese Einteilung hängt wieder stark vom Elternhaus ab, denn: Jugendliche aus bildungsfernen Elternhäusern besuchen überdurchschnittlich oft die Realschule, Jugendliche mit besser gebildeten Eltern überdurchschnittlich oft die Bezirksschule. Diese These wird in Kapitel 4 als erstes einer Prüfung unterzogen und zwar mit der im Bereich 3 des Fragebogens gestellten Frage nach Beruf von Vater und Mutter.
Eine empirische Studie, welche von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (nachstehend BZgA) im Jahr 2003 durchgeführt wurde und auf welche im Verlauf dieses Kapitels, vor allem aber im Diskussionsteil in Kapitel 5 näher eingegangen wird, skizziert ein interessantes gesellschaftliches Kernmodell:
Abb. 1: Kernmodell für die Erklärung jugendlichen Essverhaltens
In dieser Grafik wird aufgezeigt, dass das kulturelle und ökonomische Kapital der Eltern einen erheblichen Einfluss auf die jugendlichen Lebensstile, vor allem auf den Schultypus und die Ressourcen der Schülerinnen und Schüler haben. Schlus-
sendlich hat das elterliche Kapital einen Einfluss auf das Ernährungsverhalten der Jugendlichen - und um dieses geht es ja in dieser Studie in erster Linie. Die Autoren der genannten Studie teilen die Gesellschaft in verschiedene Schemata ein. Dabei ziehen sie die Gliederung der zeitgenössischen Lebensstile von Schulze (1992) herbei, ergänzen dieses Modell aber mit weiteren Lebensstilen, um der heutigen Zeit und Gesellschaft gerecht zu werden: neben den von Schulze vertretenen Schemata Hochkulturschema und Trivialschema (BZgA 2003, S. 30), werden weitere Systeme eingeführt, welche versuchen, dem Wandel der Zeit gerecht zu werden. Nachstehende Tabelle zeigt diese Einteilung auf:
Tab. 1: Lebensstilschemata im Überblick
Für die genaue Beschreibung der Schemata wird auf die erwähnte Studie verwiesen. Was jedoch deutlich zu Tage tritt: eine Einteilung der Gesellschaft in starre Systeme ist schwierig und wird häufig der Realität nicht gerecht. Auch in der vorliegenden Arbeit wird nicht der Anspruch erhoben, die Familien in ein starres Schema einzuordnen. Gewisse Antworten der Schüler und Schülerinnen können aber Indikatoren sein dafür, welcher Lebensstil in einer Familie besonders ausgeprägt ist. Die BZgA 2003 hält fest, dass ein hochkulturorientierter und sportorientierter Lebensstil der Eltern sich günstig auf die Ernährung - gerade der Jugendlichen - auswirkt. Ein fernsehorientierter Lebensstil, sowie inner- wie ausserhäusliche Spannungsorientierungen haben einen negativen Einfluss auf die Ernährung (BZgA 2003, S. 73 f). Was die Folgen einer ungesunden Ernährung - gerade bei Kindern - anbelangt, ist allgemein bekannt (vgl. z. B. nutritio, Nr. 47, 1/03; S. 4 f). Hierbei muss auch auf das Schema des Sinus Milieus (vgl. www.thchur.ch 2010) hingewiesen werden, welches eine gute Grundlage für die Einteilung der Gesellschaft in gewisse Gruppen bieten würde. In dieser Studie wird aber in erster Linie mit dem von der BZgA 2003 vorgeschlagenen Stufensystem gearbeitet. Dies einerseits, um die anschliessende Diskussion zu erleichtern und anderseits wären für eine korrekte Einteilung in das sehr differenzierte Sinus Milieu weitere detaillierte Fragen an die Eltern der Schüler nötig gewesen. Auf das Sinus Milieu wird im Diskussionsteil (Kapitel 5) nochmals genauer eingegangen.
Bei der vorliegenden Studie wird - gestützt auf die qualitativen Forschungserkenntnisse der BZgA 2003 in Deutschland - von der These ausgegangen, dass sich Eltern von Bezirksschülerinnen und -schülern eher an einem Hochkulturschema orientieren, Eltern von Realschüler und -schülerinnen eher am Trivial- oder Spannungsschema (hier wird insbesondere auf das Kapitel 4.2.1 der BZgA-Studie verwiesen).
Wie in Abb. 1 aufgezeigt, spielt das ökonomische Kapital der Eltern eine zentrale Rolle. Die BZgA stellt in ihrem Bericht fest, dass Menschen mit höherer Bildung einen höheren Anteil des Einkommens für gesunde Lebensmittel ausgeben. (vgl. BzgA 2003) Wenn die These also stimmt, dass die Eltern von Realschülern- und schülerinnen einen tieferen Bildungsstand aufweisen, geht damit automatisch ein tieferes Einkommen einher und möglicherweise eine - aus ernährungs-wissenschaftlicher Sicht - ungünstige, weil billige Ernährung. (vgl. TABULA, Nr. 1/März 2010; S. 4 f).
Ein weiterer Faktor, welcher das Essverhalten entscheidend mit beeinflusst, ist das Geschlecht. Auf diesen Umstand muss unbedingt hingewiesen werden. Knaben essen in der Regel ungesünder als ihre Kolleginnen, d. h. konkret: mehr Snacks, Süssgetränke und Fleisch, aber deutlich weniger Obst und Gemüse (vgl. BZgA 2003, S. 71). Was die Gründe für diese Divergenz betrifft, wird auf die Ausführungen der BZgA (S. 68 f) verwiesen. Die Befragung wird deshalb in einem separaten Unterkapitel differenziert nach Geschlecht ausgewertet. Ähnlich wie die Befragung der BZgA beschränkt sich auch diese Untersuchung bei der Auswertung auf wenige Indikatoren. Im Unterschied zur genannten Studie werden in der vorliegenden Arbeit die Zwischenmahlzeiten näher analysiert. Die Frage ist also: essen Bezirksschülerinnen und -schüler in den Pausen gesünder als ihre Kollegen und Kolleginnen der Realschule (in Bezug auf die Empfehlung „Fünf am Tag“, Vollkornprodukte oder Snacks; Details siehe Kapitel 3). Teil 1 des Fragebogens (Essverhalten in der Familie) wird als wichtige Interpretationshilfe herbeigezogen.
Als Basis für die anschliessende Auswertung aus ernährungs-wissenschaftlicher Sicht gelten die Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung (SGE) bzw. die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, welche im nachfolgenden Kapitel näher betrachtet werden.
3 Ernährungswissenschaftlicher Teil:
Referenzwerte und Lebensmittelpyramide
Der ernährungs-wissenschaftliche Teil konzentriert sich auf den hohen Stellenwert von Gemüse und Obst in der Ernährung (Schweizerischer Ernährungsbericht 2005, S. 897 f; nachstehend SEB) und auf die Referenzwerte der Energie liefernden Nährstoffe.
Dieses idealtypische Ernährungsbild, von welchem angenommen wird, dass sich Eltern mit höherer Bildung eher daran orientieren, dient im Anschluss als Grundlage für die Auswertung der Befragung.
3.1 Allgemeine Aussagen und Nährstoffzufuhr
Als erstes ist zu sagen, dass ein regelmässiger und und üppiger Verzehr von Obst und Gemüse jeder sinnvollen Ernährung zu Grunde liegt (Burgenstein 2002, S. 48). Gemüse sollte für jeden Menschen ein bedeutender Bestandteil für eine ausgewogene und gesundheitsfördernde Ernährung sein und nicht als Beilage behandelt werden. Mengenmässig sollte Gemüse den Hauptanteil einer Mahlzeit ausmachen (Kofranyi/Wirths 2008, S. 284). Gemüse und Obst haben nicht nur eine hohe Nährstoffdichte, sondern sie sind auch wichtige Wasserlieferanten, welche einen wesentlichen Anteil an den täglichen Wasserbedarf von rund zwei Litern pro Person (Kofranyi/Wirths 2008, S. 397) beitragen können. Vor allem aber beinhalten sie für den Stoffwechsel wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Der Gesundheitswert von Gemüse und Obst beruht aber nicht zuletzt auch auf den zahlreichen sekundären Pflanzenstoffen (Details bei Leitzmann 2009, S. 113 f). Neben dem hohen Stellenwert von Gemüse und Obst im Alltag, auf dessen Wichtigkeit nicht zuletzt das Projekt „Fünf am Tag“ die Bevölkerung sensibilisieren möchte (SEB2005, S. 897 f), ist auch eine sinnvolle Relation der Hauptnährstoffe in den Mahlzeiten ein zentrales Element.
3.1.1 Referenzwerte zur Energiezufuhr
Als erstes ist festzuhalten, dass der Energiebedarf von Person zu Person stark variiert (Leitzmann et al 2009, Tab. 5.2, S. 16) und abhängig ist vom Alter, Geschlecht und vor allem auch vom PAL-Wert (Kofranyi/Wirths 2008, S. 72). Diesen individuellen Referenzwerten muss der Energiebedarf angepasst werden. Was die Zusammensetzung der Energielieferanten betrifft, gibt es jedoch Richtgrössen: neben der grossen Portion Obst oder Gemüse, welche rund die Hälfte einer Mahlzeit ausmachen sollte (siehe oben), sollte ein Menü aus über 55 % Kohlenhydraten, 30 % Fett und max. 15 % Proteinen bestehen (Schlieper 2008, S. 27). Was für
Arbeit zitieren:
Jérôme Schwyzer, 2010, Zwischenverpflegung bei Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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