Reflektierende Dokumentation
„Curriculum Ernährungsbildung an weiterführenden Schulen“
1 Einleitung
2 Beschreibung des Projektes
3 Analyse von Handlungsbedingungen
4 Handlungsdarstellung in der Projektarbeit
4.1 Informieren:
4.2 Planen:
4.3 Entscheiden:
4.4 Ausführen:
4.5 Bewerten
5 Reflexionsprozess
5.1. Reflexion Bildungspraxis.
5.2 Reflexion über Kompetenzentwicklung
5.3 Reflexion „Selbstgesteuertes Lernen“
Literaturverzeichnis
Anhang:
Ziele und Teilziele im Rahmen der hierarchisch-sequentiellen Handlungsorganisation
Glossar
Rahmenkonzept Curriculum
Formative Expertenanalyse
SOFT
Grobkonzeption
Curriculum
1. Einleitung
Innerhalb dieser Arbeit werden mittels Durchführung eines Projektes bildungstheoretische Theorien und Praxis zusammengeführt und dokumentiert. Das Praktikum als Reflexionsrahmen beinhaltet eine vollständige Konzeption von der Planung bis zur Evaluation. Die
reflektierende Dokumentation soll die besondere Bedeutung reflexiver Arbeit herausstellen.
Zunächst erfolgt eine Projektbeschreibung mit Zielsetzung. Im Anschluss werden die Handlungsbedingungen analysiert, innerhalb derer die Verfasserin eigene Kompetenzen und deren Erfordernisse mit den Strukturen des Praktikumsbetriebes zusammenführt. Sodann wird die Praktikumsaufgabe als Prozess und vollständige Handlung dargestellt. Im Zusammenhang mit der Ernährungsbildung undkommunikation an weiterführenden Schulen als Themenschwerpunkt werden konzeptuelle, didaktische und mediendidaktische
Gestaltungsaspekte erarbeitet sowie Qualität und Evaluation in der Bildungspraxis erörtert. Die durch die bildungspraktische Arbeit hinzugewonnenen Erkenntnisse werden im Anschluss in
wissenschaftstheoretischer als auch praxiserfahrungsspezifischer Hinsicht reflektiert und im sich anschließenden Fazit zusammengefasst. 2 Beschreibung des Projektes
In einem gemeinsamen Gespräch mit der Ökotrophologin als Projektleiterin ergibt sich der folgende Arbeitsauftrag: Die Aufgabe besteht darin, selbstständig ein Curriculum
„Ernährungsbildung und -kommunikation an weiterführenden Schulen“ zu planen und zu konzeptionieren. Das Curriculum soll für autodidaktische Schulungszwecke von Dozenten und Multiplikatoren zusätzlich als cbtgestützte Version vorliegen.
Hintergrund ist das Angebot eines langjährig etablierten, schulexternen, ganzheitlichen Schulungsprogramms für adipöse Jugendliche, welches
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federführend durch die Ökotrophologin und Kooperationspartner durchgeführt wird.
Nunmehr besteht das Ziel in der Konzeption eines auf die Bedarfe des Handlungskontextes Schule ausgerichteten Curriculums. Die Zielvorgaben des Lehrplans Verbraucherbildung für die Sekundarstufe 1 der weiterführenden allgemeinbildenden Schulen sowie die Kriterien der Spitzenverbände der Krankenkassen und die Leitlinien des Netzwerkes Ernährung sollen in der Konzeption Berücksichtigung finden. Zu betonen ist, dass angesichts der zunehmenden ernährungsbedingten Krankheiten sowie Verhaltensstörungen der Erwerb eines fundierten ernährungsspezifischen Grundwissens von erheblicher individueller und gesamtgesellschaftlicher Bedeutung ist (DGE 2008), wodurch den Inhalten und der Vermittlung derselben ein besonderer Stellenwert zukommt. Im Rahmen des zukünftigen ressourcenbewussten Ausbaus von Schulungsmöglichkeiten für weitere Ernährungsfachkräfte innerhalb des Netzwerkes soll eine autodidaktische Schulungs-CD an die Hand gegeben werden. Die Praktikantin übernimmt die Aufgabe in Absprache mit der Projektleiterin selbstständig. 3 Analyse von Handlungsbedingungen
Im Folgenden werden die Rahmenbedingungen analysiert, die dem Praktikum zugrunde lagen.
Berufliche Handlungskompetenz umfasst nach Dehnborstel (2008, S.32) Fach-, Personal-und Sozialkompetenz unter Einbeziehung von Methoden, Lern-und Sprachkompetenz, die es weiterzuentwickeln gilt. Zu Beginn des Praktikums erfolgt daher eine Statuserhebung der vorhandenen Kompetenzen der Praktikantin:
-Fachkompetenz: ernährungsspezifisches und bildungswissenschaftliches Grundwissen
-Personalkompetenz: eigenständige Arbeitsweise, Reflexionsfähigkeit -Sozialkompetenz: Flexibilität, Teamfähigkeit
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-Methodenkompetenz: strukturierte Planungsfähigkeit, Problemanalyse-und Problemlösungsstrategien -Lernkompetenz: Anwendung von Lernmethoden -Sprachkompetenz: Eloquenz, Überzeugungsfähigkeit Das zweite Element beruflichen Handelns betrifft die Arbeits-und Handlungsbedingungen. Die Strukturen der Organisation lassen sich untergliedern in Lern-, Arbeits-und Unternehmenskultur, Lernpotenzial und mögliche Entwicklungs-und Aufstiegswege (Dehnborstel 2008).Die Lern-, Arbeits- und Unternehmenskultur kann die Verfasserin weitgehend beurteilen, da in vergangenen Jahren bereits in verschiedenen Kontexten miteinander gearbeitet wurde. Ein ursprünglich durch das Gesundheitsamt initiiertes Programm wurde 2005 durch den Verein übernommen, dessen Organisation und Vorsitz die Ökotrophologin und Projektleiterin übernommen hat. Primäre Zielgruppe des ganzheitlich angelegten Programms sind adipöse Kinder und Jugendliche und ihre Eltern. Übergeordnetes Ziel des Vereines ist die dauerhafte Verbesserung des Bewegungs-, Freizeit-und Essverhaltens der Kinder und ihrer Familien zur Vorbeugung übergewichtbedingter Folgeerkrankungen. Zu den
Kooperationspartnern des Vereins zählen Ärzte, Krankenkassen, Psychologen, die deutsche Gesellschaft für Ernährung, das Ministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit sowie ein universitäres Fachinstitut. Der Verein arbeitet nach den Leitlinien des Netzwerkes für Ernährung (Anhang). Das Programm wird auch in anderen Städten Schleswig-Holsteins angeboten. Als Vorlage für Unterrichtseinheiten wird ein von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung angebotenes Trainermanual für Schulungszwecke adipöser Kinder verwendet. Die Qualitätssicherung erfolgte bis dato durch das der Universität angeschlossene Institut. Die Kostenübernahme der Schulungen erfolgt größtenteils durch Krankenkassen.
Zudem bietet die vereinsvorsitzende Ökotrophologin innerhalb der Schulen Ernährungstraining an, welches zeitlich flexibel und ohne Bindung an Lehrplanvorgaben gestaltet wird. Die Einbeziehung des Elternhauses
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sowie ärztliche, sportpädagogische und psychologische Betreuung ist bisher nicht implementiert. Ein methodisch-didaktisch verbindliches
Lehrkonzept unter Zuhilfenahme wissenschaftlicher Modelle und Theorien ist bislang für den Bereich Schule nicht ausgearbeitet und liegt somit ebenso für potentielle Multiplikatoren nicht vor. Lern-und Arbeitspotentiale umfassen nach Dehnborstel (2008, S.35) Aspekte wie Projektorientierung, Handlungsspielraum, Komplexitätserfahrung, Kollektivität, individuelle Entwicklung,
Professionalität und Projektorientierung. Der Grad der Selbststeuerung von Kompetenzentwicklung wird hierdurch bestimmt. Im Reflexionsteil dieser Arbeit werden die Aspekte aufgenommen. 4.Handlungsdarstellung in der Projektarbeit Der theoretische Ansatz einer vollständigen Handlung (Hacker 2005)eignet sich als Organisationskonzept für den Arbeitsauftrag im Praktikum als auch für die reflektierende Dokumentation. Den Arbeitsanforderungen entsprechend werden innere Handlungsstrukturen entwickelt, mit denen auf die Anforderungen im Arbeitsprozess zurückgewirkt werden kann (Heinz 2008). Der berufliche Arbeitsablauf konstituiert sich durch vollständige Handlungsschritte: -Informieren-Planen-Entscheiden-Ausführen-Kontrollieren-Bewerten 4.1 Informieren:
In einem ersten Schritt wird benötigtes Material recherchiert und geprüft. Dazu zählen Studientexte, Fachmaterialien aus dem Bestand der Ökotrophologin, Internetveröffentlichungen und wissenschaftliche
Fachbücher. Ein Überblick über auf diesem Sektor bereits geleistete Arbeit konnte so gewonnen und in die weitere Planung mit einbezogen werden (Literaturliste im Anhang). Zudem bot das recherchierte Material vielfältige Anregungen hinsichtlich des weiteren Procedere. 4.2 Planen:
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In Anlehnung an das Konzept von Niegemann (2007, S.16 f) wird mit einer Analyse der Praxisbedingungen begonnen, welche einer Erhebung der Bedarfe und Erfordernisse dient, die für die zielorientierte Konzeption des Projektes notwendig sind. Jene gliedert sich in -Problem und Bedarf-Zielsetzung-Adressaten und Zielgruppe-Wissen und Inhalte-Ressourcen-Einsatzbedingungen
Als Analyseinstrument wird eine Selbstanalyse in Form einer SOFT-Analyse mit der Ökotrophologin und ihrem Team durchgeführt, welche der Praktikantin aufgrund guter und langjähriger Zusammenarbeit umfassende Informationen zu vermitteln vermochten. Im Rahmen einer SOFT-Analyse wird mittels eines geleiteten Diskussionsverfahrens zu Beginn eines Projektes die Klärung und Präzisierung der Ausgangssituation vorgenommen (Moser 2008).
Des Weiteren erfolgt in Anlehnung an die hierarchisch-sequentielle Handlungsorganisation (Volpert 1974) die Bildung von Zielen und Teilzielen, deren hierarchische Ordnung und sequentielle Abarbeitung (Anhang). Die Regulation der Handlungen erfolgt durch kontinuierliche, arbeitsprozessbegleitende Abstimmung der einzelnen Handlungen mit der Projektleiterin (Wagner 2005). 4.3 Entscheiden:
Nach Abschluss der Analyse können Planungsentscheidungen mit der Auftraggeberin hinsichtlich der zu erstellenden Konzeptionen getroffen werden. Da ein Praxiseinsatz des Curriculums innerhalb des Unterrichts in Schulen erst nach Abschluss der Projektarbeit im Praktikum erfolgen kann, findet eine summative Meta-Evaluation aufgrund des begrenzten Zeitrahmens der Praktikantin jedoch theoretisch-konzeptuelle Berücksichtigung. 4.4 Ausführen:
Für den Entwurf des Curriculums wird zunächst Inhalt, Aufbau, Gestaltung, Methodik und Didaktik in einem Rahmenkonzept festgehalten. Beachtet wird dabei in Anlehnung an Niegemann (2008 S.66f), dass der
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intrinsic- und extraneous cognitive load ausreichend Kapazität im Arbeitsgedächtnis bereithalten, um eine produktive, aktive Verarbeitung der Informationen zu gewährleisten (germane cognitive load). In der Folge muss der extraneous load weitestgehend reduziert werden. Die nachfolgende Umsetzung des Curriculums in eine cbT-Version erfordert eine gute Usability und den Verzicht auf Musik, Bilder oder Animationen, die keine unmittelbare Voraussetzung für den Wissenserwerb darstellen (Chandler et al 1991).
Die Kompetenzerwartungen des Kernbereichs II des aktuellen Lehrplans „Verbraucherbildung für die allgemeinbildenden weiterführenden Schulen“ werden bei der Konzeption berücksichtigt und in das Curriculum inkludiert. Die innerhalb des Lehrplans aufgeführten zu erwerbenden Kompetenzen sind offen formuliert und gewähren den Schulen eine flexible organisatorische Umsetzung in Form von schuleigenen
Schwerpunktsetzungen. Der Kernbereich I innerhalb des eigenständigen Unterrichtsfaches Verbraucherbildung wird fachübergreifend (Deutsch-und Heimatunterricht) gelehrt und ist daher für die weitere Projektarbeit irrelevant.
Die Implementation des theoretisch-pädagogisch fundierten Moduls „Bewegungsschulung“ innerhalb des Curriculums wird ergänzt durch den sportpraktischen Anteil des schulinternen, regelhaften Sportunterrichts. Der psychologische Ansatz wird im Modul der psychosozialen Ernährungsschulung aufgenommen und konzipiert für normal-und über/untergewichtige Kinder. Schulärztliche Untersuchungen sind im Kontext Schule hinsichtlich der ärztlichen Betreuung ausreichend; darüber hinaus kann die ärztliche Konsultation innerhalb der Schulungen anempfohlen werden. Besondere Beachtung gilt den Leitlinien der Spitzenverbände der Krankenkassen, da eine Zertifizierung durch autorisierte Institutionen von deren Berücksichtigung abhängt. Exkurs Curriculumtheorie:
Es handelt sich um eine präskriptive, behavioristisch geprägte Theorie. Die Grundannahmen implizieren ein Umdenken dergestalt, dass Schüler
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nunmehr befähigt werden sollten, Lebenssituationen zu bewältigen und Lebensqualifikationen zu entwickeln. Kompetenzentwicklung und das Erlernen von Handlungsstrategien sollten fortan die pure Vermittlung von Allgemeinbildungswissen zugunsten lebensbezogenen
Anwendungswissens ersetzen (Robinsohn1967).
Unter einem Curriculum versteht man im Sinne des lernzielorientierten Ansatzes einen Plan für Aufbau und Ablauf von Unterrichtseinheiten als Prozessergebnis. Sogenannte offene Curricula gewähren
Entscheidungsspielräume der Unterrichtsabläufe. Die Erstellung gliedert sich in die Komponenten: Lernplanung, Organisation, -kontrolle: Innerhalb der Lernzieloperationalisierung werden nach Abstraktionskriterien gegliederte Richt-, Grob-und Feinziele beschrieben. Die erforderliche schematische Ordnung der Ziele kann im Rahmen einer Lernzieldimensionierung einfach klassifiziert werden durch den kognitiven, den psycho-motorischen sowie den affektiven Bereich. Sehr bekannt ist die Bloomsche Lernzieltaxonomie im kognitiven Bereich; sie umfasst die Komponenten:
Wissen-Verstehen-Anwenden-Analyse-Synthese-Evaluation(Blohm 1974). Der affektive Bereich ist gekennzeichnet durch: Beachten-Reagieren-Werten-Organisation-Bestimmtsein durch Werte (Krathwohl 1975)
Der psychomotorische Bereich wird unterteilt in die Stufen
Wahrnehmung-Einstellung- Geleitete Antwort-Mechanismus-Komplexe
Reizantwort-Adaption und Originalität (Dave 1973).
Innerhalb der Lernorganisation erfolgt die an den Lehrzielen ausgerichtete Konzeption und Ordnung von Unterrichtsmethoden (Neubert 2004). Ein Curriculum ist Voraussetzung für die standardisierte Durchführung von Schulungen, welche einrichtungsintern und-extern durchgeführt werden können Es bietet dadurch Transparenz, Ökonomie und unterstützt die Qualitätssicherung. In der detaillierten Ausarbeitung sollte die Ausgewogenheit von Standardisierung versus Individualisierung bedacht
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Arbeit zitieren:
Kerstin Funk, 2010, Reflektierende Dokumentation zum Praktikum Planung und Konzeptionierung eines Curriculums Ernährungsbildung an weiterführenden Schulen, München, GRIN Verlag GmbH
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