SE „Menschenversuche“ - Film und die Wissenschaft von Menschen
WS 2009/2010
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Filmanalyse 4
2.1. Genre 4
2.2. Sequenzprotokoll 5
2.3. Bild/Kamera 6
2.4. Ton. 8
2.5. Bild/Ton Ebene 10
2.6. Filmische Stilmittel 11
2.6.1. Figuren 11
2.6.2. Orte. 11
2.6.3. psychologische Stilmittel. 12
3. Die USA in den 1950ern. 13
3.1. Zivilschutz 13
3.2. Nuclear Culture 15
4. Duck and Cover. 16
4.1. The Story behind. 17
5. Fazit 23
Bibliografie 24
Internetquellen 25
Abbildungsverzeichnis. 26
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1. Einleitung
Die Bekanntgabe des Abwurfes einer Atombombe über der bis dato relativ unbekannten japanischen Stadt Hiroshima veränderte die Welt schneller und radikaler, als es jemals eine technische Erfindung zuvor vermocht hatte. 1 Spätestens ab diesem Zeitpunkt schärfte sich das Bewusstsein für eine neue Kriegspolitik. Die Sowjetunion war zwar durch den Angriff der deutschen Armee schwer gezeichnet worden, jedoch hatte die Rote Armee am Ende des Krieges selbst für amerikanische Verhältnisse eine beeindruckende Größe und Kampfkraft erreicht. 2 Da sich die Beziehungen zwischen den beiden Großmächten immer mehr verschlechterten, kreierte diese Situation eine Angst des amerikanischen Militärs vor einer Atombombe seitens der Sowjetunion aus, welche sich zu einer beinahen Hysterie entwickelte. Somit wurden von 1950 bis 1951 an den öffentlichen Schulen in New York City, Los Angeles, Chicago, Detroit, Milwaukee, Fort Worth, San Francisco und Philadelphia Luftangriffsübungen (so genannte Air Raid Drills) unter dem Motto „Duck and Cover“ durchgeführt. 3
Duck (engl.: sich ducken) und Cover (engl.: sich bedecken) sollte ein Schutzmanöver sein, um die Verletzungen Im Falle einer Explosion einer möglichen Atombombe so gering wie möglich zu halten. Um auch Kindern diese Übung beizubringen, wurde - neben einem Radioprogramm sowie Broschüren 4 - auch ein Zeichentrickfilm produziert, der auf kindergerechte Art und Weise veranschaulichen soll, wie man einen Einschlag einer Atombombe erkennt und was zu tun ist. Bert, eine Schildkröte, sollte hierbei als richtiges Beispiel gelten.
Auf den folgenden Seiten werde ich diesen Film analysieren und kritisch betrachten, seine Stilmittel untersuchen sowie der psychologischen Seite meine Aufmerksamkeit schenken. Weiters bette ich ihn in eine historische und sozialpolitische Geschichts- und Gesellschaftssituation des Jahres 1951, als der Film produziert wurde, ein. Abschließend erstelle ich ein zusammenfassendes Fazit, um das Thema abzurunden.
1 Vgl. Granser, Roland J.: Duck and cover. Die atmosphärischen Atombombentests der USA 1946 -1963. Wien: Dipl-Arb., 2002. S. 137.
2 Vgl. Ebd. S. 121
3 Vgl.: Reichert, Ramón: Filmsequenz B: Duck and Cover. In: Demokratiezentrum Wien. http://www.demokratiezentrum.org/themen/europa/europaeisches-bildgedaechtnis/atomzeitalter/filmsequenz-b-duck-and-cover.html Zugriff: 1.3.2010
4 Vgl.: CONELRAD: All Things Atomic. http://www.conelrad.com/duckandcover/cover.php?turtle=01 Zugriff: 1.3.2010
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2. Filmanalyse
2.1. Genre
Heute würde man Duck and Cover wohl in die Kategorie „Animahistory“ einordnen. Zwischen Animations- und Dokumentarfilm angesiedelt, ist Animahistory eine faszinierende Eigenart, die das Erzählen von realen, verbürgten Ereignissen oder Erfahrungen mit den Gestaltungsmöglichkeiten des Animationsfilms verbindet. 5 Ebenso besitzt Duck and Cover eine rhetorische Form. Bordwell und Thompson definieren in ihrem Buch “Film Art. An Introduction” die „Rhetorical Form“ folgend: “The goal in such film is to persuade the audience to adopt an opinion about the subject matter and perhaps to act on that opinion.” 6 Dafür gibt es vier Kennzeichen 7 :
1. Der Film spricht den Zuschauer direkt an und probiert ihn zu einer neuen intellektuellen Überzeugung, einer neuen emotionalen Einstellung oder einer Aktion zu bewegen.
2. Das Thema des Films ist normalerweise nicht ein Ergebnis wissenschaftlicher Wahrheit, sondern eine subjektive Meinung, eine Ansichtssache. 3. Wenn die Aussage bzw. Schlussfolgerung nicht hinterfragt werden kann, appelliert der Filmemacher eher auf unsere Emotionen als auf faktische Beweise. 4. Der Film versucht, den Zuschauer zu einer Entscheidung zu zwingen, die sich auf jeden Tag seines Lebens auswirken wird.
Ad 1. Der Zuschauer, in diesem Fall Kinder, wird direkt angesprochen und wird in diesen 9 Minuten und 13 Sekunden gleich 22 Mal mit der Phrase Duck and Cover konfrontiert.
Ad 2. Wissenschaftlich wird diese Methodik nicht erklärt, es werden auch keine Beweise herangezogen. Der Sprecher vergleicht die Ursachen des Flash der Atombombe mit
5 Vgl. Deutsches Historisches Museum Berlin. http://www.dhm.de/kino/animahistory.html Zugriff: 23.3.2010.
6 Bordwell, David & Thompson, Kristin: Film Art. An Introduction. Boston, Mass. [u.a.]: McGraw-Hill, 2008, S.348
7 Vgl. Ebd. S. 348-349
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einem starken Sonnenbrand und um sich am besten vor der Hitze und vor der Explosion und die dadurch herumfliegenden Teile zu schützen, solle man sich am Boden legen und sich mit der Jacke oder mit den Armen bedecken, vor allem den Kopf. Das schien den Filmemachern zu dieser Zeit am plausibelsten, da Fallout noch kein Thema war. (Dazu aber noch später.)
Ad 3. Die Emotionen des Sehers werden durch die Bilder von Kindern, Familien, Alltagssituationen (Klassenraum, Schulbus, Picknick, Radfahren, Spielen im Hof etc.) sowie durch die Stimme des Sprechers, die abwechselnd mal heiter, mal ernst, mal sogar bedrohlich wirkt, angesprochen.
Ad 4. In Duck and Cover wird der Zuseher nicht unbedingt umworben, sondern es wird ihm eher keine andere Chance gelassen, als ein Duck and Cover - Manöver zu vollführen. Er hat keine andere Wahl; es wird deutlich gemacht, dass er stirbt oder sich zumindest sehr verletzt, wenn er den Anweisungen nicht folgt. Die Entscheidung ist somit mehr oder weniger hinfällig, wenn man sich zwischen Leben und Tod entscheiden muss (natürlich gewahrt in einem falschen Wissen).
2.2. Sequenzprotokoll
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2.3. Bild/Kamera
Abb. 1 Titel, dahinter Bert the
Turtle in seinem Panzer (Quelle: http://www.awn.com/files/ imagepicker/1/goodman 01_Duck_Cover-002.jpg)
Duck and Cover ist nicht
vollständig Gegenteil, die realen Bilder machen Löwenanteil aus. Der Film beginnt und endet mit einer animierten Figur, nämlich
Bert the Turtle, vermutlich, um das Thema so kindgerecht wie möglich zu gestalten. Bert zeigt vor, wie man sich richtig „duckt and covert“. Dabei wird kurz vor der Explosion eine Groß-Aufnahme seines Kopfs gezeigt - er erschrickt, reagiert aber sofort „richtig“. Die Explosion ist eine Halb -Totale, wo man gut sehen kann, wie er in seinem Panzer verschwindet. Daraufhin folgt ein Zoom auf Bert, der jetzt nur mehr ein bzw. im Panzer ist. Im Klassenraum wird zwischen den Kamerapositionen gewechselt, manchmal sieht man die Schüler von hinten mit Blick auf den Lehrer in einer Halbtotale, dann wiederum ersetzt die Kamera die Position des Lehrers und man sieht die konzentrierten Gesichter der Kinder. Oftmals erfolgt eine Groß-Einstellung des Lehrers beim Reden, oder man sieht, wie eines der Kinder am Boden in der Duck and Cover Position hockt, meistens aus einer nicht sehr extremen Vogelperspektive. Auffallend ist, dass es im Vergleich zu anderen Szenen wenig Schnitte innerhalb der Szenen gibt, die im Klassenraum gedreht
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wurden. Zieht der Sprecher die Beispiele des Feuers oder des Verkehrs heran, ist die bildliche Situation wesentlich unruhiger als im Klassenzimmer. Die Atombombe wird in einer Weit - Einstellung gezeigt, unterstützt wird dieses Bild durch eine Animation. Als die Bombe (in der Animation) explodiert schwenkt die Kamera nach rechts, um das Chaos und die Stärke der Explosion zu zeigen. Unter den vielen Gegenständen, die in der Luft herumwirbeln, findet sich, am Boden hockend, der Panzer von Bert. Als Zuseher bemerkt man ihn nicht sofort und das ist Sinn der Sache. Das Auge ist auf das Durcheinander konzentriert und Bert erscheint im ersten Moment unscheinbar - deswegen „sichtet man ihn“. In dem Moment fährt die Kamera auch schon in einer Zoombewegung zu Bert und endet in einer Groß - Einstellung seines Panzers.
In der Szene, wo eine Mutter ihren Sohn eincremt, weil er einen starken Sonnenbrand hat, konzentrierte man sich nach ein paar Sekunden auf das schmerz verzogene Gesicht des Jungen, das in einer Nah - Einstellungen gezeigt wird. Als Bettys Frage beantwortet wird schwenkt die Kamera von der Lehrerin auf die Tafel, auf der die zwei Möglichkeiten „with warning“ und „no warning“ noch mal geschrieben stehen. Die Komposition von Bild, Lesen sowie die Stimme des Sprechers führen hier zu einer optimalen Merksituation.
In der achten Sequenz, wenn es darum geht, was zu tun ist, wenn die Warnsirene
gibt, wird als bestes Beispiel erneut Bert herangezogen. Er duckt so schnell, dass sozusagen unser Auge, in diesem Fall die Kamera, nicht mitkommt und erst
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Arbeit zitieren:
Arabella Schoots, 2010, Duck and Cover - Theorien und Methoden der Medienwissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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