Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Schiller im 19. und 20. Jahrhundert 3
2.1. Schillers Bedeutung nach seinem Tod 3
2.2. Die Arbeiterbewegung und die Schillerfeiern 1905 6
2.3. Friedrich Schiller im Dritten Reich 8
2.4. Die Schillerfeiern 1955 und 1959 10
3. Die Schiller-Jubiläen zu Beginn des 21. Jahrhunderts 14
3.1. Das Schillerjahr 2005 14
3.1.1 Schiller in der Literatur 14
3.1.2 Feierlichkeiten zu Ehren Friedrich Schillers 25
3.2 Das Schillerjahr 2009 29
3.2.1 Schiller in der Literatur 29
3.2.2 Exkurs: Das Jubiläum an der FSU Jena 31
3.2.3 Feierlichkeiten zu Ehren Friedrich Schillers 33
4 Schillers Potenzial für das 21. Jahrhundert 35
5 Zusammenfassung 39
6 Literaturverzeichnis 40
II
1. Einleitung
Etwas schaffen, das ihn und seinen kranken Körper überlebt, Dramen schreiben, historische Schriften und Balladen, die auch noch gelesen werden, wenn er selbst schon längst nicht mehr unter den Lebenden weilt. Friedrich von Schiller wollte sich selbst ein Denkmal setzen, wollte Aufmerksamkeit, wollte Achtung. Und er wollte wenigstens 50 Jahre alt werden. Letzteres hat er nicht geschafft. Der von Krankheiten geplagte Dichter starb am 9. Mai 1805 - im Alter von gerade einmal 45 Jahren.
Gleichzeitig hat er sich doch seinen größten Traum erfüllt. Der Schriftsteller bekam Aufmerksamkeit, er wurde geachtet - und er setzte sich mit seinen Werken selbst ein Denkmal. Nein, vergessen wurde Schiller nach seinem Tod nicht. Im Gegenteil. Immer wieder wurde und wird er zitiert, rezipiert und vor allem interpretiert. Und das geschah in den letzten zwei Jahrhunderten in völlig unterschiedlichen Weisen. Betrachtet man die unzähligen Deutungen der Schillertexte von Beginn des 19. Jahrhunderts über die Zeit des Zweiten Weltkrieges bis hin zum geteilten Deutschland, fällt auf, wie viele Facetten Schiller hatte - besser gesagt: wie viele ihm nachgesagt wurden. Friedrich Schiller schien da zu sein, wenn man ihn brauchte, wenn er politisch verwertbar war. Besonders auffällig zeigt sich das in der Größe und Art der Gedenkfeiern, die anlässlich seines Geburts- und Todestages veranstaltet wurden.
„Schiller-Gedenkjahre werden seit 1859 regelmäßig begangen, meist im Abstand von fünfzig Jahren, nach politischer Bedürfnislage auch häufiger“, schrieb Ute Frevert 2007. 1 Doch wie ist es eigentlich heute? Die letzten beiden Schillerjahre sind noch gar nicht lange vorbei. 2005 jährte sich der Todestag des Dichters zum 200. Mal, im vergangenen Jahre wäre Schiller 250 Jahre alt geworden. Zwei gute Zeitpunkte also, um sich wieder intensiver mit dem Dichter auseinander zu setzen. In dieser Arbeit
1 Frevert, Ute, Ein Dichter für viele deutsche Nationen, In: Bürger, Jan (Hrsg.), Friedrich Schiller: Dichter, Denker, Vor- und Gegenbild, Marbacher Schriften, neue Folge 2, Marbach 2007, S. 57.
1
wird die Frage verfolgt, welche Bedeutung Schillers politische Dimension im bisherigen 21. Jahrhundert hat, wie wurde und wird er rezipiert? Es scheint, so die zentrale These, dass der Dichter nach einer langen Phase politischer Indienstnahme nun völlig entpolitisiert wurde.
Denn die Schillerfeiern waren in der Vergangenheit häufig von Propaganda geprägt. Deshalb wird auch ihnen im zweiten Kapitel dieser Arbeit Rechnung getragen. Nach einer Übersicht über den Umgang mit Schiller im 19. und 20. Jahrhundert wird schließlich untersucht, wer Schiller denn eigentlich im neu angebrochenen Jahrhundert ist, welche politische Bedeutung ihm zugesprochen wird. Wie wird er dargestellt, wie interpretiert, wie - vielleicht sogar - benutzt. Dafür werden die Schillerfeiern 2005 und 2009 und auch die in den vergangenen Jahren erschienene Literatur betrachtet, um festzustellen: Wird Schiller überhaupt noch gebraucht? Daran schließt sich eine zweite Fragestellung an: Hat er denn überhaupt Antworten auf die Probleme der Moderne? Welches Leistungsvermögen sich für die heutige Zeit in seinen Werken verbirgt, ist Gegenstand des Abschnittes „Schillers Potenzial im 21. Jahrhundert“.
Zu den Feierlichkeiten im Jahre 2009 wird zudem ein kurzer Exkurs angeführt. Die Friedrich-Schiller-Universität feierte nicht nur den Geburtstag des Namengebers, sondern auch die 75-jährige Umbenennung. Denn erst seit 1934 trägt die Uni den Namen des Dichters. Sie bekam ihn also zu einer Zeit, als die Nationalsozialisten die Führung übernahmen. Wie an der Universität mit dieser vermeintlichen Last umgegangen wurde, wird in diesem Teil der Arbeit gezeigt.
Literatur über Schiller gibt es aus den letzten Jahren indes nicht nur an der Friedrich-Schiller-Universität eine Menge. Es erschienen zahlreiche Biografien, Sammelbände und Zeitungsberichte. Auch im Fernsehen gab es Sondersendungen zu den beiden Schillerjahren. Besonders beliebt ist die Darstellung des Menschen Friedrich Schiller. Zahlreiche Publikationen über seine Krankheiten, seine Liebesbeziehungen und auch seine Wohnstätten wurden herausgebracht. Auch die Rezeptionsgeschichte Schillers wird häufig aufgegriffen. Da es im Rahmen dieser Arbeit unmöglich ist, auf alle erschienenen Werke und begangenen Veranstaltungen einzugehen, sollte sie deshalb als ein Überblick gesehen werden und eine erste Orientierung geben, wo es mit Schiller im 21. Jahrhundert hingeht.
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2. Schiller im 19. und 20. Jahrhundert
2.1 Schillers Bedeutung nach seinem Tod
Die Nachricht von Schillers Tod machte 1805 in ganz Deutschland schnell die Runde - der Dichter war bereits ein bekannter Mann, wenn er auch nie den Rang des Politikers und Freundes Goethe erreichte und stets um sein finanzielles Auskommen bangen musste. Wenn er auch kein Amt inne hatte, Schiller wurde durchaus politisch wahrgenommen. Schon zu Lebzeiten reihte er sich bei jenen „Literaturpatrioten ein, die seit dem späten 18. Jahrhundert von einer deutschen Nation und einem deutschen Vaterland zu schwärmen begannen“, wie es Ute Frevert formulierte. 2
Sein Reiterlied aus Wallensteins Lager wurde zudem bei Soldaten, die 1806 in die antinapoleonischen Kriege zogen, schnell zur Hymne und. Schiller „zum Idol einer ersten politisch motivierten Jugendbewegung“ 3 . In dem Lied wurde „ein neues Modell der Begeisterungsinszenierung für eine sich erneut militarisierende Nation geschaffen“ 4 . Schon zu dieser Zeit entwickelte sich eine Art der Schillerrezeption, die auch in den nachfolgenden beiden Jahrhunderten den Umgang mit dem Dichter bestimmt: Hochselektiv werden nur wenige Werke, wenn nicht gar nur einzelne Zitate, verwendet.
Während der Befreiungskriege des 19. Jahrhunderts errang Schiller mehr und mehr den Stellenwert eines Nationaldichters. Trotzdem blieb die politische Bedeutung nach seinem Tode erst einmal gering. Nicht aber seine Anerkennung: Seine Anhänger bestanden vehement auf eine neue Beisetzung des Dichters, der „1805 lediglich im städtischen Beinhaus deponiert worden“ 5 war. 1827 erfolgte schließlich die offizielle Bestattung des Toten - in der Fürstengruft zu Weimar. Daran hatte nicht nur Schillers Freund Goethe einen großen Anteil. Es gab auch einen enormen öffentlichen Druck aus der Bevölkerung. Als 20 Jahre nach Schillers Tod das erste Schiller-Fest stattfand, versammelten sich vor den Toren von Stuttgart am 9. Mai
2 Frevert, Nationen, S. 59.
3 Dann, Otto, Schiller, in: Francois, Etienne/ Schulze, Hagen, Deutsche Erinnerungsorte. Teil 2, München 2001, S. 178.
4 Brenner, Peter J. (Hrsg.), Schillers politischer Nachruhm, in: Rill, Bernd, Zum Schillerjahr 2009 -Schillers politische Dimensionen, München 2009, S. 146.
5 Dann, Otto, Friedrich Schiller in Deutschland und Europa, in: Aus Politik und Zeitgeschichte (APuZ 09-10/2005), Bonn 2005, S. 25.
3
1925 zahlreiche Menschen aus allen Bevölkerungsschichten. Sie wollten gemeinsam mit dem Stuttgarter Männergesangsverein „Liederkranz“ des Dichters gedenken. 6
Die Verehrung Schillers wurde also hoch gehalten und erreichte einen Höhepunkt, als 1839 in Stuttgart ein Schiller-Denkmal von Thorwaldsen eingeweiht wurde. 30.000 Teilnehmer sollen es damals gewesen sein. Zu dieser Zeit war Schillers politische Dimension längst wieder aufgegriffen worden. Denn mit der zunehmenden „europäischen Demokratiebewegung seit 1830 zeigte sich, dass es in Deutschland auch politische Veranlassung gab, auf Schiller zurückzukommen“ 7 . Der Verleger Julius Campe veröffentlichte 1832 die Schrift Schillers politisches Vermächtnis. Ein Seitenstück zu Börnes Briefen aus Paris, mit der er sich gegen einen Prozess wehrte, der ihm wegen der oppositionellen Briefe aus Paris gemacht wurde. Er aktualisierte Schiller und legte so den Grundstein für dessen große Bedeutung in einer politischen Bewegung, „die bis zur Revolution von 1848 nicht mehr abreißen sollte“ 8 .
Otto Dann beschreibt in einer 2005 erschienenen Sonderausgabe der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte im Hinblick auf das Stuttgarter Fest, dass nach dem Hambacher Fest von 1832 das erste Massenfest mit national-politischem Hintergrund stattfand, die Wirkung des Dichters folgendermaßen:
„Das Schiller-Fest einer Stadt war zum Nationalfest geworden. Der Nimbus Schillers war imstande, bisher getrennt lebende Stände, Konfessionen und Regionen zu einer nationalen Festgemeinschaft zu vereinigen, denn alle waren - mit Schiller, wie man überzeugt war - von gleichen Grundvorstellungen geprägt.“ 9
Und auch danach blieb das Interesse an dem Dichter groß. Auch zum 100. Geburtstag Schillers im November 1859 wurde in etwa 500 Orten Deutschlands, Europas und Amerikas gefeiert. In Deutschland war es wahrscheinlich sogar „das größte Massenfest des 19. Jahrhunderts“ 10 .
Schiller war zu einer Symbolfigur für die freiheitlichen Demonstrationen geworden. Diese war nicht unbedingt auf einer rein literarischen Basis und der Kenntnis seiner Texte aufgebaut. Vielmehr war es ein Mythos, der sich im Rahmen der
6 Vgl. Dann, Schiller in Deutschland, S. 26.
7 Ebd., S. 25.
8 Ebd., S. 26.
9 Ebd.
10 Ebd.
4
Schillerverehrung entwickelt hatte. Die Schiller-Feste der national-demokratischen Bewegung müsse man als kreative, eigenständige Form des Erinnerns verstehen und akzeptieren, „dass auch eine politische Würdigung Schillers ihre Berechtigung hat, die nicht in der Kenntnis seiner Werke begründet ist“, schrieb Dann über die Begeisterung für Schiller in der Mitte des 19. Jahrhunderts. 11 Doch wenn die Kenntnisse der Werke fehlten, so stellt sich die Frage - die auch Dann aufwarf: „Schiller wurde zum Katalysator einer sich als Nation konstituierenden Gesellschaft. […] Wurde er damit missbraucht?“ 12 Die Antwort gibt der Autor nur zwei Sätze später selbst: „Einer politischen Gesellschaft, einer Nation jedoch steht es frei, sich auf einen Dichter wie Schiller zu berufen, der politisch aussagekräftig ist.“ 13
Die politische Aussagekraft änderte sich mit den politischen Umbrüchen allerdings enorm. Schiller stand für den Wunsch nach Nationalstaaten - und die begannen sich nun zu bilden. Die Konkurrenz dieser neuen Einheiten „verführte zu Nationalismus und Imperialismus. Die europäischen Gesellschaften befanden sich in permanenter Krise und Transformation. Schiller war ihre kulturelle Tradition, und es war offen, wie sie unter gewandelten Umständen mit ihr umgehen“ 14 . Auch Deutschland war ab 1870 ein Nationalstaat, Schiller hatte damit eigentlich ausgedient. Trotzdem „wurde das Erbe und das Erinnern Schillers zur öffentlichen Aufgabe“ 15 . In der Schule wurde er zum Pflichtprogramm, hochstilisiert zum „Großen Deutschen“ 16 . Obwohl sich in seinen Texten sogar eher skeptische Äußerungen über einen deutschen Nationalstaat finden lassen 17 , war Schiller der Nationaldichter. Als Grund hierfür sieht Dann auch Goethes Ausspruch „Denn er war unser!“. Dass damit wohl nur die Weimarer gemeint waren, störte nicht. Goethes Vers wurde „zum beliebten Leitmotiv für die vielfältige Inanspruchnahme“ 18 .
Nach der Reichsgründung sank die Bedeutung und herausragende Stellung Schillers allerdings - denn das Ideal der deutschen Einheit war längst Realität. Daneben wuchs
11 Dann, Schiller in Deutschland und Europa, S. 27.
12 Ebd.
13 Ebd.
14 Ebd.
15 Ebd.
16 Ebd.
17 So heißt es in einem Vers: „Zur Nation euch zu bilden, ihr hofft es, Deutsche, vergebens. Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus.“ Dann zitiert hier aus Xenie, Deutscher Nationalcharakter, Musen-Almanach 1797.
18 Dann, Schiller in Deutschland und Europa, S. 27.
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außerdem eine von Nietzsche stark beeinflusste Generation heran, die sich von Schiller, der nun eher ein Fall für die Großeltern war, abwendete. „Auf die ‚brennenden Fragen der Zeit‘, also Sozialismus, Geschlechterkonflikt, Sexualmoral, schien Schiller seit den 1890er Jahren keine Antwort mehr geben zu können.“, schreibt Ute Frevert. 19 Schiller konnte nach seiner Glanzzeit also zurück in das Bücherregal. Dort holte ihn schließlich die Arbeiterschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder heraus.
2.2 Die Arbeiterbewegung und die Schillerfeiern 1905
Mit der Jahrhundertwende wurden vor allem die Sozialdemokraten auf Friedrich Schiller aufmerksam. Zum 100-jährigen Todestag des Dichters sind es die Arbeiter, „die sich seiner erinnernd annehmen und versuchen, sein Erbe für die Gegenwart zu bergen“ 20 . Schiller wurde von der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung als einer „von ihnen“ 21 gefeiert.
Der gefürchtete und kritisierte Tyrann, den Schiller in mehreren Werken darstellt, war nun bei den Verehrern nicht mehr der despotische Staat, sondern die kapitalistische Klassengesellschaft. „Sie gelte es aus den Angeln zu heben - und wieder lieferte Schiller die zündenden Parolen“ 22 , wieder konnte der Dichter in einem neuen Sinne interpretiert werden. Doch das Ausmaß und die Bedeutung der bürgerlichen Feiern der 1850er Jahre erreichten die Feierlichkeiten der SPD 1905 längst nicht. Den Sozialdemokraten gelang es auch nicht, einen eigenen Zugang zu dem Dichter zu finden. „Der Historiker dieser Arbeiter-Schillerfeiern stellt ernüchtert fest: ‚1905 werden die Sozialdemokraten über nur wenige Topoi verfügen, die nicht schon 1859 erwähnt worden waren‘.“ 23
Dass sich die Arbeiter auf „ihren Schiller“ beriefen, bedeutete aber nicht, dass das Bürgertum Abstand von Schiller nahm. Aber „seine Position als zentrale bürgerliche
19 Frevert, Nationen, S. 540.
20 Brenner, Schillers politischer Nachruhm, In: Rill, Bernd, Zum Schillerjahr 2009 - Schillers politische Dimensionen, München 2009, S. 151.
21 Frevert, Nationen, S. 64.
22 ebd.
23 Brenner, Nachruhm, S. 151. Brenner zitiert hier aus Hagen, Wolfgang: Die Schiller-Verehrung in der Sozialdemokratie. Zur ideologischen Formation proletarischer Kulturpolitik vor 1914, Diss. FU Berlin 1977, S. XXIX.
6
Orientierungs- und Identifikationsfigur“ 24 hatte der Dichter trotzdem eingebüßt. Denn das, wofür Schiller im 19. Jahrhundert eingestanden hatte, nämlich für die nationale Einheit, war längst eingetreten. Im Blickpunkt von Festen und neuen Denkmälern des Bürgertums standen nun jene, die für diese Einheit gesorgt hatten. Außerdem lief Goethe seinem Freund zu dieser Zeit den Rang ab. Denn für die nun einsetzende „Identitätssuche der Deutschen […] wurde Goethe, vor allem sein Faust, ungleich wichtiger“ 25 .
Von einem völligen Bedeutungsverlust Schillers ist allerdings nicht zu sprechen. Nur die Stellung als „Liebling des Bürgertums“ hatte der Dichter verloren. Weiterhin war er in den Lehrplänen der Schulen präsent, ebenso auf den Bühnen Deutschlands. Schiller war also „dauerhaft und universell jubiläumsfähig geworden“ 26 , allerdings für verschiedene Teile der Gesellschaft, die längst sozial, konfessionell und politisch auseinander triftete. „Eine Zerklüftung, die während der Ersten Weltkrieges, nach anfänglichem Einheitsrausch noch weit dramatischere Formen annahm.“ 27 Das Kaiserreich zerfiel schließlich 1918 - was folgte, war die Weimarer Republik.
Und auch hier sieht Frevert einen Bezug zu Schiller:
„Auch die Weimarer Republik trug Schiller im Gepäck - nicht zufällig waren die Parlamentarier 1919 an den Hauptort der deutschen Klassik geflüchtet, um eine demokratische Verfassung auszuarbeiten. […] Die Weimarer Kleinstadt stand nicht nur für Ruhe und Abgeschiedenheit. Sie stand auch für den Geist des Idealismus, der Vernunft, der kraftvollen Begeisterung, den die Republik, die erste auf deutschem Boden, bitter benötigte.“ 28
Doch „die Integrationskraft des Weimarer Dioskuren-Denkmals blieb begrenzt“ 29 . Nicht einmal nennenswerte Schiller-Jubiläen hätten zu dieser Zeit zur „republikanischen Traditionsbildung“ beitragen können. Frevert weiter:
„Schiller blieb ein Dichter für viele Geschmäcker - und für viele Konzepte einer deutschen Nation. Die Linke hielt sich an die Räuber und erhob Karl Moor zum Kämpfer gegen Willkür und Ausbeutung; liberale ‚Vernunftsrepublikaner‘ beriefen
24 Frevert, Nationen, S. 64.
25 Ebd., S. 65.
26 Ebd., S. 66.
27 Ebd.
28 Ebd.
29 Ebd., S. 67.
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Katrin Martin, 2010, Schiller im 21. Jahrhundert - Die Schillerfeiern 2005 und 2009, München, GRIN Verlag GmbH
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