II
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis III
Abk ürzungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
2. Theoretische Grundlagen variabler Vergütungssysteme 2
2.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie als Ausgangspunkt variabler Vergütung 2
2.2 Ausgestaltung und Zielsetzung variabler Vergütungssysteme 4
3. Vergütungssysteme als Krisenverursacher 7
3.1 Variable Vergütung und die Finanzmarktkrise 7
3.2 Aktuelle Diskussionsansätze und Regulierungsbemühungen 9
4. Auswirkungen auf die Vergütungspraxis 13
4.1 Deutschland am Beispiel der Commerzbank 13
4.2 Die Schweiz am Beispiel der UBS und der Credit Suisse 16
5. Schlussbetrachtung 17
Literaturverzeichnis 18
Anhang 22
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Anteil der variablen Vergütung am Personalaufwand
Abbildung 2: Funktionen von Vergütungssystemen
Abbildung 3: Ausgestaltung der Vergütung in Abhängigkeit des Geschäftsfeldes
Abbildung 4: PricewaterhouseCoopers-Umfrage zu den Ursachen der Finanzmarktkrise
Abbildung 5: Schematische Darstellung des Zusammenhangs ausgewählter Regelungen
Abbildung 6: Ausgewählte Regelungen in Deutschland und der Schweiz
Abbildung 7: Variable Vergütungsmodelle in der Commerzbank
IV
Abkürzungsverzeichnis
BaFin .............................................................. Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht CEBS .................................................................. Committee of European Banking Supervisors CRD .......................................................................................... Capital Requirements Directive DCGK ........................................................................ Deutscher Corporate Governance Kodex EG ..................................................................................................... Europäische Gemeinschaft EU ................................................................................................................. Europäische Union FINMA ............................................................................. Eidgenössische Finanzmarktaufsicht FMStFV ..................... Verordnung zur Durchführung des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes
FMStG ................................................................................... Finanzmarktstabilisierungsgesetz FSB ..................................................................................................... Financial Stability Board G20 ................................................ Gruppe der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer InstitutsVergV ............................ Verordnung über die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an Vergütungssysteme von Instituten
KWG ............................................................................................................. Kreditwesengesetz MaRisk ........................................................ Mindestanforderungen an das Risikomanagement PwC ..................................................................................................... PricewaterhouseCoopers RAROC .................................................................................. Risk Adjusted Return on Capital SoFFin .......................................................................... Sonderfonds Finanzmarktstabilisierung VorstAG .................................................. Gesetz zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung
1
1. Einleitung
Vor gut zwei Jahren erreichte die Finanzmarktkrise mit der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers einen ersten Höhepunkt. 1 Eine Commerzbank-Studie schätzt den durch die Krise ausgelösten Rückgang der Weltwirtschaft auf rund 4,2 Billionen US-Dollar bis Ende 2009. 2 Die Autoren unterstellten bei ihrer Analyse, dass die Volkswirtschaften ohne die Folgen der Krise mit dem Durchschnitt der vergangenen Jahre gewachsen wären. Hinzu kommen die Abschreibungen der Banken und beispielsweise Wertverluste der besonders betroffenen Immobilienmärkte von Großbritannien und den USA.
Früh wurden falsche Leistungsanreize in Form von erfolgsabhängiger Vergütung als eine Ursache, zumindest aber als Katalysator, für die Finanzmarktkrise identifiziert. 3 Demnach veranlassten die "exzessiven Bonuszahlungen" 4 Bankmitarbeiter dazu, kurzfristige Erfolgsziele durch die Inkaufnahme übermäßiger Risiken zu erreichen. Zu selten, so die Argumentation der Kritiker, standen nachhaltiges Wirtschaften und die langfristigen Konsequenzen im Mittelpunkt. 5 Kaum verwundern kann es daher, dass die Reform der Vergütungssysteme in den Fokus von Politik und Aufsichtsbehörden gerückt ist.
Zahlreiche neue internationale und nationale Vorschriften wurden in der Zwischenzeit erarbeitet oder stehen kurz vor ihrer Umsetzung. Die Banken reagieren differenziert auf die Regulierungsbemühungen. Einige europäische Institute haben auf freiwilliger Basis oder im Rahmen von Selbstverpflichtungserklärungen bereits 2009 ihre Vergütungssysteme angepasst. 6 Andere Banken überarbeiten ihre Modelle noch. Ähnlich heterogen ist die Regelungsvielfalt in den europäischen und außereuropäischen Staaten. Sie reicht von Passivität bis zu einer deutlich restriktiveren Auslegung der internationalen Guidelines.
Das Ziel der Arbeit ist es daher, sowohl einen Überblick über den aktuellen Stand der Regulierung zu erarbeiten, als auch deren Auswirkungen auf die Bankpraxis anhand von konkreten Beispielen zu analysieren. Die Ausführungen konzentrieren sich auf Deutschland und die Schweiz. Ferner wird im Rahmen einer tiefergehenden Analyse die neue Vergütungspraxis in der Commerzbank betrachtet.
1 Vgl. Häuser (2010), S. 76.
2 Vgl. Romeike (2010), S. 3.
3 Vgl. Kleinschmidt/Fischer (2010), S. 10.
4 Schütte (2009), S. 17 und Nastansky/Lanz (2010b), S. 1.
5 Vgl. Häuser (2010), S. 76.
6 Vgl. Nastansky/Lanz (2010a), S. 221.
2
Um zu einem Ergebnis zu gelangen, gliedert sich die Arbeit in drei Teile. In Kapitel 2 werden zunächst die theoretischen Hintergründe kurz erläutert. Neben einer Einführung in die Prinzi-pal-Agent-Theorie als Ausgangspunkt für die leistungsabhängige Bezahlung wird auf die gängige Ausgestaltung und Zielsetzung variabler Vergütungsmodelle eingegangen. Die Rolle der Vergütungssysteme bei der Entstehung der Finanzmarktkrise wird im 3. Kapitel erörtert. An dieser Stelle soll auch ein Überblick über die bereits umgesetzten und noch geplanten Re-formbemühungen gegeben werden. Im darauf folgenden 4. Kapitel werden schließlich die konkreten Auswirkungen der Reformen auf die Praxis an Beispielen analysiert.
2. Theoretische Grundlagen variabler Vergütungssysteme
Die am häufigsten zur Rechtfertigung variabler Vergütung herangezogene Theorie ist die Prinzipal-Agent-Theorie. 7 Diese analysiert die Vertragsbeziehungen zwischen einem Auftraggeber, dem Prinzipal, und mindestens einem Auftragnehmer, dem sogenannten Agenten. Für die Ausübung seiner Tätigkeit werden dem Agenten bestimmte Aufgaben und Entscheidungskompetenzen übertragen und eine Vergütung gewährt. Die damit einhergehenden Probleme sowie die Implikationen für die Vergütungsmodelle der Banken werden im folgenden Unterkapitel beleuchtet.
2.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie als Ausgangspunkt variabler Vergütung
Die Prinzipal-Agent-Theorie geht von zwei Grundannahmen aus. Zum einen verfolgen beide Parteien rational und opportunistisch eigene Präferenzen. Zum anderen bilden Informationsasymmetrien das Kernproblem der wechselseitigen Geschäftsbeziehungen. In der Literatur werden vier Formen unterschieden. 8 Eine ungleiche Informationsbasis kann etwa hinsichtlich der Absichten (hidden intention) oder Eigenschaften des Agenten, welche dem Prinzipal oft nicht vollständig bekannt sind (hidden characteristics), existieren. Auch die tatsächliche Tätigkeit des Auftragnehmers lässt sich nur schwer oder nur mit hohen Kosten überwachen (hidden action) und der Erfolg abschließend nicht immer eindeutig bewerten (hidden information). Diese asymmetrische Informationsverteilung zu Gunsten des Agenten bietet ihm die Möglichkeit, seine Tätigkeit ausschließlich zur eigenen Wohlfahrtssteigerung zu nutzen. 9 Den Vorteilen der Kooperation, durch die der Auftraggeber beispielsweise die spezialisierte Ar-
7 Vgl.Gehle (2008), S. 18.
8 Vgl. Falkenstein (2005), S. 58 und Gehle (2008), S. 20.
9 Vgl. Nastansky/Lanz (2010c), S. 20.
3
beitskraft und den Informationsvorsprung des Auftragnehmers für sich nutzen kann, stehen die beschriebenen Nachteile gegenüber.
Werden dem Agenten Einkommens- und dem Prinzipal Gewinnmaximierungsziele unterstellt, besteht zwischen den Vertragsparteien also ein Zielkonflikt, bieten sich drei verschiedene Optionen zur Steuerung des Agenten an. 10 Über vertragliche Vereinbarungen und deren Kontrolle und Sanktionierung lässt sich das Verhalten des Agenten bis zu einem gewissen Grad direkt steuern. Des Weiteren würde eine Erweiterung der Rechenschaftspflichten mehr Transparenz über das Verhalten und die Leistung des Agenten zur Folge haben. Schließlich ist die Einführung eines Anreizsystems denkbar. Dieses kann das Verhalten des Auftragnehmers auf die Realisierung der Interessen des Auftraggebers ausrichten. Übertragen auf den Kontext der Arbeit bedeutet das, dass der Prinzipal, also das Kreditinstitut, mit dem Agenten, also dem Bankmitarbeiter oder der Führungskraft, vor der eigentlichen Leistungserbringung eine erfolgsabhängige Vergütung vereinbart. Durch einen solchen variablen Gehaltsbestandteil kann der Interessenskonflikt zwischen den Vertragsparteien reduziert werden (interest alignment).
Unabhängig von der gewählten Option oder deren Kombinationen verursacht die Reduzierung der Zielkonflikte zwischen Prinzipal und Agenten Kosten. Diese entstehen zum Beispiel bei der Entwicklung und Implementierung von Kontroll- und Anreizsystemen.
Die mit der asymmetrischen Informationsverteilung einhergehenden Probleme können nicht vollständig gelöst werden. 11 Dennoch stellen beispielsweise betriebliche Anreizsysteme einen branchenübergreifend weitverbreiteten Lösungsversuch zur Harmonisierung von Mitarbeiter-und Unternehmensinteressen dar. 12 Als Bestandteil der betrieblichen Führungssysteme erfüllen Vergütungsmodelle verschiedene Aufgaben, welche vor allem aus den Problemen der Prinzipal-Agent-Theorie abgeleitet werden können. 13
Im folgenden Unterkapitel sollen ausgewählte Ziele dieser variablen Vergütungssysteme sowie deren gängige Ausgestaltung in Kreditinstituten kurz erläutert werden.
10 Vgl. Falkenstein (2005), S. 57 f.
11 Vgl. Gehle (2008), S. 21 und Roiger (2007), S. 172.
12 Vgl. Schütte (2009), S. 17 und Böhmer (2010), S. 12 sowie Emmerich (2009), S. 14.
13 Vgl. Gehle (2008), S. 22.
Arbeit zitieren:
Stefan Walther, 2010, Änderungen in Vergütungssystemen von Banken nach der Finanzmarktkrise, München, GRIN Verlag GmbH
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