Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Antiautoritäre Pädagogikkonzepte: Von Rousseau zu Neill 4
2.1 Das Menschenbild und der Freiheitsbegriff 4
2.2 Die Elemente der Neillschen Pädagogik und seine Lebensgeschichte im Überblick 8
3. Konsens und Dissens der Neillschen Pädagogik. 12
4. Schlussbetrachtungen: Ist Neills antiautoritäre Erziehung ein
gescheitertes Konzept? 15
Literaturverzeichnis 18
1. Einleitung
Um zu verstehen was sich hinter dem Begriff antiautoritärer Erziehung verbirgt, kommt man nicht umhin, sich kurz den Gegenbegriff der autoritären Erziehung zu vergegenwärtigen. Dabei handelt es sich um einen Erziehungsstil, bei dem alle lenkenden Maßnahmen vom Erzieher ausgehen. Diese Lenkung begründet sich auf Übermacht und kontrolliert bzw. legt jedes Verhalten fest. Gleichzeitig werden detaillierte Verbote und Gebote sowie Befehle und Anordnungen verhängt, somit bleiben jede Art von spontanen Absichten und Wünschen der Kinder unberücksichtigt. Schon geringe Abweichungen vom erwünschten Verhalten werden bestraft. Im Dienste der angestrebten Unterwerfung, Anpassung und Konformität steht nicht nur verletzende oder demütigende persönliche Kritik, sondern auch Tadeln, Zurechtweisung oder das Androhen von Strafen, wobei auch vor körperlichen Strafen nicht zurückgeschreckt wird. Ein derartiger dominanzbetonter und repressiver Erziehungsstiel entspricht den Vorstellungen einer autoritären Gesellschaft, die sich auf hierarchische Strukturen beruft und
um die Aufrechterhaltung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse bemüht ist. 1 Alexander Sutherland Neill wurde 1883 in eine Gesellschaft hineingeboren, in der dieser autoritäre Erziehungsstil praktiziert wurde. Das Ende des 19. Jahrhunderts beschreibt die
Blütezeit des viktorianischen Zeitalters 2 in Großbritannien. Kennzeichen der viktorianischen Ära war zum einen der britische Imperialismus 3 und die fortschreitende Technisierung im Zuge der industriellen Revolution 4 . Somit öffnete sich England weitgehend durch seine Handelsbeziehungen und alle politischen Ambitionen waren vorwiegend auf die Außenpolitik gerichtet, während innenpolitisch alles auf die Erhaltung des Status Quo ausgelegt war. So existierten neben der neu entstandenen Arbeiterschicht, die Schicht der Kleinbauern und
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Kaufleute sowie die Adelsschicht. Für einen Großteil der Bevölkerungsschichten bildete die Königsfamilie den Orientierungspunkt und übernahm auch deren Werte und
Normvorstellungen. Diese entwickelte der Adel aus der kalvinistischen 5 und altpuritanischen 6 Wertetradition. Der Liberalismus 7 hatte vor allem in der Arbeiterschicht großen Einfluss und wirkte dort mit den konservativen Wertvorstellungen in einer Synthese. 8 Damit ist kurz umrissen worden aus welcher Tradition heraus sich der autoritäre Erziehungsstiel in England und Schottland speiste.
Der Begriff der antiautoritären Erziehung wird oft missdeutet. Weber unterteilt die antiautoritäre Erziehung in zwei Hauptströmungen, in eine liberale und eine sozialistische. Die Erstere ist individualistisch und privatistisch orientiert, d.h. das persönliche Glück des Einzelnen steht im Vordergrund und nicht der Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft, während letztere politisch und klassenkämpferisch ausgerichtet ist und die kapitalistische
Gesellschaft durch ihre radikalen Visionen revolutionär zu verändern versucht. 9 Von der antiautoritären Erziehung im letzteren Sinne, die auch Laissez-faire-Erziehung 10 genannt wird, versuchte Neill sich zu distanzieren, wonach „antiautoritär“ nach seinem Verständnis nichts mit Politik zu tun hat. Demnach kann sein Erziehungsstiel als eher freiheitlich-demokratisch oder repressionsfrei bezeichnet werden. 11 Innerhalb dieser Hausarbeit wird nicht auf die antiautoritäre Erziehung der sozialistischen Strömung eingegangen, sondern nur :< : D^ ''^EZ' >dd
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auf den antiautoritären Erziehungsstils von Alexander S. Neill. Im ersten Teil findet eine Auseinandersetzung der Pädagogikkonzepte von Rousseau und Neill statt, in dem die Schwerpunkte auf das Menschbild und den Freiheitbegriff beider Persönlichkeiten gelegt werden. Daran schließt sich eine Beschreibung der Neillschen Pädagogik an, wobei der sexuelle Aspekt ausgeklammert bleibt, jedoch die biographischen Details Berücksichtigung finden, um im darauf folgenden Teil die Pro- und Kontrapunkte zu diesem Konzept eingehender diskutieren zu können. In der Schlussbetrachtung wird die antiautoritäre Erziehung Neills auf ihre Auswirkungen bis in die heutige Zeit hin kurz beleuchtet.
2. Antiautoritäre Pädagogikkonzepte: Von Rousseau zu Neill
„Man hat seit jeher festgestellt, dies sei das Menschenbild Rousseaus.“ 12 so schreibt Egger über das Menschbild Neills 13 . Dieses Zitat war der Anlass sich intensiver mit dem Menschbild Rousseaus und Neills auseinanderzusetzten. Im ersten Abschnitt steht deshalb eine vergleichende Analyse des Menschenbildes und des Freiheitsbegriffes beider Persönlichkeiten im Vordergrund. Im zweiten Abschnitt hingegen wird das Neillsche Pädagogikkonzept kurz anhand seiner prägnantesten Punkte aufskizziert, wobei für ein besseres Verständnis seine Biographie mit einfließt.
2.1 Das Menschenbild und der Freiheitsbegriff
Die Beschreibung des Menschenbildes von Rousseau und Neill klingen in der Tat äußerst ähnlich, für Rousseau bewegt sich zwar die Menschheit im stetigen Lauf auf die Apokalypse zu, dennoch beginnt ein menschliches Leben immer mit einer ursprünglichen Güte (bonté
naturelle). 14 Das heißt er glaubt an das von Natur aus gute Kind. 15 Neill ist auch vom Guten im Kind überzeugt: „Wenn wir einen Säugling betrachten, dann wissen wir, das an ihm keine
Schlechtigkeit ist - […].“ 16 Die Ursache für den Umstand, dass beim Menschen diese bonté naturelle verschüttet wird führen beide Autoren auf die Gesellschaft zurück und sehen den ^^^^^^^^^ ddddE^^^^ ^::>>>>>>hhhhhhhhhh ,,,,^ sssss,,,,,,^^^ sssssttt^^^^^^ ^^^^E^^^^^
Beginn jeweils in der Familie begründet. 17 Schon in diesem frühen Stadium der Entwicklung des Kindes wird es Zwängen unterworfen, sei es in der Bewegungseinschränkung oder im
Bereich der stundenweise geplanten Essens- und Schlafenszeiten. 18 Nicht nur diese „Unfreiheit“ in der Entwicklung des Kindes, sondern auch die moralischen Vorschriften und
Verbote 19 greifen in die natürliche Entwicklung des Kindes ein, die es zu bewahren gilt, indem der Erzieher nicht aktiv in die Entwicklung des Kindes eingreift 20 . Dennoch bedarf es im gesellschaftlichen Zusammenleben regulierender Funktionen, also der Moral, welche jedoch von der Natur aus dem Menschen nicht gegeben ist, sondern eine funktionierende Moral ist vielmehr eine Leistung der kulturellen Tradition und wird durch die Leistung des
Vorbildes und der Erziehung vermittelt. 21 Somit ist bei Rousseau der Erziehungsplan auf die unumgehbaren sozialen Notwendigkeiten hin ausgereichtet, welcher eine Hinführung des Zöglings zur Moral anstrebt. Dabei soll der Zögling moralische Grunderfahrungen erwerben und über die Einsicht in die ökonomischen Abhängigkeiten sein Gewissen entfalten. Rousseau hat dementsprechend seine Erziehung auf eine Moral der inneren Leitung hin angelegt, wobei die Erziehung zu einem vernünftigen Menschen angestrebt ist, denn letztlich macht der Mangel an Vernunft eine Erziehung erst notwendig. Die Erziehung zur Vernunft ist das Mittel, mit dem der Pädagoge sein wahres Ziel erreichen kann. Für Rousseau ist dies das mündige Menschsein, das sich erst erfüllt, sobald der Mensch mittels der Vernunft das Gute
zu erkennen vermag und es durch sein Gewissen zu lieben lernt. 22 Bei Neill vollzieht sich der Übergang zur Moralität der Gesellschaft durch insbesondere zwei Faktoren, zum einen durch die „Selbstregierung“ der Schüler und zum anderen durch den „natürlichen“ Reifeprozess. Demokratische Selbstregierung funktioniert nur mit einem Mindestmaß an sittlichen bzw. moralischen Übereinstimmungen, weshalb sie am geeignetsten erscheint, um ein Höchstmaß an allgemein verbreiteter Moral zu gewährleisten. Dennoch geht die Entwicklung einer Moral wohl kaum über jenes Mindestmaß hinaus, das sich darauf beschränkt Konflikte mithilfe der Verbalisierung zu vermeiden, auszutragen oder zu lösen. Das Gemeinschaftsinteresse wird jedoch durch die Selbstregierung hervorgebracht und ist aus diesem Grund bedeutsam. Jedoch muss angenommen werden, dass die Selbstregierung wenig beiträgt zu der Entwicklung einer Moral, da weder eine widerspruchsfreie Einheit noch ein moralisches System vertreten wird, sssss,,,,,,^^^E^^^^^^^ sssss,,,,,,^^^E^^^^^^^ ^EZDDDDDDDDDDD s,^
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Arbeit zitieren:
Maren Jannusch, 2008, Kontextuale Autopsie des antiautoritären Pädagogikkonzeptes von Alexander Sutherland Neill, München, GRIN Verlag GmbH
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