INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung S. 3
I. Wesentliche Stationen in der Entwicklung des Dokumentarfilms 4
II. Was ist der Dokumentarfilm?
1. Ein Definitionsversuch. 5
2. Typen und Funktionen des Dokumentarfilms. 6
3. Fiction oder Non-Fiction? 7
4. Dramaturgie und Narrativität 7
III. Dokumentarfilm und Wirklichkeit
1. Wahrheitsfähigkeit von Filmen. 9
2. Realität im Film 10
3. Authentizität. 12
4. Konstruktion und Manipulation 12
IV. Resümee 16
V. Bibliographie 16
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EINLEITUNG
Wenn man in Lexika unter Dokumentarfilm nachschlägt, findet man Definitionen, die in etwa folgendes aussagen: Der Dokumentarfilm ist ein Filmtyp, der auf Realität beruht sowie ohne Berufsschauspieler und Handlung auskommt. Sein primärer Zweck ist es zu informieren und zu belehren. Aus derartigen Definitionen lassen sich folgende zentrale Aspekte herauslesen: die Realität, die Fiktionalität und die Narrativität. Diesen Gesichtspunkten soll sich auch die Arbeit widmen.
Dabei stellen sich vor allem folgende Fragen: Darf ein Dokumentarfilm Geschichten erzählen? Ist der Einsatz von dramaturgischen Gestaltungsmitteln zulässig? Kann der Dokumentarfilm Realität abbilden? Und wenn ja, wie?
Bevor genauer auf diese Fragen eingegangen wird, möchte ich einen kurzen historischen Überblick zu wesentlichen Entwicklungsstationen geben, der auch Aspekte zur Produktion und Rezeption inkludiert. Dann folgen der Versuch einer Definition des Dokumentarfilmbegriffs sowie eine Auseinandersetzung mit der Fiktionalität und der Narrativität dokumentarischer Filme. Den Schwerpunkt meiner Arbeit bildet allerdings der Zusammenhang zwischen Dokumentarfilm und Wirklichkeit.
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I. WESENTLICHE STATIONEN IN DER ENTWICKLUNG DES DOKUMENTARFILMS
Der Begriff „Dokumentarfilm“ geht auf den Filmemacher John Grierson in den 30er Jahren zurück, wobei zu erwähnen ist, dass es auch schon lange davor dokumentarische Filme gab. John Grierson sah den Dokumentarfilm als ‚kreativen Umgang mit der Realität’ an, eine Definition, die zu sehr breiter Auslegung einlädt. Seitdem gilt Dokumentarfilm als Bezeichnung für eine bestimmte Filmgattung.
In seinen ersten Jahren begnügte sich der Dokumentarfilm mit viel bescheideneren künstlerischen und technischen Mitteln als der Spielfilm und man hatte vor allem Interesse an der Abbildung des Alltags der Menschen. Doch bald dehnte sich der Begriff im Allgemeinen für wirklichkeitsbezogene Filme aus.
Besonders Krisenzeiten sind „Treibhäuser des Dokumentarfilms“ 1 , da sich Filmemacher vorwiegend dieses Mediums bedienten, um die Krise wirklichkeitsnah aus ihrer Sicht darzustellen. Der Dokumentarfilm erlangte vor allem während des ersten und zweiten Weltkrieges außerordentliche Bedeutung, und zwar als Propagandainstrument. Es ging eindeutig nicht mehr um Alltagsdarstellungen. Ein wesentlicher Entwicklungsschritt in der Nachkriegszeit sind die
Dokumentarfilmbewegungen der 50er Jahre „Cinema Verité“ in Frankreich und „Cinema Direct“ in den USA. Der Fortschritt in der Filmtechnik und die Entwicklung der tragbaren Kameras mit synchron betriebenem Tonaufnahmegerät ließen neue Produktionsweisen zu. Die Dokumentarfilmer waren nun in der Lage, mit billigerem Material zu drehen und vor allem sich freier zu bewegen. Man arbeitete auch mit kleineren Teams, „um der Wirklichkeit mit der Kamera ‚aufzulauern’“ 2 . Der Rezipient sollte so zum Augenzeugen werden. Die Bewegungen „Cinema Verité“ und „Cinema Direct“ erhoben einen neuen Anspruch auf Wahrheit und Wirklichkeitsbezug.
Im Laufe seiner Geschichte machte der Dokumentarfilm viele Entwicklungen durch. Die Filmemacher näherten sich immer wieder den Ausdrucksformen des Spielfilms an, um sich bald darauf wieder davon zu distanzieren.
Doch nicht nur Technik und Ausdrucksformen haben sich mit der Zeit verändert, sondern auch seine Rezeption. In den Anfangsjahren war das Kino der einzige Ort zur Filmrezeption. Mit der fortlaufenden Entwicklung und Verbreitung des Fernsehens verschwand der Dokumentarfilm zunehmend aus den Kinosälen, weil er sich gegen die anderen Genres, wie
1 Hohenberger, 1998, S. 8
2 Arriens, 1999, S. 15
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dem Spielfilm, nicht durchsetzen konnte. Die Besucherzahlen im Kino bei Dokumentarfilm waren rückläufig, da er nicht so unterhaltsam war wie seine Konkurrenz. Das Fernsehen wurde im Laufe der Jahre zum wichtigsten Produzenten und Käufer von Dokumentarfilmen. Noch heute ist der Dokumentarfilm als Kinoereignis eher eine Seltenheit, mit Ausnahme von Filmfestivals. Die meisten Dokumentarfilme sind Fernsehproduktionen.
II. WAS IST DER DOKUMENTARFILM?
1. Ein Definitionsversuch
Im Allgemeinen ist Dokumentarfilm die Bezeichnung für ein Filmgenre, innerhalb dessen es unterschiedliche Ausdrucksformen gibt. Und wie bei jedem Genre muss es Gemeinsames geben, das die Genrezugehörigkeit rechtfertigt. Ist wirklich alles dokumentarisch, was als solches bezeichnet wird?
Man müsste Zuordnungskriterien finden. Allerdings lässt sich im Spiegel der Forschungsliteratur diesbezüglich keine klare Linie feststellen. Es werden oft sogar widersprüchliche Kriterien aufgestellt. Ein Aspekt, den jedoch alle Berücksichtigen, ist der Bezug des Dokumentarfilms zur Wirklichkeit. Daraus lässt sich folgern, dass es beim Dokumentarfilm durchaus auf den Realitätsbezug ankommt.
Wenn man sich nun in diesem Sinne den Begriff Dokumentarfilm an sich betrachtet, so wird man mit zwei Worthälften konfrontiert, und zwar mit dem Wort Dokument und dem Wort Film. Dokument geht zurück auf das lateinische Verb „docere“, das soviel heißt wie „zeigen, beweisen, belegen“. Also schon von seinem sprachlichen Ursprung her erhebt ein Dokument den Anspruch darauf, etwas zu beweisen, die Wahrheit zu zeigen. In Bezug auf den Dokumentarfilm bedeutet dies nun, dass die Darstellung von etwas Wahrheitsgemäßen das Ziel dokumentarischer Filmarbeit sein sollte. Der zweite Begriffsbestandteil „Film“ kann zweierlei heißen: zum einen das belichtete Material und zum anderen die gezeigten bewegten Bilder. Im Zusammenhang mit dem Begriff Dokumentarfilm ist eher die zweite Bedeutung des Wortes Film relevant. Das heißt gemäß dieser Begriffsanalyse ist der Dokumentarfilm ein Medium, das mittels bewegter Bilder etwas Wahrheitsgemäßes zeigt. Ein weiterer für eine mögliche Definition zu berücksichtigender Aspekt ist die Voraussetzung, dass sich der Dokumentarfilm von Formen wie z.B. dem Spielfilm distanziert und als eigenständige Form wahrgenommen wird. Was unterscheidet den Dokumentarfilm nun genau vom Spielfilm? Eva Hohenberger differenziert dabei vier Ebenen:
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Arbeit zitieren:
Mag. Sandra Jenko, 2004, Narrativität und Realität im Dokumentarfilm, München, GRIN Verlag GmbH
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