INHALTSVERZEICHNIS
Einleitung
S. 3
I. Medien im Theater
S. 4
II. Theater in Medien
S. 7
Res ümee
S. 9
Bibliographie
S. 9
2
Einleitung
In den letzten Jahren, Jahrzehnten und inzwischen sogar Jahrhunderten gewannen elektronische Medien immer größere Bedeutung in der Kunst. Sie erschufen sich sogar eigene Kunstrichtung, wie Fotokunst, Filmkunst, Videokunst oder allgemein gesagt Medienkunst. Gemäß der möglichen Definitionen von Medienkunst entschloss ich mich für das Thema „Theatrale Medienkunst“, da sich auch das Theater als künstlerisch-ästhetische Produktion technischer Medien bedient. Doch warum greift das Theater als eines der ältesten Medien der Welt in seinen Inszenierungen zunehmend auf jüngste mediale Technologien zurück? Welche Auswirkungen hat dies zum einen auf das Selbstverständnis des Theaters und zum anderen auf dessen Zuschauer? Diesen Fragen möchte ich in meiner Arbeit nachgehen, wobei in diesem sehr eingeschränkten Rahmen keinesfalls die gesamte Breite dieses Themengebietes erfasst werden kann. Die Betonung liegt auf Intermedialität und einen Schwerpunkt bilden dabei die Realitätskonstruktion, die damit zusammenhängende Wahrnehmung, die Kommunikation sowie in gewissem Maße auch die Körperlichkeit und Körperlosigkeit. Im zweiten Kapitel widme ich mich vor allem der Transitorik und Reproduzierbarkeit des Mediums Theater.
3
I. Medien im Theater
Heutzutage werden Bildprojektionen, Filme, Videos, Fernsehen, Computer und sogar das Internet als theatrale Mittel oft schon ganz selbstverständlich in Theaterproduktionen eingesetzt. In den frühen Jahren von Film und Fernsehen waren die Zweifel gegenüber diesen neuen Medien vor allem bei den Kunst- und Theaterschaffenden jedoch deutlich größer als heute, da man Konkurrenz durch Kino und Fernsehen befürchtete. Doch schon recht bald setzte man sich in der Kunst mit den neuen elektronischen Medien auseinander, besonders um Kritik daran auszudrücken. Aber es gab auch einige Künstler, die den Nutzen dieser Medien für ihr Schaffen bald erkannten und auch entsprechend Gebrauch davon machten. So auch im Theater, wo man bereits in den 20er Jahren mit Filmprojektionen auf der Bühne arbeitete. Was aber macht diesen Reiz am Einsatz elektronischer Medien im theatralen Schaffen aus?
Bevor diese Frage beantwortet werden kann, muss man zuerst klären, was eigentlich das Theater als solches ausmacht. Es muss etwas sein, das unabhängig vom Einsatz technischer Medien Bestand und Wirkung hat, etwas, das elektronische Medien in der Aufführung nicht zerstören können, wenn sie es nicht vielleicht sogar fördern. Man könnte als Anfang sagen, dass sich das ursprüngliche, traditionelle Theater unter anderem durch seine Grenzen und durch seine auf der Bühne erschaffene Realität definiert. Als Grenzen verstehe in diesem Zusammenhang vor allem die Eingrenzung der Bühnenwelt und damit auch gewissermaßen die Abgrenzung vom Zuschauer. Elektronische Medien, z.B. Projektionen im Bühneneinsatz greifen über die Begrenzung hinaus und lassen auf neue Weise einen Dialog mit dem Publikum entstehen. Sie sprengen sozusagen die Schranken des klassischen Theaters und schaffen neue Kommunikationswege.
Wenn man dabei an Aristoteles und seine drei Einheiten denkt, so sieht man die Einheit von Zeit und Ort durch diese „neuen“ Mittel eigentlich aufgelöst. Man könnte Projektionen zwar unter Umständen mit dem Mauerschau oder dem Botenbericht vergleichen, die ja auch dazu dienten, den abgeschlossenen Bühnenraum zu erweitern, doch geschah dies im Unterschied zur Projektion nur durch Erzählungen, so dass die Einheit gewahrt blieb.
Für den Zuschauer ändert sich aber durch den Einsatz von grenzüberschreitenden, elektronischen Medien nicht nur die Kommunikation, sondern auch die Wahrnehmung des Dargestellten. Die ursprünglich (ohne elektronische Medien) auf der Bühne für den Zuschauer erschaffene Realität ist vor allem bestimmt durch die körperliche Präsenz des Schauspielers und die dreidimensionalen Kulissen und Requisiten. Projektionen hingegen offenbaren dem Zuschauer ein den Bühnenraum erweiterndes Bild und erreichen ein Extrem, wenn sie sogar den realen Schauspieler ersetzen. 1 Damit wäre doch die zuvor genannte Voraussetzung zur Erschaffung einer fiktiven Wirklichkeit,
1 vgl. Genetik Woyzeck (in: Gehse, 2001, S. 61-67): Bei dieser Inszenierung ist der Darsteller von Woyzeck der einzige reale Schauspieler auf der Bühne. Alle anderen Charaktere werden auf großen Videoleinwänden stereotyp dargestellt.
4
Arbeit zitieren:
Mag. Sandra Jenko, 2003, Theatrale Medienkunst - Eine Auseinandersetzung mit der Intermedialität in Bezug auf das Theater, München, GRIN Verlag GmbH
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