S e i t e I
Inhalt
1. Einleitung 1
2. Rousseau- Ein Kind der Aufklärung 1
3. Der Contrat Sociale und der Emile 3
4. Pädagogische Bestimmungsfaktoren und die drei Lehrmeister 4
5. Rousseaus Naturbegriff 6
6. Erziehungsziel 6
7. Negative Erziehung 7
8. Bürger oder natürlicher Mensch 8
9. Rousseaus Einfluss auf die Pädagogik 10
Literaturverzeichnis II
1. Einleitung
Es hat schon einen komischen Zug, dass gerade der Mann, der wohl einen der berühmtesten Erziehungsromane überhaupt geschrieben hat, seine eigenen Kinder im Findelhaus ablieferte. 1 Sei es ihm verziehen- mit seinem Werk „Emile, oder über die Erziehung“ hat Rousseau der Nachwelt wohl den Klassiker der Pädagogik schlechthin vermacht.
Ziel dieser Arbeit ist eine Betrachtung und Analyse des vorliegenden Textabschnitts aus dem ersten Buch des Emile, über die „Grundgedanken und Arten der Erziehung“. Dem hermeneutischen Charakter der Analyse entsprechend, soll der Abschnitt nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit dem Werk des Emile, dem Rousseau’schen Gesamtwerk, welches hier auf den Emile und Contrat Sociale beschränkt werden soll und der Person Jean-Jacques Rousseau in seiner Zeit betrachtet werden.
2. Rousseau- Ein Kind der Aufklärung
Beginnend soll an dieser Stelle ein Blick auf die Person Jean-Jacques Rousseau geworfen werden- auch deshalb, da für eine hermeneutische Betrachtung das Leben und Werk Rousseaus in der Tat nicht getrennt werden können, wie schon Röhrs in seiner Rousseau-Biographie bemerkt:
„Rousseau ist das Ärgernis, an dem man sich gerieben hat und reiben wird, denn es lassen sich hier Leben und Werk nicht voneinander trennen!“ 2 Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf geboren. Bei seiner Geburt verstirbt seine Mutter. Dies erklärt zum Teil wohl auch Rousseaus Mutterbezogenheit, die er auch im ersten Buch des Emile ausdrückt. 3 Das Fehlen der Mutter kompensierte Rousseau eine Zeit lang mit der 13 Jahre älteren Madame de Warens. Über sie schrieb er: „Sie war für mich mehr als eine Schwester, mehr als eine Mutter, mehr als eine Freundin, sogar mehr als eine Geliebte, und darum war sie keine Geliebte“. 4 Auch Rousseaus Liebe zum Landleben und der Natur, wie sie später noch ausführlich dargestellt wird, kann auf Rousseaus Biographie zurückgeführt werden. So kam Jean-Jacques im Alter von 10 Jahren aufs Land, wo er in einem
1 Vgl. Ehler, N.,(2004) S. 18f
2 Röhrs, H.(1957) S. 14
3 Vgl. Knoop, K., Schwab, M.(1981), S.43
4 ebd, S.44
calvinistischen Pfarrhaus erzogen wurde, was ihn nachhaltig beeinflusste. 5 In den dreißiger Jahren siedelte Rousseau nach Paris über, was ihn in Kontakt mit Frankreichs intellektueller Elite brachte.
1768 heiratete Rousseau Thérèse Levasseur, die ihm vor der Heirat fünf Kinder gebar, die Rousseau, wie bereits erwähnt, ins Waisenhaus abschieben ließ. Seine letzten Jahre vor seinem Tod lebte Rousseau wieder bei Paris, aus dem er vorübergehend nach dem Erscheinen seiner Hauptwerke, dem „Emile“ und dem „Contrat Sociale“ verbannt war. Rousseau litt an Verfolgungswahn und starb im Alter von 67 Jahren 1776 in Ermenoville, einem Vorort von Paris. 6
Rousseaus Leben fällt in eine politisch und kulturell bewegte Zeit der europäischen Geschichte. Politisch kann die Zeit als Übergangsphase zwischen dem königlichen Absolutismus, der mit dem Tod Ludwig XIV im Jahr 1715, drei Jahre nach Rousseaus Geburt, seinen Höhepunkt überschritt und der französichen Revolution 1789, betrachtet werden. 7
Auf philosophischem Gebiet war die Aufklärung, in seiner vollsten Blüte. Eingeleitet wurde sie im vorherigen 17. Jahrhundert durch René Decartes Werk „Discours de la méthode“ . 8
Die Methode des Zweifelns an den Dingen, die Decartes soweit trieb, bis er an sich und seine Existenz selbst zweifelte, bis er beruhigt feststellte „cogito ergo sum“ 9 - ich denke, deshalb bin ich, war kennzeichnend für die Periode der Aufklärung. 10 Institutionen wie die Kirche und die Monarchie wurden in Zweifel gezogen und hinterfragt.
Für Kant war die Aufklärung „der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit“ 11 . Der aufgeklärte Mensch hat Kant zufolge Mut, seinen eigenen Verstand zu benutzen. 12
Rousseaus Leben verlief nahezu zeitgleich zu denen anderer berühmter Philosophen und Staatstheoretikern der Aufklärung, wie Voltaires, Montesquieus, dem Theoretiker der Gewaltenteilung, oder dem Adam Smiths, dem Hauptvertreter des Liberalismus. 13 Rousseau war ein Kind der Aufklärung die ihn prägte- bis er sie prägte.
5 Vgl. Knoop, K., Schwab, M.(1981), S.44
6 Vgl. ebd
7 Vgl. Website zeno.org, Ludwig XIV
8 Vgl. Website Histoire de la langue francaise, Le français au siècle des Lumières
9 Vgl. Website descartes-cogito-ergo-sum, descartes-cogito-ergo-sum
10 Anm.: Den Satz „cogito ergo sum“ hat Decartes so nicht gesagt oder geschrieben, er ist im „Discours
de la méthodes“ eher ein Schluss aus verschiedenen Sätzen die logisch in Verbindung stehen. Der Satz
hat sich (der Einfachheit halber) eingebürgert und gilt als die zentrale Erkenntnis Decartes
11 Kant, E., Was ist Aufklärung, zitiert nach Website Deutsche Hochschulgilde Westmark zu Karlsruhe,
Immanuel Kant
12 Vgl. ebd
3. Der Contrat Sociale und der Emile
Rousseaus Beitrag zur Aufklärung sind seine beiden Werke die er 1762 zeitnah veröffentlichte: Der „Emile“, und der „Contrat Sociale“. In der Tat betrachten nicht wenige Rousseau-Kenner und Kritiker, wie etwa Anton Strobel, den Contrat Sociale als Fortsetzung des Emile - obwohl er diesem inhaltlich oft diametral entgegensteht. 14 Deshalb soll der Contrat Sociale an dieser Stelle kurz skizziert werden.
Rousseau beschreibt im Contrat Sociale, wie der Mensch aus dem Naturzustand, indem er als „glücklicher Wilder“ frei und gut lebte, in den gesellschaftlichen Zustand entwachsen ist. In diesem gesellschaftlichen Zustand kann der Mensch seine Freiheit alleine durch einen Gesellschaftsvertrag bewahren, indem er sich dem allgemeinen Willen, dem Gemeinwohl, dem „volontée generale“ unterwirft. 15 Rousseau zeichnet im Contrat Sociale eine republikanische Gesellschaft, die der Idee „des Guten“ vor „dem Rechten“ den Vorrang gibt. 16
Interessant ist das Menschenbild, welches dem Contrat Sociale zugrunde liegt. Rousseau sieht den Menschen im gesellschaftlichen Zustand als soziales Wesen, in welchem er „Glied eines untrennbaren Teil des Ganzen“ 17 ist.
Die Geschichte des Emile zeichnet jedoch einen ganz anderen Menschen. Der Emile besteht aus fünf Büchern und beschreibt den Werdegang Emiles. Dieser wird alleine von der Natur, ohne aktive Einwirkung seines Erziehers Jean-Jacques 18 , autodidaktisch, fernab von anderen Menschen erzogen. Dies passiert in einem pädagogischen Umfeld, welches Jean-Jacques für Emile entwirft und steuert. Leitlinien dieser Erziehung sind erstens das Ausüben-lassen der Kräfte des Kindes, zweitens das Helfen bei den Dingen bei denen das Kind nicht genügend Kraft hat, wobei sich drittens die gebotene Hilfe auf das Nützliche beschränken soll. Der vierte Leitsatz lautet, dass der Erzieher die kindliche Sprache verstehen muss, um zwischen wirklichen und willkürlichen Wünschen des Kindes unterscheiden zu können. 19
Bis zum Ende des zweiten Buch, in dem Emile etwa 12 Jahre alt ist lernt
13 Vgl. Knoop, K., Schwab, M.(1981), S.43
14 Vgl. Strobel, A.(1928), S.28f
15 Vgl. Website Jura.Uni-Würzburg, Das Ideal demokratischer Selbstbestimmung im contrat sociale
16 Anders, als es im Liberalismus der Fall ist, die den Wert der Freiheit des Individuums betont
17 Rousseau, J-J., Der Gesellschaftsvertrag, oder die Grundsätze des Staatsrechts, zitiert nach Website
textlog.de, Der Gesellschaftsvertrag
18 Anm.: Abermals wird der enge Bezug von Rousseaus Werk und Leben deutlich
19 Vgl. Website Carelounge, Jean-Jacques Rousseau: Emile, oder über die Erziehung
Arbeit zitieren:
Christoph Dressler, 2008, Emile, oder über die Erziehung, München, GRIN Verlag GmbH
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