„Novel Food“ Eine Kosten- Nutzen Analyse
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 1
II. Begriffsklärung 2
III. Nutzenanalyse 3
1. Agrartechnische Verbesserungen durch Einsatz von gentechnisch veränderten
Organismen 3
2. Agrartechnische und verarbeitungstechnische Verbesserungen der Pflanzen
selbst. 3
3. Verbesserung der Lebensmittelqualität. 4
4. Zugrunde liegende ethische Werte der Nutzenanalyse. 6
IV. Risikoanalyse. 9
1. Ökologische Risiken. 9
2. „Direkte“ Risiken. 10
3. Sozio- ökonomische Risiken 11
4. Zugrunde liegende ethische Werte der Risikoanalyse 12
V. Fazit 15
Anhang: Literaturverzeichnis
i
„Novel Food“. Eine Kosten- Nutzen Analyse
I. Einleitung
„Genfood“ oder rechtlich „Novel Food“ ist eines der am häufigsten diskutierten Themen im Bereich der Technikfolgenabschätzung der letzten Jahre. In vorliegender Arbeit soll anhand einer klassischen Kosten- Nutzen Analyse untersucht werden, welche Vorteile beziehungsweise Gefahren das Vertreiben von gentechnisch veränderten Lebensmitteln birgt.
Nach einer Begriffsklärung (Kapitel II) werden hierzu zuerst die unterschiedlichen Vorteile von Novel Foods herausgestellt, welche am Ende des Kapitels auf ihre zugrunde liegenden ethischen Werte durchleuchtet werden (Kapitel III). Anschließend sollen die Argumente gegen eine Einführung solcher Lebensmittel dargestellt und ebenso hinsichtlich ihrer ethischen Verortung analysiert werden (Kapitel IV). Im Schlussteil werden die Erkenntnisse nochmals gebündelt dargestellt und eine Gewichtung der Argumente und damit ein Fazit aus der Diskussion gezogen (Kapitel V).
Leitfrage in der gesamten Arbeit soll sein, wie, beziehungsweise ob überhaupt, ein ethisch verantwortbarer Umgang mit gentechnisch veränderten Lebensmitteln möglich ist.
1
„Novel Food“. Eine Kosten- Nutzen Analyse - II.Begriffsklärung
Damit ausreichende Klarheit über den Begriff Novel Food geschaffen ist, soll an dieser Stelle eine Definition und Abgrenzung desselben versucht werden um mögliche Verwirrungen zu vermeiden.
Einerseits lassen sich dreierlei Typen von „Genfood“ unterscheiden, aber andererseits ist deren Abgrenzung und Festlegung sehr umstritten. Dies zeigt unter anderem auch die Debatte nach der Novel- Food- Verordnung der Europäischen Union 1997, in deren Folge vor allem eindeutige Grenzwertfestlegungen gefordert wurden, die die Verordnung erst konkret umsetzbar machen würden. An dieser Stelle soll folgende grobe Einteilung genügen 1 :
Wie schon angedeutet enthält auch diese Dreiteilung noch zahlreiche Unschärfen, jedoch erfüllt sie ihren Zweck, der Diskussion etwas mehr Struktur zu verleihen. So ist es ja auch nicht Absicht dieser Arbeit eine juristisch einwandfreie Abgrenzung zu schaffen, sondern lediglich die ethischen Standpunkte und deren jeweilige Dimension zu erhellen.
1 Nach: Wobus, Ulrich: Nahrungsmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen in Nahrungsketten, in:
Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina (1998): Nahrungsketten - Risiken durch
Krankheitserreger, Produkte der Gentechnologie und Zusatzstoffe? Leopoldina- Symposium vom 8.
bis 10. Mai 1998 in Jena, Barth Verlag, Leipzig, S.52. (Nachfolgend: Wobus: Nahrungsmittel aus
gentechnisch veränderten Pflanzen in Nahrungsketten).
2
„Novel Food“. Eine Kosten- Nutzen Analyse - III.Nutzenanalyse
In diesem Kapitel sollen die verschiedenen Vorteile der Anwendung von Gentechnik bei der Lebensmittelproduktion erläutert werden, wobei obige Typologie jeweils als Einordungsschema dient. Abschließend werden die ethischen Grundwerte für die Rechtfertigung der Anwendung der Gentechnik zur Erreichung des jeweiligen Ziels dargestellt.
1. Agrartechnische Verbesserungen durch Einsatz von gentechnisch veränderten
Organismen
Unter diesen Bereich fallen vor allem der Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) bezüglich der Stickstoff- Fixierung oder von gentechnisch hergestellten, biologischen Pestiziden; in ersterem Falle überwiegend durch Rhizobien 2 . Sämtliche Verarbeitungstechniken die in mit dieser Methode arbeiten, fallen unter die in der Begriffsklärung unter b) und c) gefasste Festlegung, stellen also keine gentechnisch veränderten Lebensmittel im engeren Sinne dar, da ihr Genom nicht verändert wird. Vielmehr ergeben sich durch symbiontische Synergien oder die Verwendung von gentechnisch hergestellten Biopestiziden und Frostschutzmitteln höhere Erträge der behandelten Nutzpflanzen. Jedoch ist eine Beeinflussung nicht völlig auszuschließen weshalb diese Methoden auch unter den Begriff „Novel Food“ fallen.
Der agrartechnische Nutzen ist damit fast ausschließlich durch den höheren Ertrag -oder im Falle der Resistenzen: geringerer Ausfall 3 - gegeben. Hinzu kommt bei der Verwendung von Biopestiziden die Minderung der Umweltbelastung, da herkömmliche (chemische) Pestizide überflüssig werden 4 .
2. Agrartechnische und verarbeitungstechnische Verbesserungen der Pflanzen
selbst
Zusammen mit den unter Punkt 1 benannten Eingriffen stellt dieser Bereich die bisher am häufigsten eingesetzte Methode dar. Wiederum fallen sie vornehmlich
2 Wobus: Nahrungsmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen in Nahrungsketten, S.52.
3 Der weltweit bis zu einem Drittel beträgt: DFG (2001): Gentechnik und Lebensmittel.
Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung. Mitteilung 3, Wiley- VCH Verlag,
Weinheim, S.7. (Nachfolgend: DFG: Gentechnik und Lebensmittel).
4 Oftmals allerdings nur zu einem relativ geringen Teil. Siehe auch: DFG: Gentechnik und
Lebensmittel, S.11, 12.
3
„Novel Food“. Eine Kosten- Nutzen Analyse - unterdie in b) und c) genannte Festlegung, wobei in manchen Punkten aber auch eine Zuordnung unter Punkt a) angemessen scheint. Die agrartechnischen und verarbeitungstechnischen Verbesserungen der Pflanzen umfassen sowohl biotische als auch abiotische Resistenzen 5 , generelle Ertragssteigerungen, Entwicklung von „low input“ Sorten und gentechnische Systeme zur Erzeugung von Hybridsaatgut 6 . Es wird also direkt in das Genom der Nutzpflanze eingegriffen, jedoch die Zusammensetzung des zum Verzehr genutzten Teils nicht oder nur in sehr geringem Umfang verändert. Beispiele hierfür sind die Erhöhung der Standfestigkeit bei beispielsweise Weizen- oder Roggensorten oder eine erhöhte Frosttoleranz. Während also bei der Verbesserung der Standfestigkeit von Weizensorten ein direkter Kontakt der lebensmitteltechnisch relevanten Teile der Pflanze mit dem Verbraucher weitgehend vermieden wird, lässt eine biotische Resistenz einer Frucht die Kennzeichnung als „gentechnisch verändertes Nahrungsmittel im eigentlichen Sinn“ schon gerechtfertigt erscheinen. Auf die Problematik dieses direkten Kontakts wird in Kapitel IV.2 näher eingegangen 7 .
Abgesehen von dem prinzipiellen Vorteil der Ertragssteigerung kann durch die genannten Methoden auch die Erweiterung der Anbaufläche beziehungsweise das Verhindern deren zunehmender Abnahme erreicht werden (zum Beispiel durch Salztoleranz, Hitzetoleranz…) 8 . Damit können insbesondere in Hungerregionen zahlreiche Nöte gelindert werden, indem die Möglichkeit der
Nahrungsmittelproduktion vor Ort möglich gemacht, oder zumindest erhalten bleibt. Wie unter Punkt III.1 kommt auch hier die Möglichkeit der Reduzierung der Umweltbelastung durch Verringerung von bisher angewandten chemischen Pestiziden hinzu.
3. Verbesserung der Lebensmittelqualität
Die Verbesserung der Qualität der Lebensmittel stellt sicherlich den am kritischsten betrachteten, aber auch den Punkt mit den weitestgehenden Möglichkeiten und
5 Hierzu auch: Teuber, Michael: Gentechnik für Lebensmittel und Zusatzstoffe - Leben mit der
Gentechnik, in: Nordrhein - Westfälische Akademie der Wissenschaften (2000): Natur- Ingenieur- und
Wirtschaftswissenschaften. Vorträge N 446, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden, S.10, 11.
(Nachfolgend: Teuber: Gentechnik für Lebensmittel und Zusatzstoffe).
Wobei aber auch Befürchtungen bestehen, durch die künstlichen Resistenzen „Superunkräuter“ zu
generieren, welche den positiven Effekt ausgleichen oder sogar ins Gegenteil verkehren würden:
Bethge, Philip (2003): Designerkost für alle, in: Der Spiegel 12/ 2003.
6 Wobus: Nahrungsmittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen in Nahrungsketten, S. 52.
7 Hierunter ist dann auch der Kontakt mit der veränderten DNA zu fassen, welche eventuell zwar nicht
in Proteine translatiert und transkribiert wird, jedoch nichtsdestotrotz untersucht werden muss.
8 DFG: Gentechnik und Lebensmittel, S.12.
4
Arbeit zitieren:
Johannes Ohnmacht, 2004, Novel Food, München, GRIN Verlag GmbH
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