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Inhalt
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Zusammenfassung 3
1. Einleitung 4
2. Gregory BATESON - eine biografische Skizze 6
3. Zur Rezeption BATESONS 7
4. Lernforschung - mit einem Exkurs: Die logischen Typen 8
4.1 Die verschiedenen Stufen des Lernens 15
4.1.1 Lernen 0 (null) 15
4.1.2 Lernen 1 (Proto-Lernen) 16
4.1.3 Lernen 2 (Deutero-Lernen) 18
4.1.4 Lernen 3 24
5. Schluss 26
6. Quellenverzeichnis 27
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Zusammenfassung
Unter den zahlreichen Beiträgen, die der englische Wissenschaftler Gregory BATE-SON (1904 - 1980) zu den Humanwissenschaften leistete, markieren seine Untersuchungen zur Lerntheorie einen vorläufigen Zielpunkt, an dem er seine strukturellen Einsichten aus jahrzehntelanger Forschung formulieren konnte. Zugleich lässt sich hierin ein Ausgangspunkt für sein wissenschaftliches Spätwerk erkennen. Den Schlüssel zum Verständnis seiner wichtigsten Erkenntnisse aus dem Bereich der Lernforschung bildet hierbei der bereits 1964 erschienene Aufsatz Die logischen Ka-tegorien von Lernen und Kommunikation (vgl. BATESON 1994, 362 -399). Lernen bedeutet nach BATESONS Lernstufen-Modell grundsätzlich eine prozesshafte Veränderung irgendeiner Art, die innerhalb der hierarchisch geordneten Reiz-, Reaktions- und Verstärkungskontexte auftritt. Hierbei können aufgrund der einfachen und unverzweigten hierarchischen Struktur dieser Stufenfolge Relationen nur zwischen unmittelbar benachbarten Lernstufen beschrieben werden. Theoretisch kann zwar über jeder Stufe eine Metastufe angenommen werden, praktisch lässt sich jedoch nur ein Lernen bis zur Stufe 3 nachweisen.
• Lernen 0 (null) ist nicht der Berichtigung eines Irrtums durch neuerlichen Versuch zugänglich.
• Dies ist erst auf der Stufe des Lernens 1 (Proto-Lernen) möglich, das gleichbedeutend ist mit der Menge von Phänomenen, die als Veränderung im Lernen 0 beschrieben werden können.
• Beim Lernen 2 (Deutero-Lernen) handelt es sich um Veränderungen im Prozess von Lernen 1, bei denen zum Beispiel die Menge der Alternativen gewechselt wird, unter denen gewählt werden kann; auch werden andere Kontext-Markierungen wahrgenommen, da Veränderungen stattfinden bei der Unterteilung in Kontexte und bei der Interpunktierung des Handlungs- und Erfahrungsstroms. Lernen 2 ist selbstbestätigend. Daher ist diese Art des Lernens fast unauslöschlich und bildet durch ihre überdauernde Qualität eine Quelle der persönlichen Identität.
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• Dies erklärt zugleich, dass es nur in besonderen Fällen zu einem Lernen höherer Stufen (Lernen 3 bis Lernen n) kommen kann, weil dies gegenüber der jeweils nächst niedrigeren Stufe eine korrigierende Veränderung im System der Mengen von Alternativen bedeutet, unter denen die Auswahl getroffen wird.
Da somit das Lernen sich auf verschiedenen Stufen und nach unterschiedlichen Prinzipien vollzieht, bilden auch gemeinhin als gegensätzlich verstandene Begriffe wie Lernen durch Verstärkung oder Lernen durch Einsicht in BATESONS Modell keine unvereinbaren Gegensätze, da sie in diesem integrativem Konzept nicht zur Beschreibung desselben Phänomens verwendet werden, sondern verschiedene Sachverhalte auf unterschiedlichen Lernstufen bezeichnen.
1. EINLEITUNG
Die wissenschaftlichen Forschungen Gregory BATESONS vollzogen sich unter einem übergeordneten Erkenntnisinteresse - dem Auffinden gemeinsamer Strukturen von Geist und Natur. Seine Überlegungen zur Lerntheorie markieren dabei einen Zielpunkt, an dem er strukturelle Einsichten aus jahrzehntelanger Forschung auf den verschiedensten Gebieten der Natur- und Geisteswissenschaft formulieren konnte, der zugleich aber als Ausgangspunkt und Verständnisgrundlage seines wissenschaftliches Spätwerks gelten darf. Was sich bei flüchtiger Betrachtung als eine Folge von „Umwegen“ darbieten mag, gibt sich bei aufmerksamem Nachvollzug als stringenter Gang der Forschung zu erkennen:
Aus anfänglichen Untersuchungen zur Evolutionstheorie und zur Verhaltensforschung schloss BATESON auf das Zugrundeliegen homologer bzw. analoger Kommunikationsstrukturen bei den Entwicklungsphänomenen der Natur und des Geistes. Von dieser Vorstellung geleitet, wandte er sich Ende der 30er-Jahre der Kommunika- tionsforschung zu.
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Aus dem Verständnis heraus, dass Kommunikation wie jede andere Form menschlichen und tierischen Verhaltens in Systeme eingebunden ist, entschied er sich hierbei für einen kybernetischen Forschungsansatz.
Im Zuge seiner Untersuchungen zur Kommunikation wandte BATESON sich thematischen Schwerpunkten im Bereich der Schizophrenieforschung zu. Seine Schizophrenie-Auffassung entwickelte sich auf dem Hintergrund der in den 50er-Jahren vermuteten Ursachen für die Entstehung dieser Krankheit. Unter ätiologischen Gesichtspunkten vertrat er die an H. S. SULLIVAN anknüpfende Vorstellung, schizophrenes Verhalten werde erlernt, 1 indem das Individuum wiederholt gestörte Kommunikationsstrukturen, das heißt pathogene Diskussionen von Beziehungsmustern erlebe oder miterlebe. 2 In der pathogenen Familiensituation der Erkrankten fand BA-TESON die Antwort auf die Frage nach den interpersonellen Kontexten, in denen dieses Lernen stattfindet. 3
Aus der Überlegung, dass unangemessene Formen der Kommunikation nach den gleichen Prinzipien erlernt werden, wie dies bei angemessenen Formen der Interaktion der Fall ist, entstand die Frage nach den Prinzipien des Lernens. BATESONS Lernforschungen sind somit auf Engste mit seinen Untersuchungen zur Kommunikation und zur Schizophrenie verbunden. Der Forscher ging bei seinen Lernuntersuchungen von verschiedenen, nach allgemeinem Verständnis „polaren“ Grundannahmen aus, die er in einem übergreifenden Konzept von großer Reichweite zusammenführte. Ausgangspunkte bildeten die Theorien des klassischen und des operanten
1 Der amerikanische Psychiater und Psychotherapeut Harry Stack SULLIVAN (1892 - 1949) hatte
bereits in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die von der seinerzeit geltenden Lehrmei-
nung abweichende Auffassung vertreten, schizophrene Störungen seien ursächlich in der Lebensge-schichte der Patienten verankert und daher psychotherapeutisch behandelbar.
2 BATESON zeigte mit Hilfe der Theorie der logischen Typen von WHITEHEAD & RUSSELL, dass die
von ihm beschriebene Störung dieser Kommunikationsstrukturen auf einer Vermischung der logischen
Ebenen beruht, denen ihre Informationskontexte angehören. In diesem Zusammenhang steht der von
BATESON so genannte Double-Bind, der weit reichende Bedeutung für die nachfolgenden Forschun-
gen besaß. War der Forscher anfangs davon ausgegangen, mit dem Double-Bind die wesentliche
Ursache der Schizophrenie gefunden zu haben, so konnte dies in weiteren Untersuchungen nicht
nachgewiesen werden.
Die Theorie der logischen Typen (s. u.) lieferte zugleich ein Strukturvorbild für BATESONS Lernstufen-
theorie.
3 Dieser kontextuelle Aspekt leitete BATESON zu einem „systemischen“ Ansatz, der bei Anamnese
und Diagnose nicht nur die Person des Erkrankten, sondern auch sein (familiäres) Umfeld zu berück-
sichtigen hat.
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Konditionierens, die Lerntheorie der Gestaltpsychologie, die sozialkognitive Lern-theorie und schließlich die Informationstheorie. BATESON differenzierte und präzisierte in seinem eigenen Modell diese nach Herkommen und Ausrichtung so unterschiedlichen Erklärungsmuster, womit es ihm gelang, die inneren Strukturen von Lernprozessen klarer zu Tage treten zu lassen.
2. Gregory BATESON - eine biografische Skizze
„Gregory Bateson hat großen Einfluss auf mein Denken ausgeübt. In einem durch Zersplitterung und Überspezialisierung gekennzeichneten Zeitalter stellte er die Grundanschauungen und Methoden mehrerer Wissenschaftsdisziplinen in Frage, indem er nach Mustern hinter Mustern, nach Prozessen unterhalb der Ebene der Strukturen suchte. Wann immer eine Frage auftauchte, die ich mit keiner bestimmten Disziplin oder Denkschule assoziieren konnte, pflegte ich am Rand meines Manuskriptes zu notieren: 'Bateson fragen!'. Ich werde stets für die Auszeichnung dankbar sein, ihn gekannt zu haben.“ (Zit. nach PÁAL 1993, If.) So charakterisiert der Zukunftsforscher F. CAPRA die Bedeutung seines Lehrers. Wer war dieser Gregory BATESON, der es Zeit seines Lebens verstand, Forschungsprojekte zu initiieren, ihre Ergebnisse den unterschiedlichsten Anwendungsbereichen zuzuführen und international renommierte Forscher aus verschiedenen Wissenschaftsgebieten nachhaltig zu beeinflussen?
Sein Lebensbild lässt sich auf dem Hintergrund seiner wissenschaftlichen Arbeiten skizzieren. Aufschlussreiche autobiografische Mitteilungen finden sich in einigen seiner Fachveröffentlichungen (vgl. u. a. BATESON 1994 und BATESON 1995): Im Jahre 1904 als jüngster von drei Söhnen des englischen Genetikers William BATESON geboren, absolvierte er in Cambridge ein naturwissenschaftliches Studium mit den Schwerpunkten Biologie und Anthropologie. Gemeinsam mit der Anthropologin Margaret MEAD, die er 1935 heiratete, unternahm er in den 30er-Jahren verschiedene Forschungsreisen, auf denen er sich mit Problemen der Evolutionstheorie und der Verhaltenswissenschaft beschäftigte. Ab 1942 betrieb er ergänzende Studien in Ky-
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bernetik und Informationstheorie. Nach dem 2. Weltkrieg war BATESON an mehreren amerikanischen Universitäten tätig und leitete am Palo Alto Veterans-Administration-Hospital zehn Jahre lang ein wissenschaftliches Projekt zur Kommu-nikationsforschung. Seine späten Lebensjahre waren intensiven Forschungen zur Lerntheorie, zur Kommunikation, Ökologie und Kybernetik gewidmet, bei denen ihm seine Tochter Mary Catherine assistierte. Nachdem er sich aufgrund einer schweren Krebserkrankung seit Ende der 70er-Jahre weitgehend von der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, starb BATESON im Jahr 1980 in San Francisco.
3. Zur Rezeption BATESONS
Der Umstand, dass BATESON mit größter Selbstverständlichkeit die traditionellen Grenzen der verschiedenen Wissenschaftsbereiche überschritt, wenn der Gang seiner Forschungen es verlangte, bedingt die Problematik seiner fachlichen Rezeption. Seine Forschungsbeiträge wurden bereits zu Lebzeiten ihres charismatischen Au-tors, in dessen Person dieses Wissen seinen strukturellen Zusammenhalt fand, nur jenseits des wissenschaftlichen „Mainstream“ wahrgenommen. Schließlich finden sich in BATESONS Texten zahlreiche erklärende Analogien aus verstreuten Wissensdomänen - Analogien, die zunächst zwar den Schein des Bekannten tragen, in den von ihm konstruierten Zusammenhängen jedoch neue, unbekannte Dimensionen eröffnen. Der Psychoanalytiker und BATESON-Kenner H. STIERLIN erläutert: „...sein Hang, von einem Wissenschaftsgebiet zum anderen zu gehen, das können viele heute nicht mehr mit vollziehen. Denn die Spezialisierung ist ja enorm vorangeschritten. Und Spezialisierung bedeutet ja unterschiedliche Sprachwelten, Erlebniswelten.“ (PÁAL 1993, 16)
Nach BATESONS Tod fand sich kein Sachwalter, der die Einheit in der Vielheit seines wissenschaftlichen Werks bewahrt und ihm den gebührenden Stellenwert verschafft hätte. So besitzt Gregory BATESON heute eher den Rang einer metawissen- schaftlichen Ikone: oft bewundert, selten verstanden, kaum wirksam.
Arbeit zitieren:
Katja Rommel, 2011, Über das Lernen, München, GRIN Verlag GmbH
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