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Inhaltsverzeichnis
Einleitung 4
1 Begriffsbestimmungen 6
1.1 Schule für Körperbehinderte 6
1.2 Oberstufe der Schule für Körperbehinderte 7
1.3 Praxistag 8
1.4 Schülerfirma 9
2 Grundlegende Aspekte zur Gründung einer Schülerfirma in einer
Oberstufe der Schule für Körperbehinderte 10
2.1 Begründung der Projektidee Schülerfirma in einer Oberstufe der
Schule für Körperbehinderte 10
2.2 Zielgruppe der Schülerfirma 11
2.3 Ziele der Schülerfirma 12
2.3.1 Öffnung der Schule 12
2.3.2 Motivation statt Schulmüdigkeit und Schulunlust 12
2.3.3 Vermittlung praktischer Erfahrungen mit Arbeitsprozessen,
Betriebsabl äufen und Betriebsstrukturen 13
2.3.4 Vermittlung von Erfahrungen mit den Anforderungen der
Arbeits - und Berufswelt 13
2.3.5 Bereitstellung von Berufswahlkriterien auf der Basis eigener
Erfahrungen 14
2.3.6 Erwerb von Schlüsselqualifikationen 14
2.4 Einbettung der Schülerfirma in Lehrpläne und Unterricht 15
2.5 Beurteilungskriterien zur Mitarbeit in der Schülerfirma 16
3 Schulorganisatorische Rahmenbedingungen zur Gründung einer
Sch ülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte 17
3.1 Einholung des Einverständnisses des Schulleiters 17
3.2 Zeitlicher Rahmen 18
3.3 Räumliche, sächliche und personelle Organisation. 18
3.3.1 Räumliche Organisation 18
3.3.2 Sächliche Organisation 19
2
3.3.3 Personelle Organisation 19
4 Abteilungen der Schülerfirma 20
4.1 Allgemeine Darstellung der Abteilungen 21
4.2 Büroabteilung 22
4.3 Abteilung Werken/Gestaltung 23
4.4 Abteilung Kantine 24
5 Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für
K örperbehinderte 25
5.1 Wahl der Rechtsform 25
5.1.1 Schülerfirmen als Schulprojekte ohne eigenen Rechtsstatus 25
5.1.2 Schülerfirmen unter dem Dach des Fördervereins 25
5.1.3 Schülerfirmen in Partnerschaft mit einer Institution oder Firma 25
5.1.4 Schülerfirmen als Wirtschaftsunternehmen 26
5.2 Auswahl eines Firmennamens und -Logos für die Schülerfirma 26
5.3 Gründungsvertrag der Schülerfirma 27
5.4 Startkapital 27
5.4.1 Fremdfinanzierung 27
5.4.1.1 Aufnahme eines Kredits 27
5.4.1.2 Darlehen vom schulischen Förderverein 27
5.4.1.3 Sponsoring 28
5.4.2 Eigenfinanzierung 28
5.4.2.1 Gründung einer Genossenschaft 28
5.4.2.2 Gründung einer Aktiengesellschaft 28
5.5 Klärung der Zuständigkeitsbereiche 29
5.6 Bewerbungsverfahren 30
5.7 Rotationsprinzip. 30
5.8 Mitgliederversammlungen 31
5.8.1 Versammlung der Abteilungen 31
5.8.2 Hauptversammlung 31
5.9 Ablauf des Firmenalltags 32
5.10 Kundenkreis 32
5.11 Gewinn 32
3
6 Ausblick und Schlussbetrachtung 33
Literaturverzeichnis 35
Abk ürzungsverzeichnis 37
Anhang 38
Anhang 1: Ausgewählte Beispiele von Schülerfirmen. 39
Anhang 2: Schlüsselqualifikationen. 40
Anhang 3: Beurteilungskatalog zur Arbeit in der Schülerfirma. 41
Anhang 4: Zertifikat über die Mitarbeit in der Schülerfirma. 42
Anhang 5: Einverständniserklärung der Schulleitung zur Gründung
einer Schülerfirma. 43
Anhang 6: Bestellformulare (Abteilung Werken/Gestaltung,
B üroabteilung) 44
Anhang 7: Gründungsvertrag. 46
Anhang 8: Der Gewinn - Verwendungsmöglichkeiten. 48
Schriftliche Erklärung 52
4
Einleitung
Der Institution Schule kommt in der heutigen Zeit immer mehr die Aufgabe zu, Schüler auf das nachschulische (Berufs-) Leben vorzubereiten. Dies gilt im gleichen Maße für Sonder- als auch für allgemein bildende Schulen. Die Verknüpfung von Schule, Wirtschaft und Arbeitsleben stellt daher eine wichtige Aufgabe der schulischen Arbeit dar, denn Grundkenntnisse über wirtschaftliche Zusammenhänge und Abläufe im Berufsleben sind in jeder Hinsicht für die Lernenden von großer Bedeutsamkeit. Dennoch wird in der Praxis deutlich, dass die Inhalte, die in der Schule gelehrt werden, oft wenig Lebensbezug haben und sich [...] die allmähliche Hinführung an die Ausbildungs- und Berufswelt als Illusion erweist, weil sie zu abstrakt und zu wenig handlungsbezogen ist (MÖHRLEIN 2002, 2). Um dem entgegen zu wirken, habe ich in der vorliegenden Arbeit die Projektidee der Schülerfirma aufgegriffen, denn auch im Entwurf „Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung“ aus dem Jahre 2002 werden offene, handlungsbezogene Unterrichtsformen für die Schule für Körperbehinderte (SfKb) gefordert (KMK 2002, 8). Dieser Forderung kommt die Schülerfirma nach. Sie hat zum Ziel, Schülern in einem handlungsorientierten Unterrichtsprojekt Einblicke in die Berufswelt zu ermöglichen und sie allmählich an die Ausbildungs- und Berufswelt heranzuführen. Diese Aspekte erachte ich für die Schüler einer Oberstufe der SfKb als besonders wertvoll, denn ein wichtiges Ziel der Arbeit in einer Oberstufe der SfKb ist es, ihre Schüler auf ein Leben nach der Schule vorzubereiten.
Auch das Schulprogramm der Christy-Brown-Schule, an welcher ich meinen Vorbereitungsdienst absolviere, sieht als generelle Zielsetzung für die Arbeit in der Oberstufe vor, die Schüler auf ein Leben nach der Schule vorzubereiten. Daher zählen zu den wesentlichen Aufgaben der Unterrichtsarbeit u. a. die zukünftigen Lebensbereiche „Arbeiten“ und „Berufstätigkeit“. Neben dem vierwöchigen Betriebspraktikum werden den Schülern sowohl Betriebserkundungen als auch individuelle Beratungen in Zusammenarbeit mit Lehrern, Eltern, dem Arbeitsamt, Arbeitgebern sowie Betrieben ermöglicht. Kernpunkt der Unterrichtsarbeit in der Oberstufe der Christy-Brown-Schule ist jedoch der Praxistag, welcher einmal wöchentlich in klassenübergreifenden Arbeitsgruppen stattfindet
(www.lwl.org/christy-brown-schule/verwaltung/v1.htm).
Für die Schüler meiner Ausbildungsklassen steht der Wechsel in die Oberstufe im Schuljahr 2003/2004 an. Seitens der Lehrer wird angedacht, den bestehenden Pra-
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xistag in eine Schülerfirma umzustrukturieren. Insbesondere sollen hier lebenspraktische Tätigkeiten vermittelt und eingeübt werden. Kaufmännische als auch betriebswirtschaftliche Aspekte nehmen einen geringeren Stellenwert ein, da diese für die Schülerschaft einer SfKb ein zu hohes Anspruchsniveau darstellen. An Schulen, die wie die Christy-Brown-Schule bereits einen wöchentlichen Praxistag oder Projekte mit hohem Praxischarakter verfolgen, erscheint die Umstrukturierung in eine Schülerfirma als relativ gut umsetzbar, da lediglich formale und rechtliche Aspekte sowie die Abklärung der Zuständigkeitsbereiche vorgenommen werden müssen.
Das Ziel, eine funktionierende Schülerfirma zu betreiben, erscheint auf den ersten Blick kompliziert und langwierig. Anhand der in dieser Arbeit angestellten konzeptionellen Überlegungen zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der SfKb soll die Möglichkeit gegeben werden, Schritt für Schritt vorzugehen, so dass ein auf die eigene Schule zugeschnittenes Konzept entstehen kann. So werde ich mich im ersten Teil der vorliegenden Arbeit mit theoretischen Aspekten der innovativen Projektidee Schülerfirma auseinander setzen. Grundlegende Begriffe werden definiert sowie Aspekte zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der SfKb dargelegt. Im zweiten Teil werden organisatorische Aspekte dargestellt als auch konkrete Beispiele zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der SfKb gegeben. Abschließen werde ich die Arbeit mit einem Ausblick und einer Schlussbetrachtung hinsichtlich dieser Thematik.
Den Schwerpunkt der in dieser Arbeit angestellten konzeptionellen Überlegungen zur o.g. Thematik stellen die beruflichen Handlungsfelder des Innovierens und im besonderen Maße des Organisierens dar. Daneben werden jedoch auch die Bereiche Unterrichten und Fördern angesprochen. Wenn auch der Schwerpunkt dieser Arbeit auf der Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der SfKb liegt, können die hier genannten konzeptionellen Überlegungen ebenso auf andere Schulformen übertragen und individuell abgewandelt werden.
An dieser Stelle weise ich daraufhin, dass ich in der vorliegenden Arbeit die maskuline Form aller Begrifflichkeiten aus Gründen der Vereinfachung und Deutlichkeit verwenden werde. Dabei betone ich jedoch, dass neben dem maskulinen auch das feminine Geschlecht angesprochen wird.
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1 Begriffsbestimmungen
Die Begriffe „Schule für Körperbehinderte“, „Oberstufe der Schule für Körperbehinderte“, „Praxistag“ und „Schülerfirma“ sind für die vorliegende Arbeit grundlegend und werden im folgenden Abschnitt erklärt und definiert. Allen Begriffen ist gemein, dass sie in der Literatur ähnlich verstanden und definiert werden, wobei die Begriffe „Praxistag“ und „Schülerfirma“ nur sehr rar in der wissenschaftlichen Literatur vertreten sind. Dennoch soll an dieser Stelle ein Überblick über die Bedeutung und die wissenschaftliche Diskussion der o.g. Termini gegeben werden.
1.1 Schule für Körperbehinderte
Die SfKb bietet Kindern und Jugendlichen, die durch Schädigungen des Stütz-und Bewegungsapparates oder andere organische oder chronische Erkrankungen so in ihrer Bewegungsfähigkeit, ihrem äußeren Erscheinungsbild oder ihrer Persönlichkeitsentwicklung beeinträchtigt sind, dass ihre Selbstverwirklichung in sozialer Integration erschwert ist, die Möglichkeit des Bildungserwerbs (STAATSINSTITUT FÜR SCHULPÄDAGOGIK UND
BILDUNGSFORSCHUNG 1993, 9). Die Schülerschaft der SfKb stellt eine sehr heterogene Personengruppe dar, welche entsprechend ihrer individuellen Fähigkeiten nach den Richtlinien der Grund- und Hauptschule, der Schule für Lern-oder Geistigbehinderte oder den Richtlinien zur Förderung schwerstbehinderter Schüler gefördert und unterrichtet wird. Spezielle Richtlinien für die SfKb existieren bisher nicht. Es gibt jedoch den im Februar 2002 veröffentlichten Entwurf „Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung“, welcher einen Orientierungsrahmen zur schulischen Förderung körperbehinderter Schüler absteckt. Der Unterricht an der SfKb richtet sich nach den individuellen Lernmöglichkeiten und Lernbedürfnissen des einzelnen Schülers. Herangezogen werden bei der Auswahl der Lerninhalte und -Ziele der für jeden Schüler erstellte individuelle Förderplan sowie die jeweiligen Richtlinien. Die Ziele und Inhalte der Grund- und Hauptschule sowie der Schule für Lern- und Geistigbehinderte können jedoch nicht in ihrer Ganzheitlichkeit auf die SfKb übertragen werden, da Faktoren wie Entwicklung und Lernen von körperbehinderten Kindern und Jugendlichen von spezifischen Grundvoraussetzungen beeinflusst sind und deswegen verändert und ergänzt werden müssen (a.a.O., 5). Aufgabe des Lehrers ist es somit, eine akzentuierende Adaption der Bezugslehrpläne vorzu-
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nehmen, d.h. Ziele und Inhalte im Hinblick auf die individuellen Lernvoraussetzungen und den sonderpädagogischen Förderbedarf der Schüler zu verändern. Die Unterrichtsgestaltung an einer SfKb ist durch den Einsatz vielfältiger Medien, Lehr- und Lernmittel sowie Hilfsmittel zur Bewegungserleichterung g eprägt. Weiterhin werden Kommunikationshilfen, Mittel zur Wahrnehmungsförderung sowie Hilfsmittel zur grob- und feinmotorischen Bewegungserleichterung und Bewegungskompensation eingesetzt. Zu nennen sind hier insbesondere Schreib-, Sitz-, Steh- und Lagerungshilfen (WELLMITZ 1993, 156). Die SfKb sieht ihren besonderen Auftrag darin, die körperbehinderten Schüler zu einer selbständigen, selbstbestimmten und eigenverantwortlichen Lebensgestaltung zu erziehen und sie in die soziale Gesellschaft zu integrieren: Sonderpädagogische Förderung im Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung unterstützt Schülerinnen und Schüler bei der Gestaltung des Lebens mit einer Behinderung, beim Aufbau und bei der Erweiterung sozialer Beziehungen sowie bei einer realistischen Einschätzung der eigenen Leistungsmöglichkeiten (KMK 2002, 1).
Das Personal einer SfKb setzt sich aus verschiedenen Berufskreisen zusammen. So arbeiten an einer SfKb neben den Sonderschullehrern Fachlehrer, Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden sowie Pflegekräfte. Weiterhin finden sich Zivildienstleistende, Praktikanten, Lehramtsanwärter, Küchenhilfen und freiwillige Mitarbeiter wie z.B. Frauen, die ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren. Die Konzeption der SfKb ist nicht auf einen üblichen Schulbetrieb hin angelegt, dem lediglich das pflegerische und therapeutische Angebot zugefügt ist, sondern bezieht in ein interdisziplinär erstelltes Konzept neben der unterrichtlichen Arbeit bewegungserleichternde, therapeutische sowie pflegerische Aspekte zur Förderung der Schüler ein (ebd.).
1.2 Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
Die Oberstufe der SfKb taucht im Entwurf der „Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung“ unter dem Begriff der Abschluss-Stufe auf, ist jedoch nicht rechtlich anerkannt. Allgemein ist man sich in der Fachliteratur dennoch darüber einig, dass die Oberstufe der SfKb im Regelfall die letzten zwei, an einigen Schulen auch die letzten drei Jahrgangsstufen, d.h. die achte, neunte und die zehnte Jahrgangsstufe, umfasst. An der Christy-Brown-Schule stellen die drei letzten Jahrgangsstufen die Oberstufe dar (www.lwl.org/christy-brown-schule/verwaltung/v1.htm). Die Arbeit in der Oberstufe der SfKb hat neben dem Vermitteln des für einen Schulabschluss erforderlichen Lernstoffs zum Ziel,
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Unterrichtsinhalte und Vorgehensweisen, Organisationsstrukturen und Konzepte zur Vorbereitung ihrer Schülerinnen und Schüler auf die konkrete nachschulische Lebenssituation (RENN 2002, 80) zu geben.
Die Vermittlung des Lernstoffs der klassischen Unterrichtsfächer tritt im Hinblick auf die tatsächlich zu erwartende nachschulische Lebenssituation der Schüler in den Hintergrund, so wird der Erwerb von sog. Arbeitstugenden und Schlüsselqualifikationen wichtiger als das Reproduzieren von Schulwissen (HOFFZIMMER 2003, 34). Die Bereiche „Arbeiten“, „Berufstätigkeit“, „Wohnen“, „Freizeit“ und „Partnerschaft“ rücken in den Vordergrund der Unterrichtsarbeit in einer Oberstufe der SfKb (KUHLMANN 2002, 43).
Ein besonderes Merkmal vieler Oberstufen der SfKb ist der wöchentliche Praxistag (vgl. Punkt 1.3). Weiterhin finden Betriebspraktika sowie Betriebserkundungen in Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM), Berufsbildungswerken (BBW) und weiteren Betrieben statt. Daneben ist die enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitsamt zu nennen, welches im Optimalfall Berufsberater an die Schulen schickt, um den Schülern Ausbildungsmöglichkeiten und berufliche Alternativen aufzuzeigen.
Die Konzepte zur Arbeit in einer Oberstufe der SfKb variieren von Schule zu Schule, verfolgen jedoch neben der Vorbereitung auf die nachschulische Situation das gemeinsame Ziel,
[...] Schulabgänger der Schule für Körperbehinderte in die Lage (zu) versetzen, ein möglichst selbständiges Leben zu führen und Erfahrungen damit zu sammeln, wie sie mit Hindernissen und Abhängigkeiten im alltäglichen Leben konstruktiv umgehen können (LELGEMANN 2003, 56).
1.3 Praxistag
Der Praxistag ist an vielen SfKb ein fester Bestandteil der Arbeit in der Oberstufe. Am Praxistag bieten die Lehrer ihren Schülern handlungsorientierte Arbeitsmöglichkeiten an, in welchen in Projektform gearbeitet wird. Angesprochen werden hier hauptsächlich die Bereiche Hauswirtschaft, Büroarbeit, Gartenarbeit und Werken/Gestaltung. Während der Praxistage lernen die Schüler, ihre Arbeitsaufträge sowie die anfallenden Arbeiten zu planen, zu organisieren und auszuführen. Die Realisierung des Praxistages verläuft unterschiedlich. So gibt es SfKb, in welchen die Lehrer die Gruppenzusammensetzung vorgeben, z.B. wird im Klas-senverband in einem der angebotenen Bereiche gearbeitet. An anderen Schulen werden klassenübergreifende, nach Interessen der Schüler zusammengestellte Arbeitsgruppen eingerichtet.
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In vielen SfKb ist es üblich,
[...] dass alle Schüler im Laufe von zwei Jahren alle Projektbereiche einmal durchlaufen. Der Wechsel der Projekte erfolgt - je nach Schule - in einem Rhythmus von drei Monaten bis hin zu einem Schuljahr (HOFFZIMMER 2003, 39).
Ziel des Praxistages ist es, die Handlungskompetenz der Schüler zu fördern. Dazu gehört die möglichst selbständige Planung von Arbeitsschritten, die praktische Umsetzung der Arbeitsaufträge als auch die Anbahnung der Übertragungsfähigkeit bestimmter Handlungsoperationen auf andere Handlungssituationen, die auch im späteren Leben wiederkehren und von großer Wichtigkeit sind.
1.4 Schülerfirma
In der spärlich vorhandenen Literatur kursieren neben dem Begriff Schülerfirma auch die Synonyme Schulunternehmen, Schülerunternehmen, Schulfirma, Mini-Unternehmen und Junior-Unternehmen. Allen Bezeichnungen ist gemein, dass es sich um ein Unternehmen mit Projektcharakter handelt, in dem die Schüler als Mitarbeiter, in einigen Schulen sogar als Geschäftsleiter oder Firmeneigentümer fungieren. Sie führen kaufmännische Tätigkeiten aus, bieten Dienstleistungen an, treffen unternehmerische Entscheidungen, stellen Produkte her und vermarkten diese. Dies geschieht, je nach Schulform, unter unterschiedlichen Bedingungen, in verschiedenem Ausmaß und mit unterschiedlichen Zielvorstellungen. Die Arbeit als auch der Umfang einer Schülerfirma liegen im Ermessen der Gründer und reichen vom Pausenkiosk über eine Schulcafeteria bis hin zu Unternehmen, die im außerschulischen Bereich Dienstleistungen anbieten, so z.B. einen Partyservice oder Computerdienstleistungen. Ausgewählte Beispiele von Schülerfirmen sind dem Anhang 1 zu entnehmen.
Die Schülerfirma versucht durch reale Arbeitssituationen einen Echtheitsbezug zu schaffen, um die Schüler mit Strukturen der Berufs- und Arbeitswelt vertraut zu machen. Darüber hinaus werden Schlüsselqualifikationen in verschiedenen Bereichen erworben bzw. angebahnt (vgl. Punkt 2.3). Es bleibt jedoch zu erwähnen, dass Schülerfirmen keine Unternehmen sind, die in Konkurrenz zur Realwirtschaft stehen. Laut GEYER sind Schülerfirmen eine spezielle, fächerübergreifende Form der Unterrichtsgestaltung und zählen zu schulischen Veranstaltungen (GEYER 2001, 9).
Die Arbeit in einer Schülerfirma kommt den Forderungen des Entwurfs „Richtlinien für den Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung“ nach, welcher offene Unterrichtsformen verlangt, um dem individuellen Lerntempo,
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Lernvermögen und der Leistungsfähigkeit der Schüler gerecht zu werden (KMK 2002, 8).
Die bisher existierenden Schülerfirmen weisen zwei unterschiedliche Ansätze auf. So versteht sich der Modellversuch „Schülerfirmen in Sachsen“ als ein [...] Eigeninitiative-Projekt, in dem die Schüler die Hauptverantwortung in ihrem Unternehmen tragen und Lehrer lediglich als Berater auftreten. Die Schüler müssen also selbst organisieren, wer von ihnen Vorstand, Abteilungsleiter und Mitarbeiter ist, sie müssen sich für eine Geschäftsidee entscheiden, die Unternehmensform wählen, benötigte Geld-und Sachmittel planen, den Geschäftsablauf strukturieren usw. (GEYER 2001, 8).
Ein weiterer Ansatz ist die Einrichtung einer Schülerfirma durch die Lehrer. Diese sind die verantwortlichen Personen der Schülerfirma, den Schülern kommt die Funktion von Mitarbeitern zu. Je nach Rollenverständnis der Lehrer können die Schüler in Entscheidungsprozesse der Geschäftsführung einbezogen werden.
Der zuletzt genannte Ansatz zur Gründung einer Schülerfirma erweist sich insbesondere für die Arbeit in einer Oberstufe der SfKb als umsetzbar. Die Umstrukturierung des Praxistages, hier am Beispiel der Christy-Brown-Schule, bietet ein ideales Terrain, um eine solche Schülerfirma zu initiieren. Die Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der SfKb, die von den Schülern die eigenständige Planung, Organisation und Durchführung erfordert, wäre zu umfassend und in der o.g. Form nicht umsetzbar.
2 Grundlegende Aspekte zur Gründung einer Schülerfirma in
einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
In diesem Abschnitt werden wesentliche Aspekte zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der SfKb wiedergegeben. Es wird herausgestellt, wodurch sich eine Schülerfirma in einer Oberstufe der SfKb begründen lässt, welche Zielgruppe die Schülerfirma anspricht und welche Ziele sie verfolgt. Zudem wird dargestellt, wie sich die Schülerfirma in Lehrpläne und Unterricht einbetten lässt.
2.1 Begründung der Projektidee Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte
Die Ergebnisse der Pisa-Studie verdeutlichen, wie wichtig Freude, Motivation, Gruppenarbeit, fächerübergreifendes Denken und Arbeiten in Projekten für erfolgreiches Lernen in der Schule sind. Dies trifft nicht nur auf die an der Pisa-Studie teilgenommenen allgemein bildenden Schulen zu, sondern in hohem Maße auch auf die SfKb. An dieser Stelle setzt die Schülerfirma an, die den Schülern die
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Kathrin Ziesemann, 2003, Vom Praxistag zur Schülerfirma - Konzeptionelle Überlegungen zur Gründung einer Schülerfirma in einer Oberstufe der Schule für Körperbehinderte, München, GRIN Verlag GmbH
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