Gliederung
1. Einleitung 3
2. Das Verständnis von Evaluation 4
2.1 Was ist Evaluation?
2.2 Die geschichtliche Entwicklung 5
3. Die moderne Evaluation - Anforderung und Herausforderung 7
3.1 Veränderungen im Evaluationsverständnis
3.2 Die Evaluationsstandards 8
3.3 Partizipative und Demokratische Evaluation 10
4. Schlussbemerkung 12
5. Reflektionsbericht des Miniprojektes
„FCFS vs. Prioritätenwahlverfahren Super Digicampus“ 14
6. Literaturverzeichnis S 18
Mit welchen Mitteln ist es möglich Vorgänge, Entwicklungen oder verschiedene Meinungen und Perspektiven von Personen in unserer Gesellschaft zu erfassen, zu analysieren und zu bewerten? Häufig lautet die Antwort hierauf: „Evaluation“. „Zur Erfassung und Beseitigung von Mängeln und Problemen, zur Optimierung von Organisationen und Projekten werden Evaluationen umfassend eingesetzt. Bei der Verwendung öffentlicher Gelder werden Evaluationen obligatorisch integriert, um sicherzustellen, dass systematisch erfasst werden kann, was geleistet und welche Wirkungen erzielt wurden“ (Wenzel, Ulrich 2003, S.9). Doch der Evaluation kommt heutzutage eine solche Vielzahl von Aufgaben und Einsatzgebieten zu, dass sie sich weiterentwickelt hat, und zu einem komplexen Verfahren mit unterschiedlichen Ansätzen ge-worden ist.
Ich möchte in dieser Arbeit auf eben jene Entwicklung der Evaluation eingehen. Es soll vor allem herausgestellt werden, wie sich Evaluation in Richtung eines partizipativen und demokratischen Verfahrens weiterentwickelt hat, welches neue Perspektiven und Möglichkeiten für unsere Gesellschaft mit sich bringt. Als erstes soll geklärt werden, was Evaluation eigentlich ist, beziehungsweise was unter diesem Begriff zu verstehen ist. Anschließend möchte ich einen Überblick über die geschichtliche Entwicklung der Evaluation geben um schließlich auf das Thema der modernen, professionellen Evaluation zu sprechen zu kommen. Hierbei sind zunächst die Veränderungen im Evaluationsverständnis zu betrachten, die auch mit dem Verständnis der Evaluation von politischer Bildung einhergehen. Schließlich möchte ich die Evaluati-onsstandards der „Deutschen Gesellschaft für Evaluation“ (DeGEval) vorstellen. An-hand dieser relativ aktuellen Standards soll deutlich werden wie das Verständnis einer professionellen und modernen Evaluation aussieht, wobei auch ersichtlich wird, wie Elemente der partizipativen und demokratischen Evaluation Einfluss in diese Standards gefunden haben. Im Anschluss soll, sozusagen als Mündung des Vorangegangenen, auf die Ansätze der partizipativen und demokratischen Evaluation selbst eingegangen werden. Diesen Punkt möchte ich letztendlich möglichst eindeutig im Hinblick auf Zielsetzungen und Vorgehensweisen behandeln, um die oben angesprochenen neuen Perspektiven und Möglichkeiten sowie den Nutzen dieser Eva- luationsformen für unsere Gesellschaft deutlich werden zu lassen. Abschließend ist
- 4 - esmir noch ein Anliegen, in Reflexion meine eigene Meinung zu diesem Thema dar-zustellen.
Widmen wir uns zunächst der Frage, was Evaluation eigentlich ist. Unter Evaluation versteht man im Allgemeinen die Beschreibung, Untersuchung, Analyse und Bewertung von Objekten, Prozessen, Organisationseinheiten oder Ähnlichem. Doch die Einsatzgebiete von Evaluation sind weitläufig und somit findet sie Einsatz in den verschiedensten Einrichtungen und Wissenschaften. „Der Begriff [Evaluation, Anm. d. Verf.] verschwimmt in seiner breiten Verwendung zur Konturlosigkeit und beizeichnet unterschiedlichste Vorhaben, von Teilnehmerfeedback (»Wie hat ihnen das Seminar gefallen?«) bis hin zum Total Quality Management (TQM), das eine komplette Organisation erfassen und bewerten möchte“ (Wenzel, Ulrich 2003, S.9). Ebenso vielfältig sind die Funktionen und Ziele von Evaluation, welche sich je nach Institution, Aufgabenbereich und Gegenstand der Evaluation unterscheiden. Beispielsweise verfolgt eine Evaluation über physikalische Abläufe andere Ziele als Evaluationen bei betriebswirtschaftlichen Prozessen und diese hat wiederum andere Zielsetzungen als Evaluation im Bildungsbereich. Verallgemeinernd kann man jedoch sagen: „Das übergeordnete Ziel ist die Erfassung von Daten zur Optimierung und Entscheidungsfindung in komplexen Handlungssituationen“ (ebd., S.13). Ebenfalls kann man betonen, dass Evaluation, egal in welchem Bereich, immer darauf gerichtet ist Erkenntnis zu gewinnen. Des Weiteren kommt der Evaluation noch eine Legitimationsfunktion (Sind Interventionen wirksam und damit berechtigt?) und eine Optimierungsfunktion (Schaffung einer Grundlage zur Steuerung des Evaluationsobjektes) zu, womit sie sich auch von der wissenschaftlichen Forschung abgrenzt und Konsequenzen für die Praxis haben wird (vgl. ebd., S.13f.). Jede Evaluation besteht aus einer Evaluationsfrage, welche das Evaluationsobjekt sowie die Kriterien der Bewertung vorgibt. Dies kann sich allerdings als ein äußerst
- 5 - komplexesVerfahren gestalten, da viele Prozesse nur schwer messbar sind und es somit sehr schwer wird, die Kriterien für die Erfassung und Messbarkeit der Daten sowie deren Bewertung zu definieren. Auf derartige Probleme stößt man vor allem im sozialen Bereich und im Bildungsbereich, da soziale Prozesse eben nur schwer messbar und noch schwieriger objektiv zu bewerten sind. Auf diesem Gebiet ist für Evaluation nämlich folgende Definition zutreffend: „Evaluation ist kein Instrument zur technischen Überprüfung und Kontrolle (zumindest nicht ausschließlich) klar definier-ter Zielvorgaben am Ende einer Entwicklung (…) Evaluation ist ein sozialer, kein messtechnischer Prozess“ (Herrmann/Höfer 1999, S.102, zitiert nach Wenzel 2009, S.310). Genau hier stellt sich Anspruch und Herausforderung an die Evaluation, auf welche ich im Weiteren eingehen möchte. Doch werfen wir vorher noch einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung der Evaluation.
2.2 Die geschichtliche Entwicklung
„Begriffe wie Effektivitätskontrolle, Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement haben seit der Industrialisierung zunehmend an Bedeutung gewonnen“ (Wenzel, Ulrich 2003, S.16). Hierbei kam der Evaluation natürlich eine tragende Rolle zu, die der Überprüfung und Lenkung betriebswirtschaftlicher Prozesse galt. Bis heute hat sich Evaluation jedoch weiterentwickelt und diese geschichtliche Entwicklung fällt auf dem Gebiet der Betriebswirtschaft noch vergleichsweise gering aus. Vor allem im Bildungsbereich kam es im Laufe der Zeit zu mehreren Ansätzen und Überlegungen, wie Evaluation am besten gestaltet und eingesetzt werden kann. Es lassen sich hierbei vier Phasen der Evaluation erkennen, in welchen der Evalua-tor (die Person, die die Evaluation durchführt) jeweils eine andere Position einnimmt. Im 19. Jahrhundert ging es vor allem um die Messbarkeit von Abläufen und Kennzahlen, wobei im schulischen Bereich das Stichwort „Leistungsüberprüfung“ lautete (vgl. ebd., S.16). Dem Evaluator kommt dabei die Rolle eines externen Datensammlers zu. Doch es wurde festgestellt, dass sich mit der Methode des Messens allein nicht alles erfassen lässt und vor allem im Bildungsbereich die angestrebten Zielvorstellungen nicht mit der Praxis vereinbar waren. Es ging nun um die Beschreibung der Praxisphänomene und Evaluation wurde in dieser zweiten Phase zur Praxisbe- schreibung mit Optimierungsfunktion (vgl. ebd., S.16). Der Evaluator fungiert hier als
Arbeit zitieren:
Alexander Schwalm, 2010, Die geschichtliche und wissenschaftliche Entwicklung der modernen Evaluation, München, GRIN Verlag GmbH
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