diesen Vorwurf reagiert Faust mit einer weiteren Verniedlichung Gretchens, indem er sie als „liebs Kind“ (Z.3469) bezeichnet.
Das Gesprächsthema wechselt nun abrupt, da Margarete behauptet, sie leide schon länger mit Faust mit, bezüglich den Menschen die ihn umgeben - in erster Linie natürlich Mephisto. Es wird also schon hier deutlich, dass sie Mephisto ablehnend gegenüber steht. Dies macht sie aber noch eindeutiger, indem sie sogar sagt, er sei ihr „in tiefer innrer Seele verhasst.“ Aus dem Streitgespräch des ersten Teils des Dialoges ist nun eine intimere Atmosphäre geworden, in der Margarete von ihren Gefühlen und Ängsten erzählt. Doch Faust stellt sich immer noch auf eine höhere Stufe und bezeichnet sie als „liebe Puppe“. Außerdem gewinnt man, durch seine Aussagen: „Fürcht ihn nicht!“ (Z.3476) und „Es muss auch solche Käuze geben“ (Z.3483) den Eindruck, dass er Mephisto in Schutz nehmen möchte. An Margarete geht die Präsenz Mephistos jedoch nicht spurlos vorbei, sie graut sich vor ihm, hält ihn für einen Schelm und beschreibt ihn als anteilslos und lieblos, im Gegensatz dazu steht Faust, der ihre einzige Sehnsucht ausmacht, die allerdings auch verschwindet, wenn Mephisto auftritt. Zusätzlich ahnt Gretchen auch die Allwissenheit Mephistos, zu sehen am Litotes, den sie benutzt, denn sie sagt: „Man sieht, dass er an nichts keinen Anteil nimmt.“ (Z.3488) Wahrscheinlich soll diese Beziehung die generelle Ablehnung oder Unliebsamekeit eines gottesfürchtigen Christen gegenüber dem Teufel zeigen. Margarete identifiziert Mephisto als eine sehr negative Person, ohne seine wahre Identität als Teufel zu kennen. Dies würde den Aussagen Mephistos widersprechen, nachdem die Menschen seine wahre Person nie erkennen, wie z.B. in Auerbachs Keller in Leipzig, als er sagt: „Den Teufel sieht das Völkchen nie, und wenn sie beim Kragen hätte.“ (Z.2182) Faust nimmt diese Gefühle Margaretes aber nicht ernst und es entsteht der Eindruck, dass er sie in gewisser Weise verspottet, das wird deutlich durch seine Äußerungen: „Du ahnungsvoller Engel, du!“ (Z.3494) und „Du hast nun die Antipathie.“ (Z.3501) Mit letzterer möchte er Gretchen wohl deutlich machen, dass es auf der Welt noch andere Gefühle als Sympathie gibt, die sie im Gegensatz zu ihm wohl aber nicht konkret benennen kann. Dadurch scheint es so, als wenn Faust in dieser Szene zurückkehrt zum alten Professor, den er am Anfang des Dramas darstellt. Diese Vermutung wird dadurch verstärkt, dass er Gretchen mehrmals als „Kind“ bezeichnet, sowie als „Puppe“, womit er sich auf eine höhere Stufe stellt als sie. Margarete fordert Faust auf, sich von Mephisto zu lösen, denn sie sagt: „Dir, Heinrich, muss es auch so sein!“ (Z.3500) Damit äußerte sie ihre Angst, das Mephisto einen schlechten Einfluss auf ihn haben könnte und so den wahren Faust womöglich verdecken könnte. Daraufhin erscheint sie erzürnt, da Faust sie nicht ernst nimmt und droht zu gehen, sie behauptet: „Ich muss nun fort“ (Z.3502) Durch ein weiteres Kompliment von Faust wird Margarete von ihren Gefühlen jedoch überwältigt und lädt ihn trotz ihrer Enttäuschung ein, bei ihr zu schlafen. Ihre Äußerung: „Und würden wir von ihr betroffen, ich wär gleich auf der Stelle tot“ (Z.3508) mit der Gretchens Mutter gemeint ist, verdeutlicht die Moralvorstellungen des späten Mittelalters und die gewichtige Rolle des Christentums in dieser Zeit, da hier der Geschlechtsverkehr außerhalb der Ehe mit dem Tod bestraft würde. Dieser Punkt bildet den Höhepunkt in diesem Gespräch und einen Wendepunkt der Beziehung zwischen Faust und Gretchen, da sie sich ihm nun so eng verbunden fühlt, dass sie ihn auf eine gemeinsame Nacht einlädt. Gretchen lässt sich außerdem dazu überreden, ihre Mutter mit einem Trank dazu zu bringen, fester zu schlafen, damit sie und Faust ungestört sein können - eine folgenschwere Entscheidung. Mit dem
Arbeit zitieren:
Felix Wiebrecht, 2011, Szenenanalyse "Marthens Garten" (Johann Wolfgang von Goethe, Faust), München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Deutsch - Literatur, Werke: neuer Titel erschienen: Szenenanalyse "Marthens Garten" (Johann Wolfgang von Goethe, Faust)
Felix Wiebrecht hat einen neuen Text hochgeladen
Johann Wolfgang von Goethe - Faust 1. Texte. Medien. Der Tragödie erst...
Textausgabe mit Materialien
0 Kommentare