Blütenträume reiften?
Es gibt viele Varianten der Schöpfungsgeschichte, aber alle unterscheiden sich hinsichtlich dem Erschaffer der Menschen. Der christlichen Geschichte nach, war es der Herr persönlich, so allerdings nicht in der griechischen Mythologie, denn in dieser ist es nicht der Göttervater Zeus oder eine andere bedeutende Göttlichkeit, sondern der Halbgott Prometheus. In Goethes Gedicht „Prometheus“ aus dem Jahr 1775 geht es um genau diesen. Er äußert seinen Zorn gegenüber Zeus, aber auch allen anderen griechischen Göttern gegenüber.
Im Gedicht stellt Prometheus Forderungen auf, die Zeus erfüllen sollte, so verlangt er, dass sich die Götter nicht länger an den Erfindungen der Menschen bereichern. Außerdem beleidigt er die gesamte griechische Gottschaft und berichtet dann von seinem Leidensweg. Er gab sich auch den Göttern hin, als er noch jung war, um von diesen Hilfe und Rat zu bekommen. Doch bekam er die erwartete und erhoffte Unterstützung nicht von den Göttern, somit kommt es zum Bruch zwischen diesen und dem Halbgott Prometheus. Dieser hört nun auf, die Gottheiten überhaupt noch zu verehren, da es dazu für ihn keinen Grund gibt. Am Ende wird deutlich, dass Prometheus nun die Menschen erschafft, und zwar so, wie er sie sich vorstellt.
Das Gedicht ist nicht in geschlossener Form verfasst. Es fällt auf, dass es aus sieben Strophen besteht, die allerdings in ihrer Anzahl der Verse unterschiedlich sind. Außerdem gibt es kaum einen Reim. Dies ist schon ein deutliches Anzeichen für die Einordnung in eine literarische Epoche, denn nur im Sturm und Drang war der Wille nach einer eigenen, völlig neuen äußeren Form so stark ausgeprägt.
Den Erzähler in diesem Gedicht stellt der Halbgott Prometheus dar, der in der griechischen Mythologie ein Freund der Menschen ist. In der Prometheus-Sage wird beschrieben, dass er auf der Erde die Menschen aus Ton schuf und ihnen dann verschiedene Eigenschaften gab.
Daraufhin verlangten die Götter von den Menschen Opfergaben. Mit einer List verärgerte er Zeus so sehr, dass dieser beschloss, dass Prometheus und die Menschen dafür Buße tragen müssten. Zeus bereicherte sich am Feuer der Menschen, dass jedoch wieder auf die Erde zurückgeholt wurde. Für diesen Diebstahl wurden weitere Strafen notwendig aus der Sicht des Göttervaters. So brachte er Fieberkrankheiten, Leiden und unvorhergesehene Tode auf die Erde. Prometheus selbst wurde an einen Felsen im Kaukasus gefesselt, dort fraß der Adler Ethon täglich von seiner Leber, die sich allerdings aufgrund seines Unsterblichkeitsstatuses immer wieder erneuert. Erst nach vielen Jahrhunderten wurde er von Herakles befreit.
Schon am Anfang seiner Rede stellt Prometheus eine Forderung auf und benutzt den Imperativ, denn er sagt: „Bedecke deinen Himmel, Zeus“ (Z.1) Dadurch wirkt Prometheus sehr selbstbewusst, denn sonst würde er sich wohl kaum auf eine höhere Stufe als der Göttervater Zeus. Durch diese Forderung kann man schlussfolgern, dass Zeus mit dem völligen Bedecken des Himmels eine Möglichkeit genommen werden soll, das Leben auf der Erde und der Menschheit weiter zu verfolgen, da er durch die vielen Wolken, die er einsetzen soll beim Blick auf die Erde gehindert wird, denn es heißt weiter, er solle den Himmel „mit Wolkendunst“ (Z.2) bedecken. Diese Möglichkeit engt seinen Herrschaftsbereich ziemlich ein, da er zwar der Herrscher des Äthers ist, allerdings auch nur die Mittel des Äthers verwenden darf, um den Forderungen Prometheus' gerecht zu werden. Außerdem steht der Begriff „Dunst“ auch immer für einen Schein. Dies könnte man auf die nächste Forderung Prometheus' übertragen, da er Zeus mit einem Knaben vergleicht. Somit präsentiert er nur nach außen den Schein einer wahren Gottesfigur, ist dieser Aufgabe in Wahrheit garnicht gewachsen. Zeus bekommt nun Charaktereigenschaften eines unreifen Jungen zugesprochen, der sich erst an Disteln und Eichen versucht, bevor er sich gegen etwas größeres auflehnt, wie z.B. eine gewisse Sympathie an Zerstörung, die kleinere Kinder gerne einmal deutlich werden lassen. Dies wird durch das Verb „köpfen“ deutlich, denn dieses steht für ein gewaltsames, ohne Rücksicht begangenes Vorgehen. Sogleich folgt die nächste Anweisung Prometheus', die lautet: „Mußt mir meine Erde/Doch lassen stehn“ (Z.6f.) Dies drückt noch einmal aus, dass Prometheus Zeus auffordert „seine“ Erde unberührt zu lassen und sich dort nicht einzumischen. Auffällig ist auch, dass er sie als „meine Erde“ bezeichnet, dadurch wird der Herrschaftsanspruch seinerseits deutlich. Um die Benutzung des Imperativs in den Vordergrund zu rücken, benutzt Prometheus eine Inversion in diesem Satz, das heißt, dass die geläufigen Wortstellungen im Satz verändert wurde. Nun geht Prometheus näher auf die menschlichen Innovationen ein, die Zeus unberührt lassen soll. Dies sind insbesondere „seine“ „Hütte“ (Z.8), dabei macht er gleichzeitig deutlich, dass diese ganz alleine seine Erfindung ist, denn er schließt von vorneherein aus, dass Zeus je einen Anspruch auf die Erfindung dieser legen könnte, denn er betont: „...,die du nicht gebaut“ (Z.8) Durch die hier benutze Anapher, das heißt, die Versanfänge beginnen mit den gleichen Worten, wird das Schöpfertum Prometheus in den Vordergrund gestellt, denn auch der nächste Vers beginnt mit den Worten „und meinen“ (Z.9) Gemeint ist in diesem Fall der Herd, um den Zeus Prometheus sogar beneidet, wie dieser feststellt. (Z.10f.) Mit diesem Verdacht stellt er Zeus auf eine niedere Stufe als die der Götter, denn eigentlich sollte es ein Gott nicht nötig haben mit Neid auf die Erde zu blicken. In der zweiten Strophe wird die Verachtung von Prometheus gegenüber Zeus und im Allgemeinen den Göttern noch deutlicher. Dies geschieht schon im ersten Vers, denn er sagt: Ich kenne nichts ärmeres/Unter der Sonn' als euch, Götter!“ (Z.12f.) Damit wird deutlich, dass Prometheus die Götter schon nicht mehr als solche ansieht, sondern sie eher verspottet,
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Felix Wiebrecht, 2011, Analyse und Interpretation des Gedichtes „Prometheus“ von Johann Wolfgang Goethe, München, GRIN Verlag GmbH
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