1. Einleitung
Im Mittelpunkt der pflegerischen Arbeit sollte der Patient stehen. Durch medizinische und technische Entwicklungen wird die Arbeit besonders in Kliniken eher auf eine symptombezogene Medizin und Pflege beschränkt. Der Patient rückt aus dem Blickfeld der ganzheitlichen Betrachtung und nicht seine Fähigkeiten sondern seine Defizite sind primär interessant. Den Pflegenden sollte es wichtig sein, dem Patienten ein Gefühl von Akzeptanz und Respekt zu vermitteln, ihn in seiner Situation zu begleiten, zu unterstützen und zu fördern. Das Konzept der Basalen Stimulation kann hier einen großen Beitrag leisten, den Patienten therapeutisch, qualitativ und professionell zu unterstützen und zu pflegen.
In der folgenden Arbeit wird das Konzept der Basalen Stimulation beschrieben, ein Rückblick auf die Begründer, die Motivation im Hinblick auf die Entwicklung des Konzepts gegeben und knüpft an erste Erfahrungen an. Des Weiteren werden die zentralen Ziele sowie die Grundelemente genau dargestellt.
Anhand dessen wird deutlich gemacht: „Basale Stimulation bedeutet, für bestimmte Zeit einen Weg zusammen zu gehen (…) und erwächst aus der Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten“. (Nydahl/Bartoszek,2003,1) Basale Stimulation macht mehr als das Erlernen von Techniken und deren Umsetzung oder Anwendung aus. Das Hauptaugenmerk dieser Arbeit soll neben den Inhalten des Konzepts der Basalen Stimulation vor Allem auf der Anwendbarkeit in Bezug auf die Umsetzung in die Pflegepraxis gerichtet sein und beschäftigt sich daher mit der Frage, welche Anforderungen an die Pflegenden gestellt werden und welche Schwierigkeiten und Probleme sich dabei ergeben können.
1.1 Methodisches Vorgehen
Die Aussagen und Ergebnisse der vorliegenden Arbeit stützen sich allein auf vorhandene Literatur. Die Literatursuche wurde sowohl in der Bibliothek der Fachhochschule Frankfurt, der Deutschen Bibliothek und mittels Internetrecherche durchgeführt. Die Suche nach geeigneter Literatur wurde unter den Schlagwörtern: Analyse, Basale Stimulation, Berührung, Bienstein, Ergebnisse Basale Stimulation, Fröhlich, Pflegekonzepte, Pflegenotstand und Probleme der Krankenpflege durchgeführt.
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2. Das Konzept der Basalen Stimulation
Die patientenorientierte Pflege, was soviel heißt wie auf die Bedürfnisse und Autonomie ausgerichtete Pflege, bildet die Basis für wissenschaftliche Pflegekonzepte, so auch das Konzept der Basalen Stimulation (Schwarz,2009,84). Um das Konzept der Basalen Stimulation näher beschreiben zu können müssen zunächst die Begriffe erläutert werden.
Basal bezieht sich auf das aus dem Griechischen übersetztes Wort basis und bedeutet grundlegend, ein Fundament bildend. Ebenso können Schritt und Gang damit gemeint sein. Das lateinische Stimulus für Reiz kann, außer seiner Bedeutung der „Bereizung“, vor Allem als Anregung und Bereicherung übersetzt werden (Bienstein/Fröhlich,2003,16).
„Basale Stimulation ist ein Konzept zur Förderung von Menschen in krisenhaften Lebenssituationen, in denen Ihre Austausch- und Regulationskompetenzen deutlich vermindert, eingeschränkt oder dauerhaft behindert werden“. (Wurst/Meyer/Döttlinger,2009,23)
Ein Grundgedanke ist zu lernen die Situation des Patienten aus dessen Perspektive zu verstehen. Im Mittelpunkt der Pflegenden sollen die Aktivitäten des Patienten stehen, nicht die der Pflegenden (Nydahl/Bartoszek,2003,185). Im Zentrum stehen die Fähigkeiten des Patienten zur Wahrnehmung, Kommunikation und Bewegung. Es soll durch einfache Angebote erreicht werden die Kompetenzen zu erhalten, zu sichern und zu fördern (Wurst/Meyer/Döttlinger,2009,23). Basale Stimulation wird daher als körperorientiertes Konzept verstanden (Bienstein/Fröhlich,2003,19), da es Anregungen vermittelt wieder ein Bewusstsein für den eigenen Körper zu entwickeln (ebd.,63).
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2.1 Begründer der Basalen Stimulation und Hintergründe der Entstehung Das Konzept der Basalen Stimulation wurde von dem Sonderpädagogen und heilpädagogischen Psychologen Andreas Fröhlich innerhalb eines fünfjährigen Forschungsprojekts entwickelt (Bienstein/Fröhlich,2003,256). Mit der Unterstützung des Landes Rhein-land-Pfalz wurde ein Modellprojekt durchgeführt dessen Zielsetzung es war ein interdisziplinär anerkanntes, therapeutisches Konzept mit konkret formulierten Handlungsanweisungen zu entwickeln. Grund für diese Arbeit, waren die defizitären Förderungsmöglichkeiten, durch deren Anwendung kaum Entwicklungserfolge bei Kindern mit schweren Entwicklungsbeeinträchtigung zu erzielen waren. Somit entwickelte sich 1975 aus dieser Arbeit das Konzept der Basalen Stimulation (Werner,2002,24).
Die Krankenschwester und Diplompädagogin Christel Bienstein und Fröhlich überarbeiteten das Konzept der Basalen Stimulation gemeinsam in den 80er Jahren und integrierten das Konzept in die Krankenpflege. Dabei konnten sie feststellen, dass das Konzept sowohl bei behinderten Kindern wie auch bei wahrnehmungsbeeinträchtigten Erwachsenen Förderungsmöglichkeiten bietet. Eindeutige Ergebnisse wurden besonders bei komatösen und apallischen Patienten gesammelt. Das Konzept entwickelte sich weiter, und konnte später in allen Bereichen der Pflege angewandt werden (Nydahl/Bartoszek,2003,3). Basale Stimulation wird nun schon seit 1989 in der Pflege vermittelt (Bienstein/Fröhlich,2003,248).
2.2 Erste Erfahrungen
Nach ersten Erfahrungen der noch stark funktionsorientierten Konzeptübertragung wurde davon ausgegangen, dass mechanisch-pflegerische Veränderungen den bedeutensten Anteil ausmachen würden. Zunehmend wurde jedoch deutlich, dass die Beziehung zwischen Pflegenden und Patienten und das Wissen über Wahrnehmungsvorgänge und deren Verlust, bedeutend sind (ebd.,229f.). Anfangs legte Fröhlich großen Wert auf die Art und Weise der Durchführung einzelner Angebote. Heute formuliert er lediglich wesentliche Prinzipien, um der Kreativität der Pflegenden und der gemeinsamen Entwicklung Raum zu geben (Werner,2002,70f.).
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3. Zentrale Ziele
Bienstein und Fröhlich (2003,11,78ff.) formulierten die zentralen Zielen als Kernstück der Basalen Stimulation vor dem Hintergrund „handwerkliche Fähigkeiten“ des erlernten Konzeptes durch Pflegende nicht in den Vordergrund zu rücken, sondern sich im wesentlichen an der Person des Patienten zu orientieren. Pflegende sollen primär ihren Blick darauf richten die Betroffenen, die durch ihre veränderte Lebenssituation vor neuen Aufgaben und Situationen stehen, zu unterstützen. Die Inhalte dieser Ziele werden in den nächsten Punkten näher erläutert. 1. Leben erhalten und Entwicklung erfahren; die stetige medizinische Entwicklung trägt dazu bei das primäre Ziel der Lebenserhaltung möglich zu machen. Die Pflege übt in dieser Phase nicht nur eine unterstützende Funktion bei der Durchführung von lebenserhaltenden Maßnahmen aus, sondern unterstützt den Patienten bei der Akzeptanz dieser Maßnahmen, begleitet ihn und bietet Hilfestellungen an (ebd.,80ff). 2. Das eigene Leben spüren; Menschen die stark beeinträchtigt sind, das Vermögen sich selbst zu bewegen oder über die eigene Existenz verloren haben benötigen eine gezielte, individuelle Hilfestellung um sich selbst wahrzunehmen und zu spüren (ebd.,82f.).
3. Sicherheit erleben und Vertrauen aufbauen; eine wichtige Voraussetzung für gefühlte Sicherheit ist, dass der Patient Kontinuität erlebt, d.h. Ereignisse erahnen und sich auf pflegerische Maßnahmen einstellen kann. Dadurch wird eine Basis für Vertrauen und somit für Kooperation geschaffen (ebd.,84f.).
4. Den eigenen Rhythmus entwickeln; hierbei sind Institutionen gefordert auf die Wach-und Schlafrhythmen der Patienten einzugehen. Bisher sind diese primär den Abläufen der versorgenden Institution angepasst. Dies schließt sowohl die Besuchszeiten als auch die pflegerischen und therapeutischen Maßnahmen ein (ebd.,86f.). 5. Das Leben selbst gestalten; es ist die Aufgabe der Pflege den Patienten soweit wie möglich dabei zu unterstützen sich und seine Umwelt selbst zu gestalten. Unser Lebensgefühl ist davon geprägt eigene Entscheidungen zu treffen, und es bedarf der Aufmerksamkeit der Pflegenden diese Möglichkeit zu erhalten und dies in den täglichen Prozess einer Institution mit einzubeziehen (ebd.,88ff.).
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Arbeit zitieren:
Sandy von Eichel, 2011, Das Konzept der Basalen Stimulation, München, GRIN Verlag GmbH
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