1. Einleitung
In Zeiten der wirtschaftlichen Krise, des Mangels an Ausbildungsplätzen sowie dem schlechten Abschneiden unserer Schüler im internationalen Vergleich, werden immer wieder Rufe nach Reformation und Veränderungen laut. Bis heute gibt es unzählige Versuche, die von der Verbesserung der Unterrichtsqualität bis hin zum Gedanken an eine Loslösung von der mehrgliedrigen Schulstruktur reichen. Eine mögliche Lösung könnte die Gemeinschaftsschule sein, welche das längere gemeinsame Lernen der Schüler beinhaltet. Ob diese Schulform als Möglichkeit in Frage kommt, hängt einerseits vom Erfolg der bereits existierenden Schulen, anderseits von den Vergleichsergebnissen mit anderen Schulformen ab. Daher ist die Intention dieser Arbeit der Vergleich der Schulstruktur von Mittel- und Gemeinschaftsschule. Um der Vergleich nicht nur theoretisch durchzuführen, erfolgt dieser anhand von zwei existierenden Schulen, welche im Folgenden näher vorgestellt werden sollen.
2. Vorstellung der jeweiligen Schule
Da das Schulwesen in Deutschland in jedem Bundesland durch eigene Gesetze geregelt ist und es dadurch immer wieder zu regionalen Unterschieden kommt, habe ich mich für zwei Schulen des Bundeslandes Sachsen entschieden. So sollen regionale Differenzen von Beginn an ausgeschlossen werden. Bei den Schulen handelt es sich um die Xxx-Schule, eine Mittelschule in X und um das sog. Chemnitzer Schulmodell, eine Gemeinschaftsschule im Chemnitzer Raum.
2.1 Die Xxx-Schule
Mit dem Entstehen des Wohngebietes Friedeburg, wurde in X der Beschluss zum Neubau einer zweiten Schule in diesem Stadtteil gefasst. Im Schuljahr 1990 / 91 wurde die Schule eröffnet, zunächst war sie als viertes Gymnasium vorgesehen, wurde jedoch 1992 offiziell zur Mittelschule umfunktioniert. An der Xxx-Schule werden 150 Kinder von 17 Lehrern und Lehrerinnen unterrichtet. Die ein- bis zweizügigen Klassenstufen teilen sich ab der 7. Klasse in einen Realschul- und einen Hauptschulzweig. Des Weiteren wählen die Schüler ebenfalls ab der 7. Klassenstufe einen der angebotenen Neigungskurse. Ab der 10 Klasse werden die Neigungskurse durch sog. Vertiefungskurse ersetzt. In Ergänzung zu Neigungs-
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und Vertiefungskurs werden alle Schüler ab der 7 Klasse im Fach WTH, Wirtschaft, Technik, Haushalt unterrichtet, dies soll der späteren Berufspraxis als Einstieg dienen. Die Besonderheit dieser Schule liegt darin, dass es sich um eine der 10 UNESCO-Projekt-Schulen in Sachsen handelt, welche unter anderem durch Spendenaktionen Menschen in Not unterstützt und die Schüler zu selbstbestimmten und eigenverantwortlichem Denken und Handeln erziehen soll. Auch besitzt die Schule einen Schulclub, der nach Schulschluss Treffpunkt für alle Schüler ist und eine sinnvolle Freizeitgestaltung ermöglicht (Vgl. Unser Schulprogramm, online 14.09.09).
2.2 Das Chemnitzer Schulmodell
Bei dem sog. Chemnitzer Schulmodell handelt es sich um einen staatlichen Schulversuch, kurz gesagt um eine Gemeinschaftsschule, an welcher die Klassen 1 bis 10, insgesamt 220 Kinder, unterrichtet werden. Das Chemnitzer Schulmodell gibt es seit 1990 / 91 und es unterliegt den gleichen personellen, finanziellen und materiellen Regelungen, wie jede andere Regelschule. Im Zentrum stehen die enge Zusammenarbeit mit den Eltern und die besondere Form des Unterrichtens, welcher sich die Lehrer dieser Schule verschrieben haben. Der Förderverein der Schule bietet lernschwachen Schülern wöchentlich mehr als 15 Kurse und Arbeitsgemeinschaften an. Mit Beginn der 8 Klassenstufe werden erstmals Zensuren erteilt, vorher werden zur Leistungsfeststellung Lernentwicklungsberichte erstellt. Alle Begabungsfächer, beispielsweise Musik, Kunst oder Sport sind benotungsfrei. Von der 5 bis zur 7 Klasse werden die Fächer Physik, Biologie und Geografie einheitlich im Fach Naturkunde unterrichtet. Ab der 8 Klasse werden Naturfächer, Astronomie, Chemie und Geschichte in Epochenform gelehrt. Ab der 5 Klasse wird die vorher zweizügig verlaufende Klassenstufe einzügig. Des Weiteren wählen die Schüler ab der 7. Klasse zwischen einem technischen und einem sprachlichen Profil. Alle Abschlüsse der Haupt-und Realschule können an dieser Schule erworben werden. Betonung finden sollte die Wochenfeier, an der alle Schulmitglieder teilnehmen und die zur Stärkung des gemeinsamen Miteinanders beitragen soll.
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3. Formale Unterschiede zwischen Mittel- und Gemeinschaftsschule Die Mittelschule gehört zu den gängigen Schularten der Allgemeinbildenden Schulen Sachsens, wohingegen die Gemeinschaftsschule zu den kontrovers diskutierten Schulversuchen zählt. „Als Grundlage für diese Schulversuche hat das Sächsische Staatsministerium für Kultus Leitlinien und einen Rahmen für sogenannte „Schulen mit besonderem pädagogischem Profil/Gemeinschaftsschulen“ erlassen (Schulversuch, online 19.09.2009).
Während die Mittelschule darauf ausgerichtet ist Jugendliche auf berufliche Bildungswege -durch Interessen- und sog. Neigungskurse- vorzubereiten, geht es in der Gemeinschaftsschule vorwiegend darum, kognitiv, motivational wie auch kulturelle Heterogenität in jeder Lerngruppe zu erzielen (Vgl. Preuss-Lausitz, 2008, S.15). Besonders hervorzuheben ist hier die Individuelle Förderung jedes Schülers, derer sich die Lehrerinnen und Lehrer der Gemeinschaftsschulen verpflichtet sehen. Eine gute Gemeinschaftsschule fördert Talent und Leistungsstärke ebenso wie Verhaltens- und Lernschwäche, somit darf theoretisch -anders als an einer Mittelschule- kein Schüler aufgrund seiner Leistungen die Schule vorzeitig verlassen. Bei Nichterreichen des Klassenzieles verzichtet die Gemeinschaftsschule auf das Sitzenbleiben, wie es in der Mittelschule üblich wäre und organisiert stattdessen für betroffene Schüler individuelle Lernförderungen (Vgl. Preuss-Lausitz, 2008, S.19). Problematisch einzuschätzen ist jedoch, dass bislang an den
Gemeinschaftsschulen keine verbindlichen Kooperationen mit der Primär- und Sekundärstufe II gibt, ein Fakt, welcher an den Mittelschulen eindeutig geregelt ist. Die bloße Anschlussfähigkeit der Gemeinschaftsschule an reguläre Bildungsgänge, genügt nicht, wenn es keine eindeutigen Regelungen für die zu erlangenden Abschlüsse und Übergänge gibt.
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Arbeit zitieren:
Katja Neumann, 2009, Vergleich der Schulstruktur von Gemeinschafts- und Regelschule an zwei Beispielen, München, GRIN Verlag GmbH
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