1. Einleitung
Evidence-based Nursing bedeutet Pflege nach den derzeit besten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Erfahrungen und Pflege unter Einbezug der individuellen Bedürfnisse der Patienten.
Aus der historischen Entwicklung des Berufsbildes ist die Pflege mit Attributen wie intuitiv, dienend, gehorsam und helfend behaftet. Um dem heutigen Anspruch einer professionellen und sicheren Pflege gerecht zu werden, sind pflegerische Maßnahmen durch alleiniges Traditions- und Erfahrungswissen nicht mehr vertretbar. Das frühere Fönen und Eisen zur Dekubitusprophylaxe ist beispielsweise nur ein deutliches Plädoyer für die Umsetzung der Ergebnisse aus einer wissenschaftlichen praxisorientierten Pflegeforschung (vgl. Schlömer 2000). Evidence-based Nursing (EBN) ist eine Forschungsmethode, die Pflegekräfte mehr Handlungssicherheit bei ihrer täglichen Arbeit am Patientenbett gibt. Die Ergebnisse einer EBN-Recherche können die Wahl zwischen zwei verschiedenen Pflegemaßnahmen erleichtern, wenn für die eine zum Beispiel eine bessere Wirkung nachgewiesen ist.
Die vorliegende Arbeit stellt eine Evidence-based Nursing Recherche zur folgenden Fragestellung dar:
Wird bei Patienten mit peripheren Venenverweilkanülen durch Spülungen mit physiologischer Kochsalzlösung eine andauernde Durchgängigkeit der Kanüle erreicht?
Durch die eigene Praxisarbeit im stationären Pflegebereich ist die Autorin mit der Problematik der Pflege von peripheren Verweilkanülen täglich konfrontiert. Üblicherweise werden die Kanülen nach Infusionsende, insbesondere nach Gabe von Flüssigkeiten mit einer hohen Osmolarität, mit physiologischer Kochsalzlösung durchgespült. Die Maßnahme ist eine stationsinterne Regelung und soll aus eigenem Interesse durch eine Literaturrecherche in pflegerischen und medizinischen Datenbanken wissenschaftlich begründet werden können.
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Der Aufbau der Arbeit entspricht dem Vorgehen beim Prozess der Forschungsanwendung.
Die Schwerpunkte dabei sind das Lesen, die kritische Bewertung des Gelesenen und das Umsetzen des neuen Wissens in die Pflegepraxis (vgl.Mayer 2006, S. 319). Kapitel zwei beinhaltet neben einem kurzen historischen Abriss eine Definition von Evidence-based Nursing. Im dritten Kapitel ist das Vorgehen der Recherche erklärt. Danach folgt im vierten Teil der Arbeit eine Zusammenfassung der Ergebnisse, mit den daraus abgeleiteten Empfehlungsmaßnahmen für die Praxis.
Der abschließende Ausblick beinhaltet eine eigene Stellungsnahme zur Evidence-based Nursing Methode.
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2. Evidence-based Nursing - Historischer Abriss und Definition
Die Ursprünge des Evidence-based Nursing liegen in der Medizin. Eine Arbeitsgruppe an der McMaster Medical School in Canada (Evidence-based Working Group 1992) prägte in den 70er Jahren den Begriff Evidence-based Medicine. Ziel war es, eine neue praxisorientierte Lernstrategie zu benennen, welche ein lebenslanges Lernen impliziert. Hauptvertreter dieser Methode ist David Sackett, der in seinem Buch „Clinical Epidemiology“ (1991) die kritische Aufarbeitung wissenschaftlicher Publikationen aufzeigt. Greenhalgh (2000) definiert Evidence-based Medicine (EBM) als den „bewußten, expliziten und abwägenden Gebrauch der gegenwärtig verfügbaren Beweise, um Entscheidungen über die Behandlung individueller Patienten zu treffen“ (Greenhalgh 2000, S. 17).
Jegliche Entscheidung für eine Maßnahme, bzw. einen Eingriff, wird demnach durch wissenschaftlich belegte Beweise begründet.
Bevor Evidence-based Nursing definiert wird, soll zunächst der Begriff „Evidence“ näher beleuchtet werden. Die Bedeutung dessen ist in den Literaturen oft nicht klar abgegrenzt.
Das englische Wort „evidence“ bedeutet übersetzt „Beweis“ oder „Beleg“, der nachgeprüft werden muss (vgl. Hornby 1974). Im Gegensatz dazu wird aber das deutsche Wort „Evidenz“ (Adjektiv evident) als „vollständige, überwiegende Gewissheit“ und „einleuchtende Erkenntnis“ verstanden (Duden Fremdwörterbuch 1990), folglich als etwas, was keines Beweises mehr bedarf, da es so augenscheinlich auf der Hand liegt. Die Übersetzung stellt somit fast das Gegenteil der Verwendung im englischen Sprachraum dar.
„Evidence-based“ sollte demnach, auch wenn es dazu verleitet, nicht mit „evidenzbasiert“ übersetzt werden. „Wissenschaftlich-fundiert“ trifft die Bedeutung schon gründlicher. In den einschlägigen Literaturen hat sich überwiegend der Begriff „Evidence-based Nuring mit Anlehnung an die deutsche Großschreibung durchgesetzt. Damit bleibt die Abkürzung „EBN“ erhalten (Behrens/Langer 2006, S. 56f). Lediglich in einigen Ausführungen wird EBN mit Evidenz-basierter Pflege gleichgesetzt.
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Im Laufe der Jahre wurde die Methode EBM auf die Pflege und andere Bereiche im Gesundheitswesen übertragen. 1997 wurde in York das erste europäische Zentrum für Evidence-based Nursing 1 (EBN) gegründet. 1998 etablierte Professor Johann Behrens an der Universtiät Halle/Wittenberg das erste deutsche Zentrum für EBN 2 . Viele der nachfolgenden Ausführungen beziehen sich auf Behrens. Daher soll an dieser Stelle seine Definition dargelegt werden.
„Evidence-based Nursing ist die Nutzung der derzeit besten wissenschaftlich belegten Erfahrungen Dritter im individuellen Arbeitsbündnis zwischen einzigartigen Pflegebedürftigen und professionell Pflegenden“ (Behrens/Langer 2006, S. 27). Die Definition stellt zwei wesentliche Aspekte in den Vordergrund: einerseits die besten wissenschaftlich belegten Erfahrungen und andererseits die Einzigartigkeit einer jeden pflegerischen Interaktion.
Mit den besten wissenschaftlich belegten Erfahrungen wird eine Methode der Verknüpfung von externer und interner Evidence verstanden (Behrens/ Langer 2006, S.27).
Die externe Evidence umfasst erwiesene Aussagen, die z.B. durch Wirksamkeitsstudien gewonnen wurden. Dieses Wissen existiert auch außerhalb (=extern) des pflegerischen Arbeitsbündnisses und unabhängig von Pflegekräften und der zu Pflegenden. Die interne Evidence beschreibt vereinfacht dargestellt, was die professionell Pflegenden aus den Pflegebegegnungen über die Individualität der Klienten lernen. Gemeint sind z.B. Biographiekenntnisse oder persönliche Ziele und Wünsche der Pflegebedürftigen. Die Autoren betonen die besondere Relevanz des Gelernten aus den persönlichen Begegnungen. Nur durch diese Erkenntnisse wird erst ausgemacht, was eigentlich von den Erfahrungen anderer (=externe Evidence) gewonnen werden möchte. Ein Beispiel soll diesen Sachverhalt konkretisieren. Häufig vernimmt man im pflegerischen Bereich die Aussage „das kann doch gar nicht weh tun“. Dieser Satz ist oft durch Hilflosigkeit seitens des Pflegepersonals begründet. Fakt ist dennoch, dass für Schmerzpatienten dieser Satz nicht hilfreich ist, auch wenn die Aussage auf einer Basis
1 The University of York, Department of Health Studies, Centre of Evidence-based Nuring
2 Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, German Center
for Evidence-based Nusing,
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von Hunderten von Studien beruht. Hilfreich könnte es aber sein zu prüfen, wie Andere in diesem Fall einen schmerzfreien Zustand erreichen. Ausgehend von der internen Evidence (die Erfahrung, dass es doch weh tut) wird die externe Evidence der Erfahrungen anderer genutzt.
Die interne Evidence ist somit der erste entscheidende Schritt einer evidence-basierten Entscheidungsfindung und muss Eingang in die Tätigkeiten professionell Pflegender finden.
Der zweite wichtige Aspekt der Definition, die Einzigartigkeit, richtet den Blick auf eine Verantwortung für pflegerische Entscheidungen im Einzelfall. Behrens und Langer unterstreichen Ziele, Vorstellungen und Handlungen des Pflegebedürftigen als wichtige Determinante in einer pflegerischen Entscheidung und nehmen dadurch Abstand von einer standardorientierten, an Leitlinien geführten Pflege. Im Vergleich zu Greenhalgh`s EBM - Definition betonen Behrens und Langer durch die Bezeichnung ìndividuelles Arbeitsbündnis` mehr die wechselseitige Interaktion zwischen professionell Pflegenden und individuellen Patienten und die Tatsache, dass jede pflegerische Begegnung einmalig ist.
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Arbeit zitieren:
Diplompflegewissenschaftlerin (FH) Stefanie Dupont, 2008, Pflege von Patienten mit peripherer Venenverweilkanüle, München, GRIN Verlag GmbH
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