vertreten sein soll. Guter PU soll die erziehungspraktische Kompetenz der SuS und auch der LuL fördern, indem er auf zukünftige pädagogische Handlungen vorbereitet und der Unterricht so den handlungspropädeutischen Charakter, wie Beyer (1997) ihn beschreibt, annimmt. Außerdem sollen laut Stiller die SuS schon während des Schulbesuchs erzieherisch tätig werden, indem sie selbst pädagogische Verantwortung als z.B. Babysitter oder Schülerpaten übernehmen. Dorlöchter (1999) betont in diesem Zusammenhang die Verantwortung, die mit einer Erziehung zur Selbstständigkeit eng verbunden ist.
Die dritte Säule der Allgemeinbildung laut der UNESCO ist das Lernen zusammenzuleben, der in der dialogischen Fachdidaktik das Qualifikationsfeld der Interaktion zugeschrieben wird. Das Lernen zusammenzuleben wird von der UNESCO besonders betont, da es in der heutigen Zeit äußerst wichtig ist, Verständnis und Akzeptanz für andere Kulturen aufzubringen, sodass Konflikte friedlich gelöst werden können. Stiller akzentuiert das Qualifikationsfeld der Interaktion in der dialogischen FD ebenfalls, indem er auf den Soziologen Theodor W. Adorno verweist, der als Vertreter der kritischen Theorie in seinem Aufsatz „Erziehung nach Auschwitz“ aus dem Jahre 1966 von der Erziehung fordert, dass „Auschwitz nicht noch einmal sei“. Um dies zu erreichen, muss PU einen Beitrag zur Förderung der dialogischen Kompetenz der SuS und auch der LuL leisten, indem er diesen Kooperation und Empathie beibringt. Die SuS sollen in einen Dialog miteinander treten und lernen sozial zu handeln und andere Kulturen zu verstehen und zu respektieren. In der Praxis kann dieses Qualifikationsfeld in Planungsdialogen, Lehr-Lern-Dialogen, Konfliktregelungsdialogen und Theorie-Praxis-Dialogen umgesetzt werden. Dorlöchter (1999) hebt ebenfalls den Moment der Begegnung hervor, da durch die Auseinandersetzung mit sich selbst und dem anderen die Chance zur Entwicklung eines persönlichen Bildungskonzeptes liegt und die Begegnungskompetenz gefördert wird.
Das vierte Element bzw. die vierte Säule, die die UNESCO der Allgemeinbildung zuschreibt, ist das Lernen für das Leben. Diese Säule spiegelt sich in der dialogischen Fachdidaktik im Qualifikationsfeld Biografie wieder, indem in einem guten PU die biografische Kompetenz der SuS, aber auch der LuL gefördert werden soll. Die SuS sollen im Rahmen des dialogischen Konzeptes zu einer „größeren Selbsterkenntnis“ gelangen, indem sie zum einen die eigene Biografie reflektieren und sich zum anderen auch mit Fremdbiografien auseinandersetzen sollen. Durch
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das Verstehen des selbst und des anderen, können die SuS eine bewusstere Lebensgestaltung und ein besseres Verständnis für andere erlangen, welches Grundvoraussetzungen für pädagogisches Handeln sind. Des Weiteren kann biografisches Lernen laut Stiller zu einer Vertiefung des fachlichen Lernens, zur Sinnstiftung des Lernens allgemein und zur besseren Integration von neuem Wissen führen. Dorlöchter betont in diesem Zusammenhang das Prinzip der Selbstreflexion, durch das Wissensprozesse bewusst gemacht und Konstruktionen infrage gestellt werden.
Nach der Vorstellung der 4 Qualifikationsfelder kann nun also festgestellt werden, dass der Dialog der Kernpunkt dieses Konzeptes ist, der in allen 4 Qualifikationsfeldern auf verschiedene Art und Weise auftritt: Im Qualifikationsfeld der Erziehungstheorie soll das forschende Lernen neben der theoretischen Kompetenzerweiterung zu einem konstruierenden, rekonstruierenden und dekonstruierenden Dialog führen. In der Erziehungspraxis sollen praktische Erziehungsprobleme im Sinne einer dialogischen Erziehung bearbeitet werden und im Qualifikationsfeld der Biografie geht es um den biografischen Lernprozess im Dialog mit der eigenen Person. Im vierten Qualifikationsfeld, der Interaktion, steht der empathisch-kooperative Dialog mit anderen im Vordergrund. Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass laut Stiller die gleichwertige Vernetzung der 4 Qualifikationsfelder Erziehungstheorie, Erziehungspraxis, Interaktion und Biografie zu einem guten PU führen können. Dieser so gestaltete Unterricht kann nun einen Beitrag zu einer Erziehung nach Auschwitz leisten und über personen- und problemorientiertes Lernen die Selbst- und Fremdachtung der SuS fördern, sowie die erzieherische Kompetenz durch praktische und theoretische Auseinandersetzung mit Schlüsselproblemen ermöglichen. Kritik:
- Wissenschaftsorientierung gerät gegenüber den anderen Aspekten in den Hintergrund
- durch biografisches Lernen kann die Intimsphäre der SuS verletzt werden
- es besteht eine Gefahr der „Therapeutisierung“ des Unterrichts
- der dialogische Ansatz ist schwer mit den allgemeinen
Unterrichtsbedingungen zu vereinbaren
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2) Handlungspropädeutischer Pädagogikunterricht
Seit der Einführung des UF Pädagogik („Erziehungswissenschaft“) in die gymnasiale Oberstufe Anfang der 1970er Jahre wurden unterschiedliche fachdidaktische Konzepte entwickelt. Diese Konzepte versuchen - aus unterschiedlichen Perspektiven - die Zielsetzung des Faches in der Schule zu klären und Anregungen für die inhaltliche und methodische Arbeit zu geben. Im Folgenden werde ich nun zuerst das Konzept der handlungspropädeutischen Fachdidaktik erläutern, darauf folgend meinen methodischen Schwerpunkt, das Lernen an Stationen, vorstellen und im Anschluss daran eine Zusammenführung des LaS und der
handlungspropädeutischen Fachdidaktik darlegen.
Der wichtigste Vertreter des handlungspropädeutischen Konzeptes der Fachdidaktik des UF Pädagogik ist der Pädagoge Klaus Beyer, der sich für einen propädeutischen Charakter von Handlungsbezügen im Pädagogikunterricht ausspricht und auf dessen Ausführungen aus dem Jahre 1997 ich mich bei meinen folgenden Erläuterungen beziehen werde. Beyer geht in seiner Argumentation für einen
handlungspropädeutischen PU, wie folgt vor: Ausgehend von der Selbstbestimmung als Ziel des PU, definiert er zuerst die dafür erforderliche Handlungskompetenz und erläutert dann die Planungsdimensionen und -kriterien und die Evaluation des erzieherischen Handelns. Darauf aufbauend, begründet Beyer den
handlungspropädeutischen Charakter des UFP und argumentiert schließlich für einen wissenschaftspropädeutischen Auftrag des handlungspropädeutischen Konzeptes, um einen gelingenden/erfolgreichen PU durchzuführen.
Pädagogikunterricht in der heutigen Zeit hat als Ziel, die Selbstbestimmung der SuS auszubilden, welches nur durch die Förderung der Handlungskompetenz und der Urteilskraft der SuS erreicht werden kann, da die Fähigkeit zum Handeln die Voraussetzung für die Ausbildung der Selbstbestimmung ist. Die Disposition zum Handeln ist zwar im Menschen angelegt, jedoch noch nicht ausgebildet und so muss der PU durch seinen handlungspropädeutischen Charakter versuchen, dem Schüler eine spezifisch pädagogische Handlungskompetenz zu vermitteln, welche einen Beitrag zur Ausbildung seiner allgemeinen Handlungskompetenz leistet. Kompetenz in diesem Zusammenhang beschreibt Beyer als ein Repertoire, bestehend aus Kenntnissen, Einstellungen und Fähigkeiten, welche als Basis des Handelns dienen und für diese erst situationsangemessen aktiviert werden müssen. Das Handeln wird von ihm als eine Kombination von vier Merkmalen definiert: 1. der Äußerung, da
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Arbeit zitieren:
Sonja L, 2011, Fachdidaktische Konzepte des UF Pädagogik, München, GRIN Verlag GmbH
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