Martin Buber- Das dialogische Prinzip 2
Bubers Intention kann so schließlich als Versuch gedeutet werden, dem Menschen und das was zum Menschsein gehört, zu vermitteln und dies durch Begriffe, wie Verantwortung, Begegnung und Dialog zu darzulegen. 6
Nach Buber gelangt der Mensch nämlich nur durch das Du-Sagen zu der „ihm vorbehaltenen, gültigen Teilnahme am Sein.“ Dieses Du-Sagen, die Begegnung der Menschen, ist somit der Ausgang bzw. die Grundlage des Menschwerdens. Und so sieht Buber die Antwort auf die Frage, was der Mensch sei, im Wesen der Dialogik, in dessen Zu-Zweien-Sein sich die Begegnung des Einen mit dem Anderen jeweils verwirklicht. Das Wesen des Menschen ist für Buber also nur durch dieses Zu-zweit-Sein, durch diese Begegnung zu fassen. 7
Die Arbeit soll, in Anlehnung an das Seminar, diesen Grundgedanken Martin Bubers noch einmal darstellen. Dabei soll nach einem kurzen biographischen Abschnitt, besonders Augenmerk auf das dialogische Prinzip, mit den beiden Grundwortpaare Ich-Du und Ich-Es, gelegt werden, um abschließend auf die Frage, welche Wirkung und Chance sich aus diesen Gedanken für den sonderpädagogischen Bereich erschließen.
6 Ebd.
7 Licharz, S. 180ff.
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Martin Bubers Biographie
Martin Buber wurde am 08.02. 1878 in Wien geboren. Nach der Scheidung seiner Eltern wuchs er bei seinen Großeltern in Lemberg, der damaligen Hauptstadt Galiziens auf. Sein Großvater gehörte damals schon zu den „führenden Männern“ der jüdischen Gemeinde und so kam der junge Martin Buber bereits früh mit dem jüdischen Glauben in Kontakt. 8
In seiner Kindheit verbrachte er die Sommermonate meistens bei seinem Vater, welcher ihn auch manchmal mit in die Stadt Sadagora nahm, dem Sitz einer Rabbis. 9 Dynastie von „Zaddinim“ eines chassidischen Von ihrem
Gemeinschafts.leben war Martin Buber sehr fasziniert, und begann sich etwa ab 1910 mit ausführlichen Quellenstudien über den Chassidismus zu beschäftigen. Dieser Chassidismus, der in seiner ursprünglichen Form eine Omnipräsenz Gottes, als ein strenger Gesetzesglaube betont, wird schließlich in einer etwas abgewandelten Form Bubers geistige Überzeugung. 10
Sein Studium war grundsätzlich auf eine ganzheitliche Form der Bildung ausgerichtet. Ab 1896 studierte er so Philosophie, Kunstgeschichte, Literatur, Germanistik, klassische Philologie sowie Nationalökonomie. 11 Die ersten zwei Semester seiner Studienzeit verbrachte er in der österreichischen Hauptstadt Wien. 12 Als 20-jähriger verbrachte er das 3. Semester in Leipzig. Hier wirkte außerhalb seines Studiums vor allem Johann Sebastian Bach auf ihn. 13 Und hier betätigte sich Buber früh an der Zionistenbewegung. Diesem eher politisch ausgerichteten Ideengebäude, welchem Buber jedoch eher in kultureller und religiöser Hinsicht beiwohnte, stand er gewissermaßen konträr gegenüber. 14 Denn der ursprüngliche
8 Störing, S. 674ff
9 Ebd.
10 Wolf, S. 15ff
11 Dilger, S. 3ff.
12 Wolf, S15f.
13 Ebd.
14 Licharz, S. 180ff.
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Zionismus, welcher von Theodor Herzl Ende des 19. Jahrhunderts begründet worden war, verstand sich eigentlich mehr als eine politische Ideologie. 15
Gemeinsam mit dem Theologen Franz Rosenzweig gründete Martin Buber dann im Jahr 1920 das Freie Jüdische Lehrhaus in Frankfurt am Main. Dort arbeiteten beide schließlich auch an der deutschen Übersetzung des hebräischen Alten Testaments. 16
Von 1924 bis 1933 lehrte Martin Buber jüdische Religionsphilosophie und Ethik an der Universität in Frankfurt am Main. Im Jahr 1938 musste er Deutschland verlassen und erhielt an der Universität in Jerusalem eine Professur, die er bis 1951 innehatte. 17
Sein Engagement für eine Arabisch-Jüdische Verständigung, für die Schaffung eines Zweinationalitätenstaates und für die Forderung einer Versöhnung mit dem deutschen Volk wurde 1953 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Im Alter von 87 Jahren starb Martin Buber am 13.Juni 1965 in Jerusalem. 18
15 Dilger, S. 4ff.
16 Ebd.
17 Ebd.
18 Dilger, S. 5ff.
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Das dialogische Prinzip
Der Einfluss der jüdischen Religion, besonders der Strömung des Chassidismus, auf das Denken Martin Bubers ist in seinen Schriften unverkennbar. Denn das Fundament des buberschen Denkens bildet schließlich die Auffassung, dass die Verwirklichung der göttlichen Pläne maßgeblich durch ein wechselseitiges Verhältnis zum Menschen geprägt ist. 19 „Um die Welt zu erlösen und die Schöpfung zu vollenden, ist Gott auf den Menschen angewiesen.“ 20 Und erst in dieser Beziehung eröffnet die Begegnung von Mensch zu Gott, so Buber, die Möglichkeit für den Menschen an der Wirklichkeit teilzunehmen. 21 Darin sieht er die Urchance des Seins, welche nur, ähnlich wie in seiner spezifischen Übersetzung des Chassidismus, durch den Dialog ermöglicht wird. 22 „Der Mensch kann insofern zur Erlösung beitragen, indem er das von Buber als ein dialogisches entdeckte Prinzip des Menschseins in jedem Augenblick seines Lebens zu verwirklichen bestrebt ist.“ 23
Dieses Bestreben ist für Buber genauso anthropologisch im Menschen verankert, wie die Notwendigkeit zur Gemeinschaft. 24 „Die Welt ist dem Menschen zwiefältig nach seiner zwiefältigen Haltung.“ 25 Mit dieser doppelten Zwiefalt beschreibt Buber die Dialektik menschlichen Daseins. Mit dieser Gegensätzlichkeit beschreibt Buber so einmal den unbegrenzten Bedarf nach vitaler Verbundenheit zwischen Person zu Person. Der Mensch ist für Buber ein soziales Wesen, welcher erst in der Gemeinschaft sein eigentliches Wesen entfalten kann. Und einmal beschreibt der damit eine Objektseite des Menschen, auf diese er Mensch auch angewiesen bleibt. 26 Der Mensch kann schließlich eine gewisse Haltung zu den Dingen der Welt und seinen Mitmenschen einnehmen, welche aber erst durch die Fähigkeit des
19 Dilger, S. 15ff.
20 Ebd.
21 Ebd.
22 Wolf, S21ff.
23 Ebd.
24 Wolf, S18ff.
25 Ebd.
26 Wolf, S. 39
Arbeit zitieren:
Michael Ernst, 2011, Betrachtungen zu Martin Bubers dialogischem Prinzip, München, GRIN Verlag GmbH
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