1. Einleitung
Die Erde ist eine Scheibe! Die Erde ist eine Kugel! Was haben diese Aussagen gemeinsam? Sie waren 400 v.Chr. Theorien, subjektive Theorien.
Jeder hat sie, jeder braucht sie und niemand kann sich ihnen verbergen. Theorien sind und waren ein wesentlicher Bestandteil im Leben aller Menschen. Sie sind sowohl selbständig generierte Beschreibungen bestimmter Ereignisse, als auch wissenschaftliche Erkenntnise. Man untergliedert sie demnach in subjektive und wissenschaftliche Theorien. Eine der bedeutensten und theoriereichsten Fragen der Menschheit war Zweifels ohne die Frage nach der Struktur und der Form der Erde. Diese schriftliche Ausarbeitung soll jedoch kein wissenschaftliches Werk über die aufgestellten Theorien von Pythagoras, Eratosthenes oder Aristoteles sein, wohl aber dient diese Problematik, welche zu Zeiten des sogenannten Hellenismus für zahlreiche Dogmen sorgte, als Grundstein zur Bearbeitung der Thematik „Subjektive Theorien“.
In der Geisteswissenschaft unterscheidet man, wie bereits erwähnt, subjektive und wissenschaftliche Theorien. Subjektive Theorien oder auch Alltagstheorien, wie sie genannt werden, grenzen sich stark von wissenschaftlich fundierten Theorien ab. Schwerpunkt der vorliegenden Ausarbeitung soll jedoch nicht der Unterschied zwischen diesen Imaginationen sein, sondern eine vertiefende Darstellung subjektiver Theorien. Als Grundlage für die Hausarbeit dient hierbei eine Definition der Begriffe Theorie und subjektive Theorie, um eventuell auftretende Verständnisprobleme zu vermeiden oder zu reduzieren. Anschließend folgt eine tiefgründige Auseinandersetzung mit den einzelnen Arten subjektiver Theorien, bei welchen ich mich hauptsächlich mit denen von Diethelm Wahl auseinandersetzen werde, um diese genauer zu beleuchten. Abschließend erfolgt eine Zusammenfassung, um die wesentlichen Punkte hervorzuheben und Zusammenhänge und Unterschiede darzustellen. Ziel dieser Ausarbeitung soll es sein, die Frage nach Realität oder Wahnsinn subjektiver Theorien zu beantworten, denn niemand kann behaupten, dass sowohl eigene als auch fremde Theorien ausschließlich der Realität entsprechen und in ihr hervorgetreten sind. Die persönliche Darstellung und Beurteilung eines Ereignisses soll hierbei im Fokus der Betrachtung stehen, wobei auch Gruppentheorien nicht unbedeutend für die Beantwortung der oben genannten Frage sein werden.
2
. Ein Zugang zur Thematik der subjektiven Theorien
In dem folgenden Abschnitt werden die Begriffe Theorie und subjektive Theorie definiert, um so eine Grundlage für die Hausarbeit zu legen und essentielle Begriffe zur Beantwortung der Frage aufzuzeigen.
2.1. Theorien
Theorien werden auf vielfältige Weise definiert. Ich habe mich deshalb entschieden, an die historisch fundierte Wortbedeutung von Hierdeis/Hug (1992) anzuschließen und diese als Grundlage zu nehmen. Sie nehmen das Duden- Herkunftswörterbuch zur Hilfe, in dem es heißt, dass dem Wort Theorie das griechische Substantiv theoròs zugrunde liegt. Theorós bedeutet Zuschauer, welches sich aus théa, anschauen und horàein, sehen, ein Schauspiel sehen, auseinandersetzt. Dieses wiederrum war Grundlage für das griechisch- lateinische theoria. Allgemein ausgedrückt kann man sagen, dass demnach Theorie definiert werden kann als Betrachtung, Untersuchung oder Zuschauen. 1 Bereits im 16. Jahrhundert wurde dieses dann als Theorie in den deutschen Sprachgebrauch adaptiert. „Das Adjektiv theoretisch, das auf das lateinische theoreticus (beschauend, untersuchend) und damit auf das griechische theoretikós zurückgeht, ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Theorie hat also ursprünglich mit Schauspiel und Dichtung zu tun, ein Zusammenhang, den wir nicht aus dem Auge verlieren sollten. Im griechischen Abendland waren der Mythos und die Epen die zentralen Erklärungs- und Darstellungsformen. Heute sind abstrakte Begriffe und Theorien beziehungsweise logisch - systematische Gesetzesaussagen an die Stelle von Erzählungen getreten“ 2 . Anknüpfend an diesen Definitionsansatz möchte ich ein Zitat von Kurt Lewin setzen, der gesagt hat: „Es gibt nichts Praktischeres als eine gute Theorie“ 3 . Die Problematik in diesem Zitat besteht jedoch nicht nur ausschließlich darin, dass es konträr ist zu dem obigen von Hierdeis/Hug (1992) ist, sondern darin dass Lewin einen Bezug von Praxis und Theorie sieht. Eine Theorie ist jedoch deutlich von der Praxis abzugrenzen, denn sie ist ein nicht falsifiziertes Produkt menschlichen Gedankengutes, welches einer Überprüfung auf Anwendbarkeit unterzogen werden muss. 4 Man kann sagen, dass Theorien durch die
1 vgl. Hierdeis/ Hug 1992, S. 64
2 Hierdeis/Hug 1992, S. 65
3 Field theory in social science; selected theoretical papers, 1951; D. Cartwright (Hrsg.) New York: Harper &
Row, S. 169
4 vgl. Kuß 2009, S. 59
tagtägliche Auseinandersetzung mit der Realität entstehen. 5 Sie unterscheiden sich jedoch in alltägliche und wissenschaftliche Theorien. Weiteres soll in der folgenden Betrachtung jedoch keine Rolle spielen. Darüber hinaus dienen Theorien zur Erkenntniserleichterung und zum Deuten nicht falsifizier barer Ereignisse. Beispielhaft dafür ist das Zitat von Lesch (2006), der Aussagen zum und über das Universum tätigt und feststellte: „Wir können das Universum nicht erklären, sondern nur beschreiben; und wir wissen nicht, ob unsere Theorien wahr sind“ 6 .
2.2. Subjektive Theorien
Eine Sonderform der Theorien stellen subjektive oder auch Alltagstheorien dar, denn sie sind im Gegensatz zu wissenschaftlichen Theorien nicht wissenschaftlich überprüfbar. 7 „Es ist weder das Ergebnis rationalen Denkens aus einer theoretischen Einstellung heraus, noch ist es in klaren und widerspruchsfreien Sätzen ausgesagt; es ist weder in einer Hierarchie der Allgemeinheit systematisch geordnet, noch bildet sich eine Struktur ein logisches System; und schon gar nicht handelt es sich um ein Gefüge von Taxonomien, Gesetzen und Hypothesen, das jenen der [...] Wissenschaft vergleichbar wäre“ 8 . So versuchen Hierdeis/ Hug (1992) den Begriff subjektive Theorie zu definieren und greifbar zu machen, wobei sie ihm Zweifels ohne jegliche wissenschaftliche Grundlage absprechen. Desweiteren sind Alltagstheorien nicht organisierte Erkenntnisse, welche der ausschliesslichen Deutung und Bewältigung der unmittelbar gegebenen Realität dienen. 9
Subjektive Theorien können und müssen nicht immer unwissenschaftlichen Ursprungs sein, denn man kann auch auf Grundlage einer wissenschaftlichen Theorie eine subjektive Theorie entwickeln. Ein Beispiel dafür wäre der Urknall. Teleskopbeobachtungen gehen nicht weiter als 400000 Jahre zurück, was bedeutet, dass der Urknall nicht nachkonstruiert werden kann. Betrachtet man dies nun genauer, so fäll auf, dass es eine Fülle an subjektiven Theorien gibt, sie alle jedoch auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen bis zu dem Zeitalter von vor 400000 Jahren basieren. Alle wissenschaftlichen Erkenntnisse deuten darauf hin, dass es ein bestimmten Anfang unseres Universums gegeben habe, dies jedoch gilt auf Grund fehlender Erkenntnisse nachwievor als, wenn auch allgemein anerkannte, subjektive Theorie. Auch
5 vgl. Kühnl 2000, S. 43
6 Lesch 2006, S.28
7 Hierdeis/Hug 1992, S. 55
8 Hierdeis/Hug 1992, S. 56
9 vgl. Hierdeis/ Hug 1992, S. 57
Arbeit zitieren:
Marc Ehlert, 2010, Subjektive Theorien - Realität oder Wahnsinn?, München, GRIN Verlag GmbH
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