1 Einleitung 3
2 Die Vita Durkheims 4
3 Die Vorgänger 5
3.1 Vernunftrechtlich orientierte Gesellschaftstheorien 6
3.2 Gesellschaftsmodelle der klassischen Ökonomischen Theorie 7
4 Die Gesellschaftsmodelle nach Emile Durkheim 9
4.1 Begriffe 9
4.1.1 Arbeit 9
4.1.2 Arbeitsteilung 10
4.1.3 Anomie 10
4.2 Die Gesellschaftsmodelle 10
4.2.1 Segmentierte Gesellschaft 11
4.2.2 Nicht-segmentierte oder arbeitsteilige Gesellschaft 12
5 Eigene Überlegungen, ob dieses Gesellschaftsmodell für die heutige Zeit bestand hat 16
6 Zusammenfassung 17
Literaturangaben 19
2
1 Einleitung
Die Soziologie als eigenständige Wissenschaft ist noch recht jung, erste Lehrstühle gab es in den USA 1892 (Albion W. Small), in Frankreich 1896 (Emile Durkheim) und in Deutschland schließlich seit 1914 (Georg Simmel). Korte und Schäfers bezeichnen die
„Soziologie als Wissenschaft von der sozialen Wirklichkeit. Soziale Wirklichkeit meint dabei jenen Teil der erfahrbaren Wirklichkeit, der sich im Zusammenleben der Menschen ausdrückt oder 1 durch dieses Zusammenleben und Zusammenhandeln hervorgebracht wird.“ Die Bezeichnung »Soziologie« wurde vom Franzosen Auguste Comte (1798-1857) zu Beginn des 19. Jahrhunderts etabliert und ist ein Kompositum aus einem lateinischen (»socius« 2 ) und einem griechischen (»logo9« 3 ) Wortteil. Seine Forschung hatte zwei Ursachen: Einerseits erlebte er die nachrevolutionäre und napoleonische Zeit und die damit einhergehenden tiefgreifenden Veränderungen der (franz.) Gesellschaft, in der alte Ordnungen aufgelöst wurden und die zukünftige Entwicklung noch offen stand. Anderseits wurde er von den Naturwissenschaften beflügelt, die aus Beobachtungen der Natur (Wirklichkeit) allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten ableiteten. Wie jedoch bereits erwähnt war es nicht Comte, der - zumindest in Europa - durch die Begründung eines eigenen Lehrstuhls für Soziologie diese als eigenständige Wissenschaft anerkennen ließ, sondern Emile Durkheim. Mit diesem ersten “Fachwissenschaftler in der Geschichte der Soziologie“ 4 will sich diese Arbeit im Hinblick auf seine Gesellschaftsmodelle befassen.
Neben einer Skizzierung der Vita Durkheims und einer Einführung in die Modelle der vernunftrechtlichen Gesellschaftstheorie und derjenigen der Politischen Theorie/Physiokratie soll nach der Vorstellung der Durkheimschen Idee eines Stufenmodells der Frage nachgegangen werden, ob seine Schlussfolgerungen allgemeingültig sind.
1 Korte, Hermann/Schäfers, Bernhard: Einführung in die Hauptbegriffe der Soziologie. 6., erweiterte und aktualisierte Auflage, Opladen, Leske + Budrich, 2002, S. 12.
2 Als Adjektiv: gemeinsam, verbunden, verbündet; als Substantiv: Gefährte, Verbündeter, Teilnehmer.
3 Logos hat viele Übersetzungsmöglichkeiten: In einem Grund- und Aufbauwortschatz Griechisch finden sich drei Übersetzungskategorien: 1. die Erzählung, die Rede, der Ausspruch, 2. die Abrechnung, Kal-
kulation und 3. die Begründung, Argumentation, der Begriff. Im wissenschaftlichen Bereich wird oft die
Übersetzung »Lehre« verwendet.
4 Korte, Hermann: Einführung in die Geschichte der Soziologie. 7., erweiterte Auflage. Opladen, Leske + Budrich, 2004, S. 66.
2 Die Vita Durkheims
Durkheim wurde am 15. April 1858 im lothringischen Epinal geboren. Da er aus jüdischem Elternhaus stammte, sollte er - gemäß der Familientradition wie Vater, Großvater und Urgroßvater auch - Rabbiner werden. Durch den Bruch mit der orthodoxen Lebensweise seiner Familie ging er eigene Wege, jedoch prägte die strenge Erziehung seine Arbeitshaltung nachhaltig, indem er stets mit Fleiß und Konzentration seiner wissenschaftlichen Arbeit nachging. Nach Abschluss des Gymnasiums studierte er von 1879 bis 1882 erfolgreich an der Ecole Normale Supèrieure. Dadurch, dass man in Frankreich nur über den Weg des Gymnasiallehrers eine Universitätskarriere einschlagen konnte und kann, ging auch Durkheim diesen Weg. Auf-grund positiven Auffallens während seines Studiums wurde er durch das Unterrichtsministerium mit einem Stipendium in Deutschland in den Jahren 1885 und 1886 belohnt mit dem Auftrag „die Ursachen für die Niederlage Frankreichs gegen Deutschland (im Krieg 1870/71) herauszufinden, und dazu gehörte auch, sich einen Überblick über die wissenschaftlichen Grundlagen des 5 Deutschen Reiches zu machen.“
Diese Studienreise und die Begegnungen mit Ferdinand Tönnies und dem Völkerpsychologen Wilhelm Wundt lassen in ihm den Wunsch reifen, eine Morallehre zu entwickeln, um damit die Gesellschaft besser beeinflussen zu können. In Frankreich sollte diese auf der Soziologie begründete Morallehre in das Erziehungssystem integriert werden. Einerseits sollten die Lehrer eine entsprechende Ausbildung erhalten, andererseits in entsprechenden Fächern Schüler unterwiesen werden. 6
Durkheim lag daran, „die Ziele der dritten Republik zu unterstützen und im öffentlichen Bewusstsein nach und nach zu verankern.“ 7 Durch den Zuspruch der verantwortlichen Stellen wurde Durkheim 1887 schließlich vom Gymnasium an den Lehrstuhl für Pädagogik an die Universität von Bordeaux berufen. Dort erhielt er 1896 den Lehrstuhl für Pädagogik und Soziologie. 8
1902 war er als Lehrstuhlvertreter im gleichen Fächerkanon an die Sorbonne gerufen worden, 1906 dann zum Ordinarius für Pädagogik und Soziologie erklärt worden. Am 15.11.1918, also kurz nach Kapitulation des Deutschen Reiches, die den Ersten Weltkrieg beendete, verstarb Durkheim in Paris an den Folgen eines Schlaganfalls.
5 Korte: Geschichte, S. 67.
6 Vgl. ebd., S. 67f.
7 Ebd., S. 68.
8 Vgl. ebd,. S. 68.
Seine wichtigsten Werke verfasste er innerhalb von drei Jahren zu der Zeit als er noch in Bordeaux lehrte. Diese lauten im Original: De la Division du travail social. Étude sur l´organisation des sociétés supérieures 9 , Les rêgles de la mèthode sociologique 10 und Le Suicide : Etude de sociologie 11 .
3 Die Vorgänger
Das Befassen der Menschen mit soziologischen »Dingen« geht weit zurück: Im antiken Hellas beispielsweise fragte Aristoteles schon nach dem guten und glücklichen Leben in der Polis, also dem (Stadt-)Staat, woraufhin Herrschaftsbeziehungen abgeleitet wurden. Letzten Endes war aber alles von göttlicher Ordnung.
Es gibt fünf Kernbereiche, mit der sich die Wissenschaft der Soziologie befasst: Zum einen geht es um das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft und welche Menschenbilder sich ableiten lassen, dann geht es darum, wie sich die soziale Integration gestaltet (Wesen, Form, Intensität zwischen dem Einzelnen und dem Ganzen). Ein weiterer Punkt ist die soziale Differenzierung, bei der bspw. der Prozess der Aufspaltung in Untergruppierungen mit seinen positiven wie negativen Folgen betrachtet wird. Darüber hinaus spielt auch der soziale Wandel eine Rolle, bei dem nach Ursachen und Gesetzen (z.B. Veränderungen der Strukturen und Wertesysteme) gefragt wird. Schließlich möchte die Soziologie auch in Abhängigkeit zu sozialen Bedingungen eine Handlungsorientierung liefern, bei der es gilt, Relationen zwischen Bedürfnissen und Werten wie auch zwischen subjektiven Motiven und objektiven Handlungsmustern aufzuzeigen. 12 Durkheim selbst stieß sich daran, dass seine Vorgänger, die sich mit sozialen Sachverhalten auseinandersetzen, mit Gesetzmäßigkeiten anderer Wissenschaften gesellschaftliche Phänomene ausreichend erklären wollten. Im weiteren Verlauf sollen zwei vorgestellt werden, einerseits die vernunftrechtlich orientierten Gesellschaftstheorien, andererseits die Gesellschaftsmodelle der politischen Ökonomie.
9 1893 veröffentlicht. Deutscher Titel: Über soziale Arbeitsteilung. Studie über die Organisation höherer Gesellschaften.
10 1895 veröffentlicht. Deutscher Titel: Die Regeln der soziologischen Methode.
11 1897 veröffentlicht. Deutscher Titel: Der Selbstmord.
12 Vgl. Bauer, Eva: Zur Entstehung soziologischer Theorie: Anfänge soziologischen Denkens. In: Morel, J. u.a.: Soziologische Theorie. Abriss der Ansätze ihrer Hauptvertreter. München, Oldenbourg, 2001, S.
1f. Diese fünf Bereiche entstammen der Idee Gabor Kiss´.
3.1 Vernunftrechtlich orientierte Gesellschaftstheorien
Als Hauptvertreter sind für diese Theorie Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), Immanuel Kant (1724-1804) und Thomas Hobbes (1588-1679) zu nennen. Kernaussage ist, dass sich der Mensch seine eigene künstliche Ordnung schafft.
Ausgehend von einem (Natur-)Zustand, im dem das Überleben des Einzelnen gefährdet ist, weil der Selbsterhaltungstrieb zu Konflikten, Auseinandersetzungen und Kriegen nach dem Prinzip »jeder gegen jeden« führt, 13 erscheint als einziger Ausweg der Abschluss eines Vertrages, bei dem - um bei Hobbes zu bleiben - die Menschen untereinander einen Gesellschaftsvertrag abschließen. Auf diese Weise wird ein Gewaltmonopol bei einem durch diesen Vertrag begünstigten Herrscher generiert, wodurch das Volk geschützt werden soll. 14 In Bezug zu den anderen - nicht weiter ausgeführten - Theoretikern soll angemerkt werden, dass sie Variationen aufweisen im Hinblick auf den Naturzustand - also der Zeit vor Abschluss des Vertrages - wie auch moralische Schwerpunkte. Ihnen gleich ist - und dies in Abgrenzung zu bspw. den griechischen Philosophen der Antike - dass die
„Instanz zur der Regulierung [..] die menschliche Vernunft [ist], die in Unabhängigkeit von göttlichen oder natürlichen Kräften ein System politischer Beziehungen in Verfolgung bestimmter 15 Zwecke konstruiert.“
Der Mensch ist an diesem Punkt zur Erkenntnis gelangt, dass nicht eine göttliche Ordnung, sondern dass allein der menschliche Wille und seine Vernunft die Beziehungen untereinander regelt.
13 Vgl. Blum, Wilhelm/Rupp, Michael/Gawlina, Manfred: Politische Philosophen. 3., neu erweiterte Aufla-
14 Vgl.Bauer: Entstehung, S. 3.
15 Bauer: Entstehung, S. 3.
Arbeit zitieren:
Dipl.-Staatswiss. (Univ.) Martin Thiem, 2005, Die Gesellschaftsmodelle von Emile Durkheim, München, GRIN Verlag GmbH
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