Umgang mit Heterogenit at im Musikunterricht 1
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und
Uberblick 2
1.1 Was ist Heterogenit at? 2
1.2 Heterogenit at als Chance? 3
1.3 Was bedeutet Didaktische Differenzierung? 3
1.4 Zielsetzung der vorliegenden Arbeit 4
2 Heterogenit at im Musikunterricht 5
2.1 Ethnische, sprachliche und kulturelle Unterschiede 5
2.2 Jugendliche Subkulturen 7
2.3 Physiologische und gesundheitliche Differenzen 9
2.4 Interesse an Musik 10
3 M oglichkeiten der individuellen F orderung 12
3.1 Aktives Musizieren 12
3.2 Musiktheorie 14
3.3 Musikgeschichte 15
Quellenverzeichnis 18
2 Umgang mit Heterogenit¨ at im Musikunterricht
1 Einleitung und ¨ Uberblick
1.1 Was ist Heterogenit¨ at?
Im Kontext der P¨ adagogik ist mit dem Begriff der Heterogenit¨ at die Verschiedenheit von Lernenden, in der Regel Sch¨ ulern, in einer Gruppe gemeint. Den Bezugspunkt stellen in der Regel Eigenschaften dar, die als relevant zum Lernen gelten. Besonders h¨ aufig diskutiert werden Aspekte der Begabung, der schulischen Leistung, des Alters, des Geschlechts oder der kulturellen Hintergr¨ unde der einzelnen Sch¨ uler.
In jeder Schulklasse, jedem Lehrerkollektiv, jeder erdenklichen Gruppe von Personen gibt es Heterogenit¨ at. In unserem deutschen Schulsystem liegt die Tradition sehr tief verankert, eben diese Heterogenit¨ at zu vermeiden und den Gegensatz dessen anzustreben: m¨ oglichst homogene Gruppen. Doch selbst bei einem solchen Versuch ist lediglich die Varianz eines konkreten Merkmals angeglichen. So k¨ onnten beispielsweise geschlechtshomogene Gruppen oder, wie es im Schulalltag in der Regel geschieht, altershomogene Gruppen gebildet werden. Selbst wenn verschiedene Merkmale im Fokus der Betrachtungen stehen und nach eben diesen Eigenschaften sortiert wird, etwa alle deutschen M¨ anner im Alter von 30 Jahren, die gern Sushi essen, einen Golf fahren und Hausbesitzer sind, selbst hier gibt es keine Homogenit¨ at. Die Personen sind sich bez¨ uglich mehrerer Merkmale sehr ¨ ahnlich, doch verengt sich der Betrachtungswinkel entsprechend und diese M¨ anner sind bei weitem nicht alle gleich, sondern haben vermutlich signifikante Differenzen in ihren Hobbys oder Lebensgewohnheiten. Vollst¨ andig homogene Gruppen zu schaffen ist demnach unm¨ oglich, lediglich die Einordnung in eine Gruppe, die homogen bzgl. einer oder mehrerer Eigenarten ist, ist denkbar.
Betrachten wir die deutschen Schulen, so wird traditionell das Ziel einer m¨ oglichst homogenen Klasse angestrebt. Den Ursprung zu dieser Denkweise hat bereits Johann Friedrich Harbart (1776-1841) mitbegr¨ undet indem er sinngem¨ ass sagte, in der “Verschiedenheit der K¨ opfe” liege das zentrale Problem des Unterrichts. Doch gerade in den Anfangsjahren der Schulzeit ist ein solches Vorhaben bestenfalls utopisch. Bestenfalls deshalb, weil es erziehungswissenschaftlich noch ungekl¨ art ist, ob ein hohes Mass an Homogenit¨ at ¨ uber-
3 Umgang mit Heterogenit¨ at im Musikunterricht
haupt erstrebenswert ist. Nicht nur Entwicklings-, Leistungs- oder ethnische Unterschiede bringen die Kinder in die 1. Klasse mit sondern vor allem v¨ ollig unterschiedliche Wissensvoraussetzungen. Wer es sich leisten kann, der kann sein Kind bereits in den Vorschulunterricht schicken, so dass es m¨ oglicherweise schon lesen und schreiben kann wenn es eingeschult wird, andere Kinder wiederum hatten eine l¨ angere ungezwungene Kleinkindheit und gew¨ ohnen sich nur schwer an den Schulrhythmus, bringen also bereits weniger Vorwissen mit und sind zudem noch langsamer im Fortschritt. Zu diesem Zeitpunkt k¨ onnen uber keine der Kinder verl¨ assliche Aussagen bez¨ uglich Intelligenz oder Bef¨ ahi¨
gung getroffen werden. Stattdessen muss ein Weg gefunden werden, alle Kinder voranzubringen.
1.2 Heterogenit¨ at als Chance?
Seit einigen Jahren wird im Forschungsbereich der Eriehungswissenschaft ¨ uber
die Alternative zu traditionell angestrebter Homogenit¨ at in Schulklassen diskutiert. Heterogenit¨ at m¨ oge als Chance verstanden werden. Die Sch¨ uler haben in einem gemischten Umfeld die M¨ oglichkeit, vielseitig von ihren Mitsch¨ ulern zu lernen und auf ¨ ausserst verschiedene Art und Weise sich Wissen anzueignen. Es gibt Vertreter f¨ ur beide Positionen, jedoch haben nicht zuletzt die Ergebnisse der PISA-Studien von 2000 und der Folgejahre gezeigt, dass eine Heterogenit¨ at in der Klasse, die sich sowieso nicht vermeiden l¨ asst, durchaus als Lernvorteil genutzt werden kann.
1.3 Was bedeutet Didaktische Differenzierung ?
Bei heterogenen Gruppen, besonders in Schulklassen, unterscheiden sich die Sch¨ uler neben verschiedenen Faktoren vor allem auch in ihrer Leistungsf¨ ahigkeit. Dabei muss es sich nicht zwingend um kognitive Aspekte handeln. Oft spielen auch Arbeitstempo, Schreibgeschwindigkeit, unterschiedliches Detailinteresse oder Schwierigkeiten der eigenen ¨ Ausserung eine grosse Rolle. In solchen
Situationen stellt sich die Frage, ob denn in besonders heterogenen Klassen jeder einzelne, f¨ ur sich genommen, genausoviel vom Unterricht mit nach Hause nimmt wie alle anderen. In dieser Frage liegt die Herausforderung der didak- tischen Differenzierung. Angesetzt wird bei den unterschiedlichen F¨ ahigkeiten
4 Umgang mit Heterogenit¨ at im Musikunterricht
und Leistungsniveaus der Sch¨ uler mit dem Ziel, jeden genau an der Stelle und mit der Intensit¨ at zu f¨ ordern, wie der Sch¨ uler es braucht. Eine solche individuelle F¨ orderung der Sch¨ uler kann auf unterschiedliche Weise realisiert werden. Der Lehrer kann in seiner Anleitung/Zuwendung dem Sch¨ uler gegen¨ uber variieren, ebenso kann die Differenzierung ¨ uber unterschiedliche Lernhilfen und Unterrichtsmaterial erfolgen. Voraussetzung hierbei ist ein sehr guter Kenntnisstand der Sch¨ uler. Besonders gut f¨ ur eine individuelle F¨ orderung eignen sich dann Variationen der Geschwindigkeit, des Taktgef¨ uhls und der Gr¨ undlichkeit, mit der gearbeitet werden kann.
1.4 Zielsetzung der vorliegenden Arbeit
In der vorliegenden Arbeit werden M¨ oglichkeiten aufgezeigt, sich als Lehrer im konkreten Fach Musik die Heterogenit¨ at der Sch¨ uler zunutze zu machen und als didaktisches Mittel einzusetzen. Einige der angesprochenen Varianten sind nicht spezifisch an den Musikunterricht gebunden und lassen sich auf andere F¨ acher ebensogut ¨ ubertragen.
Dar¨ uber hinaus gibt es auch im Musikunterricht M¨ oglichkeiten der individuellen F¨ orderung der Sch¨ uler. Diese gestalten sich jedoch deutlich anders als in anderen F¨ achern, da im Fach Musik die Interessen, Vorerfahrungen und jeweiligen Kenntnisst¨ ande in der Regel stark auseinander gehen.
5 Umgang mit Heterogenit¨ at im Musikunterricht
2 Heterogenit¨ at im Musikunterricht
Dass ein Lehrer ein grosses Mass an Toleranz und Akzeptanz an den Tag legen muss ist selbstverst¨ andlich. Die soziale Kultur von Jugendlichen (und teilweise auch schon von Kindern) ist so schnellem Wandel unterzogen, dass es nahezu unm¨ oglich ist, sich ¨ uber jeden Trend, jeden musikalischen Hit und jede jugendliche Wortneusch¨ opfung zu informieren, um auf dem aktuellen Stand der Sch¨ uler zu sein. Genaugenommen ist es nat¨ urlich nicht Pflicht des Lehrers, ebendies zu tun, jedoch ist in der Regel die Akzeptanz des Lehrers erheblich h¨ oher bei den Sch¨ ulern, wenn er sich bem¨ uht, sie zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen.
Unter Umst¨ anden bietet ein konkretes Schulfach Hilfestellungen, um die durch Heterogenit¨ at bestehenden Grenzen zwischen den Sch¨ ulern untereinander und auch gegen¨ uber dem Lehrer auf kommunikative Weise zu ¨ uberwinden und sich, ohne sich von etwas ¨ uberzeugen lassen zu m¨ ussen, auszutauschen
und ins Gespr¨ ach zu kommen. Im Folgenden ist eine Reihe von beispielhaften M¨ oglichkeiten gegeben, mit verschiedenen Arten von Heterogenit¨ at im Musikunterricht umzugehen und sie in den Unterrichtsablauf thematisch einzugliedern.
2.1 Ethnische, sprachliche und kulturelle Unterschiede
In Abh¨ angigkeit des Schulstandortes sowie der unmittelbaren Lage steht die Zahl der Nationalit¨ aten, die in einer Klasse vertreten sind. 2003 waren 10% aller Sch¨ uler in Deutschland Einwandererkinder 1 . Es gibt Gebiete, in denen alle Sch¨ uler einer Klasse deutscher Herkunft sind und es keine sprachlichen Verst¨ andigungsprobleme gibt, aber der umgekehrte Fall ist auch anzutreffen, besonders in Ballungsgebieten. Berlin hat 38 Schulen, in denen der Prozentsatz uber 80% liegt 2 . nichtdeutscher Sch¨ uler ¨
Um im Musikunterricht solche Differenzen sinnvoll zu thematisieren, muss geschaut werden, ob im konkreten Aspekt der Unterschiedlichkeit der Sch¨ uler ein Bezug zur Musik zu finden ist. Nationalit¨ aten sind immer auch mit einer eigenen Nationalhymne verkn¨ upft. In herkunftsheterogenen Klassen bietet es
1 Der Spiegel, Artikel “Schlechte Noten f¨ ur Integration”, September 2003
2 Berliner Morgenpost, 17.07.2005
Arbeit zitieren:
Bertram Becker, 2008, Umgang mit Heterogenität im Musikunterricht, München, GRIN Verlag GmbH
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