Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
Vorwort 6
Einleitung 7
1 Motivation 9
2 Begriffsbestimmung 12
2.1 Dolmetschen und Dolmetsch-Arten 12
2.1.1 Konsekutivdolmetschen 14
2.1.2 Simultandolmetschen 15
2.1.3 Verhandlungsdolmetschen 16
2.1.4 Flüsterdolmetschen 17
2.1.5 Gerichtsdolmetschen 17
2.1.6 Konferenzdolmetschen 18
2.2 Spielfilm vs. Dokumentarfilm 19
2.2.1 Der Spielfilm 20
2.2.2 Der Dokumentarfilm 20
2.3 Stereotype und Klischees 20
2.3.1 Stereotype 21
2.3.2 Klischees 21
3 Analysemethode 22
4 Filme 25
4.1 Charade von Stanley Donen (1963) 25
4.1.1 Über den Regisseur: Stanley Donen 25
4.1.2 Einführung in den Film 26
4.1.3 Audrey Hepburn als EURESCO-Dolmetscherin Regina „Reggie“ Lampert 27
4.1.3.1 Persönlichkeits- und Charakteranalyse 27
4.1.3.1.1 Reggie als Witwe 27
4.1.3.1.2 Reggie als Opfer 28
4.1.3.2 Zum Dolmetschen 29
4.1.3.2.1 Berufskompetenz/Professionalität 30
4.1.3.2.2 Berufsethik 32
4.1.3.3 Zusammenfassung 33
4.2 Die Dolmetscherin von Sydney Pollack (2005) 33
Inhaltsverzeichnis
3
4.2.1 Über den Regisseur: Sydney Pollack 33
4.2.2 Einführung in den Film 34
4.2.3 Nicole Kidman als UN-Dolmetscherin Silvia Broome 35
4.2.3.1 Persönlichkeits- und Charakteranalyse 35
4.2.3.1.1 Kindheit 35
4.2.3.1.2 Silvia Broome die Aktivistin 36
4.2.3.1.3 Die neue Silvia Broome 37
4.2.3.1.4 Silvia und Tobin 39
4.2.3.2 Zum Dolmetschen: Silvia Broome als „perfekte“ UN-Dolmetscherin 40
4.2.3.2.1 Im Einsatz 41
4.2.3.2.1.1 Berufskompetenz/Professionalität 42
4.2.3.2.1.1.1 Sprachkompetenz 43
4.2.3.2.1.1.2 Kulturkompetenz 44
4.2.3.2.1.1.3 Rollenauffassung 45
4.2.3.2.1.2 Berufsethik 46
4.2.3.2.2 Die Frau mit den vielen Gesichtern: Zum Identitäts- und Kulturkonflikt 46
4.2.3.2.3 Das Instrument Stimme 47
4.2.3.2.4 Silvia Broome findet ihre eigene Stimme 47
4.2.3.3 Zusammenfassung 48
4.3 Die Flüsterer von Christian Beetz und David Bernet (2005) 49
4.3.1 Über die Regisseure: Christian Beetz und David Bernet 50
4.3.2 Einführung in den Dokumentarfilm 50
4.3.3 Die wichtigsten Themen 50
4.3.4 Vorstellung der Protagonisten 51
4.3.4.1 Angela Drösser 51
4.3.4.2 Dieter Heffner 52
4.3.4.3 Edaly Gassama 53
4.3.4.4 Edgar Weiser 55
4.3.4.5 Michel Lesseigne 55
4.3.4.6 Nathalie Reichert 56
4.3.4.7 Patricia Vander Elst 57
4.3.4.8 Sarah Celerier 58
4.3.4.9 Werner Zimmermann 58
4.3.5 Zusammenfassung 59
5 Fiktion vs. Realität: Eine vergleichende Analyse zwischen den
Spielfilmen , dem Dokumentarfilm und der Dolmetschwissenschaft 61
5.1 Ausbildung und Berufsperspektive 61
5.2 Berufskompetenz/Professionalität 62
5.3 Zur Rolle von Dolmetschern 66
5.4 Berufsethik 68
Inhaltsverzeichnis
4
5.5 Identitäts- und Kulturkonflikt 71
5.6 Dolmetscher und Stress 72
5.7 Zum Status/Image von Dolmetschern 73
5.8 Dolmetscher in supranationalen Organisationen 76
5.8.1 Europäische Union 77
5.8.2 UNO 78
5.9 Dolmetschen: Ein gefährlicher Beruf? 81
6 Zur Filmrezeption 82
7 Schlussfolgerung 84
Literaturangaben 87
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1. Spektrum der Dolmetschwissenschaft von Pöchhacker (Pöchhacker
2000:120)
Abb. 2. Begriffsabgrenzung (Diana Klein 2007:9)
Abb. 3. Das Grundmodell der Filmanalyse (Faulstich 2002:27)
Abb. 4. Analysemodelle für Spielfilm und Dokumentarfilm
Abb. 5. Charade von Stanley Donen
Abb. 6. Reggie trauert um ihren Ehemann (Donen 1963)
Abb. 7. Panthollow bedroht Reggie (Donen 1963)
Abb. 8. Reggie beim Dolmetschen (Donen 1963/01:23:58)
Abb. 9. Reggie lässt sich von Adam ablenken (Donen 1963)
Abb. 10. Die Dolmetscherin von Sydney Pollack
Abb. 11. Silvia Broome bei einer Demonstration (Pollack 2005/01:27:54)
Abb. 12. Die neue Silvia Broome (Pollack 2005)
Abb. 13. Silvia trifft sich mit Kuman-Kuman (Pollack 2005)
Abb. 14. Silvia und Tobin kommen sich näher (Pollack 2005/01:19:43)
Abb. 15. Silvia in der Kabine (Pollack 2005/0:06:34)
Abb. 16. Silvia beim Gesprächsdolmetschen (Pollack 2005)
Abb. 17. Silvia will sich an Zuwanie rächen (Pollack 2005)
Abb. 18. Die Flüsterer (2005)
Abb. 19. Angela Drösser beim Simultandolmetschen (Beetz/Bernet 2005)
Abb. 20. Dolmetschen unter schwierigen Arbeitsbedingungen in Afria
(Beetz/Bernet 2005)
Abb. 21. Dolmetscher bereiten sich auf ihren Einsatz vor (Beetz/Bernet 2005)
Abb. 22. Dolmetschen im Europäischen Parlament (Beetz/Bernet 2005)
Abb. 23. Prüfungstag an der ETI in Genf (Beetz/Bernet 2005)
Abb. 24. Die „goldene Zeit“ des Dolmetschens (Beetz/Bernet 2005)
Abb. 25. Werner Zimmermann ermöglicht die Kommunikation zwischen Chirac
und Schröder (Beetz/Bernet 2005)
Abb. 26. Kompetenzanforderungsmodell für Dolmetschen (Pöchhacker 2000:45)
Abb. 27. The Effect of Stress on Performance (AIIC 2002:34)
Abb. 28. 3-„Welten“-Schema der Dolmetschwissenschaft (Pöchhacker 2000:124)
Abb. 29. Numbers of Interpreters employed at major international organizations
(Phelan 2001:3)
Vorwort 6
Vorwort
An dieser Stelle möchte ich mich gebührend bei meiner Betreuerin PD Dr. Dörte Andres für die hilfreichen, anregenden Gespräche sowie für die Zurverfügungstellung relevanter Literatur bedanken.
Mein Dank gilt auch meiner ganzen Familie, Familie Heu. In Esslingen gilt mein herzlichster Dank dem ganzen Team Dolmetschen der Daimler AG, das mich motiviert hat, die Diplomarbeit zu schreiben. Ein besonderer Dank gilt der Familie Schindelwig für die interessanten Gespräche und die stetige Unterstützung.
Einleitung 7
Einleitung
Bereits im 19. Jahrhundert stellte Karl May Dolmetscher 1 in seinen Reiseerzählungen dar. Diese wurden stets mit Dienern gleichgestellt, die fast immer nur die Nebenrolle spielten und sehr oft als unehrliche, illoyale Menschen dargestellt wurden (vgl. Karl May 1952:5f.). Im 21. Jahrhundert der Multipolarität, der Globalisierung, der politischen, kulturellen und sogar sozialen Verflechtung jedoch sind Dolmetscher unentbehrlich geworden, da sie maßgeblich zu einer reibungslosen Kommunikation zwischen verschiedenen Gesprächspartnern beitragen. So verwundert es auch nicht, dass diese bis jetzt „unbekannten Wesen“ plötzlich vermehrt in literarischen Werken, in Spiel- und Dokumentarfilmen und sogar in neuen TV-Formaten wie Doku-Soaps, Seifenopern usw. dargestellt werden, wo sie aus dem Hintergrund, also aus ihrer Nebenrolle, heraustreten, um als Hauptakteure mitten im Geschehen zu fungieren (vgl. Andres 2008a:5).
Auch wenn diese Werke interessant und unterhaltsam sind, stellt sich vielmehr für uns die Frage, wie Dolmetscher dabei dargestellt werden und welchen Einfluss solche Werke auf das Publikum haben. Werden Stereotype und Klischees dadurch propagiert? Sind Dolmetscher illoyale Menschen? Sind sie innerlich verstört, da sie doch entwurzelt sind? Sind Dolmetscher Lügner? Wie ist es um die Berufsethik bestellt? Sind Dolmetscher frivole Menschen? Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, diese und weitere Fragen anhand dreier Filme zu untersuchen, wobei das Augenmerk lediglich auf die Thematik in den ausgewählten Filmen gerichtet sein wird und nicht auf die umfangreiche Wissenschaft in diesem Bereich.
Im ersten Teil werden die für diese Arbeit relevanten Begriffe erläutert, während der zweite Teil die Analysemethode darstellen wird. Der dritte Teil ist der Vorstellung und Analyse der einzelnen Filme gewidmet, mit Schwerpunkt auf den Dolmetschern und auf das Dolmetschen. Im vierten Teil wird anschließend eine vergleichende Analyse zwischen den fiktionalen Filmen, dem realitätsnahen Dokumentarfilm und den wissenschaftlichen Erkenntnissen durchgeführt im Hinblick auf die Themen, die in den Filmen besprochen wurden: Berufskompetenz und Professionalität, Berufsethik, Identitäts- und Kulturkonflikt, Rolle und Status von Dolmetschern, Dolmetscher in Stresssituationen,
1 Um die Arbeit leserfreundlich zu gestalten, wurde auf eine durchgehende Nennung beider Geschlechter verzichtet. Wo nur die männliche oder weibliche Form verwendet wird, kann davon ausgegangen
werden, dass immer auch das andere Geschlecht gemeint ist.
Einleitung 8
Dolmetscher in supranationalen Organisationen unter anderem. Der letzte Teil befasst sich schließlich mit dem Thema Filmrezeption, also damit, wie Filme auf Zuschauer wirken und wie die Wahrnehmung der Zuschauer dadurch beeinflusst wird.
1 Motivation 9
1 Motivation
Die Idee zu dieser Diplomarbeit entstand, nachdem ich folgenden Artikel 2 auf www.uebersetzerportal.de gelesen hatte:
2 Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die Verfasserin mit diesem Artikel keineswegs die Absicht verfolgt, die Debatte über Übersetzer und Dolmetscher zu entfachen. Der Artikel wurde alleine
aus dem Grund gewählt, weil er bestimmte Aspekte der Typisierung enthält, die für die Arbeit rele-
vant sind.
1 Motivation 10
Auch wenn dieser Artikel von einem Brancheninsider verfasst wurde, zeigt er trotzdem, welche Assoziationen mit dem Dolmetscherberuf gemacht werden: Die Presse spricht von Sprachakrobaten, Sprachengenies bzw. Sprachtalenten: einige Arbeitgeber, denken Dolmetscher und Fremdsprachensekretäre seien dasselbe, in dem zitierten Artikel kann man lesen, dass Dolmetscher „schlampig“ dolmetschen und sich für „Alleskönner“ halten. Der Dokumentarfilm Die Flüsterer (2005) beschreibt seinerseits Dolmetscher als „Samurais unter den Sprachkundigen“, und andere Menschen sind wiederum der Meinung, dass Dolmetscher nur Papageien seien, wie Paul, Dominiques (die Dolmetscherin) Freund in dem Roman The Interpreter von Suzanne Glass denkt: „I mean I know you are brilliant at what you do. But you can be a parrot at home, as much you can here. Can’t you?” (Glass 2003:126). Es fällt einem auf, dass die Begriffe Dolmetschen und Dolmetscher alle möglichen Assoziationen hervorrufen, teils wird der Beruf mit Prestige assoziiert, wie es in dem Artikel auch zu lesen ist, teils mit „Geschwafel“, sonst nichts; darüber berichtet auch der französische Dolmetscher Michel Lesseigne in dem Dokumentarfilm Die Flüsterer, wenn er darüber erzählt, was seinen Vater von dem Beruf hält: „[...] Bezahlen sie dich immer noch für diesen Beruf, in dem du nichts tust als reden?“ (Beetz/Bernet 2005/0:01:40-0:01:46).
Man könnte sich zu Recht fragen, warum die Meinungen derart unterschiedlich sind und warum ein derart klischeehaftes Bild des Dolmetscherberufs in der Gesellschaft vorherrscht. Der Artikel erweckt den Eindruck, dass Dolmetscher selbst daran schuld seien, dass man zum Beispiel denkt, sie seien „arrogant“. Aber was ist mit dem Rest der Gesellschaft, zum Beispiel mit denjenigen Menschen, die denken, Dolmetscher täten nichts anderes, als die Worte anderer nachplappern? Oder warum erwarten einige Menschen,
1 Motivation 11
dass eine Dolmetscherin stets wie ein Topmodel aussieht? Dieses Bild wird oft über die Massenmedien vermittelt. Heutzutage suchen nur wenige Menschen nach richtigen In-formationen. Wie viele Menschen schauen sich die Programme von Arte, 3Sat, ZDF oder ARD an? Wie viele interessieren sich noch für Kultur oder authentische Dokumentation? Viele suchen lieber nach Unterhaltung und so gehen einige Menschen jetzt schon so weit zu glauben, die Bilder aus Filmen und TV-Serien entsprächen der Realität. Ist das aber der Fall? Besteht die primäre Funktion des Films darin zu informieren? Und wenn überhaupt, worüber? Wie bereits in der Einleitung erwähnt, wird mit dieser Arbeit versucht, zwischen Fiktion und Realität zu vergleichen, um zu erfahren, wie Dolmetscher in den (ausgewählten) Filmen dargestellt werden und ob dieses Bild der Realität entspricht.
2 Begriffsbestimmung 12
2 Begriffsbestimmung
2.1 Dolmetschen und Dolmetsch-Arten
Das Bertelsmann-Wörterbuch der deutschen Sprache definiert den Begriff Dolmetscher als „jmd., der (meist beruflich) beim Gespräch zwischen Personen verschiedener Sprachen übersetzt […]“ (Bertelsmann 2004:343). Um diese etwas vage Definition deutlicher zu machen, erscheint es an dieser Stelle angebracht, ein Zitat von Otto Kade heranzuziehen:
Unter Dolmetschen verstehen wir die Translation eines einmalig (in der Regel mündlich) dargebote-nen Textes der Ausgangssprache in einen nur bedingt kontrollierbaren und infolge Zeitmangels kaum
korrigierbaren Text der Zielsprache (Kade 1968:35).
Obwohl diese Definition von Kade aus dem Jahre 1968 stammt, bleibt sie heute immer noch aktuell: Weil die Dimension der Mündlichkeit bei Kade nicht im Vordergrund steht, schließt die oben erwähnte Definition auch das Gebärdensprachdolmetschen mit ein. Vielleicht sollte man noch hinzufügen, dass das Dolmetschen sich nicht alleine auf die sprachliche Ebene beschränkt, sondern auch kulturelle Kenntnisse und Weltwissen erfordert (vgl. Schmitt 2003:3). Der Beruf des Konferenzdolmetschers (Dolmetscher, die simultan bzw. konsekutiv bei Konferenzen oder Sitzungen tätig sind), wie er heute definiert wird, ist laut Feldweg in diesem Jahrhundert entstanden; die Tätigkeit des Dolmetschens ist jedoch alt, so alt, dass man das Dolmetschen als „das zweitälteste Gewerbe der Welt“ bezeichnet (vgl. Feldweg 1996:7). Aber trotz dieser Erkenntnis ist es bis heute kaum möglich, den Ursprung des Dolmetschens mit Genauigkeit festzulegen. Ein Grund dafür ist, wie viele Autoren bereits erkannt haben, dass es kaum schriftliche Beweise gibt, die von Dolmetschern zeugen, und man außerdem erst spät damit angefangen hat, die geschichtliche Entwicklung des Dolmetschens 3 zu verfolgen. Vielleicht gibt es auch deshalb keine schriftlichen Nachweise, weil es zwar bereits „Dolmetscher“ damals gab, aber keine richtige Berufsbezeichnung für diese, sondern es sich dabei eher um Sklaven, Diplomaten, Menschen, die zweisprachig aufgewachsen waren, usw. handelte, die dann aufgrund ihrer Zweisprachigkeit bzw. Mehrsprachigkeit als Dolmetscher herangezogen wurden (vgl. Bowen et al. 1995:243f.; Phelan 2001:1 und Pöchhacker 2004:159). Heute hat sich das Dolmetschen zu einem selbständigen Berufs-
3 Mehrund ausführlich zur Geschichte des Dolmetschens bei Bowen et al. 1995; Jesús Baigorri Jalón (2000); Andres 2008a (mit Verweis auf relevanter, weiterführender Literatur).
2 Begriffsbestimmung 13
feld entwickelt, mit universitärer Ausbildung, Berufsverbänden, Berufskodex, und es existiert heute sogar in verschiedenen Formen, wie z.B. Community Interpreting/Kommunaldolmetschen/Community-Dolmetscher 4 , Gebärdensprachdolmetschen, Mediendolmetschen 5 , Teledolmetschen, Gerichtsdolmetschen 6 (siehe hierzu auch Phelan 2001 und Snell-Hornby et al. 2003). Phelan meint dazu, dass es eigentlich nur drei Dolmetschmodi gebe, nämlich Bilateral- oder Liaison-, Konsekutiv- und Simultandolmetschen, und dass sich alle Sonderformen des Dolmetschens hauptsächlich aus diesen Hauptformen herausgebildet hätten (vgl. Phelan 2001:3, 12). In seinem Buch Handbuch der Notizentechnik für Dolmetscher Teil I unterscheidet Matyssek dagegen zwischen drei bzw. vier Arten des Dolmetschens: Verhandlungs- oder Geschäfts- oder Verkehrsdolmetschen (inklusive Betreuungsdolmetschen), Konferenzdolmetschen 7 (Simultan-und Konsekutivdolmetschen) und Simultandolmetschen (inklusive Flüsterdolmetschen 8 ) (vgl. Matyssek 2006:7). Man stellt bei Matyssek fest, dass das Konsekutivdolmetschen nicht als eine Hauptform gezählt wird, sondern Teil des heute aktuellen Oberbegriffs „Konferenzdolmetschen“ im Gegensatz zu Simultandolmetschen ist.
Abb. 1. Spektrum der Dolmetschwissenschaft von Pöchhacker (Pöchhacker 2000:120)
4 Andres (2008) benutzt den Ausdruck „Community-Dolmetscher“ und distanziert sich somit von dem englischen Begriff „Community Interpreting“, da dieser Begriff im deutschen Sprachraum noch keine
allgemeingültige Definition bzw. keine 1:1-Entsprechung gefunden habe. Pöchhacker (2000) unter-
scheidet beispielsweise zwischen zwei Dolmetschpolen: das Konferenzdolmetschen (internationale
Ebene) und das Kommunaldolmetschen (intrasozietäre Ebene), wobei Letzeres das Gerichtsdolmet-
schen einschließen solle (vgl. Andres 2008a:396ff.).
5 Pöchhacker (1994:3) schließt damit das Simultandolmetschen in Rundfunk und Fernsehen, bei Satellitenkonferenzen, über Telefon u.a. ein. 6 Siehe Abschnitt 2.1.5. 7 Siehe Abschnitt 2.1.6. 8 Siehe Abschnitt 2.1.4.
2 Begriffsbestimmung 14
Pöchhackers Spektralmodell lässt eine klare Trennung zwischen Dolmetschmodus bzw. Dolmetschart und Einsatzbereich, z.B. Konferenzdolmetschen, erkennen. Damit wird eindeutig festgelegt, dass Konsekutiv-, Simultan- und Flüsterdolmetschen unter Dolmetschmodi fallen, während Konferenz-, Medien-, Kommunaldolmetschen unter anderem der Kategorie „Bereich/Institution“ zuzuordnen sind. Die folgende Schilderung basiert auf Pöchhackers Modell, wobei lediglich diejenigen Dolmetschmodi und Dolmetschsettings dargelegt werden, welche für diese Arbeit relevant sind.
2.1.1 Konsekutivdolmetschen
Ein Teil der Definition zum Konsekutivdolmetschen ist bereits im Wort konsekutiv enthalten, was so viel bedeutet wie anschließend oder „zeitlich nachfolgend“ (Duden 2003). Beim Konsekutivdolmetschen erfolgt die Verdolmetschung im Anschluss an dem gehörten Textsegment. Der Dolmetscher sitzt dabei im gleichen Raum wie der Redner, hört sich die Rede bzw. einen Redesegment an, macht sich währenddessen Notizen und steht anschließend auf, um die Rede in der Zielsprache zu wiedergeben. Dabei wechseln sich Redner und Dolmetscher ab, bis die Rede zu Ende ist (vgl. Gile 1995:12 und Phelan 2001:9). Da die Gedächtniskapazität beim Konsekutivdolmetschen stark beansprucht wird, bedient sich der Dolmetscher spezieller Notizentechniken als Gedächtnisstütze (vgl. Kalina 1998:23), wobei die Art der Notizen von Dolmetscher zu Dolmetscher sehr unterschiedlich ist.Phelan betont darüber hinaus, dass die Verdolmetschung keine Zusammenfassung des Gesagten, sondern eine vollständige Wiedergabe der Rede sei (vgl. Phelan 2001:9).
Der erste offizielle Einsatz von Konsekutivdolmetschern erfolgte 1919 bei der Pariser Friedenskonferenz (vgl. Bowen et al. 1995:246). Wie Feldweg und Phelan berichten, herrschte bis 1919 Französisch als Sprache der Diplomatie und des zwischenstaatlichen Verkehrs vor. In Französisch wurden Verhandlungen geführt. Dies sollte sich jedoch nach dem Ersten Weltkrieg ändern, als Englisch als Verkehrssprache aufgenommen wurde. Da die französische Sprache nun ihre herrschende Position verloren hatte, brauchte man Dolmetscher bei der Pariser Friedenskonferenz, um für Persönlichkeiten wie den damaligen US-Präsident Woodrow Wilson und den britischen Premierminister Lloyd George, die kein Französisch verstanden, die Gespräche ins Englische zu dolmetschen (vgl. Feldweg 1996:8 und Phelan 2001:2). Phelan berichtet außerdem, dass einige der eingesetzten Dolmetscher die einzigartige Fähigkeit aufzeigten, eine 50-minütige Rede lückenlos wiederzugeben (Phelan 2001:2). Mit dem Aufstieg des Simultandolmetschens ist zwar die Nachfrage nach Konsekutivleistungen zurückgegangen, das Konse- kutivdolmetschen bleibt jedoch wichtiger Bestandteil der Dolmetscherausbildung und
2 Begriffsbestimmung 15
wird außerdem als Einstellungstest bei vielen Organisationen angewendet (vgl. Phelan 2001:9).
2.1.2 Simultandolmetschen
Pöchhacker (2003) beschreibt das Simultandolmetschen als „die spektakulärste Erschei-nungsform des Dolmetschens“ (Pöchhacker 2003:301), wahrscheinlich deshalb, weil das „gleichzeitige Hören und Sprechen [zwar] relativ leicht zu erlernen ist, [jedoch setzt das Simultandolmetschen] vielmehr die “Fähigkeit voraus, die kognitiven Ressourcen situationsadäquat so zu nutzen und zu verteilen, daß die gestellte Aufgabe, d.h. die kontinuierliche Wiedergabe der Ausgangsrede unter bestmöglicher Wahrung des kommunikativen und informativen Gehalts, bewältigt werden kann“ (Rumprecht 2008:162). Der Begriff Simultandolmetschen selbst bezeichnet jene Dolmetschform, bei der „die Verdolmetschung nicht erst nach, sondern während des verstehenden Aufnahme der ausgangssprachlichen Rede produziert wird“ (Pöchhacker 2003:301), wobei man zwischen dem Simultandolmetschen ohne technische Anlagen (z.B. Flüsterdolmetschen) und dem Simultandolmetschen mithilfe technischer Anlagen (Kabinendolmetschen) unterscheiden sollte (vgl. Pöchhacker 2003:301). Da der Terminus Flüsterdolmetschen später in der vorliegenden Arbeit aufgegriffen werden soll, konzentriert sich dieser Abschnitt auf das Kabinendolmetschen. Bei diesem Dolmetschmodus sitzt der Dolmetscher in einer ortsfesten oder mobilen schalldichten Kabine, hört sich die Rede über Kopfhörer an, und spricht seine Verdolmetschung fast gleichzeitig in ein Mikrofon, damit die Teilnehmer die Verdolmetschung über ihre Kopfhörer empfangen können (vgl. Pöchhacker 2003:301 und Gile 1995:12). Da Simultandolmetschen höchste Konzentration erfordert, arbeiten Dolmetscher meist zu zweit bzw. zu dritt in jeder Kabine und wechseln sich alle 30 Minuten ab (vgl. Phelan 2001:7). Nach der Gründung des Völkerbunds im Jahre 1919 wurden immer mehr Dolmetscher benötigt, um für Verständigung zu sorgen. Das Konsekutivdolmetschen stellte jedoch aufgrund des „erheblichen Zeitaufwands“ ein Problem dar, so suchte man nach Möglichkeiten, diesen Zeitfaktor zu überwinden (Pöchhacker 2003:301). Dies sollte mit der Erfindung der ersten Simultananlage (das Filene-Finlay-System) durch Edward Filene (einen amerikanischen Geschäftsmann), Gordon Finlay (Ingenieur in Elektronik) und Thomas Watson (damaliger Präsident von IBM) realisiert werden (vgl. Phelan 2001:2 und Pöchhacker 2003:301). Dieses System wurde erstmals 1927 bei der Konferenz der Internationalen Organisation für Arbeit (I-LO) angewendet (vgl. Pöchhacker 2003:301). Technische Probleme führen jedoch dazu, dass das Simultandolmetschen seinen richtigen Durchbruch erst fast 20 Jahre später erleben konnte, nämlich bei den Nürnberger Kriegsprozessen (20. Nov. 1945 - 1. Okt. 1946), wo fast 40 Dolmetscher die Kommunikation in den vier Verhandlungssprachen
2 Begriffsbestimmung 16
Deutsch, Englisch, Französisch und Russisch ermöglichten (vgl. Feldweg 1996:13 und Phelan 2001:2). Der Aufstieg des Simultandolmetschens hatte, so Phelan, Änderungen bezüglich Rolle und Status von Dolmetschern zur Folge:
The interpreter’s role also changed as the interpreter moved from a very visible, high profile position
as consecutive interpreter to being a voice from a booth at the back of a venue (Phelan 2001:2).
2.1.3 Verhandlungsdolmetschen
Der Ausdruck Verhandlungsdolmetschen ist laut Sylvia Reinart (2009:413) „weit gefasst“. Diese Aussage findet sich bei Martin Grünberg (2003) wieder, der hinzufügt, dass das Verhandlungsdolmetschen „auf das Dolmetschen in diversen, mehr oder weniger formellen Gesprächssituationen bezogen“ (Grünberg 2003:316) wird. Außerdem erfolgt die Verdolmetschung zwar meist konsekutiv, jedoch ist nicht auszuschließen, dass andere Dolmetschformen, wie das Flüsterdolmetschen und andere Mischformen angewendet werden (Grünberg 2003:317). Verhandlungsdolmetscher bzw. Gesprächsdolmetscher kommen hauptsächlich bei „diplomatischen, wirtschaftlichen (geschäftlichen) und politischen Verhandlungen und Gesprächen“ (Grünberg 2003:316) zum Einsatz. Und anders als beim Kabinendolmetschen,
sitzt nicht der Dolmetscher […] in der Kabine, sondern ist inmitten der Gesprächspartner physisch präsent [er] ist ein vollwertiges Mitglied des Teams, das mit allen übrigen Delegationsmitgliedern Kontakt und mit dem Sprecher oder Verhandlungsführer Tuchfühlung und sogar Flüsterverbindung hat (Grünberg 2003:316).
Wichtig ist dabei, dass der Dolmetscher eine günstige Sitzposition wählt, so dass er die Gespräche gut verfolgen kann und von allen Teilnehmern auch verstanden wird, ohne dass diese den Kopf ständig hin und her bewegen müssen (vgl. Grünberg 2003:316f.). Wie Reinart und Grünberg anmerken, besteht die Möglichkeit, das Verhandlungsdolmetschen „unilateral“ (in einer Translationsrichtung), wenn jede Partei ihren eigenen Dolmetscher mitbringt, oder „bilateral“ (in beiden Translationsrichtungen), wenn der anwesende Dolmetscher für die beiden Parteien dolmetschen soll, zu realisieren (vgl. Reinart 2009:414, Grünberg 2003:316). Die Anforderungen, die an den Dolmetscher gestellt werden, sind nach Grünbergs Auffassung in einigen Fällen hoch, zum Beispiel wird beim „unilateralen“ Verhandlungsdolmetschen absolute Unparteilichkeit verlangt und sehr gute Kenntnisse sowohl der Ausgangssprache als auch der Zielsprache erwartet. Darüber hinaus wird vom Dolmetscher Kulturkompetenz erwartet, damit er nicht nur die Worte, sondern vielmehr die Gedanken des Gesprächspartners wiedergeben kann (vgl. Grünberg 2003:317f.). Ferner soll die Verdolmetschung, je nach Situation, sehr präzise sein: bei Geschäftsverhandlungen zum Beispiel müssen „Zahlen, Quali-
2 Begriffsbestimmung 17
tätsmerkmale, Fristen, Konventionalstrafklausen“ (Grünberg 2003:318) mit großer Genauigkeit formuliert werden, während Gespräche oder Verhandlungen mit technischen Themen „die Beherrschung der Fachausdrücke und der speziellen Formulierungsweise“ voraussetzen (Grünberg 2003:318).
2.1.4 Flüsterdolmetschen
Flüsterdolmetschen, auch chuchotage im Fachjargon genannt, bezeichnet, so Gile, „das Simultandolmetschen ohne Kabine“ (Gile 1995:12). Bei diesem Dolmetschmodus, der als Urform des Simultandolmetschens betrachtet wird (vgl. Pöchhacker 2003:301), sitzt der Dolmetscher meistens hinter dem Adressaten und flüstert diesem seine Verdolmetschung ins Ohr. Phelan (2001) betont jedoch, dass diese Dolmetschform sehr anstrengend für die Stimme sei und die Dolmetscher nicht flüstern würden, sondern vielmehr sehr leise sprächen, um ihre Stimme zu schonen (vgl. Phelan 2001:12). Diese Dol-metschform richtet sich an sehr kleine Zuhörergruppen. Bei größeren Gruppen werden oft Personenführungsanlagen (PFA) 9 angewendet. Selbst mit diesen Funkanlagen bleibt das Flüsterdolmetschen anstrengend: Dadurch, dass die Umgebungsgeräusche nicht gedämpft werden, ist der Dolmetscher doch oft gezwungen, sehr laut zu sprechen, damit ihn seine Zuhörer überhaupt verstehen können. Dieser Dolmetschmodus wird oft bei Gruppen-, Werks- und Stadtführungen sowie bei Betriebs- und Museumsbesichtigungen eingesetzt.
2.1.5 Gerichtsdolmetschen
Anders als die oben genannten Modi, ist das Gerichtsdolmetschen kein Dolmetschmodus, sondern − wenn man an dieser Stelle auf Pöchhackers Spektralmodell zurückgreift − eine Dolmetschform, die innerhalb eines definierten Einsatzbereichs bzw. einer definierten Institution (Gericht) realisiert wird. Offiziell entstand das Gerichtsdolmetschen „im Rahmen der Nürnberger Prozesse“ (Driesen 2003:31). Für Pöchhacker (2000) fällt das Gerichtsdolmetschen unter dem von ihm geprägten Begriff Kommunaldolmetschen, als Teil des intrasozietären Dolmetschens (vgl. Pöchhacker 2000:39). Dies rührt möglicherweise daher, dass ein Großteil der Menschen, die Gerichtsdolmetscher benötigen, Minderheitsgruppen angehören, nämlich Migranten, Asylbewerber o.Ä. Ein weiterer Grund könnte darin liegen, dass es in Europa noch keine geregelte Definition des Einsatzbereiches von Gerichtsdolmetscher gibt, so dass nicht klar definiert ist, ob das Gerichtsdolmetschen Teil von Community Interpreting ist. In den USA wird dies anders gehandhabt: Das Gerichtsdolmetschen wird als eine eigenständige Disziplin angesehen genauso wie das Konferenzdolmetschen (vgl. Pöllabauer 2005:6). Eine klare Unterscheidung nach Roberts sei in diesem Bereich vonnöten. Roberts (1993) unterscheidet
9 Tragbare Funkanlagen bestehend aus Mikrofon und Kopfhörern (vgl. auch Pöchhacker 2004:19).
2 Begriffsbestimmung 18
nämlich nach „Legal Interpreting als Überbegriff für Dolmetschhandlungen in außergerichtlichen Settings („informal legal settings“) und Court Interpreting (Gerichtsdolmetschen) als Überbegriff für Dolmetschhandlungen im eigentlichen Gerichtsumfeld“ (ebd.). Zusätzlich zur Debatte über die adäquate Qualifikation von Gerichtsdolmetschern werden Stimmen laut, die eine genauere Festlegung der Rolle von Dometschern fordern.
2.1.6 Konferenzdolmetschen
Auch wenn die Fachliteratur übereinstimmend über die Geburtsstunde des Konferenzdolmetschens berichtet, nämlich 1919 auf der Genfer Friedenskonferenz (vgl. hierzu Strolz 2003:308 und Pöchhacker 2004:28), konnte sich bislang keine allgemeingültige Definition des Begriffs durchsetzen, zumal die Meinungen auseinander gehen, was Konferenzdolmetschen ist und was dazu gehören soll (siehe hierzu auch Strolz 2003:308). Diese Uneinigkeit entstand vielleicht, weil das Konferenzdolmetschen in vielen Ländern nicht geregelt ist bzw. die Berufsbezeichnung nicht geschützt ist, so dass viele Übersetzer, Verhandlungsdolmetscher, Gelegenheitsdolmetscher und auch Diplomaten als „Konferenzdolmetscher“ fungieren (vgl. Gile 1995:12 und Strolz 2003:310). Die wahrscheinlich älteste Definition zum Konferenzdolmetschen wurde 1984 von dem Internationalen Verband der Konferenzdolmetscher AIIC wie folgt formuliert:
A conference Interpreter is a person who by profession acts as a responsible linguistic intermediary (alone or more often as a member of a team) in a formal or informal conference or conference-like situation, thanks to his or her ability to provide simultaneous or consecutive oral interpretation of participants' speeches, regardless of their length and complexity (AIIC 1984:21).
Wie Matyssek (2006) so definiert auch Gile (1995) das Konferenzdolmetschen als eine Dolmetschform, die das Simultandolmetschen und das Konsekutivdolmetschen einschließt, mit dem Unterschied, dass Gile das Flüsterdolmetschen dazuzählt (vgl. hierzu Matyssek 2006:8 und Gile 1995:12). Ferner grenzt Gile das Konferenzdolmetschen von den anderen Dolmetschformen ab, indem er klarstellt, dass das Konferenzdolmetschen anspruchsvoller sei, da die Konferenztexte der Ausgangssprache eine komplexe Struktur aufweisen, darüber hinaus in einer gehobenen Sprache formuliert seien und der Konferenzdolmetscher demzufolge imstande sein müsse, die gleiche gehobene Struktur und Sprache in der Zielsprache beizubehalten (vgl. Gile 1995:12). Ein anderes Unterscheidungsmerkmal sind für Gile die Themen- und Informationsflut, die beispielsweise im Rahmen von Konferenzen, Kolloquien, Seminaren, Staatsbesuchen, Rundfunk- und Fernsehsendungen besprochen werden, bezogen auf die Informationsmenge, und wie fachbezogen diese Informationen gestaltet seien (vgl. Gile 1995:12). Auf der Website
2 Begriffsbestimmung 19
des Bundesverbands der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), unter dem Menüpunkt: Der Beruf →Dolmetscher, kann man folgende Definition lesen:
Konferenzdolmetscher (KD) - Dolmetscher, die sämtliche Dolmetschtechniken - Simultandolmetschen, Konsekutivdolmetschen, Gesprächsdolmetschen und Flüsterdolmetschen - sicher beherrschen. Bei der Organisation einer zu verdolmetschenden Veranstaltung stehen sie Auftraggebern gegebenenfalls als beratende Dolmetscher zur Seite (BDÜ 2010).
Ausgehend von diesen Definitionen und von Giles Unterscheidungsmerkmalen lässt sich konstatieren, dass Konferenzdolmetscher mindestens die zwei Hauptmodi (konsekutiv und simultan) perfekt beherrschen, dass sie ferner in der Lage sind, sich in komplexe Themen und Textstrukturen − unabhängig davon wie lang diese Texte sind − einzuarbeiten, und schließlich, dass sie vorwiegend auf hochrangigen Konferenzen arbeiten. Strolz (2003) gibt darüber hinaus an, dass professionelle Konferenzdolmetscher daran erkannt werden, dass sie auf dem AIIC-Verzeichnis der professionellen Konferenzdolmetscher namentlich aufgeführt sind (vgl. Strolz 2003:310).
2.2 Spielfilm vs. Dokumentarfilm
Die Filmgeschichte wurde maßgeblich von den Brüdern Auguste und Louis Lumière sowie von Georges Méliès geprägt. Während die Brüder Lumière den Film als Möglichkeit sahen, Realität darzustellen, indem sie beispielsweise Arbeiter filmten, die gerade eine Fabrik verließen, empfand Méliès den Film als eine Möglichkeit, „Realität zu verändern“ (Kretzschmar 2002:162). Die Filmgeschichte war nun in zwei Kategorien aufgeteilt, nämlich in Dokumentarfilme einerseits und in Spielfilme andererseits (vgl. Kretzschmar 2002:162). Götzke/Knüppel (2009) stellen in ihrem Buch Die Veränderung dokumentarischer Formate durch die DV-Technologie: Schneller, näher persönlicher fest, dass eine scharfe Definition des Begriffs „Dokumentarfilm“ nicht möglich sei, weil die Übergänge zum Spielfilm inzwischen sehr fließend seien (vgl. Götzke/Knüppel 2009: 9ff.). Da dieses Thema jedoch nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist, wird an dieser Stelle lediglich die Abgrenzungstabelle von Diana Klein (2007) herangezogen, um daraus eine Definition der beiden Begriffe abzuleiten.
Arbeit zitieren:
Jenny Abou'ou, 2010, Dolmetscher in den Filmen "Die Flüsterer", "Charade" und "Die Dolmetscherin", München, GRIN Verlag GmbH
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