Justus - Liebig - Universität Gießen
Seminar : Niederländische Pädagogik nach dem 2. Weltkrieg
Beispiel der normativ-praktischen
Pädagogikkonzeption J. M. Langevelds
Thema : Die pädagogischeund psychologische Bedeutung von
Phantasiewelten am Beispiel des Märchens
Name : Cornelia Geske
Die pädagogische und psychologische Bedeutung von Phantasiewelten am Beispiel des Märchens
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung in die Thematik
2. J. M. Langeveld : Die „geheime Stelle“ im Leben des Kindes
2.1 Einleitung
2.2 Der Dachboden
2.3 Die Zeit
2.4 Einsam ist man nur in der Welt
2.5 Die Stelle wird bestimmt
2.6 Körper und Raum
3. Bezug der wissenschaftlichen Theorien Langevelds zur modernen
Kinderliteratur am Beispiel Astrid Lindgrens „Mio, mein Mio“
3.1 Stellung des Buches „Mio, mein Mio“ innerhalb der
Kinderliteratur
3.2 Darstellung des Inhaltes
3.3 Vorkommen der Thesen Langevelds in der Kinderliteratur am
Beispiel „Mio, mein Mio“
4.1 Die psychologische und pädagogische Notwendigkeit von Märchen - allgemeine
Betrachtung
4.2 B. Bettelheim : „Kinder brauchen Märchen“
4.2.1 Einblick in die Thesen Bettelheims
4.2.2 Die Bedeutung des Märchens für die Psyche und das Leben des
Kindes
4.2.1 Anregung der Phantasie
4.2.2 Entwicklung des Verstandes
4.2.3 Klärung von Emotionen
4.3 Die psychologische und pädagogische Notwendigkeit der Identifikation des Kindes
mit dem Helden im Märchen
5. Resümee
6. Literaturverzeichnis
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Die pädagogische und psychologische Bedeutung von Phantasiewelten am Beispiel des Märchens
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1. Einführung in die Thematik
Die Bedeutsamkeit der Phantasiewelt und die Kraft des Märchens, ist meiner Meinung nach eine Thematik, die in der heutigen Zeit keinen Platz mehr findet. Doch sind es gerade die Phantasie - und Märchenwelten, die das Kind bei seinem Entwicklungsprozeß zu einer reifen Persönlichkeit entscheidend unterstützen. In meinen folgenden Ausführungen möchte ich, anhand der Thesen Langevelds und Bettelheims und des Beispiels aus der Kinderliteratur, diese Behauptung erläutern.
2. J. M. Langeveld : Die „geheime Stelle“ im Leben des Kindes 2.1 Einleitung
In seinen anthropologischen Studien verweist Langeveld ausdrücklich auf das Bedürfnis des Kindes nach Freiraum und unbestimmten Dingen - „das Unbestimmte“ - um ihren Bestrebungen einer individuellen Welt - und Selbstgestaltung nachzukommen. Im Schutz der vetrauten Umgebung verbirgt sich die „verborgene Stelle“, die als Eingang in eine fremde Welt anvanciert.
2.2 Der Dachboden
Insbesondere Orte, die von der pragmatischen Apostrophierung der Erwachsenenwelt ignoriert wurden, ermöglichen den Eintritt in die fremde Welt und die geheime Stelle. Dachböden, tiefe und leere Wandschränke aber auch das Versteck hinter einer schweren Gardine werden vom Kind bevorzugt als geheime Stelle in Besitz genommen. Diese unbekannte Welt der geheimen Stelle gehört nur dem Kind und ist gewissermaßen isoliert vom übrigem Haus - sie hat ihre eigene Dimension und ihr eigenes Leben . Nutzgegenstände des Alltags wirken durch ihre Vetrautheit in der Phantasiewelt wesensfremd , doch sobald sie ihre Relevanz im Alltagsgeschehen verlieren, wie die Gegenstände des Dachbodens, können ihnen eine unbegrenzte Anzahl an Bedeutungen beigemessen werden.
Wird die geheime Stelle jedoch verlassen, so hüllt sie sich erneut in Schweigen und behütet sorgfältig das Geheimnis des Kindes.
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Die pädagogische und psychologische Bedeutung von Phantasiewelten am Beispiel des Märchens
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2.3 Die Zeit
An der geheimen Stelle verlieren Raum und Zeit ihre Dimension - ursprünglichen physikalischen Gesetze sind aufgehoben, die Uhrzeit gerät in Vergessenheit und das Kind läßt sich ein auf „das inhaltloses Dahinfließen, das keinem Zeitmaß untersteht“ (Langeveld, Schule als Weg des Kindes : 77).
2.4 Einsam ist man nur in der Welt
Durch das Zurüchziehen in die geheimen Stelle signalisiert das Kind seiner Umwelt, daß es sich bewußt dem Alleinsein hingibt. Es ist ein Ort des Friedens, da hier keine menschliche Begegnung stattfindet. In dem Augenblick, da das Kind die geheime Stelle betritt, ist es in das Niemandsland eingetreten, es befindet sich auf der anderen Seite. Dieses Niemandsland kann nur der betreten, der bereit ist sich seinen Illusionen hinzugeben und in seiner Phantasiewelt dahinzufließen. Langeveld beschreibt dies als ein Moment, in dem „der Unterschied zwischen äußerer und innerer Welt in völliger Verschmelzung zu einer persönlichen Welt gelöst wird“ (Schule als Weg des Kindes : 89). Jene persönliche Welt ist die
Phantasiewelt des Kindes, in der es friedliche Gefühle der Geborgenheit, Vertrautheit und der Inimität mit dem schon längst Bekannten erfährt. In dieser, von Vetrautheit und Geborgenheit geprägten Welt, begegnet das Kind sich selbst und seinen Urängsten, die es mit Hilfe seiner Phantasie bewältigt, und zwar nach den Normen der Phantasiewelt, die allerdings ihrem Wesen nach von der realen Welt sind ( vgl. auch 3.3). Die Welt ist dem Kind ausgeliefert und das Kind der Welt (vgl. Langeveld, Schule als Weg des Kindes : 92). Obwohl sich das Kind in seiner Phantasiewelt verliert, ist sie dennoch geordnet und systematisiert. Durch die Tätigkeit des Kindes wird das Unpersönliche des Dachbodens in einen eigenen, geheimen Ort verwandelt, dessen Geheimnis im wesentlichem aus dem Geheimnis des Eigenen besteht.
Das Geheiminis des Eigenen kann das Kind aber nur in einem Niemandsland gewinnen, das außerhalb der Bereiche des Alltags und Streites liegt; ein alltäglicher Nutzgegenstand verbirgt nichts Unbestimmtes, keine Geheimnisse, wodurch ein Verlassen der zeitlichen und räumlichen Dimensionen und ein Entziehen der Beobachtung durch andere unmöglich wird. Erst wenn das Kind bereit ist, seine Beziehungen und Absichten zu Menschen und Dingen der Umwelt aufzugeben, erlebt es die tröstliche Geborgenheit seiner Phantasiewelt.
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Arbeit zitieren:
Dipl. Päd., Andragogin Cornelia Leistner, 1997, Beispiel der normativ-praktischen Pädagogikkonzeption J. M. Langevelds, München, GRIN Verlag GmbH
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