BHAKTI BEI VENGAL CHAKKARAI I NDEX
I. INDEX
R a h m e n
I. Index I
II. Vorbemerkung. II
II.a Kontextbestimmung II
II.b Forschungsfragen II
II.c Rechtfertigung bzgl. Formalia III
III. Verwendete Literatur. IV
III.a Primärquellen IV
III.b Monografien IV
III.c Aufsätze in Sammelbänden und Zeitschriften V
III.d Artikel in Lexika und Nachschlagewerken V
H a u p t t e i l
1. Wichtige Begriffe und Phänomene 1
1.1 Bhakti 1
1.2 Devotionalismus 2
1.3 Sprachverwirrung? - Eine Problemskizze 3
1.4 Inkarnation und Avatāra 4
1.5 „Bhakti -Avatāras“ 4
2. Die Theologie Chakkarais 5
2.1 Wichtige Aspekte 6
2.2 Gotteserkenntnis durch Erfahrung 7
2.3 Der Erfahrungsinhalt: Christus im Herzen 8
2.4 Historische Forschung 10
2.5 Christologische Begründung 11
2.5.1 Jesus Christus und Heiliger Geist 11
2.5.2 Historischer Jesus und pneumatischer Christus 13
3. Zusammenfassung und Fazit 14
I
Vengal CHAKKARAI steht mit seiner theol. Konzeption im Spannungsverhältnis zweier unterschiedlicher relig. Systeme bzw. Traditionen. Es sind dies a) der Hinduismus und b) das Christentum. 1 Sein theol. Denken zeichnet sich durch Kreativität und Eigenständigkeit aus und sucht die V e r m i t t l u n g z w i s c h e n h i n d u i s t i s c h - i n d i s c h e r T r a d i t i o n u n d d e m W e g w e s t l i c h e r T h e o l o g i e . 2 Das Anliegen CHAKKARAIs liegt dabei si- cherlichdarin, „das Indische“ - in Abgrenzung zum ansonsten in der christl. Theologie weitgehend dominierenden Weg des Westens - stark zu machen. Mit diesem besonderen Ort CHAKKARAIs theol. Urteilsbildung will sich diese Arbeit beschäftigen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf dem Konzept Bhakti, anhand dessen die Bemühungen CHAK- KARAIs umeine indische Theologie exemplarisch deutlich werden.
Das theol. Denken CHAKKARAIs, welches in zahlreichen Schriften Niederschlag gefunden hat, leistet nicht nur einen wichtigen Beitrag für das indische Christentum, sondern fordert auch die westliche Theologie, i n d e r e n T r a d i t i o n a u c h d e r V e r f a s s e r d i e s e r A r b e i t s t e h t , durch z.T. wertvolle Fragestellungen heraus.
II.b FORSCHUNGSFRAGEN
Aus vorausgehenden Worten ergeben sich folgende Fragenkomplexe: Was versteht man unter Bhakti? Mit welchen Themen wird Bhakti verknüpft?
1 An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, dass vieles dagegen spricht, von Hinduismus oder von Chris-
tentum im Singular zu sprechen. E i n e s o l c h e A u s d r u c k s w e i s e s u g g e r i e r t e i n e E i n h e i t -l i c h k e i t i n n e r h a l b d e r j e w e i l i g e n R e l i g i o n s f a m i l i e , d i e e m p i r i s c h u n d g e -s c h i c h t l i c h n i c h t v o r f i n d l i c h i s t . S o g i b t e s d a s C h r i s t e n t u m n i c h t , s o n d e r n
l e d i g l i c h e i n e V i e l f a l t a n C h r i s t e n t ü m e r n . Diese Pluralität lässt sich bereits seit den An-fängen der Christenheit feststellen, weswegen etwa François VOUGA vom „Begriff der ‚frühen Christentü-mer‘“ spricht. Er hält diese Redeweise für sachgemäß. Ebenso ist auch der Hinduismus vers chiedenartig aus-gestaltet. Der Begriff Hinduismus bezeichnet viel eher eine Anhäufung von unterschiedlichen relig. und so-
ziokulturellen Phänomenen, die jedoch gemeinsame Praktiken und Glaubensinhalte kennen und durch ein g e-
meinsames Erbe verbunden sind, als eine Einheit. Es ist daher m.E. dringend nötig, auf diese Problematik hin-
zuweisen. Vgl. u.a. KÖRTNER, Menschen, 46 u.ö; MARKSCHIES, Theologie, 5f; v.a. VOUGA, Geschichte, 13
u.ö; für den Hinduismus v.a. PIANO, Religion, 14-16.
2 Der Weg westlicher Theologie ist wesentlich vom Europeanismus bzw. Eurozentrismus geprägt. Der Euro-
peanismus ist eine Ausprägung des Imperialismus. Er ist gekennzeichnet durch (1) die Annahme der Überl e-
genheit eur. Zivilisation und Kultur und (2) den Anspruch, diese eur. Zivilisation und Kultur auf andere Län-
der der Erde auszubreiten zu dürfen. CHAKKARAI leistet insofern keineswegs nur Vermittlungsarbeit, sondern
vielmehr einen notwendigen indischen Beitrag gegen den fortdauernden Europeanismus im theologischen
Denken. Vgl. PODINJAREKUTTU, Movement, 109.
II
BHAKTI BEI VENGAL CHAKKARAI V ORBEMERKUNG
Auf welche Weise ist der Begriff Bhakti direkt oder indirekt in der Konzeption CHAK- KARAIs präsent?Wo liegen die Vergleichspunkte zwischen hinduistischer Bhakti-Frömmigkeit und der Bhakti-Theologie CHAKKARAIS?
Welche Thesen CHAKKARAIs fordern die westliche Theologie heraus? Wo geht er einen eigenständigen Weg? Was sind zentrale Problemfelder in der Theologie CHAKKARAIs?
II.c RECHTFERTIGUNG BZGL. FORMALIA
Die hier vorliegenden Thesen zur Theologie CHAKKARAIS beziehen sich auf ausgewählte Aspekte, die mit der Bhakti-Frömmigkeit zusammenhängen und für sein Denken maßgeblich sind. Eine umfangreichere Auseinandersetzung mit seiner Theologie ist im Rahmen einer derartigen Seminararbeit nicht möglich. Auf einen biographischen Teil wurde zugunsten einer eingehenderen Auseinandersetzung mit theol. Fragestellungen verzichtet. 3 Der Fokus liegt auf dem theol. Denken CHAKKARAIS. Als Textgrundlage dient die zweibändige Werkausgabe von P.T. THOMAS, die glücklicherweise in Wien zur Verfügung steht.
Es wurde versucht, bei sämtlichen deutschen Begriffen weitestgehend eine genderfaire Ausdrucksweise zu wählen. Der Begriff Bhakta wird jedoch in dieser Arbeit als Fremdwort für beide Geschlechter gebraucht und als generisches Maskulinum geführt.
In den Fußnoten dieser Seminararbeit werden ausschließlich Kurztitel verwendet, die sich nach dem ersten sinnvollen Substantiv des Werktitels richten. Im Literaturverzeichnis sind genauere Angaben aufgeführt.
Abkürzungen richten sich i.d.R. nach:
SCHWERTNER Siegfried M., Internationales Abkürzungsverzeichnis für Theologie und Grenzgebiete, Berlin/New York 2 1992. Wo es notwendig ist, wird zudem hierauf zurückgegriffen: REDAKTION der RGG 4 (Hg.), Abkürzungen Theologie und Religionswissenschaft nach RGG 4 , Tübingen 2007.
3 Ein knapper Überblick zum Leben CHAKKARAIS, dem eine Analyse seiner Theologie folgt, findet sich bei
Robin BOYD. Hugald GRAFE gibt eine gute biographische Zusammenschau des indischen Theologen-Trios
CHAKKARAI, CHENCHIAH und APPASAMY. Eine Zusammenfassung des Selbstzeugnisses CHAKKARAIS, v.a. zu
seiner Bekehrung, ist bei Herwig WAGNER zu finden. Hinzuweisen ist auch auf die ausführliche Einleitung
zur Werkausgabe von P.T. THOMAS, die das Leben und Wirken CHAKKARAIS thematisiert, sowie auf den
knappen Artikel von Frieder LUDWIG. Vgl. BOYD, Theology, 165f; GRAFE, History, 168-175; LUDWIG, Art.
Chakkarai, 92; WAGNER, Erstgestalten, 214f; THOMAS, Introduction, 1-41.
III
Es ist notwendig, am Beginn dieser Arbeit einige Begriffe zu klären und Phänomene zu beschreiben, die im Hinduismus und in der theol. Konzeption CHAKKARAIs eine Rolle spielen.
1.1 BHAKTI
Bhakti ist ein Begriff in Sanskrit und kann mit Teilhabe, Hingabe oder Liebe übersetzt werden. Er bezeichnet eine besondere, sehr persönliche Form der Gottesanbetung bzw. Gotteserfahrung, die seit dem 7. Jahrhundert in Südindien und ab dem 12./13. Jahrhundert auch in Nordindien anzutreffen ist. Die Bhakti-Frömmigkeit spielt heute in der Volksreligiosität Indiens eine maßgebliche Rolle, da sie grundsätzlich auch für Frauen und Angehörige unterer Kasten offensteht. 4
Die Kaste ist bekanntlich eine zentrale Kategorie sozialer Unterteilung in Indien, die ein hierarchisches Gefälle kennt. Unter einer Kaste (Jāti) versteht man eine soziale Gruppe, die sich als endogame Gemeinschaft (Geburtsgemeinschaft) begreift. Sie zeichnet sich meist durch einen gemeinsamen Beruf der Mitglieder, eine gemeinsame Sprache bzw. einen gemeinsamen Dialekt, gemeinsames Brauchtum oder eine gemeinsame Herkunft aus und agiert untereinander stark solidarisch. Verschiedene Faktoren können zu einer Durchlässigkeit oder Umbildung der Kasten führen. Einer dieser Faktoren war seit jeher die Bhakti -Frömmigkeit. 5
Kerstin GUDERMUTH hat eine durchaus einprägsame und treffende Definition des Begriffes Bhakti gefunden. Sie versteht darunter „ d i e s e l b s t l o s e , e m o t i o n a l e H i n g a b e a n G o t t , d i e e i n M i t t e l z u s p i r i t u e l l e r E r f a h r u n g i s t , d e r e n h ö c hs t e s Z i e l d i e V e r g e g e n w ä r t i g u n g G o t t e s i s t . “ 6
Gott wird in der Bhakti-Frömmigkeit stark anthropomorph gedacht. Die Gottesvorstellung setzt also ein personhaftes Gegenüber voraus, das verehrt wird und dem man sich hingibt. Sie kennt Gott weder als selbstständige Macht, die gänzlich außerhalb der menschlich fassbaren Welt und Vorstellung liegt, noch als eine Macht, die das gläubige Subjekt gänzlich in
4 Vgl. METTE, Love, 289f; MICHAELS, Art. Bhakti, 1403.
5 Vgl. STEIN, Christentum, 33-44.
6 GUDERMUTH, Kultur, 65.
1
BHAKTI BEI VENGAL CHAKKARAI W ICHTIGE BEGRIFFE UND PHÄNOMENE
sich einschließt. 7
Traditionell unterscheidet man im Hinduismus drei spirituelle Wege bzw. Pfade („Frömmigkeitstypen“), die zur Gotteserkenntnis führen. Dies sind a) K a r m a - m a r g a , der Pfad der Werkgerechtigkeit, bei dem das wichtigste Element das Handeln bzw. die relig. Ethik ist, b) J n a n a - m a r g a , der Pfad der rechten Erkenntnis, der primär auf die relig. Reflexion bedacht ist, und zuletzt c) B h a k t i - m a r g a , der Pfad der Liebe, der die relig. Verehrung, Andacht sowie Hingabe in den Mittelpunkt stellt. 8 Bhakti ist demnach als einer der grundsätzlichen Wege zur Gotteserkenntnis anzusehen, die in Indien anzutreffen sind.
1.2 DEVOTIONALISMUS
Bereits an dieser Stelle muss ein weiterer Begriff eingeführt werden, der ein ähnliches Bedeutungsspektrum wie der Begriff Bhakti, wie ihn etwa Kerstin GUDERMUTH definiert hat, umfasst. 9 Es ist dies der Begriff Devotionalismus. Dieser Begriff geht, wie etwa Axel MI- CHAELIS inseinem Werk über den Hinduismus festgestellt hat, Hand in Hand mit dem Be-
griff Bhakti. B e i d e B e g r i f f e b e t o n e n d i e v e r e h r e n d e F r ö m m i g k e i t s h a lt u n g b z w . h i n g e b e n d e D i m e n s i o n d e r G o t t e s v e r e h r u n g u n d k ö n n e n d a h e r n i c h t e i n d e u t i g v o n e i n a n d e r g e t r e n n t w e r d e n . 10
Nachdem festgestellt wurde, was die beiden Begriffe verbindet, soll nun auch der Unterschied zwischen Bhakti und Devotionalismus festgehalten werden: D e v o t i o n a l i s m u s w i r d v i e l e h e r a l s ü b e r g e o r d n e t e r , n e u t r a l e r B e g r i f f a n g e s e h e n . Dieser Begriff wird für Phänomene unterschiedlicher Weltreligionen verwendet. Es ist ein allg. religionssoziologischer Begriff (geworden). Als Beispiel kann der 2009 verstorbene Religionssoziologe Joachim MATTHES dienen, der in seiner zweibändigen Einführung in die Religionssoziologie den Begriff Devotionalismus als e i n e a l l g e m e i n e F o r m r e l i g i ös e r O r i e n t i e r u n g beschreibt, die von Gefühl und Aktivität geprägt ist. 11 Viele nach ihm, sind ihm diesbezüglich gefolgt. Der Begriff Bhakti bezeichnet (anders als Devotionalismus) lediglich einen Frömmigkeitstypus i n n e r h a l b d e s H i n d u i s m u s und ist
7 Vgl. MICHAELS, Hinduismus, 282f.
8 Vgl. ROTHERMUND, Geschichte, 21f.
9 Vgl. hierzu meine Ausführungen in Kapitel 1.1, 1.
10 Vgl. MICHAELS, Hinduismus, 277.
11 Vgl. MATTHES, Einführung, 73.
2
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Bernhard Kirchmeier, 2011, Bhakti bei Vengal Chakkarai, München, GRIN Verlag GmbH
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