Harald J. Marburger
Universität Leipzig
Institut für Romanistik
EROS und THANATOS
Psychoanalytische Untersuchung zu einer Objektbeziehung der Triebe
Teil I.
Seminararbeit für Hauptseminar: „Spanisches Theater des 16./17. Jahrhunderts: Ehre – Ehebruch – Rache- Begehren und Sexualität
WS 1998/99
Hausarbeit vorgelegt von : Harald J. Marburger HF: Kommunikations, - und Medienwissenschaft
1. NF: Hispanistik
INHALT: Seite
1.Einleitung 4 4
2. Das Verhältnis von ICH ÜBER ICH und ES nach Freud und 5
seine Funktionen im psychischen Apparat
2.1 Grundsätzliches 5
2.2 Der Trieb 5
2.2 Modelle des Handelns und des Denkens 6
2.3 Das ÜBER - ICH 7
2.4 Das ES 8
2.5 Das ICH 8
2.6 Verdrängungsmechanismen und Ängste 8
3. EROS und THANATOS Der psychische Prozess nach Zagermann 11
3.1 Subjekt Objekt Trennung des Bewusstseins 11
3.2 Der Ödipus Komplex 11
3.3 Das Vater Imago und seine Funktion 13
3.4 Die Position außerhalb 14
4. Versuch einer Übertragung der Trieblehre auf spezielle spanische 16
Ehrendramen
4.1 Warum die Ehre so bedeutsam war 16
4.2 Ehre und Ehrendramen 17
4.3 Die Frauenrolle im Drama - Substitut des ödipalen Triebphantasmas 19
4.4 Die Blutrache 21
4.5 Ehre als Verdrängungsmechanismus 21
4.6 Schweigen und List als Folge eines Instanzen Konflikts 21
5. Abschließende Betrachtung 23
6. Literaturverzeichnis 25
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1. Einleitung Die spanischen Ehrendramen des 17. Jahrhunderts wurden im Verlauf des Seminars unter einer Reihe von verschiedenen Gesichtspunkten untersucht.
Einer davon ist die psychoanalytische Perspektive.
Dieser liegt ein Werk von Zagermann zugrunde, das auf den Triebtheorien des Struktur – Modells von Freud basiert. Sowohl Freud als auch Zagermann betrachteten die Entstehung des psychischen Apparates unter klinisch –pathologischen Gesichtspunkten. Sexualität in der Psychologie des 19. Jahrhunderts war untrennbar verknüpft mit dem Gedanken an Krankheit. Ganz anders Foucault, der die Sexualität als diskursives System unter einer positiv – neutralen, ja notwendigen Warte aus betrachtet, eng verbunden mit dem Dispositiv der Macht.
Der Ehrbegriff in den Ehrendramen des 17.Jahrhunderts ist oft verknüpft mit archaischen Termen wie „ Sich mit Blut reinwaschen “, „Blutrache “. Die Liebe wird als elementare Kraft dargestellt, “als schicksalhafte Leidenschaft, die keine Gesetzte respektiert und nicht unter Kontrolle gebracht werden kann.“ (Müller: 67) Bestimmten Strategien zur Bewältigung von Ehrenproblemen (Ausschluß der Öffentlichkeit/List) und vor allem der gewalttätige Umgang mit den Frauen allgemein, legen zumindest den Verdacht nahe, dass dahinter Motive (Verdrängung/Sublimation/Projektion) stehen, die psychischen Ursprungs und älter als die bloße Ehrenproblematik sind . Ein weiteres Indiz für diese Art der Interpretation ist die große Bedeutung, die der „Jungfräulichkeit“, der „Unberührtheit“ und „Reinheit“ der Frau zugeschrieben wird.
Im ersten Teil werden wir die Grundlagen der Freudschen Komponentenstruktur und die Wirkungsmechanismen des psychischen Apparates darstellen. Im zweiten Teil gehen wir auf den Ödipus –Komplex und das Zagermannsche Konzept von Eros und Thanatos ein. Im dritten Teil werden wir versuchen, den Bogen zu schlagen und Verbindungen in den Ehrendramen suchen, die auf spezifische psychische Wirkungsmechanismen hinweisen oder denen solche zugrunde liegen könnten.
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2. Das Verhältnis von ICH, ÜBER –ICH und ES nach Freud und seine Funktionen im
2.1 Grundsätzliches
Freud sieht in seinen Überlegungen zum Struktur –Modell den psychischen Apparat als ein dynamisches, konzeptionelles und energetisches Instanzensystem an, in dem das ICH, das ÜBER –ICH und das ES mit sich selbst und der Außenwelt interagieren zum Zweck der intrapsychischen Persönlichkeitsorganisation.
Der psychische Apparat hat folgende Aufgaben:
1. Sicherung des Überlebens
2. Bewahrung des inneren Gleichgewichts (ausgeglichene Lust / Unlust – Bilanz)
3. Bewältigung von Traumas
4. Regulation von Lebensaufgaben
5. Bewahrung und Schutz der psychischen Identität und Individualität
Man kann sich den psychischen Apparat als ein offenes, energetisches System vorstellen. Der Ur –Zustand, der immer wieder angestrebt wird, ist ein homöostatischer Gleichgewichtszustand. Dieser Zustand, dessen reinste Form wir noch im Mutterleib erfahren, wird durch Reize aus der Umwelt gestört. Aufgrund dieser Reize wird im psychischen Apparat ein unlustartiger Erregungszustand ausgelöst, der ausgeglichen werden muß. Diese energetische Ladung ist definiert als Bedürfnis. Aus diesem Bedürfnis entsteht der Trieb. Die Quelle des Triebes ist der psychische oder physische Reiz. (Spannungszustand).
Das Ziel des Triebes ist die Aufhebung des an der Triebquelle vorherrschenden Spannungszustandes
2.2 Der Trieb
Der Trieb ist ein dynamischer, in einem Drang bestehender Prozeß (eine energetische Ladung bzw. ein motorisches Element), der den Organismus auf ein Ziel hinstreben lässt. Er ist angesiedelt im Bereich des ES, auf das wir später noch genauer eingehen werden, und definiert
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als „ein dem belebten Organismus innewohnender Drang zur Widerherstellung eines früheren Zustandes .“ (Freud 1940 : 38) Unter der Triebladung versteht man die unlustvolle Spannung, die vom Bedürfnis herrührt. Der Triebwunsch ist der erlebnismäßige Anteil des Triebes. Dieser Wunsch wird immer dann (und nur dann) zum Verhaltensmotiv, wenn bereits ein Pfad zur Bedürfnis-/Triebbefriedigung existiert, dieser Pfad also früher erlernt wurde. Das bedeutet, dass die Art und Weise wie der Trieb schlussendlich befriedigt wird immer mit den Normen und Konventionen eines Zeitalters verbunden ist, im übertragenen Sinne also mit dem ÜBER – ICH, auf dessen Funktion wir später eingehen werden.
Zur Befriedigung des Triebs stehen uns verschiedene Handlungsmodelle mit jeweils unterschiedlichen Strategien zur Verfügung.
2.2.1 Modelle des Handelns und des Denkens
1. Primärmodell des Handelns
Triebenergie (ES) reflexartige Handlung Befriedigung
Auf der basalen Stufe, die sich größtenteils unbewusst vollzieht, folgt der Triebspannung eine reflexartige, unreflektierte Handlung. Die Voraussetzung dafür ist, dass das Triebobjekt ohne größere Probleme erreichbar ist.
2.Primärmodell des Denkens
Triebenergie (ES) Objekt abwesend Halluzination Befriedigung
Bei der ersten Stufe der reflektierten Handlung ist das Triebobjekt abwesend. Eine Befriedigung wird hier durch Halluzination, d.h. durch die symbolische Repräsentanz des Objektes auf der geistigen Ebene erzielt.
3. Sekundärmodell des Handelns
Triebenergie (ES) ICH Pläne Befriedigung
6
Das Sekundär – Modell des Handelns tritt dann in Kraft, wenn das Triebobjekt nicht sofort erreichbar ist und wenn das ICH in seiner Funktion als Vermittler zwischen Psyche und Realität dazwischengeschaltet werden muß.
4. Sekundärmodell des Denkens
Triebenergie (ES) ICH Triebumleitung Befriedigung
Auf der Ebene des Denkens wird der Trieb, der nicht direkt befriedigt werden kann, da er mit den Anforderungen des ICH’s oder des ÜBER-ICH’s kollidiert, sublimiert und umgeleitet.
Stark vereinfacht betrachtet kann man sich die drei Instanzen des psychischen Apparats als ein Pferdegespann mit einem Kutscher vorstellen. Das ICH ist der Kutscher, das wir bewusst als unsere Persönlichkeit empfinden. Vor den Karren gespannt sind das ÜBER –ICH und das ES, die in ständigem Konflikt miteinander liegen.
Wir wollen nun kurz auf die einzelnen Aufgaben dieser Instanzen eingehen.
2.3 Das ÜBER - ICH
Das ÜBER –ICH bildet sich durch die Erziehung der Eltern heraus und durch die während der Erziehung übernommenen Wertvorstellungen. Es ist die Kontrollinstanz des ICH’s und des ES’s und vereinigt in sich alle Regulative, Normen, Moralvorstellungen, Regeln und Konventionen einer Gesellschaft. Im ÜBER –ICH lokalisiert Freud auch das Gewissen und das Selbst – Ideal. Das Gewissen ist die richterliche Repräsentanz, die Schuldgefühl entstehen lässt und durch Gewissensangst (s.a. Signalangst) straft.
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Magister Artium Harald Marburger, 1999, Eros und Thanatos - Psychoanalytische Untersuchung zu einer Objektbeziehung der Triebe, Munich, GRIN Publishing GmbH
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