Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Begriffserklärung 4
1.1 Perspektive 4
1.2 Textbegriff 4
2. Theater als Translation 6
2.1 Intersemiotische Translation und Intermedialität 6
3. Theaterregisseur als Translator und Theateraufführung als Translat 8
4. Die Perspektive des Regisseur auf den Theatertext 10
4.1 Textinterner Perspektive 10
4.2 Textexterner Perspektive 11
Schlussfolgerung 13
Literaturverzeichnis 14
2
Einleitung
In der vorliegenden Arbeit wird versucht, sich der Theateraufführung aus translationswissenschaftlicher Sicht zu nähern, und dabei die Perspektive des Theaterregisseurs (Translator) auf die Texte zu analysieren. Diesbezüglich lautet die Fragestellung der Arbeit: Welche Faktoren beeinflussen die Perspektive des Regisseurs als Translator auf den Text?
Im Folgenden werden relativ häufig grundsätzliche Begriffe wie „Text“ und „Perspektive“ benutzt, deren genaue Definition nicht unzweifelhaft ist. Da die gründliche und ausführliche Erläuterung dieser Begriffe nicht im Rahmen der vorliegenden Arbeit steht, wird nur versucht die passenden Definitionen angesichts ihrer relevanten Merkmale zu finden, um später ihre Beziehungen zueinander besser verstehen zu können. Insofern widmet sich der erste Teil der Arbeit der Begriffgserklärung.
Um die Theateraufführung im Rahmen der Translationswissenschaft als Translat analysieren zu können, wird folglich auf das Thema „Theateraufführung als Translation“ eingegangen, was offensichtlich auf den interdisziplinären Charakter der Translationswissenschaft hindeutet. Danach wird auf die translatorische Tätigkeit des Theaterregisseurs hingewiesen und demzufolge wird im letzten Teil seine Perspektive auf Theatertext und Faktoren, die seine Perspektive gestalten, untersucht.
3
1. Begriffserklärung
Bevor auf das Hauptthema eingegangen wird, werden hier kurz die Begriffe „Perspektive“ und „Text“ in erster Linie allgemein und anschließend im Rahmen der zum Thema relevanten Disziplinen erläutert.
1.1 Perspektive
Das Wort „Perspektive“ hat mehr als nur eine Bedeutung. Generell kennen wir die Perspektive aus der Malerei als Mittel, dreidimensionale Objekte auf einer zweidimensionalen Fläche darzustellen. Beim Theater bezeichnet die Perspektive die räumliche Tiefe, die durch geschickt perspektivisch gemalte Kulissen erzeugt wird. In der Fotographie ist die Perspektive ein wichtiges und grundlegendes Gestaltungsmittel. Mit ihr werden die Tiefe und Räumlichkeit eines Bildes ausgedrückt. In der Literaturwissenschaft spielt der Begriff „Perspektive“ eine große Rolle. Es existieren verschiedene Erzähltheorien sowie mehrere Modelle von Erzählperspektive. „In der Literaturwissenschaft gibt die Erzählperspektive den Standort an, von dem aus die Geschichte erzählt wird - den Blick, den der Erzähler (und mit ihm ja auch der Leser) auf das Geschehen hat.“(Bücher-Wiki)
Aber im alltäglichen Leben benutzen wir das Wort oft, um den Blickwinkel zu benennen, unter dem wir eine Sache sehen. Diese allgemeine Definition ist hilfreich, die Perspektive des Translators als Rezipient und gleichzeitig Produzent des Textes zu analysieren. Es ist auch zu beachten, dass die Perspektive des Translators von mehreren Faktoren, die später erläutert werden, beeinflusst wird.
Obwohl wir uns täglich mit zahlreichen Textarten auseinander setzen, sei es die Gebrauchsanweisung unserer Waschmaschine, ein Roman, ein wissenschaftlicher Beitrag oder ein Hörbuch, fehlt es aber bislang an einer einheitlichen und allgemein gültigen Textdefinition. Daher hängt unsere Vorstellung vom Textbegriff davon ab, in welchem Rahmen wir uns mit diesem Begriff befassen.
Nach alltagssprachlichem Verständnis werden schriftlich fixierte Äußerungen als Text angenommen. Ein Schritt weiter führt uns zu nicht nur schriftlichen sondern auch mündlichen Äußerungen, die als Text betrachtet werden:
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Die große Anzahl der Definitionen, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, sind im Rahmen des textlinguistischen Aspekts zu finden. Die späteren Definitionen betrachten den Text als ein Kommunikations- und Interaktionsmittel. Nach Siegfried Schmidt sind die Texte in diesem Sinne nicht nur linguistisch erklärbar, sondern über soziokommunikative Kriterien definierbar. (Vgl. Schmidt 1976:145)
Ein Text ist jeder geäußerte Bestandteil eines Kommunikationsaktes in einem kommunikativen Handlungsspiel, der thematisch orientiert ist und eine erkennbare kommunikative Funktion erfüllt, d. h. ein erkennbares Illokutionspotential realisiert." (Schmidt 1976: 150)
Angesichts der mehreren Ansätze und Schulen in der Translationswissenschaft könnte der Textbegriff schon problematisch sein. Aber die Translationswissenschaft stützt sich auf kommunikationsorientierte Forschungsergebnisse der Textlinguistik, z.B. die Sprechakttheorie von Austin und Searle, die Text als komplexe sprachliche Handlung betrachtet. (Vgl. Pöchhacker 1994:91-92) Genau genommen ist das Hauptmerkmal des Textes, das von mehreren translationswissenschaftlichen Ansätzen angedeutet wird und für ihre Forschunsfrage fundamental ist, die Kommunikative Handlung. Auch Christiane Nord beschreibt den Text als „eine Kommunikative Handlung, die durch eine Kombination aus verbalen und nonverbalen Mitteln realisiert wird.“ (2009:16) Ihrer Meinung nach kann bei der Translation „sich gelegentlich die Notwendigkeit ergeben, nonverbale Textteile zu verbalisieren oder umgekehrt.“ (2009:16) Dieser ziemlich große Schritt nach vorne führt uns zur semiotischen Textologie. Dieser Ansatz modelliert den Text als Kommunikativen Zeichenverbund, in den sowohl auditive als auch visuelle Signale eintreffen. (Vgl. Pöchhacker, Franz 1994:95) Christina Gansel definiert unter dem Aspekt der Medien einen erweiterten Textbegriff, der für die Zwecke der vorliegenden Arbeit sehr brauchbar ist:
„Der Text lässt sich also unter mediale Gesichtspunkten einerseits nicht nur auf das sprachlich Formulierte reduzieren, sondern muss anderseits von den Gestaltungsprinzipien des jeweiligen Mediums her betrachtet werden. Vorstellungen von einem visuellen Text gehen davon aus, dass das geäußerte mit der Abbildung eine Einheit bildet und somit erst den Text konstituiert.[...] Unter dem Aspekt der Medialisierung wären zunächst also gesprochener Text, geschriebener Text und visueller Text als Produkte sprachlicher Handlungen zu unterschieden.“ (Gansel, Christina. 2007:16)
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Arbeit zitieren:
Faranak Soleymanzadeh, 2011, Der Regisseur als Translator - Eine translationswissenschaftliche Analyse der Perspektive des Theaterregisseurs auf den Text, München, GRIN Verlag GmbH
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