Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Inhaltsverzeichnis
Tabellenverzeichnis. 3
Abbildungsverzeichnis 4
Vorwort 5
1 Einleitung 5
1.1 Forschungsfragen und Untersuchungsziel. 6
2 Literaturanalyse und theoretischer Bezugsrahmen 8
2.1 Methodisches Vorgehen bei der Literaturrecherche 8
2.2 Harninkontinenz und Kontinenzförderung 8
2.2.1 Der Miktionsablauf 9
2.2.2 Kontinenz und Harninkontinenz 9
2.2.3 Formen der Harninkontinenz. 10
2.2.4 Risiken einer Harninkontinenz. 10
2.2.5 Diagnostik und Einschätzung einer Harninkontinenz 11
2.2.6 Inkontinenzversorgung und Kontinenzförderung. 13
2.3 Wissen, Einstellung und Ansicht in der Pflege inkontinenter Menschen 15
3 Methodik. 23
3.1 Studiendesign 23
3.2 Instrument 23
3.3 Datenerhebung 23
3.4 Datenanalyse 24
4 Ergebnisse 25
4.1 Stichprobe. 25
4.1.1 Alters- und Geschlechtsverteilung. 25
4.1.2 Grundsausbildung, Fort- und Weiterbildung. 26
4.1.3 Berufserfahrung in der Pflege 28
4.2 Wissen zu Urininkontinenz (UI) 29
4.2.1 Wissen nach Alter und Geschlecht 31
4.2.3 Wissen nach Bildung und Berufserfahrung 32
4.3 Einstellung zu Urininkontinenz 35
4.3.1 Einstellung zur UI nach Alter und Geschlecht 37
4.3.2 Einstellungen zu UI nach Aus-, Fort- und Weiterbildung. 39
5 Diskussion und Schlussfolgerung 41
Zusammenfassung 45
Summary 47
Quellenverzeichnis 50
Anhang 53
Seite 1 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Aufl. Auflage bzw. beziehungsweise DNQP Deutsches Netzwerk für Qualität in der Pflege € Euro - „Europäische Währungseinheit“ ed. edition - „Ausgabe“ et al. et alii - „und andere“ etc. et cetera - „und so weiter“ FIT Functional Incidental Training ggf. gegebenenfalls GP Gesamtpopulation ICS International Continence Society IKB Inkontinenzberater/in ISQ-SR-N „Incontinence Stress Questionnaire ± Staff Reaction“ - Instrument Kap. Kapitel KPI Knowledge and Practice Instrument M Mittelwert max. maximal(en) Mio. Million(en) N Anzahl - „numerus“ SD Standardabweichung SGB Sozialgesetzbuch PASW Predictive Analysis SoftWare (ehemals SPSS) PFK Pflegefachkraft RN Registred Nurse LPN Licensed Practical Nurse Tab. Tabelle u. a. und andere/ unter anderem UI Inrininkortinenz UIKS Urinary Incontinence Knowledge Scale vgl. vergleiche vs. versus - „gegen, im Sinne von gegenüber gestellt“ WOCN Wound, Ostomy, Continence Nurses z. B. zum Beispiel
Seite 2 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Tabellenverzeichnis
Tab. 2-1: Geschlechtsabhängige und -unanhängige Risikofaktoren nach Nationalem Expertenstandard, DNQP (2007)......................................... 11 Tab. 2-2: Kontinenzprofile nach Nationalem Expertenstandard, DNQP (2007) ..... 12 Tab. 2-3: Maßnahmen zu Kontinenzförderung, nach DNQP (2007) ...................... 15 Tab. 4-1: Altersverteilung der Gesamtpopulation................................................... 25 Tab. 4-2: Verteilung der Weiterbildungen in der Gesamtpopulation....................... 27 Tab. 4-3: Absolvierte Fortbildungen zum Thema Inkontinenz nach Jahr ............... 27 Tab. 4-4: Verteilung der Fort- und Weiterbildungen nach Pflegeheimen ............... 28 Tab. 4-5: Berufserfahrungen im Wohnbereich ....................................................... 29 Tab. 4-6: Einzelauswertung der UI-Wissensfragen................................................ 30 Tab. 4-7: Wissenscore nach Alter und Geschlecht (t-Test).................................... 31 Tab. 4-8: Score-Werte-Verteilung zu UI-Wissensfragen ........................................ 32 Tab. 4-9: Wissensstand zur UI nach Gesamtpopulation und absolvierter
Fort- und Weiterbildung .......................................................................... 35 Tab. 4-10: Auswertung der Einstellungen zur UI...................................................... 37 Tab. 4-11: Verteilung der geschlechterspezifischen Einstellungen .......................... 38 Tab. 4-12: Einstellung zur Frage 29 nach Fort- und Weiterbildungen...................... 39 Tab. 4-13: Kategorisierung der Einstellungen nach positiver und negativer
Tendenz.................................................................................................. 40 Tab. 4-14: Einstellung-Score im Vergleich zum Bildungsniveau (t-Test) ................. 40
Tab. A-1: Quellennachweis zu den Wissensfragen………………………....…………53
Seite 3 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Abbildungsverzeichnis
Abb. 2-1: Speicher- und Entleerungsfunktion der Blase, nach APOGEPHA (2011). 9 Abb. 2-2: Konzeptionsmodell zu Wissen, Einstellung, Überzeugung und Pflegehandlung der UI, nach Henderson und Kashka (2000)................. 17 Abb. 2-3: Regressionsanalyse zur Kausalität zwischen Wissen, Überzeugung,
Abb. 2-4: Erweitertes Konzeptionmodell zu Wissen, Einstellung und Pflegehandlung zur UI, nach Saxer et al. (2009) .................................... 20 Abb. 2-5: Vergleich der Auswirkungen eines UI-Interventionsprogramms
Abb. 4-1: Alters- und Geschlechtsverteilung .......................................................... 26 Abb. 4-2: Berufserfahrungen in der Pflege ............................................................. 28 Abb. 4-3: Vergleich zwischen Wissenscore und Grundausbildung ........................ 32 Abb. 4-4: Vergeleich zwischen Wissenscore und Berufserfahrung ........................ 33 Abb. 4-5: Einstellung gegenüber der Fragestellung der selbständigen Ansprache einer UI-Problematik durch die Pflege, nach Altersstruktur .. 38
Abb. A-1-2: Original Fragebogen mit personenbezogenen Angaben (oben) und
Wissensfragen (unten)……………………………………...………….…….55 Abb. A-3-4: Fragebogen mit Fragen zur Einstellung - Fragen 1-15 (oben) und Fragen 16-30 (unten)………………………………………………...….56
Abb. A-4: Original Erläuterungsbogen zur Mitarbeiterbefragung (oben)………...….57
Seite 4 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Vorwort
Im dieser Arbeit wird bei vielen Bezeichnungen die männliche Form gewählt. Dies bedeutet keine Diskriminierung weiblicher Stelleninhaber, sondern dient lediglich der Vereinfachung. Diese Bezeichnungen beziehen sich jeweils auf weibliche und männliche Stelleninhaber.
1 Einleitung
Harninkontinenz stellt ein besonders sensibles Thema in der Pflege von pflegebedürftigen Menschen dar. Als Pflegephänomen gewinnt es in der täglichen Versorgung von Betroffenen immer mehr an Bedeutung.
Ausgehend von einer Prävalenz von 50,1% (Schmitz in Dassen, 2010) stellt sich besonders die Frage nach einer qualifizierten Versorgung. Besonders deutlich zeigte die bundesweite Prävalenzerhebung einen sich ergebenden Unterschied im Vergleich zwischen Betroffenen aus Pflegeheimen und Krankenhäuser (Schmitz in Dassen, 2010).
Saxer et al. (2008a) fanden zudem heraus, dass sich das Risiko einer Harninkontinenz nach einem einjährigen Heimaufenthalt erhöht, dies stellt zwangsläufig eine besondere Herausforderung für Pflegekräfte in Pflege- und Altenheimen dar.
Seit 2009 wurde, in Deutschland, die Versorgung (harn-)inkontinenter Patienten bzw. deren Kontinenzförderung zusätzlich gesetzlich verankert (§§ 113a, 114 SGB XI in Schulin, 2010). Besonders Pflegeheime werden dazu angehalten einen Nachweis bezüglich der geforderten Qualitätsanforderung und der damit verbundenen Einführung des „Nationalen Expertenstandards zur Förderung der Kontinenz“ nach dem DNQP (2007) zu erbringen.
Durch eine immer älter werdenden Gesellschaft und einer damit zusammenhängenden Multimorbidität in der Bevölkerung, kommt man bei näherer Betrachtung vorliegender Faktoren, unter Berücksichtigung aktueller
Rahmenbedingungen im Gesundheitssektor, zur wesentlichen Forderung nach
Seite 5 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
einem aktuellen Praxis- und Theoriewissen deutscher Pflegekräfte. Diese sollten daher besonders geschult sein, um diesen Anforderungen gerecht zu werden.
Die Versorgung inkontinenter Menschen zieht nicht nur ökonomische Aspekte im Sinne von Kosten für Verbrauchsmaterialien mit sich, sondern beinhaltet zudem alle Folgekosten begleitender Morbiditäten sowie zusätzlich entstehender Co-Morbiditäten bzw. Langzeiterkrankungen bei vorliegender Urininkontinenz. Nach Schulenburg et al. (2007) lagen die Gesamtkosten für das Gesundheitssystem im in Deutschland Jahre 2002 bei 223612 Mio. €, davon betrugen die Kosten der Harninkontinenz 396 Mio. € (0,18%). Demnach ergibt sich vonseiten der Kranken-und Pflegeversicherung, eine sich immer stärker orientierende ökonomische Vorgabe, welche sich im Sinne von Rationalität, Effektivität und Effizienz sowie der Qualität pflegerischer Versorgungslandschaften widerspiegelt. Dies verstärkt zusätzlich die Notwendigkeit nach fachspezifischer Professionalität im Pflegesektor.
1.1 Forschungsfragen und Untersuchungsziel
Erst wenn Pflegekräfte evidenzbasiertes Wissen in der Praxis verinnerlicht haben und dieses in erforderlichen Pflegesituationen anwenden können, kann neben den vorausgesetzten empathischen Fähigkeiten und Fertigkeiten, von einem qualitativen Pflegesetting gesprochen werden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob Pflegekräfte die notwendige Qualifikation und Fachkompetenz zur Versorgung von harninkontinenten Bewohnern erbringen können und diese in ihrem Pflegeprozess einbinden können.
Bisweilen steht der deutschen Pflegepraxis, neben internationalen Studien (Saxer et al., 2008b; Vinsnes et al., 2001; Henderson und Kashka, 1999 & 2000; Yuan und Williams et al, 2010; u. a.), der „Nationale Expertenstandard zur Kontinenzförderung“ (DNQP, 2007) als wissenschaftliches Instrument zur Verfügung. Durch die gesetzliche Verankerung des Expertenstandards in der Pflegeversicherung, ergibt sich in der Konsequenz automatisch die Forderung nach Zusatzqualifikationen deutscher Pflegekräfte, um eine adäquate Inkontinenzversorgung und deren Erhebung möglicher bzw. bestehender Risiken zu gewährleisten. Zudem müssen sich professionell Pflegende vermehrt mit der Interpretation wissenschaftlicher Ergebnisse aus der Forschung auseinandersetzen.
Seite 6 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Diese Arbeit beschäftigt sich mit dem Wissen und der Einstellung deutscher Pflegekräfte in Bezug auf Harninkontinenz im Pflegeheim.
Folgende vier Grundfragen sollen im Rahmen dieser Arbeit beantwortet werden: 1. Welches Wissen haben Pflegekräfte bezüglich der Ursachen von Harninkontinenz und deren qualifizierten pflegerischen Versorgung? 2. Gibt es einen Unterschied zwischen dem Wissenstand und der vorliegenden Qualifikation einzelner Pflegekräfte?
3. Zeigen sich bei den Pflegekräften spezifisch gruppierbare Altersstrukturen und/oder geschlechterspezifisch Merkmalstrukturen zum bestehenden Wissen? 4. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem vorhandenen Wissen und der Berufserfahrung einzelner Pflegekräfte?
Daraus ergibt sich die folgende zentrale Fragestellung dieser Studie:
Welches Wissen und welche Einstellung haben Pflegekräfte zu Urininkontinenz (UI) und ihrer pflegerischen Versorgung bezüglich ihrer Qualifikation, Berufserfahrung, ihrem Alter und ihrer geschlechtsspezifischen Merkmalstrukturen?
In den folgenden Kapiteln wird zunächst der theoretische Bezugsrahmen dieser Arbeit niedergelegt. Dieser soll Definitionen der Harninkontinenz, dem „State of the Art“ der Versorgung inkontinenter Patienten sowie den aktuellen Forschungsstand zu Wissen und Einstellung zur UI wiedergeben.
Anschließend werden die Forschungsmethodik und das Instrument sowie Ergebnisse dieser Erhebung präsentiert.
Die Ergebnisse werden im Abschluss diskutiert und eine Relevanz für die Praxis wird in Form von Schlussfolgerungen formuliert.
Seite 7 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
2 Literaturanalyse und theoretischer Bezugsrahmen
In Anlehnung an den Standards der International Continence Society (Abrams et al., 2002) und dem Deutschen Netzwerk für Qualität in der Pflege (DNQP, 2007) soll nachfolgend ein bezugstheoretischer Hintergrund zur Thematik der Harninkontinenz in der Pflege hergestellt werden. Ursachen, Klassifizierungen und ableitbare Pflegeinterventionen werden an dieser Stelle kurz erläutert. Ein Hauptfokus dieses Kapitels ist der Zusammenhang zwischen Harninkontinenz und dem theoretischen Hintergrund zum Wissen, der Einstellung und Haltung von Pflegekräften, in Bezug auf die Literatur. Diese Grundlage bildet die anschließende Ergebnisdiskussion und Schlussfolgerung dieser Arbeit.
2.1 Methodisches Vorgehen bei der Literaturrecherche
Vorliegende Literaturanalyse schließt alle Quellen aus den Jahren 1990-2011 ein. Eingeschlossen wurde englisch- wie deutschsprachige Literatur. Recherchiert wurde diese in Datenbanken Cinahl®, Medline® (pubmed), The Cochrane Library und Google Scholar®.
Zur Recherche wurden folgende Suchbegriffe (in Kombination) eingegeben: Knowledge Urinary incontinence Nurse* Pflege Harninkontinenz Wissen Einstellung Altenpflege Beliefs Attitudes Nursing Nursing Home Pflegeheim
Um Ergebnisse der Literatur nur auf die Berufsgruppe der Pflege zu beschränken, wurden alle Begriffe mit „NOT patient“ kombiniert.
Eine zusätzliche Handrecherche über zitierte Quellen und Fachbücher in öffentlichen Bibliotheken rundete die Recherche ab.
2.2 Harninkontinenz und Kontinenzförderung
Harninkontinenz kann verschiedene Ursachen haben. Wie auch das spezifische Assessment im Eingang des Pflegesetting, spielt der professionelle Umgang mit erworbenen und intuitiven Fachwissen in der Handlungskompetenz, für die Pflegepraxis, eine wichtige Rolle.
Seite 8 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
2.2.1 Der Miktionsablauf
Die Miktion und damit verbundene Blasenentleerung erfolgt bei gesunden Menschen und bei passender Gelegenheit in der Regel alle 4-5 Stunden am Tage und seltener in der Nacht (Newman und Wein, 2009). Der Blasenmuskel ist dabei im entleerten Zustand entspannt, der Schließmuskel angespannt (Abb. 2-1-a). Bei Füllung der Blase bleibt der Blasenmuskel entspannt, der Schließmuskel weiterhin verschlossen (Abb. 2-1-b). Ist die Blase halbvoll, wird das erste Bedürfnis der Entleerung registriert. Die Blasenentleerung wird bewusst zurückgehalten, bis sich eine passende Gelegenheit bietet. Beim Vorgang der Blasenentleerung entspannt sich der Schließmuskel, der Blasenmuskel spannt sich an und der Urin kann abfließen (Abb. 2-1-c).
Abb. 2-1: Speicher- und Entleerungsfunktion der Blase, nach APOGEPHA (2011)
2.2.2 Kontinenz und Harninkontinenz
Unter Kontinenz versteht man die Fähigkeit, die Blase willkürlich, zu einer passenden Zeit und an einem geeigneten Ort zu entleeren (DNQP, 2007). Es gibt unterschiedliche Definitionen und Klassifizierungen der Harninkontinenz. Folgende Definition richtet sich nach der, im Jahr 2002 vom Standardisierungs-Subkomitee der ICS, neu gefassten Version. Demnach ist Harninkontinenz ein Sammelbegriff für ein Symptom, der mit einem unfreiwilligen Harnverlust einhergeht (Abrams et al., 2002). Harninkontinenz beinhaltet also eine Dysfunktion im regulären Miktionsablauf und stellt ein weit verbreitetes pflegerelevantes Problem dar.
Seite 9 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
2.2.3 Formen der Harninkontinenz
Harninkontinenz lässt sich in verschiedene medizinische Formen unterteilen, die sich nach der Speicher- und Entleerungsfunktion differenzieren. Neben diesen steht die funktionelle Harninkontinenz (Hayder et al., 2008).
Nach der Gesundheitsberichterstattung des Bundes (Niederstadt et al., 2007) sind die am häufigsten vorkommenden Formen der Speicher- und Entleerungsfunktion, die Drang- und Stressinkontinenz sowie eine Mischform dieser beiden. Die Funktionelle Inkontinenz ist die Unfähigkeit eines normalerweise kontinenten Menschen, die Toilette rechtzeitig zu erreichen, um einen unwillkürlichen Urinabgang zu vermeiden. Diese liegt vor, wenn die Kognition und/oder die Mobilität eingeschränkt sind, jedoch keine Störung des Urogenitaltrakts vorliegt Von einer Stress- oder Belastungsinkontinenz spricht man wenn ein unfreiwilliger Urinverlust gleichzeitig mit einer körperlicher Belastung einhergehend (z. B. Husten, Niesen) auftritt. Die Dranginkontinenz bezeichnet den unfreiwilligen Urinverlust, mit einen plötzlich auftretendem, nur schwer unterdrückbarem Harndrang. Als Mischinkontinenz wird der unfreiwillige Urinverlust, der sowohl einen Zusammenhang mit dem Harndrang als auch mit der körperlichen Belastung aufweist, definiert (Hayder et al., 2008; DNQP, 2007; Niederstadt et al., 2007).
Weiterhin gibt es die Sonderformen der Extraurethralen Inkontinenz (ständiger Urinverlust über andere Kanäle als die der Harnröhre, wie Blasen-Scheiden-Fistel), der Inkontinenz bei Chronischer Harnretention (Restharnbildung) sowie die Unkategorisierbare Inkontinenz (Symptome oder Befunde können nicht eindeutig zugeordnet werden), (Hayder et al., 2008; DNQP, 2007).
2.2.4 Risiken einer Harninkontinenz
Neben den physiologischen Risikofaktoren besteht nach Boguth und Schenk (2008) ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Erwerb einer Inkontinenz und einem länger als sechs Monaten anhaltenden Heimaufenthalt. Nicht nur, dass die existierenden, eingeschränkten körperlichen und geistigen Fähigkeiten bei Aufnahme, eine Inkontinenzentwicklung fördern, sondern auch der Abbau von Fähigkeiten, der im Laufe der ersten Monate in einem Pflegeheim entsteht, können eine Inkontinenz auslösen.
Seite 10 von 57
Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Die DNQP definiert in ihrem Expertenstandard geschlechtsabhängige undunabhängige Risikofaktoren einer UI (Tab. 2-1).
Weiterhin bestätigen unterschiedliche Studien den Zusammenhang einer UI mit dem Alter, weisen aber auch darauf hin, dass es nicht als normale Begleiterscheinung betrachtet werden kann (Irwin et al., 2006; Klausner et al. 2003). Das Alter stellt demnach ein Risiko einer UI, dennoch hat nicht jeder der „alte Mensch“ eine UI bzw. kann an dieser Stelle, eine UI im Alter nicht als „normal“ definiert werden, vielmehr nimmt die altersbedingte Morbidität der Betroffenen einen direkten Einfluss auf diesem Faktor.
Tab. 2-1: Geschlechtsabhängige und -unanhängige Risikofaktoren nach Nationalem Expertenstandard, DNQP (2007)
2.2.5 Diagnostik und Einschätzung einer Harninkontinenz
Neben der ärztlichen Diagnostik, stehen Pflegekräften verschiedene Möglichkeiten zur Einschätzung einer UI zur Verfügung. Im Rahmen eines systematischen Assessments (initial und differenziert), sollten alle pflegerelevanten Risiken und Symptome, zur weiteren Entscheidung von Pflegeinterventionen, erfragt werden (Hayder et al., 2008). Dabei spielen das Setting und der Gesprächsverlauf während der Pflegeanamnese, aber auch die spätere Anleitung zum
Seite 11 von 57
Arbeit zitieren:
Dipl.-Pflegewirtin (FH) Chloé Renard, 2011, Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Formatvorlage (Microsoft Word) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Ha...
Für MS Word 2003 - Update 2010
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Formatvorlage (OpenOffice) für eine Diplomarbeit, Masterarbeit, Hausar...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 35 Seiten
Formatvorlage / Vorlage zur Erstellung einer Diplomarbeit, Bachelorarb...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 15 Seiten
Formatvorlage / Vorlage für eine Diplomarbeit / Hausarbeit
Für MS Word 2007 - dotx
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 25 Seiten
Anleitung zum Erstellen schriftlicher Arbeiten: Der Aufbau einer wisse...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 20 Seiten
Erstellen einer schriftlichen Hausarbeit
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Hausarbeit, 14 Seiten
Grundtechniken wissenschaftlichen Arbeitens
Bibliografieren - Reden - Schr...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Skript, 46 Seiten
Ratgeber zur Erstellung wissenschaftlicher Arbeiten. Diplomarbeiten - ...
Vorlagen, Muster, Formulare, Infobroschüren
Ausarbeitung, 39 Seiten
Pflegewissenschaften: Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Pflegewissenschaften: neuer Titel erschienen: Harninkontinenz - Wissen und Einstellung deutscher Pflegekräfte im Pflegeheim
Chloé Renard hat einen neuen Text hochgeladen
0 Kommentare