Inhalt
Einleitung
1. Die Entwicklungsgeschichte der Dolmetschwissenschaft 1
1.1 Dolmetschen vor 1919 1
1.2 Vom Wendepunkt bis zur Akademisierung (1919-1970) 2
1.3 Die Akademisierung (1970-1986) 3
1.4 Von der Geburtsstunde der Dolmetschwissenschaft 4
bis heute (1986-2007)
1.5 Dolmetschwissenschaft heute (2007) 7
1.6 Die Bedeutung der Dolmetschwissenschaft heute 8
2. Inhalte der Dolmetschwissenschaft 8
2.1 Interdisziplinäre Einflüsse 9
2.2 Das Grundgerüst der Dolmetschwissenschaft 9
2.3 Leitgedanken in der Dolmetschwissenschaft 10
2.4 Dolmetschmodelle 12
3. Fazit 13
3.1 Probleme und Ausblick 14
Literaturverzeichnis und Quellenangaben 16
Anhang 20
Einleitung
Diese Hausarbeit mit dem Titel „Stationen der Dolmetschwissenschaft“ wurde im Rahmen des Seminars „Dolmetschen und Ethik“ unter der Leitung von Frau Dr. Maren Dingfelder Stone am FASK der Johannes Gutenberg-Universität Mainz verfasst und ist in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil dieser Arbeit erläutert die einzelnen Etappen der Entstehungsgeschichte der Dolmetschwissenschaft. Der zweite Teil soll einen grundlegenden Überblick über den Inhalt der Dolmetschwissenschaft vermitteln.
Die Themen „Geschichte und Entwicklungen des Dolmetschens” und „Kognition, Sprache, Dolmetschmodelle”, die ebenfalls als Themen im oben genannten Dolmetscherseminar vergeben wurden, begrenzen das Thema auf die Akademisierung des Dolmetschens. Es soll also den Fragen nachgegangen werden, wann die Akademisierung der Dolmetschwissenschaft ihren Anfang nahm, seit wann es das eigenständige Fach der Dolmetschwissenschaft überhaupt gibt, warum Dolmetschen zu einer wissenschaftlichen Disziplin wurde, wie und durch wen das Dolmetschen akademisiert wurde und welche Fachgebiete maßgeblich Einfluss auf die Paradigmen, Modelle und die Methodik der Dolmetschwissenschaft hatte bzw. haben. Zudem wird das Referat einen allgemeinen Überblick über Inhalte der Dolmetschwissenschaft geben. Der Schlussteil ist den Problemen und den Zukunftsaussichten der Dolmetschwissenschaft gewidmet und soll die wesentlichen Ergebnisse zusammenfassen. Als Grundlage zu dieser Arbeit diente das Buch Introducing Interpreting Studies von Franz Pöchhacker.
1. Die Entwicklungsgeschichte der Dolmetschwissenschaft
Das Dolmetschen ist eine uralte Praktik, doch erst mit dem Aufkommen des Simultandolmetschens in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts entstand das wissenschaftliche Interesse am Dolmetschen (Pöchhacker, Introducing 28ff.). Zunächst beschäftigten sich Psychologen, wie z.B. Barik und Gerver, mit den kognitiven Prozessen beim Dolmetschen (Pöchhacker, Introducing 34). Später keimte ein reges Interesse auch in anderen Disziplinen, wie Linguistik, Soziologie und der Kulturanthropologie auf (Pöchhacker, Introducing 32 f.). Methodische Ansätze aus diesen Disziplinen verkörperten den Grundstein für das Fundament der Dolmetschwissenschaft, deren Akademisierung zwar schon in den 30er Jahren begann, die sich aber erst nach der Triester Konferenz 1986 etablierte, als die Dolmetschwissenschaft als (Teil-) Gebiet der Übersetzungswissenschaft eingegliedert wurde (Pöchhacker, Introducing 39, 47 ff.). Der erste Teil dieser Arbeit soll die historischen Stationen der Dolmetschwissenschaft aufzeigen.
1.1 Dolmetschen vor 1919
Die Geschichte des Dolmetschens zieht sich durch die Geschichte der Menschheit und beginnt schon sehr früh: bereits 3000 v. Chr. gibt es Zeugnis davon, dass die Prinzen der Insel Elephantin im alten Ägypten den Ehrentitel „Vorsteher der Dragomanen“ verliehen (Hermann 15-22). Auf dem Grabrelief des mefitischen Generals Haremhab aus dem Jahr 1546 v. Chr. ist ein Dolmetscher abgebildet (Delisle und Woodsworth 279). 1900 v. Chr. wurde im Akkadischen die Bezeichnung „Dragomane“ für Dolmetscher gebraucht, die später auch in germanischen, skandinavischen und slawischen Sprachen zu finden ist (Vermeer 59). Dolmetscher kamen von 600 v. Chr. bis 600 n. Chr. sowohl in entfernten Provinzen des Römischen Reichs als auch im Lateran zum Einsatz (Pöchhacker, Introducing 28).
Im 16. Jh. wird sowohl von Doña Marina, die Hernán Cortes durch ihre Dolmetschtätigkeit bei der Eroberung des aztekischen Reiches half, als auch von Gesetzen der spanischen Krone, welche die Dolmetschpraktiken in den spanischen Kolonien regeln sollten, berichtet. Zu dieser Zeit setzten Österreich und Frankreich in Konstantinopel auch „Sprachknaben“ bei diplomatischen Verhandlungsgesprächen mit dem Osmanischen Reich ein (Pöchhacker, Introducing 27 ff.). Im 17. Jh. wird davon berichtet, wie französischsprachige
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Dolmetscher in Kanada mit den dort ansässigen Stämmen Handel trieben und als Mittler fungierten.
Bei allen in den Beispielen genannten Dolmetschern handelte es sich jedoch um so genannte „natürliche Dolmetscher“, d.h. bikulturelle Sprachmittler, die als Fremdenführer, Ratgeber, Händler, Boten, Spione oder Verhandlungsführer eingesetzt wurden, und sich mehr oder weniger zufällig vor Ort befanden. Diese wurden zwar zu diesem Zweck angelernt, doch richtiggehende Dolmetscherschulen gab es nicht (Pöchhacker, Introducing 27 ff.).
1.2 Vom Wendepunkt bis zur Akademisierung (1919- 1970) Der Wandel vom „natürlichen Dolmetschen“ zu einer Professionalisierung des Dolmetschens erfolgte erst um das Jahr 1919, als Paul Mantoux auf der Pariser Friedenskonferenz nach dem 1. Weltkrieg auf den Sitzungen des Rates der Vier dolmetschte (Pöchhacker, Introducing 28 ff.). Nachdem auf der Pariser Friedenskonferenz Dolmetscher zum Einsatz gekommen waren, arbeiteten diese nun auch ab 1919 bei der IAO und ab 1920 beim Völkerbund. Es bildete sich eine Gruppe aus Dolmetschern, die ihre Dolmetschkompetenz durch gemeinsame Übungen perfektionieren wollte. Damit einhergehend kam es zu ersten Unterrichtseinheiten in Notizentechnik für das Konsekutivdolmetschen und zu ersten Forschungsarbeiten zum Thema Dolmetschen und Dolmetscher (Pöchhacker, Introducing 28 ff.).
Da die internationale Politik und der internationale Handel im 20. Jh. immer mehr an Bedeutung gewannen, wurden spezielle Schulen zur Vermittlung von linguistischen und übersetzerischen Fähigkeiten gegründet. So entstand 1930 die erste Universität zur Dolmetscher- und Übersetzerausbildung in Mannheim, die kurz darauf nach Heidelberg verlegt wurde. 1940 erfolgte dann die Gründung von „Dolmetscherschulen“ an den Universitäten in Genf und Wien, die sich in den 60er Jahren zusammen mit der Heidelberger Universität und den Universitäten von Paris und Triest im Rahmen der CIUTI (Internationale Konferenz der Universitätsinstitute für Dolmetscher und Übersetzer) als Berufsfachschulen für Dolmetscher und Übersetzer zusammenschlossen (Pöchhacker, Introducing 31).
Im Zuge der technologischen Weiterentwicklung konnte 1945 bei den Nürnberger Prozessen zum ersten Mal im großen Maßstab auf simultanes Dolmetschen zurückgegriffen werden (IT-1). Nachdem 1945 die Vereinten
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Nationen gegründet worden waren, wurden auch dort Simultandolmetscher eingesetzt (Pöchhacker, Introducing 28ff.). Die Nachfrage nach
professionalisierten Dolmetschern und die Anzahl der Dolmetschabsolventen an den Universitäten wuchs stetig. Dies hatte zur Folge, dass in den 50er Jahren professionelle Organisationen wie FIT (International Federation of Translators) und AIIC (International Association of Conference Interpreters) gegründet wurden (Pöchhacker, Introducing 28 ff.). Anfang der 50er Jahre kam es auch zur Veröffentlichung der ersten Lehrbücher. So erschienen 1952 The Interpreter’s Handbook: How to become a Conference Interpreter von Jean Herbert, 1956 La prise de notes en interprétation consécutive von Jean-François Rozan, 1962 Théorie et Pratique de l‘interprétation von Henri van Hoof und 1968 L‘interprète dans les conférences internationales: problèmes de la langage et de communication von Danica Seleskovitch (Pöchhacker, Introducing 31). Die Autoren dieser Werke sind die Pioniere der Dolmetschwissenschaft und beschäftigten sich hauptsächlich mit der Praxis des Konferenzdolmetschens.
Das akademische Fundament der Dolmetschwissenschaft wurde also in den 50er und 60er Jahren gelegt und besonders durch drei Gruppen früher Dolmetschwissenschaftler, die an verschiedenen Universitäten in Deutschland, Frankreich und der früheren Sowjetunion wirkten, vertreten.
1.3 Die Akademisierung 1970-1986
Die Dolmetschwissenschaft und -theorie, die Daniel Gile IRT (Interpretation Research and Theory) nannte, hat ihre Wurzeln in den 50er Jahren (Gile, „Mirror, Mirror“ 1ff.). In den 60er Jahren kamen einige experimentelle Studien zu den Grundlagen hinzu. Ein größeres Interesse an der Dolmetschwissenschaft entwickelte sich jedoch erst im Laufe der 70er Jahre aus einem interdisziplinären Ansatz, durch den die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten zum Thema IRT anstieg (Gile „Mirror, Mirror“ 1ff.). Das akademische Fundament der Dolmetschwissenschaft wurde an drei Universitäten gelegt: in Leipzig durch Otto Kade, in Moskau durch Ghelly V. Chernov und in Paris durch Danica Seleskovich. Otto Kade war Lehrer für Tschechisch und Russisch und hatte das Dolmetschen autodidaktisch erlernt. Als einer der Ersten im Fach Dolmetschen unterrichtete er ab den späten 50er Jahren an der Universität Leipzig im Fach Dolmetschen (Pöchhacker, Introducing 35;
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Arbeit zitieren:
Astrid Vogel, 2008, Stationen der Dolmetschwissenschaft, München, GRIN Verlag GmbH
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