Computerunterstütztes Lernen ist weit verbreitet. Nahezu zu jedem Thema gibt es
inzwischen Software, die dem interessierten Nutzer das jeweils spezifische
Themengebiet nahe bringen soll. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob es reicht, den
zu lernenden Stoff lediglich in eine elektronische Form zu bringen, oder ob es mehr
braucht, damit ein computerunterstützes Lernprogramm dem Lernenden von Nutzen
ist.
Ich werde mich im Rahmen dieser Arbeit mit drei unterschiedlichen lerntheoretischen
Forschungsrichtungen beschäftigen, die jeweils für sich spezifische Lernprogramme
entwickelt haben.
Um die Unterschiede deutlich zu machen, werde ich erst auf die allgemeinen
Annahmen der Forschungsrichtungen eingehen und im Anschluss daran
verschiedene Software-Entwicklungen der unterschiedlichen Richtungen vorstellen,
die meiner Meinung nach zu den wichtigsten Vertreten der jeweiligen
wissenschaftlichen Richtung gehören.
Da es wie bereits erwähnt nicht nur darum gehen kann, Übungsmaterial in
elektronische Form zu bringen, gehe ich im dritten Kapitel auf didaktische
Gesichtspunkte ein, die ein Computer-Lernprogramm erfüllen sollte, damit der
Lernende sinnvoll damit lernen kann. An den hier dargestellten didaktischen
Gesichtspunkten werde ich mich bei der Beschreibung dreier verschiedener
Lernprogramme im vierten Kapitel orientieren.
Bei diesen drei Lernprogrammen handelt es sich um aktuelle Software. Im speziellen
handelt es sich um ein Mathematik-Lernprogramm für die Klassenstufen fünf bis
zehn, um einen Online-Tutor, der an der Universität Trier zur Vorbereitung der
Studierenden auf die Klausur des Seminars „Psychologie für Pädagogen“ eingesetzt
wird. Als drittes Programm stelle ich die interaktive CD-ROM „Eine kurze Geschichte
der Zeit“ vor, die auf dem gleichnamigen Buch von Stephen Hawking aufbaut und
dieses Buch um einige Elemente erweitert. Diese drei Lernprogramme untersuche
ich anhand der in Kapitel drei erarbeiteten didaktischen Gesichtspunkte und versuche, die Lernprogramme einer der in Kapitel zwei vorgestellten
Forschungsrichtungen zuzuordnen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Drei Forschungsrichtungen und ihre Lernprogramme
2.1 Der Behaviorismus
2.1.1 Programmierte Instruktion
2.1.2 Drillprogramme
2.1.3 Autorensysteme
2.1.4 Exkurs: Die Bedeutung von Feedback
2.1.5 Die Bedingungen menschlichen Lernens – GAGNÉ
2.2 Kognitivismus
2.2.1 Tutorielle Lernprogramme
2.2.2 Parallelen zur Phänomenologie
2.3 Konstruktivismus
2.3.1 Hypertext-Anwendungen
2.3.2 Probleme von Hypertext-Anwendungen
3 Didaktische Gesichtspunkte
4 Vorstellung verschiedener computerbasierter Lernumgebungen
4.1 HEUREKA ALI – Algebra-Lernprogramm von Klett (Version 1.0)
4.1.1 Allgemeiner Aufbau
4.1.2 Was soll vermittelt werden?
4.1.3 Wie wird das zu Lernende vermittelt?
4.1.4 Einordnung
4.2 PSYCHOPAED – Online-Tutor für Pädagogen
4.2.1 Allgemeiner Aufbau
4.2.2 Was soll vermittelt werden?
4.2.3 Wie wird das zu Lernende vermittelt?
4.2.4 Einordnung
4.3 Stephen Hawking – Eine kurze Geschichte der Zeit
4.3.1 Allgemeiner Aufbau
4.3.2 Was soll vermittelt werden?
4.3.3 Wie wird das zu Lernende vermittelt?
4.3.4 Einordnung
5 Schlussbemerkung
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, ob computerunterstützte Lernprogramme mehr leisten können, als den zu erlernenden Stoff lediglich in elektronische Form zu überführen, und beleuchtet die lerntheoretischen Grundlagen sowie didaktische Anforderungen. Das primäre Ziel ist die Analyse und Einordnung von Lernsoftware anhand der Forschungsrichtungen Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus.
- Vergleich von drei zentralen lerntheoretischen Forschungsrichtungen.
- Erarbeitung didaktischer Kriterien für eine effektive Lernsoftwaregestaltung.
- Analyse und Bewertung spezifischer Programme: HEUREKA ALI, PSYCHOPAED und "Eine kurze Geschichte der Zeit".
- Untersuchung der Bedeutung von Interaktivität, Feedback und Wissenskonstruktion.
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Drillprogramme
Die wesentlichen Charakteristika von Drillprogrammen beruhen auf dem Grundgedanken, bereits Gelerntes aus dem Unterricht mit Hilfe des Computers zu wiederholen und zu festigen. Der Schüler wiederholt selbständig ein Themengebiet, das er zuvor mit Unterstützung des Lehrers oder eines Buches erarbeitet und gelernt hat. Drillprogramme können nicht als Wissensvermittler von neuem, unbekanntem Lehrstoff verstanden werden. Sie kontrollieren lediglich den Wissensstand des Lernenden und festigen so sein bisher erworbenes Wissen. Diese Form des Lernens basiert auf dem Prinzip des assoziativen Lernens, wobei durch das ständige Wiederholen eine direkte Verknüpfung zur gewünschten Antwort erfolgt, die sich immer stärker im Gehirn einprägt und schließlich verfestigt.
Die Arbeitsweise von Drillprogrammen folgt den allgemeinen Regeln des Behaviorismus: Der Computer stellt dem Lernenden eine Aufgabe, der Lernende bearbeitet die Aufgabe, der Computer prüft das Ergebnis auf “richtig” oder “falsch” und gibt dem Lernenden entsprechende Rückmeldung, der Computer stellt eine neue Aufgabe. Nachdem ein Wissensgebiet “abgearbeitet” wurde, erstellt der Computer eine statistische Auswertung, die Aufschluss über die Fehlerquoten des Lernenden gibt.
Ein Vorteil dieser Lernprogramme ist, dass sie sich dem individuellen Lerntempo des Schülers anpassen. Der Computer wartet bereitwillig die Antwort des Schülers ab und möchte nicht die Antwort innerhalb eines bestimmten Zeitraums präsentiert haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung skizziert die Fragestellung, ob Software lediglich Übungsmaterial in elektronische Form bringt oder eine wirkliche Lernunterstützung bietet, und legt die Struktur der Untersuchung dar.
2 Drei Forschungsrichtungen und ihre Lernprogramme: Dieses Kapitel erläutert die psychologischen Grundlagen von Behaviorismus, Kognitivismus sowie Konstruktivismus und deren Einfluss auf die Konzeption spezifischer Lernsoftware.
3 Didaktische Gesichtspunkte: Hier werden zentrale Anforderungen an Lernsoftware definiert, wie das Erregen von Motivation und Aufmerksamkeit, die Anknüpfung an Vorkenntnisse sowie die Bedeutung der Programm- und Lernkontrolle.
4 Vorstellung verschiedener computerbasierter Lernumgebungen: Dieses Kapitel analysiert drei praktische Beispiele (HEUREKA ALI, PSYCHOPAED, Eine kurze Geschichte der Zeit) hinsichtlich ihrer didaktischen Konzepte und ihrer theoretischen Einordnung.
5 Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung betont, dass Software den Lehrer nicht ersetzen kann, sondern als komplementäres Werkzeug zur Vertiefung von Wissen dient, wobei Interaktivität und Adaptivität entscheidende Potentiale darstellen.
Schlüsselwörter
Computerunterstütztes Lernen, Lernsoftware, Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus, Didaktik, Interaktivität, Adaptivität, Drillprogramme, Tutorielle Lernprogramme, Hypertext-Anwendungen, Lernerfolg, Wissensvermittlung, Feedback, Selbstgesteuertes Lernen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es grundsätzlich in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht das Feld des computerunterstützten Lernens und analysiert, wie unterschiedliche lerntheoretische Ansätze die Gestaltung von Lernsoftware beeinflussen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themenfelder umfassen die lerntheoretischen Grundlagen (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus), die Definition didaktischer Qualitätskriterien und deren praktische Anwendung in existierender Software.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob computergestützte Lernprogramme mehr leisten können als bloße elektronische Stoffdarbietung und wie sie effektiv in den Lernprozess integriert werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die didaktische Gesichtspunkte erarbeitet und diese zur Bewertung von drei konkreten Fallbeispielen der Lernsoftware heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der drei Forschungsrichtungen, die Ableitung didaktischer Kriterien und die detaillierte Vorstellung sowie Einordnung von HEUREKA ALI, PSYCHOPAED und der CD-ROM von Stephen Hawking.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Computerunterstütztes Lernen, didaktische Gesichtspunkte, Lernsoftware-Einordnung sowie die theoretischen Paradigmen Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus.
Welche spezifische Rolle nimmt der Lehrer laut dem Autor ein?
Der Lehrer ist laut Autor weiterhin unverzichtbar, da er die Schüler motivieren und bei auftretenden Problemen als Sicherheitsinstanz fungieren muss, während Software primär zur Vertiefung dient.
Warum wird PSYCHOPAED als eine Kombination von Systemen eingeordnet?
Das Programm wird als Kombination aus einem Autorensystem (NETCOACH) und einem tutoriellen Programm mit Hypertextstruktur bewertet, da es sowohl adaptive Elemente als auch freie Navigationsmöglichkeiten bietet.
- Quote paper
- Jan Versteegen (Author), 2003, Vergleich lerntheoretischer Forschungsrichtungen und ihrer Lernprogramme, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/18711