Universität Wien
Sommersemester 2007
Abschlussarbeit des Proseminars
,,Qualitative Forschungsmethoden"
Wien, am 26. 06. 2007
Name: Nora Demattio
2
Inhalt
1. Verfassung eines Kommentars ... ....3
1.1
Flick, Uwe 2004: 5 Punkte die mir für die qualitative Forschung besonders
wichtig
erscheinen...3
1.2
Merkens, Hans 2004: ,,Fallauswahl", ,,Sampling" , ,,Fallkonstruktion"
Charakterisierung der drei beschriebenen Ebenen...4
2. Ausarbeitung der Thematik Recherchemethoden (Referat am 29.3.2007) ... .7
3. Durchführung einer Teilnehmenden Beobachtung Erinnerungsprotokoll...7
3.1. Kritische Auseinandersetzung: Was waren meine Probleme und Erkenntnisse...10
3.2. Reflexion zur Teilnehmenden Beobachtung was sollte das nächste Mal besser
gemacht
werden...11
4. Durchführung und Transkription eines Interviews...12
5. Reflexion des Interviews anhand einiger Fragen...19
6. Transkription des vorhergegangenen Interviews auf zwei verschiedene Arten...21
6.1
Transkription eines kurzen Ausschnitts in Literarischer Umschrift unter
Berücksichtigung von parasprachlichen Merkmalen...21
6.2
Transkription in Standardorthographie...21
6.3
Anwendung der Transkription: Einige Fragen dazu...22
6.4
6 Interviewformen eine kurze Auseinandersetzung. Wichtige Punkte um
qualitativ gut vorzugehen...25
6.4.1.
Narrativ-biografisches
Interview...25
6.4.2.
ExpertInneninterview...26
6.4.3.
Leitfadeninterview...27
6.4.4.
Problemzentriertes
Interview...28
6.4.5. Tiefen- oder Intensivinterview...29
6.4.6. Rezeptives Interview...31
7. Reflexion zu der Thematik ,,Das qualitative Arbeiten im Feld" bzw.
,,Ethnographie"...31
8. Kommentar zur Lektüre: Silverman, David. 2001 [1993] Chapter 10: "The
Potential of Qualitative Research Research: Eight Reminders...33
Bibliografie ... 37
Anhang...39
3
1. Verfassung eines Kommentars
1.1
Flick, Uwe 2004: 5 Punkte die mir für die qualitative Forschung besonders
wichtig
erscheinen
a) Die konkrete Fragestellung
Sie ist eine der entscheidenden Faktoren für den Erfolg oder das Scheitern einer qualitativen
Untersuchung. Ein Problem kann es darstellen, wenn sie zu weit gefasst ist. Es ist wichtig, sie
so früh und so eindeutig und klar wie möglich zu formulieren. Dennoch ist es durchaus
möglich die Fragestellung während eines Projekts ein wenig umzuformulieren (in Form von
konkretisieren, fokussieren, weiter eingrenzen oder falls notwendig zu revidieren).
b) Die Zielsetzung (der Studie)
Es gibt unterschiedliche Typen von Zielsetzungen für qualitative Studien: Beschreibung,
Hypothesenprüfung und Theorienbildung. Darüber hinaus ist es auch relevant zwischen
Studien mit primär persönlichen Zielen und Studien mit praktischen Zielen sowie
Forschungsziele zu unterscheiden. Außerdem stell sich noch die Frage, wofür das empirische
material die Grundlage bilden soll (als Grundlage für ein Essay, oder erhält sie eher ein
illustrative Funktion,...)
c) Die methodische(n) Herangehensweise(n)
Welche Methode man/frau wählt ist äußert wichtig, weil man je nach dem unterschiedliche
Vorbereitungen zu treffen hat: sei es nun die Entscheidung für Gruppendiskussionen als
Methode der Datenerhebung, für eine Teilnehmende Beobachtung oder für das Führen von
Interviews. Bei Interviews stellen sich dann z.B. weitere Fragen, wie: einzeln oder zu zweit,
wo, wann, mit wem,...?
Um die theoretische Generalisierbarkeit zu erhöhen ist es oftmals auch erforderlich mehrere
Methoden anzuwenden (Methoden - Triangulation) um ein Phänomen zu untersuchen.
4
d) Die Auswahl ( des empirischen ,,Materials": Situationen, Fälle, Personen,...)
Eine sinnvolle Auswahl zu treffen kann mit unter eine sehr schwierige Entscheidung sein.
Man muss sie treffen in Bezug auf Personen oder Situationen, an denen Daten erhoben
werden hier ist die Vergleichsgruppenbildung von Bedeutung - sowie in Bezug auf das
erhobene Material selbst, an dem dann anschließend weiterführende Interpretationen
durchgeführt werden müssen. Hier ist das Ziel immer auch für die Auswahl ausschlaggebend:
Wenn es z.B. in der Theoriebildung liegt, gilt das Theoretische Sampling als der Königsweg.
e) Eine realistische Zeitkalkulation (für die Durchführung, für Unvorhergesehenes: z.B.:
Ressourcen-> zeitlich, personell, materiell... stehen sie zur Verfügung?)
Nachdem man/frau als Kultur- und Sozialanthropologe die genannten Punkte im Zuge des
Studiums eigentlich beherrschen müsste, komme ich zu dem meiner Meinung nach
schwierigsten Punkt: das realistische Kalkulieren der notwenigen Zeit, um das Projekt
erfolgreich durchführen zu können. Es ist das Um und Auf in der qualitativen Forschung.
Wenn man dies nicht gewissenhaft macht, kann so mancher Forschungsauftrag sich in Luft
auflösen. Besonders oft, als wichtiger Faktor, werden die zur Verfügung stehenden
Ressourcen unterschätzt, oder man plant zu knapp und hat, falls ,,Katastrophen" auftreten
sollten, keinen Spielraum.
1.2
Merkens, Hans 2004: ,,Fallauswahl", ,,Sampling" ,
,,Fallkonstruktion"
Charakterisierung
der
drei beschriebenen Ebenen
Die Auswahlentscheidungen werden auf drei Ebenen gefällt:
a) Fallauswahl
Fallauswahl stellt die erste der Ebenen dar und bezieht sich auf die Erhebung von Daten.
Das erste Problem betrifft das Auswahlverfahren. Da die klassische qualitative Untersuchung
das Besondere zum Thema hat, wurde dem weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Dennoch ist
5
eine zumeist zu Beginn gestellte (konkrete) Fragestellung von großer Bedeutung. Dies
impliziert eine gewisse Vorkonstruktion des Falls.
Das zweite Problem betrifft die Zugänglichkeit (zum Feld, zu den Personen,...). Ist diese nicht
gewährleistet in gewissen Fällen, ist es dennoch von Bedeutung zu erörtert warum dies so
war, ansonsten läuft man Gefahr, das Ergebnis zu verfälschen. Gatekeepers spielen, sofern die
Zugänglichkeit gewährleistet ist eine wichtige Rolle. Um die erreichten Ergebnissen und die
Übertragbarkeit einschätzen zu können, ist es notwendig Informationen zu ihrem/seinen
Personenkreis zu gewinnen (häufig sind mit dem Entgegenkommen Eigeninteressen
verbunden). Weiters wird unterteilt in primäre wenn Personen, Ereignisse, Aktivitäten
bewusst in die Stichprobe aufgenommen werden - und sekundäre Zugänglichkeit wenn
Teilnehmende sich selbst aktivieren müssen. Das Problem mit dem man sich in der
qualitativen Forschung auseinandersetzen muss, betrifft den Anspruch auf Authentizität. Man
darf hierbei nicht übersehen, dass eine Auswahl getroffen werden muss. Ein weiterer Punkt
betrifft die Frage: Treffe ich die Auswahl der Gruppe auf Grund der Zugänglichkeit? Die
kann natürlich die Arbeit erleichtern, dennoch muss man sich bewusst sein, dass die
Untersuchung somit innerhalb der so gesetzten Grenzen.
Das dritte Problem innerhalb der Fallauswahl betrifft die Notwendigkeit Fallgruppen zu
bilden. Dies kann aus zwei Gründen geschehen: 1. Auf Grund von Ergänzung oder
Vervollständigung, oder 2. wenn man eine Replikation anstrebt. Die Auswahl hier erfolgt der
Annahme über die Ähnlichkeit der untersuchten Fälle.
b) Sampling
Sampling stellt die zweite Ebene dar. Es betrifft die Interpretation mittels Auswahl des
Materials und Auswahl im Material.
Das erste Problem betrifft die Fragestellung nach den Stichprobentechniken. Zwei
Vorraussetzungen müssen gegeben sein: 1. eine Vorstellung über den Fall 2. Dokumentation
von nachvollziehbaren Techniken bei der Ziehung von Stichproben. Da häufig eine
Generalisierbarkeit der Ergebnisse angestrebt wird, ist es notwenig, dass die Stichprobe den
Fall inhaltlich repräsentiert. Allgemein sollte auf eine maximale Variation geachtet werden.
Es gibt zwei Vorgehensweisen: das ziehen einer Stichprobe, nachdem bereits bestimmte
Merkmale festgelegt worden sind, oder man bedient sich des theoret. Samplings (das
Erweitern und Ergänzen der Stichprobe auf Basis des jeweiligen Erkenntnisstands). Weiters
ist zu empfehlen, eine Kombination aus Ereignisstichprobe (TB) und Personenstichprobe
6
(Befragung) anzustreben. Auch gibt es Kriterien, die das Ziehen einer Stichprobe leiten
können und ihre Qualität inhaltlich beschreiben (z.B. Schneeballmethode, ,,bottom up" oder
,,top down"). Schließlich spielt die Qualität der Informantin/ des Informanten eine wichtige
Rolle. Die abschließende Frage ,,wann die Stichprobe groß genug sei" erfordert die Antwort:
Sobald sich bei neuen Interviewpartnern keine neuen Informationen mehr ergeben.
Das zweite Problem betrifft die Definition/Kennzeichen des Einzelfalls. Ein Einzelfall kann
sowohl eine Person, eine Gruppe oder auch eine Organisation sein. Hier ist zu begründen,
warum der Fall gewählt worden ist. Allgemein soll das Typische einer Situation, einer
Lebenslage... festgehalten werden. Außerdem muss ein Kriterienraster für die Auswahl der
Ereignisse entwickelt werden. Die Auswahl von Ereignissen geschieht auf Grund eines
Vorwissens, um danach den Fall zu rekonstruieren.
Theoretical Sampling beschreibt den dritten Punkt. Hier erfolgt eine Unterscheidung nach den
Phasen der Inspektion und der Exploration. Bei der Inspektion ist es bereits möglich eine
gewisse Konstruktion zu Beginn vorzunehmen, auf Grund eines Vorwissens. Bei der
Exploration ist der Fall noch nicht bekannt, er wird erst während der Untersuchung
konstruiert. Das Sammeln von Daten spielt im Zuge dessen eine wichtige Rolle.
Beim Theoretical Sampling wird schrittweise entschieden, wer oder was als Nächstes in die
Untersuchung aufgenommen werden muss.
c) Fallkonstruktion
Die Fall Konstruktion stellt die dritte Ebene dar. Entweder werden Fälle gefunden, als
besondere empirische Einheit, oder werden als Objekte angesehen, entdeckt in der Literatur.
Die dritte Variante beschreibt Fälle als Konstruktionen, man erstellt sie auf Basis der Fälle,
die vierte als Konventionen, indem man allgemeine Annahmen konstruiert. Zu allen, bis auf
den zu Beginn genannten Punkt, gibt es allgemeine Regeln: 1. Vorannahmen formulieren 2.
Selektion der Stichwahl primär oder sekundär 3. einschätzen der Rolle des Gatekeepers 4.
Beschreibung der Qualität der Stichprobe
Danach erfolgt eine Beschreibung der Stadien, in denen der Fall jeweils Kontur annahm und
in Verbindung damit der Umgang mit den Methoden des Samplings. Abschließend müssen
die verwendeten Daten beschrieben und gezeigt werden, und ihre Relation zu den
Ergebnissen.
Somit sollte die Nachprüfbarkeit gewährleistet sein, womit auch die Generalisierbarkeit
jedoch nur innerhalb des jeweiligen Kontextes der Ergebnisse gesichert wird.
7
2. Ausarbeitung der Thematik Recherchemethoden (Referat am 29.3.2007)
Mit dieser Thematik habe ich mich sowie drei weiteren Kolleginnen befasst. Unsere
ausgearbeiteten Punkte, die wir als Power-Point Präsentation zusammenstellten, befinden sich
im Anhang (inklusive einer Literaturliste mit Werken die wir dafür verwendeten).
Unser Konzept umfasste folgende Fragestellungen:
Definition des Wortes ,,Recherche"
Was kann alles recherchiert werden?
Welche Schritte des Forschungsprozesses können von Recherchearbeiten betroffen
sein? Was bedeutet ,,Recherchieren" in der wissenschaftlichen Praxis?
Was könnte ,,qualitative Recherche" bedeuten? Kriterien um zu beurteilen, ob jemand
,,qualitativ gut" recherchiert hat?
Was muss beim Recherchieren beachtet werden?
Die Bearbeitung der Fragestellungen ist im Anhang nachzulesen.
3. Durchführung einer Teilnehmenden Beobachtung Erinnerungsprotokoll
Wann: Karfreitag, 6.April 2007, zwischen 19.40 und 21.40
Was: Grillfeier zum Abschluss der Fastenzeit, ungefähr 15 Personen
Wo: bei einem guten Freund in Eisenstadt, Privatgrundstück.
Vorwissen besteht bezüglich des Orts, außerdem kenne ich sowie die meisten anderen einen
Großteil der Menschen, die wir dort antreffen werden
19.40 Ankunft mit einer Freundin (Kerstin). Wir treffen zwei Personen auf den Stufen vor
dem Haus sitzend. Das Mädchen ist die kleine Schwester von Günther, dem Gastgeber, der
Bursch ist der Cousin. Wir begrüßen uns alle gegenseitig mit einem ,,Hallo". Der Bursch
deutet mit seiner rechten hand in Richtung Tür:,,Ihr wissts eh wo ihr hin müssts, einfach nach
8
hinten!" Das Mädchen ist gleich darauf wieder vertieft in ihr Handy, das sie in ihrer rechten
Hand hält. Wir gehen vorbei.
Nachdem wir uns durch das Niederdrücken der Klinke Zutritt ins Haus verschafft haben,
blicken wir uns erst einmal orientierend um. Wir folgen der Weg weisenden Türe rechts. Der
Raum dahinter, die Küche, ist hell erleuchtet. In ihm befinden sich fünf Personen: die Mutter
des Gastgebers, zwei jüngere (Bursch und Mädchen, 20 Jahre alt)Personen und eine ältere
(etwa 30 Jahre alt), alles langjährige Freunde der gesamten Familie, sowie der jüngere Bruder
des Gastgebers und dessen Freundin. Wieder begrüßen wir uns gegenseitig: ein freundliches,
fröhliches Lächeln an alle, Blickkontakt, Hände reichen oder Umarmung und ein
freundschaftlicher Kuss links rechts auf die Wangen.
Aber bereits mit den Worten: ,,Wir schaun amal weiter!", verlassen wir die Küche schon
wieder durch die zweite Türe, und gelangen ins Wohnzimmer. Von dort geht es gleich weiter
in den Wintergarten, in dem sich ein riesiger, dunkelbrauner Holztisch befindet und betreten
schließlich den Vorgarten des Hauses.
Abermaliges Begrüßen wie zuvor. Der Gastgeber, Günther, steht bereits schwitzend vor dem
Steinernen Griller und versucht schön langsam eine gute Glut zu bekommen.
Wir setzen uns an den links davor stehenden Tisch zu ein paar Freunden und unterhalten uns.
Die ersten Getränke alkoholischer Natur werden konsumiert.
Die Gruppe der ,,Computerfreaks" das sind etwa fünf äußerst passionierte Computerspieler,
ausschließlich männlich, die den Großteil ihrer Freizeit...Computer spielen. Klar. Sie stehen
extra in einem Kreis und unterhalten sich.
Jede(r) scheint intuitiv zu wissen, welcher ,,Gruppierung" er/sie angehört. Insgesamt gibt es
drei. Bloß die Freundin eines ,,Computerfreaks" auch der einzige der einen hat - sowie unser
Günther befinden sich etwas abseits, vor dem Griller.
1. Die Gruppe in der Küche: die Mutter, langjährige Freunde der Familie sowie andere
Familienmitglieder (z. B. der Cousin, die Schwester, der jüngere Bruder mit
Freundin).
2. Die ,,Computerfreaks" mit ihren ganz spezifischen Interessen und Themengebieten,
bei dem sich ein Außenstehender/ eine Außenstehende so wie ich schwer tut.
3. Wir: Wir sind alle schon seit Jahren befreundet, kennen uns vorrangig aus der
Schulzeit oder vom Fortgehen.
9
Wir: Beim Anstoßen wird allgemein auf Augenkontakt Wert gelegt. Es herrscht eine
fröhliche, lockere Stimmung. Die meisten haben sich trotz Freundschaft schon länger
nicht mehr gesehen (Aufteilung auf drei Bundesländer: Bgld, Wien und Steiermark). Es wird
erzählt von Neuigkeiten, witzigen Erlebnissen, dem Studium oder dem Beruf usw.
Ein Hund läuft herum und zieht immer wieder die Aufmerksamkeit auf sich. Es ist 20.30
Etwa 30 min danach (ca.21.00 Uhr):
Es ist dunkel und kälter geworden. Die Gruppe aus der Küche befindet sich immer noch dort.
Wir jetzt bestehend aus vier Personen (Kerstin, Anna Ali und ich) haben uns hinein begeben
in den Wintergarten, an den riesigen Holztisch und uns wärmend ins Eck zusammengedrängt.
Das Wohnzimmer scheint als Pufferzone zu fungieren zum inneren, intimeren, privateren
Bereich. Die ,,Computerfreaks" haben um den Tisch draußen, wo wir zuvor waren, Platz
genommen.
Allgemein herrscht jedoch jetzt eine unruhigere Stimmung: man(n) kann endlich grillen.
Nachdem die meisten Burschen ihr mitgebrachtes Fleisch geholt haben, übernimmt jedoch der
Gastgeber wieder die meiste Arbeit. Aber er macht sie gerne. In seinem verschwitzten Gesicht
leuchten seine Augen jedes Mal, wenn er triumphierend ein Stück leicht angebräuntes Fleisch
präsentiert und zum Verzehr frei gibt. Er legt höchsten Wert darauf, dass es maximal Medium
oder sogar noch blutig ist: ,,Man muss das Fleisch noch schmecken!" sagt er immer. (Anm.
meinerseits: Günther verzichtete gänzlich, während der gesamten Fastenzeit auf Fleisch,
welches er jedoch allg. zu seinem Grundnahrungsmittel erklärt hat. Das könnte tw. seine
überdimensionale Euphorie und Leidenschaft erklären.)
Alex, der Freund meiner Freundin Ali, macht das Fleisch für unsere Runde. Er ist sichtlich
stolz und grinst wenn v.a. seine Freundin ihm zu verstehen gibt, dass er gute Arbeit geleistet
hat und vor seinen Augen ein Stück Fleisch genüsslich isst. Auch sie mag das Fleisch gern
medium bis blutig. Nicht so unsere liebe Freundin Anna: Sie lässt das gute Stück
zurückgehen. Alex lässt sich nicht beirren und verspricht, es für sie perfekt zu machen. Dass
er jedoch nicht selbst am Griller gestanden ist, wird etwa 10 min später, nach zweimaliger
Retournierung deutlich, als unser lieber Gastgeber mit hochrotem Kopf durch die Türe stapft.
Wild mit dem Fleisch in der Zange gestikulierend ruft er: ,,So, und wenn noch jemand sein
Fleisch ganz durch haben will, dann fang ich an zu weinen!" Mit diesen Worten lässt er das
dampfende, leicht angeschwärzte Stück auf ihren Pappteller fallen, dreht sich um und geht.
Anna is(s)t endlich glücklich und sägt bedächtig ein kleines Stück ab, um es anschließend
komplett im Ketchup einzutauchen. ,,Siehst du, jetzt isses wieder rot!" ruft sie und lacht. Alex
10
hat inzwischen gegenüber Platz genommen und macht sich gierig aber dennoch ehrfürchtig
über sein noch äußerst saftiges Fleisch her. Er schüttelt seinen Kopf, als er Anna ansieht und
sich brüskiert: ,,Wie kann man so was nur essen?"
Aber sie hört ihn schon lange nicht mehr.
,,Und ihr?", fragend richtet sich Alex` Blick an Kerstin und mich. ,,Wollts ihr nix essen?"
Ich verneine dankend, während ich in Gedanken vermerke: wenn es ums Grillen geht nie
mehr wieder teilnehmende Beobachtung! Besonders gegen Ende war mir bei dieser genauen
und aufmerksamen Beobachtung ein wenig schlecht geworden. Mich erinnerte das ganze
Verhalten irgendwie an ein Ritual, bei dem ich im Nachhinein nicht wusste wo ich mich
befand (Liminalität), oder einen Fetisch.
Und Kerstin? Sie ist Vegetarierin und hat bereits mehr oder weniger erfolgreich begonnen,
ihren Ekel im Alkohol zu ertränken. Ich nehme ihr die Kartoffel, der sie ein Gesicht aufgemalt
und Hubert nennt aus der Hand und reiche ihr stattdessen ihr Glas. Dann stoßen wir an.
3.1
Kritische Auseinandersetzung: Was waren meine Probleme und Erkenntnisse
Probleme:
1. Aufmerksamkeit: wem bzw. was soll ich sie schenken? Was ist DAS WICHTIGE, das
man festhalten muss? Es kommt nach einer Phase der Überforderung im Nachhinein
zu einer automatischen Selektion
2. Vorsicht durch wertende Begriffe (z.B. ,,Computerfreaks"), sollte nicht vorkommen.
Ist in meinen Augen die Benennung der Gruppe
3. Wie greife ich verändernd und steuernd in das Geschehen ein? War für mich schwierig
zu sehen, zu reflektieren. Hab mich ,,so natürlich wie möglich" zu verhalten versucht.
Erkenntnisse:
1. Zu Beginn wusste ich nicht, woraus sich meine Aufmerksamkeit richten sollte.
Kristallisierte sich im Nachhinein, durch das Erinnerungsprotokoll erst heraus. (Gleich
mitzuschreiben muss beinahe ein Ding der Unmöglichkeit sein!)
0 Kommentare